Banzai

Mangas boomen zur Zeit. Die Welle, die "Sailor Moon" und "Dragon Ball" ausgelöst haben, hat Deutschland fest im Griff. Mangas sind mittlerweile ein akzeptierter Bestandteil der Comicszene - die Buchmesse in diesem Jahr bewies es, ein Schwerpunkt lag dort auf Comics und Mangas.
Magazine zu Animes und Mangas gibt es schon seit einiger Zeit in Deutschland, aber das in diesem Monat von Carlsen gestartete Magazin "Banzai" ist doch etwas anders. "Banzai" tritt in die Fußspuren der periodisch erscheinenden Magazine in Japan, die meist die Dicke von Telefonbüchern haben und in denen mehrere Serien in Fortsetzungen abgedruckt werden. Die Japaner lesen sie meistens auf dem Weg zur Arbeit - angesichts der Tatsache, daß sie größtenteils mehr als eine Stunde unterwegs sind - schließlich ist Tokio nicht gerade der billigste Wohnort der Welt - ist die Dicke der Magazine nicht sehr verwunderlich. Erst wenn ein Manga wirklich erfolgreich war, kommt er dann nochmals als richtige Buchserie. In dieser Tradition sieht sich auch "Banzai" und will in monatlicher Abfolge das Aktuellste aus Japans Serienmangas nach Deutschland bringen.
Die Aufmachung des Magazins ist relativ - sagen wir mal - ungewöhnlich. Das Cover ist derart quietschbunt und verwirrend gestaltet, daß man sich unwillkürlich fragt, ob der Designer gerade LSD eingeschmissen hatte, als er sich an die Gestaltung des Covers setzte. Positiv kann man sagen: Das Teil fällt auf. Ich weiß ja nicht, wie normalerweise Mangas in Japan aussehen, aber wenn ich mir die Serien ansehe, die Carlsen hier auf den Markt gebracht hat - sowas wie "X" oder "Card Captor Sacura" - scheint mir das doch recht ungewöhnlich zu sein. Vielleicht ist der normale Japaner es so gewohnt, ich weiß es nicht. Noch ein positiver Vermerk gilt dem Format - statt DIN-A 5 ist es annähernd DIN-A 4, was die Zeichnungen enorm eindrucksvoll macht.
Der Inhalt präsentiert sich aus einer lockeren Abfolge von einzelnen Serienepisoden sowie einerseits Informationen über die neuesten Ereignisse in Japan, anderseits widmet man sich aber auch den Mangaka, den Zeichnern. In der ersten Ausgabe ist das niemand anders als der Zeichner von "Dragon Ball", Akira Toriyama. Er und sein Werk werden ausführlich vorgestellt. Zudem gibt es zu jeder Serie noch Informationen über die Zeichner und über die Hintergründe.
Kommen wir nun zu den Serien, die in "Banzai" vertreten sind. Mit "Sandland" hat man die neueste Serie von dem eben erwähnten Toriyama im Gepäck. Die Serie spielt nach dem dritten Weltkrieg, die Menschen haben jedoch aus den Naturkatastrophen und den Kriegen nichts gelernt. So kam es dazu, daß das gesamte Wasser versiegt ist. Zudem sind die Dämonen auf die Welt gekommen, doch auch sie leiden an dem Wassermangel. Der Einzige, der davon profitiert, ist der König, der Dollars en masse scheffelt - schließlich sitzt er auf der einzigen noch sprudelnden Wasserquelle. Eines Tages nun erscheint Sheriff Rao bei den Dämonen. Er vermutet, daß es weit im Süden noch eine weitere Quelle gibt - und er will mit den Dämonen teilen. Ein Angebot, daß Beelzebub nicht ausschlägt. Und so fährt man denn los...
Zugegeben - weder von "Dr. Schlump" noch von "Dragon Ball" habe ich viel gehalten - mir sagten die Zeichnungen einfach nicht zu. Doch "Sandland" hat was. Einerseits von der Story her, andererseits gibt es einige witzige Details - so etwa, daß Satan persönlich "Faust" liest. Und Beelzebub ist vernarrt in Videospiele - Sonys Playstation 6 hat als einzige die Unruhen überstanden. ;-) Zudem sind die ersten Seiten komplett in Farbe. Ein Gimmick, das man ruhig beibehalten sollte.
