Daniel Kerner und Werner A. Wilbert:

"Testflug der Observer II"

(John Coan - Band 2)
D 2001
(178 Seiten, Paperback, Verlag Wilbert, DM 19,80)
- erschienen: Oktober 2001 -

Zum Inhalt:
Während John Coan & Co. sich mit fröhlichem Scheibenschießen vergnügen, wird auf der Erde eine Intrige aufgeklärt...

Mehr muß man zu diesem Roman nun wirklich nicht sagen. Wir bedenken: Dies ist der zweite Band einer neuen SF-Serie - eigentlich sollte dieser wohl die Handlung ein wenig voranbringen. Was hier jedoch geboten wird, kann man bestenfalls als Füllroman bezeichnen. Die Handlung um die titelgebende Person kann man getrost vergessen. Oha, wir haben ein Beiboot ergattert - nur, was machen wir damit? Wir testen dessen Kampfkraft und zerbröseln ein paar Asteroiden. Na klasse... Wenn das wenigstens halbwegs sinnvoll in den Zusammenhang der Serie eingebaut wäre. Statt dessen wird ausgesagt, daß man die beiden im Kampf befindlichen Raumschiffe aus Band 1 von der Erde aus nur wegen ihrer Kampfhandlungen orten konnte, während das fröhliche Scheibenschießen auf Asteroiden selbst in nächster Nähe und mitsamt des Feuerwerk-Effekts offensichtlich nicht entdeckt wird...
Gänzlich lächerlich wird dieser Bereich der Handlung, wenn der Leser erfährt, daß die vier Raketen, die den Asteroiden zerpulvert haben, auch ausgereicht hätten, um einen "TRB"-Raumer (das Mutterschiff) sogar mit eingeschaltetem Schutzschirm hinwegzufegen - und John Coan sich fragt, wie stark denn der Gegner aus dem ersten Band gewesen sein muß, um eben dieses Schiff zum Absturz zu bringen. Die Antwort ist einfach: Offensichtlich wesentlich schwächer als dieses Beiboot, das den Raumer nicht nur zum Absturz hätte bringen können, sondern ihn gleich zerblastert hätte... (Die Handlungslogik entflieht leise schluchzend durch die Hintertür, ohne daß jemand sie aufhalten könnte...)
Dabei fragt sich der Leser, weshalb dieser Roman eigentlich den Titel "Testflug der Observer II" trägt, denn dieser Testflug (bzw. die Testflüge) nehmen vielleicht ein Drittel des Romans ein, während der Rest der Handlung eine Spionagegeschichte widerspiegelt, die die Verhältnisse auf der Erde ein wenig näher beleuchtet.
Dummerweise hat diese Spionagegeschichte jedoch nichts mit der Haupthandlung der Serie zu tun (es sei denn, Wilbert zaubert in einem der nächsten Romane eine Verbindung herbei, was angesichts des Endes jedoch eher als unwahrscheinlich betrachtet werden darf...). Ähm, dies ist der zweite(!) Band einer Serie?!? Und zu zwei Dritteln nicht handlungsrelevant?!? Oha...
Wenn hier jetzt wenigstens weitere Hintergründe der Verhältnisse auf der Erde erklärt würden, könnte man dies ja noch verkraften, doch leider bleibt dieser Teil auf dem Niveau einer Agentenstory à la James Bond hängen: bloß nichts Tiefergehendes erzählen.
Dabei ist genau dieser Teil des Romans nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich das Beste an diesem Buch. Daniel Kerner kann durchaus schreiben und den Leser unterhalten, und wenn die Story als Einzelroman in irgendeiner Serie herausgebracht worden wäre, hätte ich sie auch begrüßt. Nun, daß sie innerhalb des zweiten John Coan-Bandes erschienen ist, macht sie sicherlich nicht schlechter (weshalb es unten auch eine Punktzahl gibt, für die man tatsächlich Finger brauchen könnte, um sie daran abzuzählen...), aber im zweiten(!) Band der Serie?!? Sollte in einem solchen Band nicht eigentlich das weitere Handlungsgerüst näher beleuchtet werden? Was sucht ein Roman, der auch sehr gut ohne diesen Zusammenhang existieren könnte, in solch einem Buch?? Gibt es zu dieser Serie auch ein schlüssiges Konzept???
Allerdings möchte ich nicht verschweigen, daß es sich bei John Coan Band 2 um den ersten Roman des Verlags Wilbert handelt, der nicht in irgendeiner Form verdruckt ist, der durchgehend in einer sichtbaren Schrift gehalten ist und den (fast) keine Layoutprobleme entstellen. Offensichtlich hat man im Verlag inzwischen die Software in den Griff bekommen. "Bravo!" kann ich dazu nur sagen!

Fazit:
Daniel Kerners zwei Drittel des Romans retten die Bewertung in einen halbwegs zählbaren Bereich, auch weil sie gut als eigenständiger Roman dastehen könnten. Oder vielleicht gerade deshalb? Und wäre dies der Fall gewesen, hätte er allein sicherlich auch mehr Punkte bekommen. John Coan jedenfalls verschläft den zweiten Band seiner Serie bei schlecht beschriebenen Testflügen und fröhlichem Scheibenschießen auf Asteroiden. Hm, ist das jetzt Band zwei oder Band 2803 der Serie?!? Äh, ja, ersteres... Man möchte dem Expokraten doch bitte mal die Grundstrukturen einer Serie erklären... Als zweiten Band einen Füllroman zu bringen... Weia...
4 Punkte.

