Professor Zamorra

Band 711: "Die Nacht der Wölfe"

Autor: Claudia Kern

Das, was Zamorra und Nicole eigentlich verhindern wollten, ist geschehen: Kuang-shi, der Supervampir, ist erwacht. Doch entgegen aller Wahrscheinlichkeit bläst er nicht sofort zum Großangriff, sondern schickt erstmal seine Tulis-Yon los.
Ein Kontingent untersteht dem ehemaligen Vampir Jorge. Er und seine Leute greifen eine Farm in der Kleinstadt Dusty Heaven an - nur der stumme Miguel, ein illegaler Einwanderer, der der Farmfamilie seit etlichen Jahren zur Hand ging, überlebt das Gemetzel. Eine Tatsache, die Jorge nicht entgeht - und zudem ist es ihm unverständlich, warum er und seine Leute in einen regelrechten Blutrausch geraten sind. Mit der Unauffälligkeit, die Kuang-shi von ihnen gefordert hatte, ist es damit erstmal vorbei. Allerdings ist das kein Problem für Jorge. Den Befehl von Kuang-shi kann man ja großzügig erweitern und damit die ganze Stadt einschließen, die dann einfach dem Erdboden gleichgemacht wird. Das muß allerdings noch in dieser Nacht erfolgen.
Unterdessen ist Miguel natürlich unter Mordverdacht geraten - und Sheriff Brooke ist ganz und gar davon überzeugt, daß er es gewesen ist. Nur der örtliche Sheriff Yellowfeather ist sich da nicht ganz so sicher. Schließlich hat Miguel bei der Vernehmung mit ihm einen Wolfskopf gezeichnet. Und da Zamorra etwas von einer Sekte erwähnt hat, die Wolfsmasken trägt, scheint ihm das eher einzuleuchten.
Währenddessen versucht Fu Long in Colorado herauszufinden, was Kuang-shi plant. Dabei soll ihm eine uralte Prophezeiung helfen, in der der chinesische Name von Zamorra auftaucht und die etwas mit dem Hong Shi, dem roten Stein, zu tun hat. Dieser hat beim letzten Mal, als Zamorra mit den Tulis-Yon aneinandergeraten ist, Zamorra sehr geholfen - schließlich vermag der Stein die Verwandlung in einen Tulis-Yon zu stoppen.
Nachdem Yellowfeather und Zamorra mit einem Tulis-Yon Bekanntschaft gemacht haben - glücklicherweise ist niemand beim Autounfall zu Schaden gekommen - kann Zamorra nichts anderes mehr tun, als den Sheriff einzuweihen.
Zudem greifen gerade jetzt die Tulis-Yon die Stadt an.
Brooke, der die Lage vollkommen falsch einschätzt, ist Zamorra gefolgt. Dieser kann ihn zwar abfangen, doch eine Begegnung mit einem Tulis-Yon bleibt auch dem Sheriff nicht erspart. Zusammen mit Zamorra und Miguel verschanzen sie sich vor dem Angriff der Wolfsköpfigen in den Bergen. Doch sowohl Brooke als auch Zamorra werden von den Tulis-Yon angefallen, und es bleibt ihm nicht anderes übrig, als kurzerhand Miguel an das Steuer des gemeinsamen Autos zu setzen und zuerst den Sheriff und dann sich selbst mit dem Hong Shi zu heilen.
Unterdessen stecken Nicole und Yellowfeather in Dusty Heaven in Schwierigkeiten. Zwar haben sie die restlichen Bewohner in die Kirche verfrachtet und können sich auch noch halbwegs der Tulis-Yon erwehren, aber allmählich wird die Lage kritisch. Glücklicherweise befindet sich ein Benzinkanister in der Kirche, den Nicole zur Explosion bringen kann. Kurze Zeit später geht die Sonne auf. Zamorra, Brooke und Miguel kommen unversehrt in Dusty Heaven an; die Tulis-Yon werden von der Sonne getötet. Und Fu Long hat herausgefunden, daß Zamorra den Hong Shi nicht mehr benutzen darf. Doch das hat Zamorra ja längst.

Allmählich wird die Handlung um den Supervampir Kuang-shi wirklich außerordentlich interessant. Wir erinnern uns - er und Zamorra sind sich ja schon mal irgendwann begegnet - in der fernen Vergangenheit, an die sich Zamorra aber nicht erinnert. Zudem gibt es da noch den Dialog zwischen Agkar und seinem Herrn, in dem Kuang-shi etwas von einem Köder sagt, mit dem man einen größeren Fisch fängt. Da kommen noch interessante Zeiten auf uns zu - vor allem, weil Zamorra jetzt den Hong Shi benutzt hat, was er nicht tun sollte. Und eigentlich dürften nur Vampire in der Lage sein, den Stein zu benutzen. Das wird wirklich spannend.
Claudia versteht es mal wieder, ihre Nebenfiguren sehr menschlich zu zeichnen und nebenbei auch noch ab und an einen Schuß Ironie in die Handlung einfließen zu lassen - zwar sind diese Stellen nicht gerade häufig, aber man kann sie durchaus finden. Und sich köstlich amüsieren, wenn sich die Erdnüsse in Hanks Bar schon jenseits aller Haltbarkeitsdaten befinden und Yellowfeather diese sehr häufig mit Genuß verzehrt hat. ;-) Ansonsten sind die Action-Szenen stimmig, der Plot des Romans ist sehr spannend. Und der Roman ist gut zu lesen - was will man also mehr?

Fazit:
Gelungener Roman, der den roten Faden um Kuang-shi weiterspinnt, mit netten Nebenfiguren aufwartet und gut zu lesen ist.
12 Punkte

Christian Spließ

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