Zauberwald I

Wilfried A. Hary nach einer Idee von Marten Munsonius:

"Märchenerde"

62 S., 9,78 DM oder 5 EUR
Erhältlich bei Thomas König, Greizer Straße 14, 12689 Berlin
Homepage: http://zauberwald.xww.de

Unsere Alltagswelt ist eigentlich nur eine Illusion - erschaffen von den Adepten der Wahrheit, die in einer Welt voll Magie wirken und sich langweilen. Die Entwicklung unserer Märchenerde wird den Kindern der echten Welt in Form von Märchen erzählt - daher auch der Name.
Eines Tages nun tritt Weißhaar aus einer Ecke hervor und offenbart sich der Erzählerin als Zuhörer. Doch nur die Kinder dürfen die Märchen hören - und Weißhaar ist mit seinen fünfzehn Jahrhunderten schon zu alt dafür. Die Erzählerin wird derart wütend, daß sie einen Vernichtungsstrahl gegen Weißhaar schickt, der jedoch nur sein Abbild erreicht und schließlich die ganze Stadt vernichtet. Verwirrt macht sich Weißhaar in die richtige Welt auf und stößt dabei auf einen Alten, der die Gabe hat, ein Monster zu erschaffen - und der sich von menschlichen Körpern ernährt. Zuerst kann Weißhaar den Alten nicht ausstehen, aber im Lauf der Zeit wird ihm klar, daß er in der Welt nicht überlebensfähig ist und einen Führer braucht. So machen sich die beiden auf den Weg, um das Geheimnis zu ergründen, das Weißhaar zu umgeben scheint...

Mit dem Zauberwald ist eine neue Reihe im Bereich der semiprofessionellen Fanzines auf den Markt gekommen. Laut dem Herausgeber Thomas König erscheint die Reihe alle vier Monate und soll sich nur auf das Genre der Fantasy konzentrieren. Und in regelmäßigen Abständen soll zudem eine Anthologie erscheinen. Die erste ist für den dritten Band angekündigt. Äußerlich hält sich der Herausgeber an die Konventionen des Heftromans.
Zugegeben, von Wilfried Antonius Hary hat der Rezensent bisher nicht viel gelesen - sieht man mal von einigen Probetexten in der CD-Info-CDROM ab, die regelmäßig einen Auszug aus dem Bereich des Diskomans bringt. Und das wenige, das ich bisher gelesen habe, hat die Erwartungshaltung gegenüber diesem Roman doch erheblich gesenkt.
Umso schöner ist es, wenn diese Erwartungen übertroffen werden. Zugegeben, ab und an wirkt die Handlung stark episodisch, aber im Großen und Ganzen fügt sich die Suche Weißhaars nach dem Geheimnis zu einem sehr märchenhaften Fantasy-Roman zusammen. Auch, wenn die Charaktere nicht allzu tief charakterisiert sind, zieht dieser Roman den Leser in eine Welt, in der Magie und Zauber noch lebendig sind.
Was man an der äußeren Gestalt noch verbessern könnte, sind die Absatzeinrückungen, die den Anfang einer neuen Zeile fast in die Mitte des Textblocks legen. Daran muß man sich erst mal gewöhnen, und der Herausgeber hat schon Besserung gelobt. Ansonsten haben wir sehr festes Papier, und der Umschlag besteht aus solider Pappe. Also durchaus etwas, für das sich der Preis von 5 Euro lohnt. Die kleine Schriftgröße resultiert aus der Tatsache, daß der Roman 20% Überlänge hatte, und Thomas König wollte den Roman nicht splitten. Eine löbliche Entscheidung.

Fazit:
Wer eher märchenhafte Fantasy mag, sollte einen Blick in den Roman werfen. Und auch wer bisher nicht viel von Harys Stil gehalten hat, sollte ebenfalls mal in den Text reinlesen. Er wird positiv überrascht sein.
An der äußeren Gestaltung wird noch gefeilt, und Innenillus, um die sich der Text rankt, sollten im nächsten Band nicht mehr vorkommen. Ansonsten ein schöner Roman.
13 Punkte

Christian Spließ

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