Der
Hinweis, der sich in Aerons Schiff verbarg, führt Torn in die
Zeit der Mondlandung. Relativ einfach kann Torn den ersten
Schlüssel bergen - und als er zu den Lu'cen züruckkehrt,
stellen diese überrascht fest, daß sich die Koordinaten,
die auf dem ersten Schlüssel stehen und zum zweiten
Schlüssel führen sollen, fortlaufend verändern. Torn
bleibt nichts anderes übrig, als den jetzt aktuellen Koordinaten
zu folgen, und er landet in Berlin, zu Zeiten des dritten
Reiches.
In dieser Zeit verrichtet Gestapo-Hauptmann Tassel sein blutiges
Werk. Seine sadistischen Neigungen läßt er an seinen
Gefangenen aus. Kurz nach einer Folterung erhält er Besuch von
einem vorgeblichem Offizier aus dem Hauptquartier. Dieser bietet ihm
Macht an, unendliche Macht. Nach kurzem Zögern nimmt Tassel das
Angebot an - und niemand anders als Mathrigo verwandelt Tassel
daraufhin in einen Dämon: Torcator der Folterer ist geboren.
Für Nroth Gar sieht die Lage nicht besonders rosig aus.
Schließlich ist es ihm nicht gelungen, den ersten
Schlüssel zu bekommen. Deshalb setzt ihm jetzt Mathrigo Torcator
vor die Nase - Nroth Gar paßt das zwar nicht so ganz, aber es
bliebt ihm nichts anderes übrig, als sich seinem neuen
Vorgesetzten unterzuordnen. Und Torcator hat schon einen Plan, wie er
Torn in seine Fänge bekommt.
Torn hat sich mittlerweile in Berlin umgesehen und gerät an
Professor Braun, der vor kurzem bei einer Expedition ein
geheimnisvolles Kästchen gefunden hat, das sich nicht
öffnen läßt. Torn weiß: Dies muß der
zweite Schlüssel sein. Anfänglich ist Braun skeptisch, doch
da er heimlich gegen die Nazis opponiert, vertraut er Torn - und
insgeheim bereitet er für den Fall der Fälle einen
Notfallplan vor.
Mittlerweile erfährt Torn von den Lu'cen, daß jemand die
Menschen verfolgt und quält, denen er bisher beigestanden hat.
Abt Rudolf, der sein Kloster nicht vor dem Crush'tar retten konnte,
ist momentan Torcators aktuellster Gefangener. Torns Mitgefühl
ist stärker als die Logik - er leapt zu Abt Rudolf und
geradewegs in die Falle, die Torcator und Nroth Gar vorbereitet
haben. Schlußendlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als
sich zu ergeben und den Grah'tak den Aufenthaltsort des
Schlüssels zu verraten - wobei Torcator ungeniert die Zeit zu
seinen Gunsten nutzt und sein vormaliges menschliches Ich zu Hilfe
holt.
Niedergeschlagen trifft sich Torn mit Professor Braun und
erfährt von ihm, daß er zwar das Kästchen
ausgeliefert hat, aber der Schlüssel befindet sich längst
wieder dort, wo ihn Braun gefunden hat: in Afrika, in einem uralten
Tempel.
Das fundamentale Zeitkonzept dieser Serie ist mir auch mit Band 14
immer noch nicht klar. Auch, wenn es hier mal wieder jede Menge
Lu'cen-Aussagen gibt, die das Konzept zu erklären versuchen.
Scheinbar bin ich in dieser Hinsicht nicht einer der Klügsten
oder das Konzept ist einfach nicht vorhanden. Ich tendiere zur
letzteren Möglichkeit.
Wohltuend hebt sich dieser Band auf jeden Fall von seinem
Vorgänger ab. Die Handlung ist spannend und schlüssig
erzählt, und die Szenen fügen sich gut aneinander.
Schön ist auch der Rückbezug auf die vorherigen Bände
der Serie - Professor Braun wird ja mal dereinst ein gewisses Teil
finden, das Mathrigo im ersten Band der Serie einsetzt ;-) - und auch
Abt Rudolf und Mubes Frau sind alte Bekannte. Dabei ist der Plan von
Torcator simpel, aber doch logisch. Vermutlich kann nur der, der
einst selbst ein Mensch gewesen ist, die Seele eines Menschen
verstehen - und Torcator - dessen Name mich zugegebenermaßen
eher an ein Pokemon als an einen Dämon erinnert, aber bygones...
- packt Torn bei seiner empfindlichsten Stelle: seinem
Mitgefühl.
Um nochmals auf die Zeitproblematik zu kommen: Torcator bedient sich
einfach Tassels, um Torn in die Finger zu kriegen. Das ist eigentlich
ein Zeitparadoxon, wie es im Buche steht, und eigentlich
müßten die Lu'cen ja darauf aufmerksam gemacht worden
sein. Steinchen im Fluß, wir erinnern uns, die Grah'tak wollen
den Fluß der Zeit aufstauen. Offensichtlich scheint dies aber
nicht der Fall gewesen zu sein, Torn hätte ja dann bereits
früher eingegriffen - und es hätte Abt Rudolfs eigentlich
gar nicht gebraucht, wenn Torn früher oder später da
sowieso aufgetaucht wäre. Kann man mir folgen? Zeitreisen sind
halt problematisch, auch wenn Torn ja angeblich keine macht und nur
irgendwelche Räume betritt.
Desweiteren: Torn taucht kurz nach der Mondlandung auf dem Mond auf.
Ist das jetzt eine für ihn gesperrte Zeitzone? Torn kann ja
nicht zweimal in dieselbe Zeit, weil er sich möglicherweise
selbst begegnen könnte - hoppla, Gefahr eines Paradoxons. Hmmm.
Komisch, den Grah'tak ist das anscheinend möglich. Oder halten
die sich einfach nicht an die Regeln der Lu'cen? Wie gesagt, das
Zeitkonzept dieser Serie ist sehr, sehr seltsam, very strange.
Und zudem - mich hat diese dauernde Wiederholerei geärgert.
Bestimmt dreimal erklärt Parrish, warum das Dämonichron so
wichtig ist, was es mit Nroth Gar auf sich hat, blah und blubb.
Derjenige, der den ersten Roman gelesen hat, wird das wissen; und wer
das nicht getan hat, dürfte auch mit einer Wiederholung
genügend informiert worden sein. Ich verweise da auf PZ, wo das
sehr elegant gelöst ist - und bei aller Komplexität reicht
Robert Lamont in der Regel auch eine kurze Wiederholung der bisher
bekannten Tatsachen. Nun ja - mal sehen, ich hoffe, das ändert
sich noch.
Fazit:
Gegenüber dem ersten Zyklus-Roman eine deutliche Verbesserung,
aber so ganz reicht es nicht für eine zweistellige Note - die
Fragen, die das Zeitkonzept aufwirft, kann man schlecht dem Roman
anlasten, eher dem Autor.
9 Punkte