Band 1: "Vampire in New York"

Autor: Ken Roycraft

Die Haupt-Rezension wird in der nächsten Ausgabe des Flash nachgeliefert

Michael Breuer

Vampire sind ja eigentlich ein Klassiker im Horror-Bereich. Und wenn Bastei eine Serie ankündigt, die die Atmosphäre von Anne Rice mit der Action des Kinokrachers "Blade" ankündigt, dann sind die Erwartungen bei den altgedienten Fans natürlich hoch.
Angesichts der Leseproben, die man vor dem Serienstart auf der Homepage der Serie lesen konnte, sanken diese Erwartungen jedoch enorm und schlagartig. Obwohl ich nie einen Jerry Cotton gelesen habe, schoß es mir durch den Kopf: "Cotton mit Vampiren". Nun ja, das waren ja erst die Leseproben - obwohl, wählt man für sowas nicht eigentlich die besten Stellen des Romans aus? Schließlich will man die Leser ja zum Kauf anregen und sie nicht abschrecken, wie man das mit den Leseproben wohl trefflich getan hat. Wenn man sich so die Kommentare im Forum anschaut, genauer, wenn man das Archiv-Forum ansieht, ahnt man schon, daß die Hardcore-Fans alles andere als entzückt waren. Nun, nachdem ich den ersten Band gelesen habe, kann ich mit Fug und Recht sagen: "Ja, das ist Cotton mit Vampiren."
Auf der Haben-Seite kann dieser Roman verbuchen, daß er sich recht flüssig lesen läßt. Das wäre dann aber auch schon der einzige Pluspunkt - wobei ich mit flüssig meine, daß man ohne größeres Nachdenken die Handlung verfolgen kann. Ob das nun positiv für den Roman ist, das überlasse ich mal dem Leser dieser Rezension.
Zunächst einmal: Atmosphäre besitzt dieser Roman an keiner Stelle. Und der Stil von Anne Rice muß sich wahrlich gut versteckt haben, ich habe ihn auch nach dem zweiten Lesen nicht gefunden. Die Handlungsorte sind derart lieblos und billig geschildert, daß man sich fragt, ob der Autor jemals im Internet nach New-York-Seiten geguckt hat.
Action - ja, das hat dieser Roman. Sogar reichlich. Und ich habe auch nichts gegen Action-Szenen. Allerdings müssen sie in einer Handlung eingebettet sein - ja, "Blade" hatte eine Handlung, durchaus - und nicht (wie in diesem Roman) nur deshalb einfach geschehen, weil mal wieder etliche Seiten verstrichen sind.
Ich weiß, ein Heftroman ist kein Werk der höheren Belletristik. Das verlange ich ja auch nicht, aber ich hätte doch gerne lebende, atmende Charaktere und keine Schablonen. Hier die bedrängte Jungfrau, dort der strahlende Held und da der fiese Gegner. Fragt sich, wer wer ist - jedenfalls bis zum Schluß des Romans. Denn obwohl Bruce als nicht ganz so arg böse geschildert wird, geht er Michelle doch an die Schlagader. Hmmm...
Dazu kommt noch, daß die Dialoge alles andere als prickelnd sind. Es wird zwar jede Menge geredet, aber im Endeffekt wird nichts gesagt. Normalerweise gebraucht man Dialoge im Roman, um die Personen zu charakterisieren oder um Informationen für den Leser preiszugeben. Hier jedoch labern die Personen manchmal einen derartigen Nonsens zusammen, daß man sich fragt, ob der Autor mal wirklich jemanden reden gehört hat. (* Von "akustisch" gehe ich aus - aber hat er auch begriffen, was gesagt wurde? Heike)
Vom Konzept her scheint sich die Serie sehr an altbekannte Genre-Klischees anzulehnen - die Vampire sind offenbar in einem strengen patriarchalischen System organisiert (hmm, Mafia?), herrschen über die Menschen, und es gibt einige aufrechte Helden, die gegen sie vorgehen. Na ja - könnte sein, daß die nächsten Romane noch etwas mehr offenbaren, aber es könnte durchaus auch sein, daß ich dann die Serie nicht mehr lesen werde.

Fazit:
Spannung null, Charaktere nicht vorhanden, sinnlos verteilte Action-Szenen. Auch die Tatsache, daß der Roman sich flüssig lesen läßt, verhindert nicht die untenstehende Wertung.
0 Punkte