"Romance Dawn" ist eine abgeschlossene Geschichte, die vor der Serie "One Piece" spielt, sozusagen der Ursprung, wenn man so will. Es geht um Piraten, einen Vogel Roch und die Tatsache, daß man ja nicht von der Gum-Gum-Frucht essen sollte... Alles in allem eine sehr rasant erzählte Comedygeschichte, die Spaß macht. Die Serie selber kenne ich nicht, werde aber mal reinsehen. Die Zeichnungen sind sehr schön, und im Großformat sind sie einfach überwältigend - wenn man es mit den normalen Ausgaben vergleicht, die relativ klein sind. *g*
Nochmal Fantasy präsentiert "Hunter x Hunter", in denen der Junge Gon auszieht, um seinen Vater zu suchen. Hunter sind so etwas wie spirituell begabte Ranger, die versuchen, Mensch und Natur im Gleichgewicht zu halten. Gons Vater war einer der Besten, ist aber mittlerweile verschollen. Na ja, einen Originalitätspreis wird dem Manga bestimmt nicht verliehen, aber die Geschichte ist solide erzählt und gut umgesetzt. Mir hats ja der Fuchsbär angetan - wuschelig, flauschig und sehr riesig... (* Da spricht wohl mal wieder der alte Plüschi aus Dir. Sorry, der junge latürnich... >;-))) Heike)
Eine SF-Comedy ist "DNA2". In der Zukunft hat die Erde ein Bevölkerungsproblem - niemand darf mehr als ein Kind haben. Dummerweise hat in der Vergangenheit der größte Playboy der Welt 100 Kinder mit 100 Frauen gezeugt, die jetzt sein Erbe in ihren Genen haben. Damit das korrigiert wird, reist eine Spezialagentin in die Vergangenheit und ändert die DNS des Playboys - dummerweise hat sie die falsche Kapsel erwischt. So wird aus einem schüchternen jungen Mann ein richtiger Womanizer...
Hmmm - na ja. Solch eine Story kann sich wohl auch nur ein Japaner einfallen lassen. Es gibt diverse sehr erotische Szenen, die jedoch im Rahmen bleiben, und auch einige witzige Momente. Daß "auf den Tischen tanzen" eine Redewendung und nicht wörtlich zu nehmen ist, bringt die Zeitagentin in eine höchst peinliche Situation.
Abgeschlossen wird das Package durch "Naruto", ein Ninja-Manga. Naruto, der Titelheld, ist ein ganz normaler Junge. Nun ja, vielleicht doch nicht so ganz, schließlich stellt er jede Menge Unsinn an und ist durch die Abschlußprüfung der Ninja-Schule schon zweimal durchgerasselt. Zudem scheint ein Fluch auf ihm zu liegen - oder warum wird er von den Dorfbewohnern stets gemieden?
Action gemischt mit nachdenklichen Szenen - ja, ich muß zugeben, das gefällt mir durchaus. Weil die Actionszenen hier zur Geschichte gehören und nicht aufgesetzt wirken. Was es jedoch mit dem Fluch auf sich hat, möchte ich nicht verraten.
Eine Anleitung zum Manga-Zeichnen von Robert Labs, der vor kurzem als erster Deutscher im Carlsen-Verlag ein Manga namens "Dragon Master" veröffentlicht hat, und die übliche Leserseite - sie besteht aus Forenposting, klar, es kann ja noch keine regulären Briefe geben - runden das Magazin ab. Ach, habe ich den Preis erwähnt? Für knapp 240 Seiten bezahlt man 6,- DM. Das ist doch akzeptabel.
Eine endgültige Wertung abzugeben, fällt mir schwer. Da nicht jeder alle Manga-Serien mag, findet sich eigentlich für jeden Geschmack etwas (* ...es sei denn, vielleicht, daß jemand überhaupt keine Mangas mag - hab mal gehört, es soll auch sowas geben. ;-) Heike). Fantasy dominiert, aber mit "Romance Dawn" und "DNA2" sind auch die anderen Richtungen vertreten. Zudem gibt es jede Menge Infos, und das ausführliche Autorenporträt und der Manga-Zeichenkurs sind Features, die man sonst eher vermißt.
Wenn das Konzept bei den Fans ankommt - und die Kommentare im Comic-Forum lassen schon mal darauf schließen - steht einer erfolgreichen Adaption der japanischen Manga-Magazine nichts im Weg. Und offengestanden: Ein Monat ist mir doch etwas zu lang - ich will unbedingt wissen, wie es mit Beelzebub weitergeht...

Fazit:
Im wahrsten Sinne des Wortes eine bunte, ausgewogene Mischung, in der sich für jeden etwas finden läßt.
12 Punkte

Christian Spließ

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