Einen
Inhaltsanriß spare ich mir diesmal, findet sich dieser doch
bereits in dieser und der letzten Ausgabe des Flash in den Rezensionen
zur amerikanischen Originalausgabe.
Der Haupt-Unterschied zu dieser Originalausgabe besteht zum einen in
der Sprache (was bei Übersetzungen nicht weiter verwunderlich
sein sollte... <bg>), zum anderen jedoch darin, daß die
deutsche Ausgabe jeweils nur einen halben Originalroman enthält.
Gut - auch Kleinverlage müssen wirtschaftlich arbeiten, um
überleben zu können, dennoch überlege ich mir
ernsthaft, auf die Originalfassung umzusteigen, schließlich
gilt das mit dem wirtschaftlich arbeiten nicht nur für die
erwähnten Kleinverlage...
Einen weiteren Nachteil bringt das Halbieren der Romane jedoch auch
noch mit sich, der nicht zu vernachlässigen ist: Am Ende des
Textes hängt der Leser in der Luft, die Geschichte wirkt nicht
rund, die Handlung hört mittendrin auf. Nun kennt der deutsche
Leser solches ja schon von der Heftroman-Front, doch gibt es hierzu
auch deutliche Unterschiede: Wenn Heftromane mit dem nächsten
Heft fortgesetzt werden, endet das Heft mit einem Cliffhanger, mit
irgendeiner Überraschung oder sonstwas. Die Handlung des Heftes
beinhaltet jedenfalls immer einen kompletten Spannungsbogen. Bei
"Ashes" ist dies leider nicht so - statt dessen hört die
Geschichte einfach auf, mittendrin, ohne Vorwarnung. Der Leser hat
zwar den Eindruck, daß der Herausgeber versucht hat, einen
halbwegs akzeptablen Punkt der Handlung zu finden, an der er sie im
ersten Buch beenden kann, und es ist ihm auch gelungen, einen weniger
schmerzhaften Punkt zu finden, doch ändert dies nichts an der
Tatsache, daß dieser Punkt immer noch "schmerzhaft" ist. Aber
dies ist ein Grundproblem, an dem der Leser bei jedem halbierten,
gedrittelten oder gevierteilten Roman zu knabbern hat.
Aber genug hierzu - kommen wir zum Wesentlichen: dem Inhalt des
Romans. Von der Übersetzung her ist er jedenfalls recht gut
gelungen. Kein Highlight zwar, aber ich habe auch schon wesentlich
schlechtere Übersetzungen gelesen. Aussetzer wie
"Evakuationspläne" (S. 72) oder das mehrfach vorkommende "Mr.
Präsident" (Ja, was denn nun: Deutsch oder Englisch? Eine
Mischform ist sehr unschön, vor allem wenn man jegliche
militärische Ränge in ihrer Originalbezeichnung
läßt...) tauchen immerhin nur vereinzelt auf. Insgesamt
ist die Übersetzung jedenfalls recht gut.
Kommen wir zur eigentlichen Story: William W. Johnstones "Ashes" ist
eine Post-Doomsday-Saga; in diesem ersten Band erleben wir den
Dritten Weltkrieg und die Fast-Ausrottung der Menschheit. Es bleiben
nur wenige Überlebende, und diese sind zumeist recht
kriegerisch. So verwundert es kaum, daß Ben Raines, nachdem er
den Holocaust verschlafen hat, sich zuerst einmal ein ansehnliches
Waffenarsenal zulegt.
Durch den ganzen Roman zieht sich eine ziemliche
Gewalttätigkeit. "Ein Amerikaner muß eine Waffe haben, um
seine Freiheit verteidigen zu können - und er wird sie
anwenden", dies könnte man zum Leitsatz des Romans erheben. Der
Leser merkt schnell, daß Johnstone dem stark konservativen
Lager zuzuordnen ist - oder zumindest sein Roman. Konservativ sollte
man hier jedoch im amerikanischen Sinne sehen - mit Faschismus hat er
gar nichts am Hut, was auch deutlich zum Ausdruck kommt. Die
beschriebenen politischen Ansichten Ben Raines' sind sicherlich nicht
jedermanns Geschmack, und ich vermute einmal, daß sich dieser
Roman im Süden Deutschlands besser verkaufen wird als im Norden.
Doch eines ist diese Figur sicherlich: mit all ihren Ecken und Kanten
hervorragend geschildert. Denn hier sind die Stärken des Romans
zu finden: Die Charakterisierung der Personen ist hervorragend
gelungen. Die Charaktere sind keine Abziehbilder, sondern wirken wie
lebendige Personen mit all ihren Haken(-kreuzen) und Ösen.
Eine andere Stärke des Romans liegt in seiner unverhohlenen
politischen und Sozialkritik. Man muß den hier vertretenen
Ansichten sicherlich nicht zustimmen, doch gibt der Roman das, was
jeder wirklich gute SF-Roman leisten sollte: Denkanstöße.
Reflexionen über bestehende Systeme. Der Gesellschaft einen
Spiegel vorhalten.
Fazit:
Ein politisch und sozialkritischer Roman in der Zeit nach dem
globalen Holocaust. "Ashes" ist stark diskussionswürdig - doch
ist es nicht genau das, was einen wirklich guten SF-Roman ausmacht?
Der Roman ist jedoch auch sehr hart und kompromißlos -
sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber in der Kontroverse, die
dieser Roman sicherlich auslösen wird, einfach nur
großartig. Hinzu kommen hervorragend geschilderte Charaktere
mit Ecken und Kanten; allerdings wird der Leser
Identifikationsfiguren wohl eher weniger finden. Für die erste
Hälfte des Romans gibt's jedenfalls erstmal
13 Punkte.