Kai Meyer:

"Die Unsterbliche"

D 2001
(448 Seiten, Hardcover, Heyne, ISBN 3-453-19614-7, DM 42,93 / EUR 21,95)
- erschienen: September 2001 -

Zum Inhalt:
Daß sie das Geheimnis der Unsterblichkeit entdeckt hat, hat Aura Institoris kein Glück gebracht: Nachdem die Liebe ihres Lebens daran zerbrochen ist, hat sie sich nach Paris zurückgezogen und lebt dort vor sich hin. Dort wird sie auf das "verbum dimissum" (das verlorene Wort - das erste Wort der Schöpfung) aufmerksam, das angeblich in den Boden des Heiligen Grals eingraviert ist. Und sie lernt den Chevalier Weldon kennen, der sie fasziniert. Doch ihr Sohn Gian wurde entführt, und so entwickelt sich eine geheimnisvolle Suche nach den Entführern, in deren Verlauf auch der Templer-Orden in die Geschichte eingreift, dem sich ihr ehemaliger Geliebter angeschlossen hat...

"Die Unsterbliche" ist eine direkte Fortführung von Kai Meyers "Alchimistin". Die Heldin Aura Institoris wird hier in neue, geheimnisvolle Geschehnisse verwickelt und muß dabei auch mit ihrer eigenen Unsterblichkeit fertigwerden - und ebenso mit den Fehlentscheidungen, die sie bereits im Vorgängerroman getroffen hat.
Das phantastische Element steht dabei in diesem Roman ein ganzes Stück stärker im Vordergrund, als dies bei Meyers Romanen normalerweise der Fall ist. Diverse phantastische Elemente kennt man bereits aus dem Vorgänger, andere kommen hier neu hinzu. In ihrer Menge und Intensität ist dies für den Autor jedoch eher ungewöhnlich - ohne dies jetzt abwertend meinen zu wollen. Vielmehr nehme ich dies vergnügt zur Kenntnis und freue mich auf den nächsten Roman des Autors.
Kai Meyer gelingt in diesem Roman einmal wieder eine hervorragende Charakterisierung seiner Protagonisten, wie man sie in der deutschen Literatur selten findet. (Warum schreibe ich sowas eigentlich noch? Bei seinen Romanen ist dies inzwischen wohl selbstverständlich...) Ein Glücksfall ist es jedoch, wenn nicht nur die Charakterisierung der Protagonisten, sondern auch die Handlung selber in allen Elementen stimmt.
Grundsätzlich scheinen die Handlungselemente der "Unsterblichen" recht ausgelutscht: "Unsterblichkeit", "Heiliger Gral", "Templer" usw. - all dies hat der Leser schon zur Genüge konsumiert. Doch Kai Meyer ist es gelungen, aus diesen Elementen einen wirklich faszinierenden und erfreulich frischen Roman zu schaffen, der mit früheren Werken zu diesen Themen sehr wenig gemeinsam hat.
Kai Meyers Kunst ist es, bekannte Themen in einen neuen Zusammenhang zu stellen, sie dann dem Schicksal der handelnden Personen unterzuordnen und doch mit hervorragend recherchierten historischen Ereignissen in Einklang zu bringen. Heraus kommt dabei eine spannende Story, die nicht nur sehr gut zu lesen, sondern auch historisch korrekt ist und den Leser einfach nur von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert.
Ich möchte jetzt hier nicht mehr über den Roman verraten - nur soweit: Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall für jeden, der gerne Fantasy- oder Horror-Romane liest. Es kann dabei sicherlich nicht schaden, "Die Alchimistin" vorher zu lesen (zumal dieser Roman inzwischen auch als preiswerteres Taschenbuch erschienen ist), dies ist aber nicht unbedingt notwendig, da die Zusammenhänge innerhalb des Romans durchaus befriedigend erklärt werden.
Vollkommen unverständlich ist mir allerdings, weshalb Kai Meyer innerhalb des Phantastik-Fandoms immer noch recht unbekannt ist. Seine Romane verkaufen sich offensichtlich gut genug, daß man sie bei Heyne als Hardcover erstveröffentlicht, seine Werke werden bei phantastik.de regelmäßig vorgestellt, und er gehört eigentlich neben Andreas Eschbach auf den Thron des besten Phantastik-Schriftstellers Deutschlands. Und was passiert, wenn man sich auf einem Con mit anderen Phantastik-Fans unterhält? "Kai Meyer - wer ist das?!?" Das ist schon mehr als nur erstaunlich. Vielleicht sollte das Fandom den Scheuklappenhersteller mal wechseln...
Wie auch immer - das gehört eigentlich nicht wirklich zu dieser Rezension, es ist nur eine Anmerkung des Rezensenten, der sich immer wieder wundert... Kommen wir statt dessen lieber zum

Fazit:
"Die Unsterbliche" gehört sicherlich zum Kreis der besten Romane Kai Meyers. Sehr schön geschrieben (und damit auch zu lesen) entwickelt sich die weitere Geschichte Auras als äußerst spannender Roman, dem nicht nur ein Schuß Phantasik zugesetzt, sondern gleich ein ganzer Eimer übergekippt wurde. Kai Meyer gehört eindeutig zu den besten deutschen Phantastik-Autoren, was er mit diesem Roman einmal wieder bewiesen hat.
13 Punkte.

Winfried Brand


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