Zum
Inhalt:
Daß sie das Geheimnis der Unsterblichkeit entdeckt hat, hat
Aura Institoris kein Glück gebracht: Nachdem die Liebe ihres
Lebens daran zerbrochen ist, hat sie sich nach Paris
zurückgezogen und lebt dort vor sich hin. Dort wird sie auf das
"verbum dimissum" (das verlorene Wort - das erste Wort der
Schöpfung) aufmerksam, das angeblich in den Boden des Heiligen
Grals eingraviert ist. Und sie lernt den Chevalier Weldon kennen, der
sie fasziniert. Doch ihr Sohn Gian wurde entführt, und so
entwickelt sich eine geheimnisvolle Suche nach den Entführern,
in deren Verlauf auch der Templer-Orden in die Geschichte eingreift,
dem sich ihr ehemaliger Geliebter angeschlossen hat...
"Die Unsterbliche" ist eine direkte Fortführung von Kai Meyers
"Alchimistin". Die Heldin Aura Institoris wird hier in neue,
geheimnisvolle Geschehnisse verwickelt und muß dabei auch mit
ihrer eigenen Unsterblichkeit fertigwerden - und ebenso mit den
Fehlentscheidungen, die sie bereits im Vorgängerroman getroffen
hat.
Das phantastische Element steht dabei in diesem Roman ein ganzes
Stück stärker im Vordergrund, als dies bei Meyers Romanen
normalerweise der Fall ist. Diverse phantastische Elemente kennt man
bereits aus dem Vorgänger, andere kommen hier neu hinzu. In
ihrer Menge und Intensität ist dies für den Autor jedoch
eher ungewöhnlich - ohne dies jetzt abwertend meinen zu wollen.
Vielmehr nehme ich dies vergnügt zur Kenntnis und freue mich auf
den nächsten Roman des Autors.
Kai Meyer gelingt in diesem Roman einmal wieder eine hervorragende
Charakterisierung seiner Protagonisten, wie man sie in der deutschen
Literatur selten findet. (Warum schreibe ich sowas eigentlich noch?
Bei seinen Romanen ist dies inzwischen wohl
selbstverständlich...) Ein Glücksfall ist es jedoch, wenn
nicht nur die Charakterisierung der Protagonisten, sondern auch die
Handlung selber in allen Elementen stimmt.
Grundsätzlich scheinen die Handlungselemente der "Unsterblichen"
recht ausgelutscht: "Unsterblichkeit", "Heiliger Gral", "Templer"
usw. - all dies hat der Leser schon zur Genüge konsumiert. Doch
Kai Meyer ist es gelungen, aus diesen Elementen einen wirklich
faszinierenden und erfreulich frischen Roman zu schaffen, der mit
früheren Werken zu diesen Themen sehr wenig gemeinsam hat.
Kai Meyers Kunst ist es, bekannte Themen in einen neuen Zusammenhang
zu stellen, sie dann dem Schicksal der handelnden Personen
unterzuordnen und doch mit hervorragend recherchierten historischen
Ereignissen in Einklang zu bringen. Heraus kommt dabei eine spannende
Story, die nicht nur sehr gut zu lesen, sondern auch historisch
korrekt ist und den Leser einfach nur von der ersten bis zur letzten
Seite fasziniert.
Ich möchte jetzt hier nicht mehr über den Roman verraten -
nur soweit: Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall für
jeden, der gerne Fantasy- oder Horror-Romane liest. Es kann dabei
sicherlich nicht schaden, "Die Alchimistin" vorher zu lesen (zumal
dieser Roman inzwischen auch als preiswerteres Taschenbuch erschienen
ist), dies ist aber nicht unbedingt notwendig, da die
Zusammenhänge innerhalb des Romans durchaus befriedigend
erklärt werden.
Vollkommen unverständlich ist mir allerdings, weshalb Kai Meyer
innerhalb des Phantastik-Fandoms immer noch recht unbekannt ist.
Seine Romane verkaufen sich offensichtlich gut genug, daß man
sie bei Heyne als Hardcover erstveröffentlicht, seine Werke
werden bei phantastik.de regelmäßig vorgestellt, und er
gehört eigentlich neben Andreas Eschbach auf den Thron des
besten Phantastik-Schriftstellers Deutschlands. Und was passiert,
wenn man sich auf einem Con mit anderen Phantastik-Fans
unterhält? "Kai Meyer - wer ist das?!?" Das ist schon mehr als
nur erstaunlich. Vielleicht sollte das Fandom den
Scheuklappenhersteller mal wechseln...
Wie auch immer - das gehört eigentlich nicht wirklich zu dieser
Rezension, es ist nur eine Anmerkung des Rezensenten, der sich immer
wieder wundert... Kommen wir statt dessen lieber zum
Fazit:
"Die Unsterbliche" gehört sicherlich zum Kreis der besten Romane
Kai Meyers. Sehr schön geschrieben (und damit auch zu lesen)
entwickelt sich die weitere Geschichte Auras als äußerst
spannender Roman, dem nicht nur ein Schuß Phantasik zugesetzt,
sondern gleich ein ganzer Eimer übergekippt wurde. Kai Meyer
gehört eindeutig zu den besten deutschen Phantastik-Autoren, was
er mit diesem Roman einmal wieder bewiesen hat.
13 Punkte.