In Far
Madding gibt es keine Magie! Durch mächtige Artefakte ist es
keinem Menschen möglich, hier die Macht zu gebrauchen. Auch Rand
al'Thor, der hier einige Renegaten jagt, die sich gegen ihn
verschworen haben, ist hier "nur" ein Mensch unter vielen.
Auch die Aes Sedai Cadsuane kommt nach Far Madding. Ihr
Verhältnis zum Wiedergeborenen Drachen ist keineswegs
ungetrübt, und es ist noch lange nicht sicher, daß sich
dies ändern könnte - besonders, da Rand ein Wagnis eingehen
will, das die Welt in nicht geringe Schwierigkeiten bringen
könnte.
Das interessiert Mat Cauthon derzeit aber überhaupt nicht. Er
hat vielmehr seine eigenen Schwierigkeiten. Immer noch wartet eine
ganze Horde von Aes Sedai (so kommt es ihm zumindest vor) auf die
Flucht aus Ebou Dar, dem Zentrum der Seanchanischen Armee.
Als ob das noch nicht genug wäre, kämpft Elayne derzeit in
Caemlyn um ihre Krone und eine seltsame Armee, die plötzlich vor
ihren Toren auftaucht...
Ja ja - da sah es am Anfang dieses Romans (also bei Band 24) noch so
aus, als ob man sich Hoffnungen machen könnte, daß das Rad
der Zeit ein wenig aus dem Mittelmaß auftauchen könnte, in
das es mit der Zeit geraten ist. Allerdings tat die
Büchertrennung des Heyne-Verlages ihr Möglichstes, um genau
das zu verhindern - und leider bekam sie zusätzliche Hilfe von
ungeahnter Seite.
Das fängt schon in den beiden Vorgängerbänden an, die
dadurch, daß sie eigentlich ein Band sind, kaum zu verstehen
waren, in denen aber auch die Geschichte selbst schon nicht mehr
wirklich überzeugen konnte. Vielmehr beschränkte sie sich
auf ein paar mehr oder weniger langweilige Heerzüge und
Verfolgungen, die dieser Zyklus schon innovativer und vor allen
Dingen spannender umgesetzt hat. Daß die Seanchaner eine
grausame und gnadenlose Besatzungsmacht sind, wissen wir inzwischen,
und daß die Aes Sedai hochnäsig und arrogant bis zum
Umfallen sein können, ist - nach über 20 Bänden -
mittlerweile auch bekannt. Dies ständig zu wiederholen und dem
Leser unter die Nase zu reiben, wird mit der Zeit etwas
langweilig.
Schade eigentlich, denn ein paar Ansätze gibt es ja:
Die Ebene um Rand al'Thor ist die einzige, die von Beginn an etwas
verspricht und dann auch hält. Die Episode in Far Madding bringt
einige Aspekte ins Spiel, mit denen man sich als Leser des Rades
schon eher beschäftigen kann. Zudem werden einige Dinge aus den
letzten Bänden aufgegriffen und weiterverarbeitet. Zu guter
Letzt gibt es am Ende auch etwas, das für alle anderen Ebenen
die Ausnahme bleiben soll: Es gibt so etwas wie ein Finish!
Zwar ist die letzte Schlacht noch weit entfernt, aber wir haben hier
wenigstens einmal sowas wie das Ende eines Abschnittes, und zudem
handelt es sich dabei sogar noch um ein richtiges Ereignis!
Ansonsten wird Vorankommen leider nicht groß geschrieben. Auf
den Ebenen von Mat Cauthon und Elayne geht es zwar irgendwie weiter,
aber viel passiert nicht; und gerade Elayne hätte man auch mit
nur einem einzigen Kapitel abhandeln können - das hätte
wirklich vollkommen ausgereicht. Ihre Ebene bleibt blaß,
langweilig und ereignislos. Bei Mat passieren zwar immerhin ein paar
Dinge, aber wirklich vorwärts kommt die Handlung hier auch
nicht; da bringen die ein, zwei kleinen Überraschungen am Ende
auch nicht mehr viel.
Richtig traurig wird's aber, wenn man die Ebene um Perrin betrachtet:
Für den ist nämlich überhaupt kein Platz mehr! Und
dabei wird der schon in den ersten beiden Bänden kaum behandelt.
Hier schob ich das noch auf die Büchertrennung, aber es scheint,
als ob der Autor selbst diesem Charakter kaum Platz eingeräumt
hat. Diese Ebene hat aber leider nicht nur weder Hand noch Fuß,
sondern ist einfach überflüssig. Weder macht sie im
augenblicklichen Kontext irgendeinen Sinn, noch paßt sie ins
große Konzept; und bis wir wissen, warum wir uns damit
abquälen mußten, werden vermutlich noch viele, viele
Monate vergehen, bis der Autor uns den Ansatz einer Lösung
präsentieren wird.
Fazit:
Es gab in den letzten Jahren einige größere Zyklen, bei
denen man immer recht lange auf den nächsten Band warten
mußte (Otherland - Tad Williams, Armageddon - Hamilton,
Winterfell - George R.R. Martin [noch nicht abgeschlossen]),
aber jeder dieser Zyklen wußte seine Leser irgendwie am Ball zu
halten und in seinen Bänden genau den Überblick zu
behalten, der Robert Jordan derzeit verlorengegangen ist.
Man muß fast zwangsläufig den Eindruck gewinnen, daß
Jordan die Geschichte einfach so weiterschreibt, wie er gerade Lust
und Laune hat. So etwas wie ein Konzept ist in keiner Weise zu
erkennen.
Wenn es so weitergeht, entwickelt sich das Rad der Zeit von einem der
großen Zyklen der Fantasy ganz zügig zu einem der
größten Flops!
6 Punkte (wegen der Ebene um Rand al'Thor)
