Zum
40jährigen Geburtstag der Serie hat sich die Redaktion ca. 2
Jahre nach dem ersten "One-Shot" wieder einmal an eine Ausgabe eines
Perry Rhodan-Magazins gewagt. Der erste Eindruck ist jedoch auch
diesmal nicht so berauschend. Das Cover ist nett, bunt und poppig,
und die Papierqualität hat sich im Vergleich zum Vorgänger
auch nicht großartig verbessert. Billiges, dünnes Papier,
wie man es normalerweise bei Wegwerf-Illustrierten findet. Jedenfalls
sollte man schon etwas vorsichtiger umblättern, wenn man sich
dem Mittelbereich nähert, sonst läuft man Gefahr, die
Seiten einzeln in der Hand zu halten. Beim letzten Magazin schrieb
Klaus N. Frick noch in einem "Logbuch der Redaktion", daß man
eigentlich ein ganz anderes Papier hätte haben wollen und mit
dem Endergebnis selber nicht glücklich wäre. Diese Ausrede
kann er jetzt jedoch wohl kaum noch ein zweites Mal gebrauchen...
Schlägt man das Magazin dann auf, fällt dem Leser als
erstes ein zweispaltiges Layout auf, in dem massenweise Zeichnungen
in Clip Art-Manier eingebaut sind. Das Ganze wirkt dann recht
verspielt, kommt bunt daher - mit einem Wort: nett. Die beste Idee
sind noch die kleinen Personalausweis-Bildchen mit Hintergrundtext zu
den einzelnen Autoren, die sich am Ende er einzelnen Beiträge
befinden.
Womit wir dann beim eigentlich Interessanten wären: dem
Inhalt.
Nach einem Editorial von Robert Feldhoff widmet sich Klaus N. Frick
auf ganzen zwei Seiten der Geschichte der Perry Rhodan-Serie im
Wandel des Zeitgeistes. Man ahnt es schon, wenn man die
Längenangabe gelesen hat: Es handelt sich um eine Laudatio auf
ein Geburtstagskind, die mehr einem Werbetext als einer sachlichen
Auseinandersetzung ähnelt. Manchmal mutiert dieser Text für
den Kenner der Serie gar fast schon zur lupenreinen Satire aufgrund
der massiven Schönfärberei, die hier betrieben wird, vor
allem, wenn es um die Frühzeit der Serie geht. Dies gipfelt in
der fast schon perfiden Aussage:
"PERRY RHODAN in den frühen Sechzigern, das war eine positive
Vision, eine Utopie, die die Gleichberechtigung aller versprach und
ein Gemeinschaftsgefühl beschwor, von dem viele Menschen
träumten."
Nun gut, was für eine Aussage erwartet man schon vom Redakteur
der Serie innerhalb eines Magazins, das vom Verlag herausgegeben
wird...
Es folgt Robert Feldhoff mit einem etwas ungewöhnlichen
"Story-Artikel" zur PR-Handlung ab Band 2100. Immerhin, damit gelingt
ihm der erste inhaltlich interessante Artikel des Magazins. Der
Expokrat gibt hier ungewöhnlich viele Hinweise auf die folgende
Handlung - doch interessant ist vor allem, was nicht in diesem
Artikel steht. Denn hier läßt sich einiges für die
letzten Hefte des laufenden Zyklus herauslesen, vor allem, was die
Milchstraßen-Handlung anbelangt. Denn SEELENQUELL wird mit
keinem einzigen Wort erwähnt, man kann also davon ausgehen,
daß sich dieses Thema bis Band 2100 erledigt haben wird. Das
halte ich persönlich dann zwar für ziemlichen Unsinn, doch
gehört eine nähere Abhandlung dieses Themas sicherlich
nicht in diese Rezension, die sich schließlich mit dem Magazin
und nicht mit der Serie selber beschäftigt.
Als nächstes folgt ein Interview mit dem leitenden Redakteur von
SSPG, dem brasilianischen Rhodan-Verlag, der kürzlich mit Band
650 einen neuen Anlauf gestartet hat, die Serie in Brasilien wieder
auf den Markt zu bringen. Ein recht netter und informativer Beitrag,
bei dem sich mir jedoch zwei Fragen stellen:
1) Ist das für den deutschen Leser wirklich interessant - oder
ist dies auch eher wieder ein marketingtechnischer Schachzug nach dem
Motto: "Schaut mal, die Brasilianer finden das auch ganz toll"? Denn
über den Status eines Werbetextes kommt dies auch kaum
heraus.
2) Soll ich jetzt lachen oder weinen? Denn am Ende des Interviews
findet sich der Hinweis: "Eine ausführliche Version des
Interviews findet sich auf unserer Website"... Also doch nur ein
Werbetext, für den man sogar bezahlt hat? Es scheint so...
