Unsere
Alltagswelt ist eigentlich nur eine Illusion - erschaffen von den
Adepten der Wahrheit, die in einer Welt voll Magie wirken und sich
langweilen. Die Entwicklung unserer Märchenerde wird den Kindern
der echten Welt in Form von Märchen erzählt - daher auch
der Name.
Eines Tages nun tritt Weißhaar aus einer Ecke hervor und
offenbart sich der Erzählerin als Zuhörer. Doch nur die
Kinder dürfen die Märchen hören - und Weißhaar
ist mit seinen fünfzehn Jahrhunderten schon zu alt dafür.
Die Erzählerin wird derart wütend, daß sie einen
Vernichtungsstrahl gegen Weißhaar schickt, der jedoch nur sein
Abbild erreicht und schließlich die ganze Stadt vernichtet.
Verwirrt macht sich Weißhaar in die richtige Welt auf und
stößt dabei auf einen Alten, der die Gabe hat, ein Monster
zu erschaffen - und der sich von menschlichen Körpern
ernährt. Zuerst kann Weißhaar den Alten nicht ausstehen,
aber im Lauf der Zeit wird ihm klar, daß er in der Welt nicht
überlebensfähig ist und einen Führer braucht. So
machen sich die beiden auf den Weg, um das Geheimnis zu
ergründen, das Weißhaar zu umgeben scheint...
Mit dem Zauberwald ist eine neue Reihe im Bereich der
semiprofessionellen Fanzines auf den Markt gekommen. Laut dem
Herausgeber Thomas König erscheint die Reihe alle vier Monate
und soll sich nur auf das Genre der Fantasy konzentrieren. Und in
regelmäßigen Abständen soll zudem eine Anthologie
erscheinen. Die erste ist für den dritten Band angekündigt.
Äußerlich hält sich der Herausgeber an die
Konventionen des Heftromans.
Zugegeben, von Wilfried Antonius Hary hat der Rezensent bisher nicht
viel gelesen - sieht man mal von einigen Probetexten in der
CD-Info-CDROM ab, die regelmäßig einen Auszug aus dem
Bereich des Diskomans bringt. Und das wenige, das ich bisher gelesen
habe, hat die Erwartungshaltung gegenüber diesem Roman doch
erheblich gesenkt.
Umso schöner ist es, wenn diese Erwartungen übertroffen
werden. Zugegeben, ab und an wirkt die Handlung stark episodisch,
aber im Großen und Ganzen fügt sich die Suche
Weißhaars nach dem Geheimnis zu einem sehr märchenhaften
Fantasy-Roman zusammen. Auch, wenn die Charaktere nicht allzu tief
charakterisiert sind, zieht dieser Roman den Leser in eine Welt, in
der Magie und Zauber noch lebendig sind.
Was man an der äußeren Gestalt noch verbessern
könnte, sind die Absatzeinrückungen, die den Anfang einer
neuen Zeile fast in die Mitte des Textblocks legen. Daran muß
man sich erst mal gewöhnen, und der Herausgeber hat schon
Besserung gelobt. Ansonsten haben wir sehr festes Papier, und der
Umschlag besteht aus solider Pappe. Also durchaus etwas, für das
sich der Preis von 5 Euro lohnt. Die kleine Schriftgröße
resultiert aus der Tatsache, daß der Roman 20%
Überlänge hatte, und Thomas König wollte den Roman
nicht splitten. Eine löbliche Entscheidung.
Fazit:
Wer eher märchenhafte Fantasy mag, sollte einen Blick in den
Roman werfen. Und auch wer bisher nicht viel von Harys Stil gehalten
hat, sollte ebenfalls mal in den Text reinlesen. Er wird positiv
überrascht sein.
An der äußeren Gestaltung wird noch gefeilt, und
Innenillus, um die sich der Text rankt, sollten im nächsten Band
nicht mehr vorkommen. Ansonsten ein schöner Roman.
13 Punkte