Christian Spließ

Eigentlich sollte man den Bastei-Verlag bewundern: Die Ausdauer, mit der dieser neue Heftserien auf den Markt wirft, die dem Phantastik-Genre zuzuordnen sind, ist schier unglaublich.
Sieht man sich jedoch die Qualität der Veröffentlichungen an, stehen dem Leser die Nackenhaare zu Berge. Nach der wirklich guten Reihe "Vampira" hat Bastei nur wenig Lesenswertes unter das Volk geworfen. Da hatten wir den "Grusel-Schocker", bei dem man schon an der Namensgebung erkennen konnte, für welches Zielpublikum er geschrieben, bzw. die Zusammenstellung alter Romane vorgenommen wurde. Da ist "Maddrax" - mithin die einzig lesenswerte neue Serie des Verlags. Und "Torn" ist ein ziemlicher Totalverlust - nur haben es entweder die Leser (so noch vorhanden) oder der Verlag noch nicht gemerkt.. Vom (un-)seligen "Mark Hellmann" einmal ganz zu schweigen... (* Für den wünsche ich mir eigentlich noch einen Zeitreisenden, der diesen Unglücksfall irgendwie zurückkorrigiert, Zeitparadoxon hin oder her... Heike)
Nun also gibt es "Vampire" (Nicht zu verwechseln mit "Vampira" - der letzte Buchstabe macht den Unterschied!), und der erste Roman bietet doch sehr wenig von dem, was der Titel verspricht. Nun mag der vielbeschworene "Altleser" gehofft haben, hier etwas ähnliches wie "Vampira" vorzufinden, doch wird diese Hoffnung bereits innerhalb der ersten paar Sätze des Romans aufs Brutalste zerstört. Dies ist halt nicht nur der Unterschied eines einzelnen Buchstaben; zwischen den beiden Serien liegen ganze Welten.
Was der erste Roman der Serie "Vampire" bietet, ist schlicht und ergreifend ein noch nicht einmal besonders logisch aufgebauter, dafür aber einfach nur schlecht geschriebener Kriminalroman, bei dem zufälligerweise irgendwelche - ähm, nee, ist an sich nur einer - Vampire auftauchen.
Die "auf Teufel-komm-raus" auf jugendlich getrimmte Sprache nervt mehr, als daß sie auf irgendeine Weise zu einer irgendwie gearteten Stimmung beitragen könnte. Hier und in den übermäßig verwendeten Anglizismen wird deutlich, auf welches Publikum diese Serie abzielt: die 10-12jähigen. Sprachlich nähert der Autor sich jedenfalls dieser Zielgruppe an, schreibt in dem Stil, den sie selber auch schreiben würden. (Ich überlege ernsthaft, ob ich MH Nr. 1 im Nachhinein noch ein oder zwei Punkte zukommen lassen sollte - im Vergleich zu diesem ersten Band von "Vampire" wäre dies mehr als nur gerecht...)
Jaa, gut, dieser Roman liest sich sicherlich flott, und in der Straßenbahn oder im Zug bemerkt der Leser vielleicht noch nicht mal seine Schwächen, doch wenn er sich einmal ein wenig näher mit dem Text auseinandersetzt, ist dies unumgänglich.
Wobei dieser Text eher als "kreativ" zu werten ist, zumindest was die Wortschöpfungen angeht. Da gibt es "Schießer". Da rollt irgendwer mit den Schultern (ja, ähem - wohin denn eigentlich???)
Ich frage mich auch, welcher Schlägertyp den Ausruf tätigt: "Du sollst krepieren! Krepieren sollst du!!" oder weshalb der Vampir Bruce vor einem Vorschlaghammer Angst hat (ein Treffer könnte ja weh tun (* Wahrscheinlich ist der Griff desselben aus Eichenholz, und man könnte ihn damit pfählen? Heike)), einer vorgehaltenen Pistole jedoch kaltlächelnd entgegentritt (ein Schuß daraus tut offensichtlich weniger weh... (* Stimmt, wenn sie nicht mit geweihten Silberkugeln geladen ist... Oder wirken die heutzutage nur noch gegen Werwölfe? (* Kommt auf die Bastei-Serie an... Winy) Ich meine, man könnte ja Kreuzchen in die Kugeln gravieren... Heike)).
Es dürfte wohl unnötig sein, hier zu erwähnen, daß die wohl kommende Hauptperson, Polizei-Captain Killroy (Welch ein Name!) (* "Killroy was here"? Heike) sowie alle anderen Handlungscharaktere noch nicht einmal ansatzweise charakterisiert werden. Dafür ist die Sprache wenigstens bemüht auf jugendlich getrimmt - so bemüht, daß man eigentlich nur noch die Wahl hat, darüber zu lachen oder zu weinen. Oder, um es kurz zu fassen: Grausam.
In diesem Roman finden sich mehr Meuchelmorde der deutschen Sprache, als ich sie in dieser Rezension aufzählen könnte. Wer mir nicht glaubt, sollte einfach nur das Heft an einer beliebigen Stelle aufschlagen und zu lesen anfangen. Wenn der Eindruck entsteht, daß Zehnjährige für Gleichaltrige Romane verfassen, dann frage ich mich doch ernsthaft, welcher der Bastei-Bosse diese Reihe genehmigt hat. Ich gebe der Serie persönlich jedoch bestenfalls die üblichen 25 Bände, die die Oberen bei Bastei erfahrungsgemäß bei einer zweiwöchentlich erscheinenden Serie zirka brauchen, um die Entscheidung zu treffen, eine Serie abzusetzen...

Fazit:
Der erste Band der neuen Bastei-Serie erweist sich als offensichtlich gewollt auf jugendlich getrimmt. Dummerweise ist er nicht nur sprachlich um einige Klassen unter bestehenden Serien anzusiedeln, sondern auch inhaltlich eigentlich gar kein phantastischer Roman. Ein Krimi mit einem zufälligerweise auftauchenden Vampir - mehr ist das nicht. Und zudem auch noch ein schlechter Krimi. Stilistisch einem Zehnjährigen gleich, wankt der Roman durch seine Handlung, ohne dabei aber zu wissen, ob er nach links oder nach rechts abbiegen soll. Insgesamt ist dies ziemlicher Unsinn - zwar schnell zu lesen, aber das ist auch das einzig Positive an diesem Roman. Wer seinen stilistischen Anspruch auf das Niveau eines Zehnjährigen herabschrauben kann, wird diesen Roman wahrscheinlich gut finden. Ich allerdings habe keinerlei Ahnung, für was ich diesem Roman auch nur einen einzigen Punkt geben könnte. (* Eventuell vielleicht dafür, daß er irgendwann wieder zu Ende war...? Heike)
0 Punkte.

Winfried Brand

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