Danach geht's dann in den optischen, sprich: filmischen Bereich der
Serie. Thorsten Dewi nimmt sich der bisherigen Versuche an, die Serie
auf Zelluloid zu bannen. Herausgekommen ist dabei ein lesenswerter
Artikel, der in lockerem Stil die bisherigen Versuche kommentiert
und, wenn nötig, auch kritisch auf die Schippe nimmt. Gegen Ende
des Artikels wird es dann jedoch ungewohnt optimistisch, wenn Dewi in
die Richtung des noch ungelegten Eis der MME-Produktion kommt. Hier
behält der Autor zwar eine recht kritische Distanz, wird aber
deutlich freundlicher. Allerdings kann man dies durchaus verstehen,
immerhin ist hier noch alles offen, und vielleicht wird ja wirklich
etwas Sinnvolles daraus.
Das nachfolgende Interview mit Marcus Rosenmüller von MME jedoch
kann man wieder getrost in die Schublade "Werbetext" ablegen.
Hiernach wird die geplante Verfilmung wohl das genialste Projekt, das
jemals geplant wurde. Schwierigkeiten sind natürlich nicht zu
erwarten, die Fans werden massiv in die Entscheidungen eingebunden.
Die Überschrift des Interviews sagt eigentlich schon alles:
"PERRY RHODAN ist eine tolle Lizenz!" Allerdings gilt auch hier
wieder: Man kann wohl kaum erwarten, daß ein "Macher" sein
eigenes Projekt, zumal noch in der ersten "Andenkphase" steckend,
kritisch betrachten wird. Der hier gezeigte Zweckoptimismus ist
jedoch mehr als suspekt zu nennen. Wenn denn alles so toll und
problemlos laufen würde, hätte man sicherlich schon
wesentlich mehr von der Sache gesehen. Und an einen "waschechten
Perry" auf der Leinwand glaube ich persönlich eigentlich nicht
so richtig... Insgesamt bleibt jedoch nur der Rat aus dem
vorhergehenden Artikel: sich in Geduld üben...
Um nicht zu weit abzuschweifen, kommen wir jetzt zum nächsten
Artikel, in dem Ulrich Bettermann die Homepages von Myra Cakan,
Andreas Eschbach, Andreas Findig und Markus Hammerschmitt vorstellt.
Dies erweist sich dann als eine vergnügliche Tour durch das
Internet, die Spaß macht. Sowas sollte man vielleicht als
regelmäßige Rubrik in der SOL weiterführen, denn
Bettermann versteht es, diese Seiten gut an den Leser zu bringen. Und
wenn gar ein Zitat von der Homepage Markus Hammerschmitts durch das
Lektorat gekommen ist, das da lautet: "Unter ausgesprochenen Science
Fiction-Fans fühle ich mich nicht wohl, weil ihre Interessen
sehr eingeschränkt sind und weil ich zudem den Sektenzirkus um
'Star Trek', 'Perry Rhodan' etc. lächerlich finde", so kommt
hier dann doch ein Anflug von Selbstironie auf, der dem Artikel und
auch dem Magazin nur guttut.
Ein weiterer interessanter Artikel folgt dann aus der Feder von
Rüdiger Vaas, der sich ein wenig mit den aktuellen
astrophysischen Erkenntnissen bezüglich Dunkler Energie und
Dunkler Materie beschäftigt. Nun kennt und schätzt der
Perry Rhodan-Leser Rüdiger Vaas ja bereits aus seinen
zahlreichen Artikeln im PR-Journal, und auch hier bietet der Autor
wieder einen interessanten kurzen Einblick in die Welt der
Wissenschaft. Sowas könnte man ruhig ein bißchen weiter
ausufern lassen. Wobei ich mir persönlich allerdings
wünschen würde, daß sich die Themen solcher Artikel
vielleicht ein wenig näher am Rhodan-Kosmos bewegen
könnten, man sich vielleicht ein bißchen mit den
physikalischen Machbarkeiten eines Rhodan-spezifischen Themas
beschäftigen könnte. Aber das ist wohl Geschmackssache (und
innerhalb der Serie wohl auch eher Rainer Castor vorbehalten
<bg>) - auf jeden Fall: Guter Artikel!
