Band 14: "Torcator der Folterer"

Autor: Michael J. Parrish

Der Hinweis, der sich in Aerons Schiff verbarg, führt Torn in die Zeit der Mondlandung. Relativ einfach kann Torn den ersten Schlüssel bergen - und als er zu den Lu'cen züruckkehrt, stellen diese überrascht fest, daß sich die Koordinaten, die auf dem ersten Schlüssel stehen und zum zweiten Schlüssel führen sollen, fortlaufend verändern. Torn bleibt nichts anderes übrig, als den jetzt aktuellen Koordinaten zu folgen, und er landet in Berlin, zu Zeiten des dritten Reiches.
In dieser Zeit verrichtet Gestapo-Hauptmann Tassel sein blutiges Werk. Seine sadistischen Neigungen läßt er an seinen Gefangenen aus. Kurz nach einer Folterung erhält er Besuch von einem vorgeblichem Offizier aus dem Hauptquartier. Dieser bietet ihm Macht an, unendliche Macht. Nach kurzem Zögern nimmt Tassel das Angebot an - und niemand anders als Mathrigo verwandelt Tassel daraufhin in einen Dämon: Torcator der Folterer ist geboren. Für Nroth Gar sieht die Lage nicht besonders rosig aus. Schließlich ist es ihm nicht gelungen, den ersten Schlüssel zu bekommen. Deshalb setzt ihm jetzt Mathrigo Torcator vor die Nase - Nroth Gar paßt das zwar nicht so ganz, aber es bliebt ihm nichts anderes übrig, als sich seinem neuen Vorgesetzten unterzuordnen. Und Torcator hat schon einen Plan, wie er Torn in seine Fänge bekommt.
Torn hat sich mittlerweile in Berlin umgesehen und gerät an Professor Braun, der vor kurzem bei einer Expedition ein geheimnisvolles Kästchen gefunden hat, das sich nicht öffnen läßt. Torn weiß: Dies muß der zweite Schlüssel sein. Anfänglich ist Braun skeptisch, doch da er heimlich gegen die Nazis opponiert, vertraut er Torn - und insgeheim bereitet er für den Fall der Fälle einen Notfallplan vor.
Mittlerweile erfährt Torn von den Lu'cen, daß jemand die Menschen verfolgt und quält, denen er bisher beigestanden hat. Abt Rudolf, der sein Kloster nicht vor dem Crush'tar retten konnte, ist momentan Torcators aktuellster Gefangener. Torns Mitgefühl ist stärker als die Logik - er leapt zu Abt Rudolf und geradewegs in die Falle, die Torcator und Nroth Gar vorbereitet haben. Schlußendlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zu ergeben und den Grah'tak den Aufenthaltsort des Schlüssels zu verraten - wobei Torcator ungeniert die Zeit zu seinen Gunsten nutzt und sein vormaliges menschliches Ich zu Hilfe holt.
Niedergeschlagen trifft sich Torn mit Professor Braun und erfährt von ihm, daß er zwar das Kästchen ausgeliefert hat, aber der Schlüssel befindet sich längst wieder dort, wo ihn Braun gefunden hat: in Afrika, in einem uralten Tempel.

Das fundamentale Zeitkonzept dieser Serie ist mir auch mit Band 14 immer noch nicht klar. Auch, wenn es hier mal wieder jede Menge Lu'cen-Aussagen gibt, die das Konzept zu erklären versuchen. Scheinbar bin ich in dieser Hinsicht nicht einer der Klügsten oder das Konzept ist einfach nicht vorhanden. Ich tendiere zur letzteren Möglichkeit.
Wohltuend hebt sich dieser Band auf jeden Fall von seinem Vorgänger ab. Die Handlung ist spannend und schlüssig erzählt, und die Szenen fügen sich gut aneinander. Schön ist auch der Rückbezug auf die vorherigen Bände der Serie - Professor Braun wird ja mal dereinst ein gewisses Teil finden, das Mathrigo im ersten Band der Serie einsetzt ;-) - und auch Abt Rudolf und Mubes Frau sind alte Bekannte. Dabei ist der Plan von Torcator simpel, aber doch logisch. Vermutlich kann nur der, der einst selbst ein Mensch gewesen ist, die Seele eines Menschen verstehen - und Torcator - dessen Name mich zugegebenermaßen eher an ein Pokemon als an einen Dämon erinnert, aber bygones... - packt Torn bei seiner empfindlichsten Stelle: seinem Mitgefühl.
Um nochmals auf die Zeitproblematik zu kommen: Torcator bedient sich einfach Tassels, um Torn in die Finger zu kriegen. Das ist eigentlich ein Zeitparadoxon, wie es im Buche steht, und eigentlich müßten die Lu'cen ja darauf aufmerksam gemacht worden sein. Steinchen im Fluß, wir erinnern uns, die Grah'tak wollen den Fluß der Zeit aufstauen. Offensichtlich scheint dies aber nicht der Fall gewesen zu sein, Torn hätte ja dann bereits früher eingegriffen - und es hätte Abt Rudolfs eigentlich gar nicht gebraucht, wenn Torn früher oder später da sowieso aufgetaucht wäre. Kann man mir folgen? Zeitreisen sind halt problematisch, auch wenn Torn ja angeblich keine macht und nur irgendwelche Räume betritt.
Desweiteren: Torn taucht kurz nach der Mondlandung auf dem Mond auf. Ist das jetzt eine für ihn gesperrte Zeitzone? Torn kann ja nicht zweimal in dieselbe Zeit, weil er sich möglicherweise selbst begegnen könnte - hoppla, Gefahr eines Paradoxons. Hmmm. Komisch, den Grah'tak ist das anscheinend möglich. Oder halten die sich einfach nicht an die Regeln der Lu'cen? Wie gesagt, das Zeitkonzept dieser Serie ist sehr, sehr seltsam, very strange.
Und zudem - mich hat diese dauernde Wiederholerei geärgert. Bestimmt dreimal erklärt Parrish, warum das Dämonichron so wichtig ist, was es mit Nroth Gar auf sich hat, blah und blubb. Derjenige, der den ersten Roman gelesen hat, wird das wissen; und wer das nicht getan hat, dürfte auch mit einer Wiederholung genügend informiert worden sein. Ich verweise da auf PZ, wo das sehr elegant gelöst ist - und bei aller Komplexität reicht Robert Lamont in der Regel auch eine kurze Wiederholung der bisher bekannten Tatsachen. Nun ja - mal sehen, ich hoffe, das ändert sich noch.

Fazit:
Gegenüber dem ersten Zyklus-Roman eine deutliche Verbesserung, aber so ganz reicht es nicht für eine zweistellige Note - die Fragen, die das Zeitkonzept aufwirft, kann man schlecht dem Roman anlasten, eher dem Autor.
9 Punkte

Christian Spließ

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