Um 1540
entdecken die Spanier die verlassenen Pueblos der Anasazi in Neu
Mexico. Eine Vorhut unter Ramon Jacob del Estevez verschwindet
spurlos, woraufhin sich ein Suchkommando in Bewegung setzt. Dieses
findet zwar noch den Kommandanten, der aber kaum noch am Leben ist.
Was auch immer da geschehen sein mag, das Suchkommando
beschließt, das Geheimnis der Pueblos auf sich beruhen zu
lassen.
Gegenwart: Matt bringt Aruula gerade bei, wie sie mit dem Gleiter
umzugehen hat, als sie in die Gegend der Anasazi-Indianer gelangen.
Eine Felswand versperrt ihnen jedoch den Weg. Notgedrungen landen sie
und stoßen dabei auf die verlassenen Pueblos. Sie
beschließen, hier zu übernachten. Vielleicht findet sich
ein Weg, den Gleiter über die Felswand zu bugsieren.
Aruula träumt von den Anasazi. Da sie Erfahrung mit Visionen
hat, nimmt sie es als gegeben hin, daß der auftauchende
Schamane als einziger mit ihr reden kann. Am nächsten Morgen,
als sie auf die Jagd gehen will, kommt sie wieder in Kontakt mit der
anderen Wirklichkeit - und verschwindet für Matt.
Makeje, der Schamane, hält mit den Ältesten des Dorfes Rat.
Da Aruula praktisch im Alleingang auf die Anasazi aufmerksam geworden
ist, hat Makeje sie in die vierte Wirklichkeit geholt. Noch ist
Aruulas Status nicht gesichert - die Götter werden entscheiden,
ob sie permanent bei den Anasazi bleibt oder sterben wird.
Aruula hat ihr Schicksal akzeptiert - jedenfalls vorläufig, und
weil sie es nicht besser weiß. Als sie jedoch Matt sieht und
ihn nicht greifen kann, ahnt sie, daß die Welt um sie herum
nicht das ist, was sie zu sein scheint. Und sie weiß auch
nicht, daß Makeje sich von ihr angezogen fühlt - was
seiner Verlobten Eri nicht so ganz gefällt. Das Verhältnis
zwischen ihm und Aruula sorgt für Spannungen im Dorf. Es kommt
sogar soweit, daß Aruula von den Söhnen des Ältesten
Jekulah ermordet werden soll.
Zudem entspannt sich ein Intrigenspiel - Delketh, der Häuptling,
ahnt, daß Makeje Aruula liebt, kann aber nicht von dem
Versprechen abrücken, im Eri zur Frau zu geben. Makeje kommt ihm
jedoch zuvor. Er nimmt Aruula zu seiner Frau, und somit kann sie
nicht vom Stamm verstoßen werden. Zudem macht Aruula Anstalten,
sich aus der anderen Wirklichkeitsebene zu befreien. Dazu
verbündet sie sich mit Eri.
Währenddessen verliert Matt mehr und mehr seinen Verstand. Er
bildet sich ein, das Geheimnis der Pueblos durch Graben lösen zu
können. Doch er stößt nur auf ein Massengrab und auf
die Tatsache, daß es kein Geheimnis gibt.
Makeje hat sich in der Zwischenzeit mit den Göttern beraten; er
teilt Aruula mit, daß Matt verschont wird, weil die Bedrohung
durch die prophezeiten Ungeheuer - damit sind die Spanier gemeint -
nicht mehr bestünde.
Und tatsächlich gelingt es Aruula, sich aus der anderen
Wirklichkeit zu lösen - gerade noch rechtzeitig, um Matt zu
retten, der in der Grube unter Erdmassen begraben liegt. Was aber mit
den Anasazi geschieht, bleibt ein Geheimnis.
Hui - Claudia Kern im Doppelpack. Nachdem sie mit der 44 einen sehr
vergnüglichen Roman geschrieben hat, ist dieser hier etwas
ernster und widmet sich der Frage, was mit den Anasazi passiert ist.
(Das Verschwinden der Indianer ist übrigens eine historische
Gegebenheit, die bis heute nicht geklärt worden ist.)
Und zugleich ist er wieder ein Aruula-Soloabenteuer. Na ja, gut, Matt
kommt auch noch drin vor, aber er spielt nicht die Hauptrolle. Die
Szene, als er über den Toten aus dem amerikanischen
Bürgerkrieg stolpert und dieser auf einmal zu reden beginnt, ist
schon gruselig zu lesen. Überhaupt ist das Abgleiten in den
Wahnsinn eindringlich und gut geschildert - das kann nicht jeder
Autor.
Gut, nach dem letzten Roman wirkt dieser etwas schwächer, und er
ist eindeutig einer der schwächeren Romane von Claudia. Ich
hatte das Gefühl, daß die Nebenhandlung um Makeje und
Jekulah nicht so wirklich wichtig für den Roman gewesen ist -
gut, der Schamane hat sich in Aruula verliebt und hält an einer
Stelle eine sehr eindringliche Rede gegen Vorurteile Fremden
gegenüber (hmmm, da fühlte ich mich doch an den "Kaufmann
von Venedig" erinnert: "...wenn man uns sticht, bluten wir nicht?") -
doch so wirklich wichtig ist die Handlung für den Roman nicht.
Oder habe ich da was verpaßt?
Wie dem auch sei, offensichtlich hat man mit den Anasazi noch etwas
vor. Die Geschehnisse mit Aruula haben die Anasazi verändert,
aber wie sich diese Veränderung auswirken wird, das bleibt dem
Vorstellungsvermögen des Lesers überlassen.
Nun ja, was bleibt mir noch zu sagen?
Die Charaktere sind wieder stimmig, die Handlung ist spannend und an
keiner Stelle langweilig - alles in allem ein solider Roman von der
Frau Kern.
Fazit:
Nicht gerade ein Highlight, aber ein angenehm zu lesender Roman.
Qualität, wie man sie von Claudia Kern gewohnt ist.
12 Punkte