Als nächstes findet sich in dem Magazin dann die Story von
Andreas Eschbach, die im Zweifelsfall eigentlich den Ausschlag gibt,
sich das Magazin zuzulegen - zumindest, solange man sie nicht gelesen
hat. Denn "Ein lausiger Historiker" erweist sich recht schnell als
eine Story, die für Eschbach-Verhältnisse eher der
schwachen Sorte zuzuordnen ist. Ein Bayer irrt in
historisch-wissenschaftlicher Mission durch Terrania City. Abgesehen
davon, daß Uwe Anton in Band 2000 seinen Terrania
City-Reiseführer interessanter gestaltet hat, verrät
Eschbach seinen Schlußgag viel zu früh, so daß der
Leser sich mehr durch die Story hangelt, als daß sie ihn
interessiert. Vieles ist schlicht und ergreifend vorhersehbar - und
damit wird die Story, trotz der sprachlichen Qualitäten, die
Andreas Eschbach ihr unbestritten verliehen hat, für den Leser
eher langweilig. Was bleibt, ist eine eher mittelmäßige
Story - und das Gefühl: "Das hatten wir doch schon mal..."
Danach haben wir es dann mit dem Beitrag im Magazin zu tun, der wohl
den Anreiz für die Nicht-Perry-Fans bieten soll, sich das Heft
zuzulegen: Es geht um die Neuverfilmung des "Planeten der Affen".
Florian Breitsameter greift hier zwar angenehmerweise tief in die
Historien-Kiste und bereitet auf kundige Weise alles auf, was zu
diesem Thema zu finden ist, doch bleibt die zentrale Frage: Was macht
dieser Artikel in einem PR-Magazin? Nichtsdestotrotz bleibt für
diesen Artikel jedoch die Feststellung, daß er sich wesentlich
detaillierter und sachkundiger mit der Geschichte der "Affen"-Filme
auseinandersetzt als all die anderen Artikel zum gleichen Thema, die
in diversen anderen Zeitschriften zu lesen sind/waren. Dies ist
sicherlich ein Blick über den Tellerrand, der sich lohnt.
Zu guter Letzt findet sich in dem Magazin noch eine vierseitige
Buchtip-Ecke von Hannes Riffel und Birgit Will, den Inhabern der
Berliner UFO-Buchhandlung. Wobei Buch"tips" der eindeutig richtige
Ausdruck ist, denn um Rezensionen handelt es sich sicherlich nicht.
Dafür jedoch kann man diesen Tips praktisch durchweg blind
vertrauen. Hier zeigt sich, daß die beiden wirklich Ahnung von
der Sache haben. Selbst der Eindruck der Eigenwerbung kommt nicht
auf, wenn Hannes Riffel als Herausgeber der "social fantasies" beim
Argument Verlag fungiert und zwei Romane dieses Verlags innerhalb
dieser Seiten Erwähnung finden. Immerhin hat Argument ein
Programm, das auf dem deutschen Markt seinesgleichen sucht und in
Sachen Qualität alle renommierten Verlage an die Wand spielt.
Eigentips sind in diesem Falle durchaus gerechtfertigt.
Das Ganze endet dann mit einem Cartoon von Ulrich Magin - kein
Kommentar. ;-)))
Bleibt also noch ein Vergleich mit dem ersten "One-Shot" vom Dezember
1999: Im neuen Magazin ist zumindest mehr Text vorhanden, das Layout
nicht so sehr auf irgendwelche Fotos ausgerichtet, dafür aber
umso verspielter. Dennoch gefällt es besser. Die Qualität
der Beiträge hat auch zugenommen; zumindest, wenn sie nicht von
den Machern der Serie stammen, ist ab und zu auch mal ein kritischer
Moment herauszulesen. Einiges kann man jedoch immer noch in die
Rubrik "Eigenwerbung" einordnen, vor allem, wenn es um die PR-Serie
geht. Die Einbindung einer Story tut der Sache jedenfalls sehr gut,
auch wenn es sich um eine eher mittelmäßige Eschbach-Story
handelt. Der Weg ist jedenfalls der Richtige. Allerdings wäre
ein wenig mehr interessanter Inhalt - oder auch ein wenig mehr Inhalt
allgemein, denn die Lesezeit für dieses Magazin beträgt mit
dem aktuellen Wert von 45 Min. auf meiner Seite nicht gerade einen
Wert, der für besonders viel Inhalt spricht - durchaus noch zu
wünschen.
Fazit:
Im Vergleich zum 1999er "One-Shot" sind deutliche Aufwärtstrends
erkennbar. Trotzdem wirkt dieses PR(=Perry Rhodan)-Magazin, gerade,
wenn es um die Heftserie geht, eher wie ein PR(=Public
Relations)-Magazin für selbige, zumindest wenn die Artikel von
Mitarbeitern der Serie geschrieben sind. Insgesamt bleibt die SOL das
bessere PR(=Perry Rhodan)-Magazin, doch könnte ich mir eine
Mischung aus beiden als Idealform am Kiosk durchaus vorstellen.
8 Punkte.
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Lange ist es her - das letzte PR-Magazin ist schon einige
Jahre alt. |
Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesuchtDa Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy. |