Nikola
Tesla, unter anderem Erfinder, begegnet um das Jahr 1880 dem
Schriftsteller Karl May. Beide Charaktere könnten
unterschiedlicher nicht sein - der eher bürgerlich situierte
Tesla auf der einen Seite und der etwas exzentrische May auf der
anderen. Dennoch findet man sich sympathisch, und May nimmt mit
Freuden an, als Tesla ihn zu seinen Wetterexperimenten in ein kleines
rheinisches Dorf einlädt, unweit der holländischen
Grenze.
Gesagt - getan; kurze Zeit später baut Tesla seine Maschine auf,
und May stößt zu ihm. Doch das Experiment hat ein anderes
Ergebnis als erwartet: Sicher, die elektrischen Geräusche sind
zu hören, aber auch geheimnisvolle Stimmen. kurze Zeit vorher
hatte Tesla zudem eine Frauenleiche entdeckt und ist jetzt erstaunt,
als er auf seiner Phonographenwalze Worte hört, die auf den
Fundort der Leiche zu deuten scheinen.
Je länger die beiden im Ort bleiben, desto mehr
entschließen sie sich, den Mordfall aufzuklären. Bei all
den skurrilen Gestalten und den Verwicklungen, die auf sie zukommen,
keine leichte Angelegenheit...
Was hat ein historischer Krimi im Flash zu suchen? Nun, der Autor
Jürgen Heinzerling schreibt bei den Abenteurern mit. Grund
genug, den Roman im Flash zu besprechen. Finde ich jedenfalls. Zudem
hat der Roman durchaus phantastische Elemente und paßt von
daher doch.
Dieser Roman ist amüsant, spritzig und witzig, gut recherchiert
und zudem überaus spannend. Damit könnte ich jetzt die
Rezension beschließen, aber so einfach möchte ich es mir
dann doch nicht machen.
Der Autor hat wirklich hervorragend recherchiert - überaus
detailliert und kenntnisreich erschafft er vor dem Leser eine
lebendige historische Umgebung. Nicht nur Hamminkeln bekommt ein
glaubwürdiges Flair, auch das Köln des 19. Jahrhunderts,
der Dom ist gerade erst fertiggestellt worden, ist so hervorragend
erschaffen, daß man meint, man könnte die alten
Straßen und Gebäude regelrecht vor sich sehen.
Hinzu kommt - neben der wirklich sehr spannenden Krimi-Handlung, die
am Schluß sogar in einer Art göttlicher Gerechtigkeit
endet (ich mag sowas) - eine Ansammlung von skurrilen Charakteren.
Tesla hat ein Zimmer bei einem alten Kapitän gemietet, der mit
allerlei Dönekes aufwarten kann, hinzu kommen noch ein
englischer Lord mit seinem fast-indianischem Diener und nicht zu
vergessen Elaine, eine Bekannte Teslas, die es allerdings eher auf
Karl May abgesehen hat.
Es ist natürlich ein Wagnis, historische Personen in einer
erfundenen Handlung agieren zu lassen; doch was man so von Karl May
weiß - leider wußte ich von Tesla nicht viel, das wird
sich aber nach diesem Roman gewiß ändern - könnte er
sich wirklich so verhalten haben, wie er im Roman geschildert wird.
Köstlich ist zudem, wie Jürgen Heinzerling die zahlreichen
Dialekte in Szene setzt - das breite Dresdner Platt (* Für
PLATTDÜTSCH halte ich das aber nicht eben...! Heike) und das
Kölsch vor sich zu sehen und zu lesen, ist ein Genuß
für sich.
Hinzu kommen noch zahlreiche amüsante Anekdoten - und zudem ist
der Roman aus der Sicht von Tesla erzählt, der kleine Spitzen
gegen May schießt, die dieser meistens sehr elegant erwidert.
Trotz der Unterschiedlichkeit der beiden Personen merkt man doch, wie
sehr sich die beiden mögen.
Fazit:
Historischer Krimi mit einem Schuß Comedy - das kann gut- oder
auch schiefgehen. In diesem Fall hat Jürgen Heinzerling es
geschafft, eine sehr amüsante und überaus spannende
Geschichte zu erzählen.
14 Punkte