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Eigentlich sollte man den Bastei-Verlag bewundern: Die
Ausdauer, mit der dieser neue Heftserien auf den Markt
wirft, die dem Phantastik-Genre zuzuordnen sind, ist schier
unglaublich.
Sieht man sich jedoch die Qualität der
Veröffentlichungen an, stehen dem Leser die Nackenhaare
zu Berge. Nach der wirklich guten Reihe "Vampira" hat Bastei
nur wenig Lesenswertes unter das Volk geworfen. Da hatten
wir den "Grusel-Schocker", bei dem man schon an der
Namensgebung erkennen konnte, für welches Zielpublikum
er geschrieben, bzw. die Zusammenstellung alter Romane
vorgenommen wurde. Da ist "Maddrax" - mithin die einzig
lesenswerte neue Serie des Verlags. Und "Torn" ist ein
ziemlicher Totalverlust - nur haben es entweder die Leser
(so noch vorhanden) oder der Verlag noch nicht gemerkt.. Vom
(un-)seligen "Mark Hellmann" einmal ganz zu schweigen...
(* Für den wünsche ich mir eigentlich noch
einen Zeitreisenden, der diesen Unglücksfall irgendwie
zurückkorrigiert, Zeitparadoxon hin oder her...
Heike)
Nun also gibt es "Vampire" (Nicht zu verwechseln mit
"Vampira" - der letzte Buchstabe macht den Unterschied!),
und der erste Roman bietet doch sehr wenig von dem, was der
Titel verspricht. Nun mag der vielbeschworene "Altleser"
gehofft haben, hier etwas ähnliches wie "Vampira"
vorzufinden, doch wird diese Hoffnung bereits innerhalb der
ersten paar Sätze des Romans aufs Brutalste
zerstört. Dies ist halt nicht nur der Unterschied eines
einzelnen Buchstaben; zwischen den beiden Serien liegen
ganze Welten.
Was der erste Roman der Serie "Vampire" bietet, ist schlicht
und ergreifend ein noch nicht einmal besonders logisch
aufgebauter, dafür aber einfach nur schlecht
geschriebener Kriminalroman, bei dem zufälligerweise
irgendwelche - ähm, nee, ist an sich nur einer -
Vampire auftauchen.
Die "auf Teufel-komm-raus" auf jugendlich getrimmte Sprache
nervt mehr, als daß sie auf irgendeine Weise zu einer
irgendwie gearteten Stimmung beitragen könnte. Hier und
in den übermäßig verwendeten Anglizismen
wird deutlich, auf welches Publikum diese Serie abzielt: die
10-12jähigen. Sprachlich nähert der Autor sich
jedenfalls dieser Zielgruppe an, schreibt in dem Stil, den
sie selber auch schreiben würden. (Ich überlege
ernsthaft, ob ich MH Nr. 1 im Nachhinein noch ein oder zwei
Punkte zukommen lassen sollte - im Vergleich zu diesem
ersten Band von "Vampire" wäre dies mehr als nur
gerecht...)
Jaa, gut, dieser Roman liest sich sicherlich flott, und in
der Straßenbahn oder im Zug bemerkt der Leser
vielleicht noch nicht mal seine Schwächen, doch wenn er
sich einmal ein wenig näher mit dem Text
auseinandersetzt, ist dies unumgänglich.
Wobei dieser Text eher als "kreativ" zu werten ist,
zumindest was die Wortschöpfungen angeht. Da gibt es
"Schießer". Da rollt irgendwer mit den Schultern (ja,
ähem - wohin denn eigentlich???)
Ich frage mich auch, welcher Schlägertyp den Ausruf
tätigt: "Du sollst krepieren! Krepieren sollst du!!"
oder weshalb der Vampir Bruce vor einem Vorschlaghammer
Angst hat (ein Treffer könnte ja weh tun (*
Wahrscheinlich ist der Griff desselben aus Eichenholz, und
man könnte ihn damit pfählen? Heike)), einer
vorgehaltenen Pistole jedoch kaltlächelnd entgegentritt
(ein Schuß daraus tut offensichtlich weniger weh...
(* Stimmt, wenn sie nicht mit geweihten Silberkugeln
geladen ist... Oder wirken die heutzutage nur noch gegen
Werwölfe? (* Kommt auf die Bastei-Serie an... Winy) Ich
meine, man könnte ja Kreuzchen in die Kugeln
gravieren... Heike)).
Es dürfte wohl unnötig sein, hier zu
erwähnen, daß die wohl kommende Hauptperson,
Polizei-Captain Killroy (Welch ein Name!) (* "Killroy was
here"? Heike) sowie alle anderen Handlungscharaktere
noch nicht einmal ansatzweise charakterisiert werden.
Dafür ist die Sprache wenigstens bemüht auf
jugendlich getrimmt - so bemüht, daß man
eigentlich nur noch die Wahl hat, darüber zu lachen
oder zu weinen. Oder, um es kurz zu fassen: Grausam.
In diesem Roman finden sich mehr Meuchelmorde der deutschen
Sprache, als ich sie in dieser Rezension aufzählen
könnte. Wer mir nicht glaubt, sollte einfach nur das
Heft an einer beliebigen Stelle aufschlagen und zu lesen
anfangen. Wenn der Eindruck entsteht, daß
Zehnjährige für Gleichaltrige Romane verfassen,
dann frage ich mich doch ernsthaft, welcher der Bastei-Bosse
diese Reihe genehmigt hat. Ich gebe der Serie
persönlich jedoch bestenfalls die üblichen 25
Bände, die die Oberen bei Bastei
erfahrungsgemäß bei einer zweiwöchentlich
erscheinenden Serie zirka brauchen, um die Entscheidung zu
treffen, eine Serie abzusetzen...
Fazit:
Der erste Band der neuen Bastei-Serie erweist sich als
offensichtlich gewollt auf jugendlich getrimmt. Dummerweise
ist er nicht nur sprachlich um einige Klassen unter
bestehenden Serien anzusiedeln, sondern auch inhaltlich
eigentlich gar kein phantastischer Roman. Ein Krimi mit
einem zufälligerweise auftauchenden Vampir - mehr ist
das nicht. Und zudem auch noch ein schlechter Krimi.
Stilistisch einem Zehnjährigen gleich, wankt der Roman
durch seine Handlung, ohne dabei aber zu wissen, ob er nach
links oder nach rechts abbiegen soll. Insgesamt ist dies
ziemlicher Unsinn - zwar schnell zu lesen, aber das ist auch
das einzig Positive an diesem Roman. Wer seinen
stilistischen Anspruch auf das Niveau eines
Zehnjährigen herabschrauben kann, wird diesen Roman
wahrscheinlich gut finden. Ich allerdings habe keinerlei
Ahnung, für was ich diesem Roman auch nur einen
einzigen Punkt geben könnte. (* Eventuell vielleicht
dafür, daß er irgendwann wieder zu Ende war...?
Heike)
0 Punkte.
Winfried
Brand

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