Nach einer
Zwangspause von zwei Jahren geht es jetzt nach einem Wechsel des
Verlages von BLITZ zu mg mit David Murphy weiter.
Wir erinnern uns:
Am Ende von Band 2 wird Murphy bei einem "Unfall" schwer verletzt und
muß seitdem das Bett hüten. Band 3 war eine Anthologie mit
Kurzgeschichten, und jetzt geht es in Band 4 mit der eigentlichen
Handlung unter neuer Verlagsflagge weiter.
Da die Hauptfigur David Murphy auch diesen Band
größtenteils im Bett verbringt und von Alpträumen
geplagt wird, führen die Autoren neue Charaktere und
Handlungsebenen ein oder führen bereits altbekannte fort. So
registriert man mit Freude, daß dem aus MURPHY 2 bekannten
sympathischen Journalistenpaar William Clovis und Coletta Connors
viel Raum gewidmet wird; diese jagen diesmal den sogenannten
X-Bomber. Fernerhin zieht es die ebenfalls bereits bekannten Luc
Dumont und die geheimnisvolle Kate nach Argentinien, und die
Bösewichte Meziére und Aleister Crowley führen
wieder Böses im Schilde. Wem das an Handlungsebenen noch nicht
reicht, der bekommt ebenfalls noch eine Art "Straßengang"
präsentiert.
Man merkt schon: sehr viele Handlungsebenen für einen kurzen
Roman, und genau dort liegt auch das Problem. Natürlich ist es
offensichtlich, daß das Konzept von MURPHY seit den BLITZ-Tagen
etwas geändert wurde und dieser Roman nur als Teil einer ganzen
Serie zu begreifen ist, deren verschieden Handlungsstränge in
den nächsten Büchern fortgeführt werden, was es dem
Autorenteam natürlich auch erleichtert, sich die Arbeit
aufzuteilen.
Das ändert aber nichts daran, daß es dem Leser durch die
Vielzahl der Charaktere und Handlungsschauplätze auf engem Raum
sehr erschwert wird, Sympathie für die handelnden Figuren
aufzubauen. Daher stellt sich in vielen Handlungsebenen - außer
der mit William und Coletta (stammen diese Szenen von Alfred Wallon
oder Antje Ippensen? Bitte mehr davon!) - eher Langeweile ein. Dies
liegt auch daran, daß keine großen Überraschungen
geboten werden und man solche Szenen wie die mit den Bösewichten
nun wirklich schon Dutzende von Malen gelesen hat. Gerade weil vieles
sehr bekannt daherkommt und die Autoren den handelnden Personen nur
in Einzelfällen Leben einzuhauchen vermögen, kommt nur an
wenigen Stellen Spannung auf. Da helfen auch Überraschungen
nichts, wie zum Beispiel die, daß die Bösewichte
ausgerechnet den Westernhelden Butch Cassidy (sic!) reanimieren. Die
Tatsache, daß zwei FBI-Agenten, die sich mit
übernatürlichen Phänomenen befassen, im Roman Mulker
und Callis heißen, ist unter mißlungenem Humor zu
verbuchen - solche Verballhornungen hatten wir doch nun wirklich
schon zu oft.
Das Vergnügen wird ebenfalls durch den Schreibtstil gemindert,
der teilweise etwas zu sehr in die Heftroman-typische Gossensprache
abdriftet und an vielen Stellen Unbeholfenheit offenbart. Sätze
wie: "Allein diese kalte und unpersönliche Frage jagte dem
Zollbeamten einen ziemlichen Schauer über den Rücken. (S.
167)" klingen in ihrer etwas eigentümlichen Wortwahl
("ziemlich"?!) eher nach einer Fanpublikation. Immerhin hört die
aus früheren Bänden bekannt-berüchtigte Klammertechnik
auf, bei welcher fast jeder zweite Satz durch einen
"erklärenden" Satz in Klammern unterbrochen wurde. Dies kann
entweder daran liegen, daß Alfred Wallon endlich ein Einsehen
hatte - oder daß die Klammern dem diesmal nicht beteiligten
Co-Autoren M. Munsonius anzulasten sind.
Nichtsdestotrotz unterhält der Band einigermaßen, so
daß man zwar nicht begeistert, aber immerhin gelinde
unterhalten sein wird - und zumindest die Passagen mit William und
Coletta sind unterhaltsam und recht spannend geschrieben; eine
Liebesszene zwischen den beiden ist äußerst gelungen und
amüsant. Die MURPHY-Serie hob sich von Heftromanen bisher durch
einen deutlich verstärkten Einsatz von Sex und Gewalt ab.
Heftige Gewaltszenen gibt es zwar auch diesmal wieder reichlich; sie
wurden aber gegenüber den Vorgängerbänden leicht
zurückgenommen, während Erotikszenen in diesem Band sowohl
quantitativ als auch qualitativ deutlich weniger vorhanden sind.
Warum diese ständigen Vergleiche zum Heftroman? Nun, mehr will
DAVID MURPHY nicht sein, und so muß sich die Serie diesen
Vergleichen stellen.
Noch eine Warnung: Als Einstiegsband ist dieses Buch wenig geeignet,
trotz einiger erklärender (Bastei-typischer) Fußnoten. Man
sollte sich schon die bisherigen Bände besorgen (die
BLITZ-Bände sind noch erhältlich und werden später vom
mg-verlag neu aufgelegt), da deren Kenntnis vorausgesetzt wird.
Abschließend kann man den Autoren nur zurufen: Bitte mehr von
William und Coletta und dafür deutlich weniger
Handlungsebenen.
Das Cover des Bandes ist zeichnerisch gelungen, nur die Plazierung
von Autoren, Titel und Reihe wirkt völlig verunglückt und
wirr, war aber wahrscheinlich als "innovativ" gedacht.
Fazit:
Nicht sonderlich aufregende Fortsetzung der MURPHY-Serie, die, einem
neuen Konzept geschuldet, unter viel zu vielen Handlungsebenen
leidet, aber zumindest stellenweise in den Passagen um ein
Journalistenpaar ordentlich unterhält.
6 Punkte