William W. Johnstone:

"Die Stunde Null"

(Ashes - Band 1)
OT: Out of the Ashes
Ü: Kim Kerry
USA 1983
(236 Seiten, Paperback, Zaubermond, ISBN 3-931407-69-1, DM 25,33 / EUR 12,95)
- erschienen: Oktober 2001 -

Einen Inhaltsanriß spare ich mir diesmal, findet sich dieser doch bereits in dieser und der letzten Ausgabe des Flash in den Rezensionen zur amerikanischen Originalausgabe.

Der Haupt-Unterschied zu dieser Originalausgabe besteht zum einen in der Sprache (was bei Übersetzungen nicht weiter verwunderlich sein sollte... <bg>), zum anderen jedoch darin, daß die deutsche Ausgabe jeweils nur einen halben Originalroman enthält. Gut - auch Kleinverlage müssen wirtschaftlich arbeiten, um überleben zu können, dennoch überlege ich mir ernsthaft, auf die Originalfassung umzusteigen, schließlich gilt das mit dem wirtschaftlich arbeiten nicht nur für die erwähnten Kleinverlage...
Einen weiteren Nachteil bringt das Halbieren der Romane jedoch auch noch mit sich, der nicht zu vernachlässigen ist: Am Ende des Textes hängt der Leser in der Luft, die Geschichte wirkt nicht rund, die Handlung hört mittendrin auf. Nun kennt der deutsche Leser solches ja schon von der Heftroman-Front, doch gibt es hierzu auch deutliche Unterschiede: Wenn Heftromane mit dem nächsten Heft fortgesetzt werden, endet das Heft mit einem Cliffhanger, mit irgendeiner Überraschung oder sonstwas. Die Handlung des Heftes beinhaltet jedenfalls immer einen kompletten Spannungsbogen. Bei "Ashes" ist dies leider nicht so - statt dessen hört die Geschichte einfach auf, mittendrin, ohne Vorwarnung. Der Leser hat zwar den Eindruck, daß der Herausgeber versucht hat, einen halbwegs akzeptablen Punkt der Handlung zu finden, an der er sie im ersten Buch beenden kann, und es ist ihm auch gelungen, einen weniger schmerzhaften Punkt zu finden, doch ändert dies nichts an der Tatsache, daß dieser Punkt immer noch "schmerzhaft" ist. Aber dies ist ein Grundproblem, an dem der Leser bei jedem halbierten, gedrittelten oder gevierteilten Roman zu knabbern hat.
Aber genug hierzu - kommen wir zum Wesentlichen: dem Inhalt des Romans. Von der Übersetzung her ist er jedenfalls recht gut gelungen. Kein Highlight zwar, aber ich habe auch schon wesentlich schlechtere Übersetzungen gelesen. Aussetzer wie "Evakuationspläne" (S. 72) oder das mehrfach vorkommende "Mr. Präsident" (Ja, was denn nun: Deutsch oder Englisch? Eine Mischform ist sehr unschön, vor allem wenn man jegliche militärische Ränge in ihrer Originalbezeichnung läßt...) tauchen immerhin nur vereinzelt auf. Insgesamt ist die Übersetzung jedenfalls recht gut.
Kommen wir zur eigentlichen Story: William W. Johnstones "Ashes" ist eine Post-Doomsday-Saga; in diesem ersten Band erleben wir den Dritten Weltkrieg und die Fast-Ausrottung der Menschheit. Es bleiben nur wenige Überlebende, und diese sind zumeist recht kriegerisch. So verwundert es kaum, daß Ben Raines, nachdem er den Holocaust verschlafen hat, sich zuerst einmal ein ansehnliches Waffenarsenal zulegt.
Durch den ganzen Roman zieht sich eine ziemliche Gewalttätigkeit. "Ein Amerikaner muß eine Waffe haben, um seine Freiheit verteidigen zu können - und er wird sie anwenden", dies könnte man zum Leitsatz des Romans erheben. Der Leser merkt schnell, daß Johnstone dem stark konservativen Lager zuzuordnen ist - oder zumindest sein Roman. Konservativ sollte man hier jedoch im amerikanischen Sinne sehen - mit Faschismus hat er gar nichts am Hut, was auch deutlich zum Ausdruck kommt. Die beschriebenen politischen Ansichten Ben Raines' sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack, und ich vermute einmal, daß sich dieser Roman im Süden Deutschlands besser verkaufen wird als im Norden. Doch eines ist diese Figur sicherlich: mit all ihren Ecken und Kanten hervorragend geschildert. Denn hier sind die Stärken des Romans zu finden: Die Charakterisierung der Personen ist hervorragend gelungen. Die Charaktere sind keine Abziehbilder, sondern wirken wie lebendige Personen mit all ihren Haken(-kreuzen) und Ösen.
Eine andere Stärke des Romans liegt in seiner unverhohlenen politischen und Sozialkritik. Man muß den hier vertretenen Ansichten sicherlich nicht zustimmen, doch gibt der Roman das, was jeder wirklich gute SF-Roman leisten sollte: Denkanstöße. Reflexionen über bestehende Systeme. Der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.

Fazit:
Ein politisch und sozialkritischer Roman in der Zeit nach dem globalen Holocaust. "Ashes" ist stark diskussionswürdig - doch ist es nicht genau das, was einen wirklich guten SF-Roman ausmacht? Der Roman ist jedoch auch sehr hart und kompromißlos - sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber in der Kontroverse, die dieser Roman sicherlich auslösen wird, einfach nur großartig. Hinzu kommen hervorragend geschilderte Charaktere mit Ecken und Kanten; allerdings wird der Leser Identifikationsfiguren wohl eher weniger finden. Für die erste Hälfte des Romans gibt's jedenfalls erstmal
13 Punkte.

Winfried Brand


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