Winfried Brand

Hurra! Endlich einmal ein nicht verdrucktes Buch aus dem Wilbert-Verlag! Alle Seiten sind gut lesbar! Alle Seitenzahlen sind an der richtigen Stelle! Selbst orthographische Fehler halten sich diesmal in Grenzen, wenn auch Komma- und Trennungsfehler immer noch viel zu häufig sind.
Dieses Buch wird später mal ein gesuchtes Sammlerobjekt werden, denn eine derart eigenartige Zusammenarbeit zwischen zwei Autoren ist mir selten untergekommen. Schon aus einem Meter Entfernung kann man am Satzbild erkennen, wer welche Teile verfaßt hat. In den Passagen von Werner A. Wilbert regiert wieder der Grundsatz: ein Satz = ein Absatz, während die Handlungsteile von Daniel Kerner (kein Newcomer, sondern ein Pseudonym eines bekannteren Autors) halbwegs normal wie ein Roman aussehen.
Worum geht es? Nun, Daniel Kerner erzählt uns eine Spionagegeschichte auf der Erde, die mit der übrigen Handlung kaum etwas zu tun hat, und bietet den üblichen Mix aus Verrat, Verführung und Attentaten, wie man das halt so kennt. Werner A. Wilbert läßt John Coan und seine Mannen ihr neues, von Außerirdischen erbeutetes Schiff ausprobieren, und so wird nichts anderes geboten als irgendwelche sich ständig wiederholenden Abschüsse von Asteroiden und Meteoriten. Mit viel Wohlwollen kann man von einem "Brückenroman" sprechen, von einer irgendwie gearteten Handlung weniger.
Die Spionagegeschichte ist zwar von einem routinierten Autor geschrieben, weckt aber deswegen kaum Interesse, weil man so etwas schon unendlich oft gelesen hat und auch keine Bemühungen feststellbar sind, die bekannten Topoi wenigstens ein klein wenig zu variieren. Etwas besser als das ebenfalls dieses Jahr erschienene "S.Y.N.D.I.C.", aber nicht wirklich spannend oder interessant.
Die Passagen um John Coan allerdings sind nur schwer erträglich. Zeugten schon die bisherigen Wilbert-Bücher von Schlampigkeit und Schludrigkeit und waren ein Ausbund von Stilblüten, drängt sich diesmal der Eindruck auf, daß Werner A. Wilbert diese Passagen noch schneller runtergeschrieben hat als sonst. Vieles wirkt geradezu mitleiderregend unbeholfen und hätte dringend eines Lektors bedurft, der zumindest die schlimmsten Passagen hätte glattbügeln können.
Anstelle der sonst vielen Zitate soll diesmal nur eines für den grauenhaften Stil des Autors Zeugnis ablegen; man achte im folgenden einmal auf Wortwahl, Verwendung von Bildern und Satzbau.

Zitat, Seite 35 unten:
"Aus solchen Männern macht man Besatzungen, die das All aus den Angeln heben können. Bei seinen Gedanken mußte Commander Coan still lächeln.
Das All aus den Angeln heben. Sie hatten gerade mal eben ein Zipfelchen des Alls ergriffen, allein es anzuheben, reichte ihre Kraft bei weitem nicht. Und dann das ganze All..."

Von dieser Art Sätze ließen sich viele Beispiele anbringen, die ich dem geneigten Leser dieser Rezension aber ersparen möchte. Neben dem Stil hat der Autor auch noch immer keinerlei Vorstellung davon, wie man Bilder erschafft. Wenn er bei abgesprengten Meteoritenteilchen von "lösbaren Teilchen" redet, stellen sich zum Beispiel fatale Assoziationen zu Instant-Coffee ein. Auch von Charakterisierung kann keine Rede sein; etwaige Versuche, wie eine Szene, in der John Coan und ein Soldat darüber nachdenken, ob sie zur Anrede "Du" übergehen sollen - und das, im Gegensatz zum Leser, furchtbar lustig finden - helfen da auch nicht viel.
Vielleicht, ja, vielleicht tut man Werner A. Wilbert aber auch unrecht, und in einigen Jahrzehnten gilt er, wie weiland James Joyce, als Begründer eines neuen Schreibstils oder einer neuen Richtung in der Literatur. Ich hege aber die Befürchtung, daß dem nicht so ist und daß der Autor sich schlicht nicht bewußt ist (oder sich nicht bewußt macht), was er da zu Papier bringt.
Trotzdem sind die Wilbert-Passagen unterhaltsamer als die von Daniel Kerner. Während man sich bei Kerner nur durch eine extrem gewöhnliche, wenn auch routiniert geschriebene Spionagestory schleppt (was vielleicht eher dem Exposé als dem Autor anzulasten ist), entsteht in den Wilbert-Passagen durch das Warten auf die nächste Stilblüte noch ein gewisser Unterhaltungswert.

Fazit:
Höchst eigentümliche Mischung aus einem zu gewöhnlichen Spionageroman und einem völlig mißglückten SF-Abenteuer, das zwar ein Nichts an Handlung oder Charakterisierung aufweist, aber durch eine Stilblüte nach der anderen noch für einen gewissen trashigen Unterhaltungswert sorgt.
3 Punkte

Oliver Naujoks

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