Alfred Wallon & Antje Ippensen:

"Meister der Lügen"

(David Murphy - Band 4)
(185 Seiten, mg-verlag, Paperback, ISBN 3-931164-01-2, DM 22, 80)
- erschienen: September 2001 -

Nach einer Zwangspause von zwei Jahren geht es jetzt nach einem Wechsel des Verlages von BLITZ zu mg mit David Murphy weiter.

Wir erinnern uns:
Am Ende von Band 2 wird Murphy bei einem "Unfall" schwer verletzt und muß seitdem das Bett hüten. Band 3 war eine Anthologie mit Kurzgeschichten, und jetzt geht es in Band 4 mit der eigentlichen Handlung unter neuer Verlagsflagge weiter.

Da die Hauptfigur David Murphy auch diesen Band größtenteils im Bett verbringt und von Alpträumen geplagt wird, führen die Autoren neue Charaktere und Handlungsebenen ein oder führen bereits altbekannte fort. So registriert man mit Freude, daß dem aus MURPHY 2 bekannten sympathischen Journalistenpaar William Clovis und Coletta Connors viel Raum gewidmet wird; diese jagen diesmal den sogenannten X-Bomber. Fernerhin zieht es die ebenfalls bereits bekannten Luc Dumont und die geheimnisvolle Kate nach Argentinien, und die Bösewichte Meziére und Aleister Crowley führen wieder Böses im Schilde. Wem das an Handlungsebenen noch nicht reicht, der bekommt ebenfalls noch eine Art "Straßengang" präsentiert.
Man merkt schon: sehr viele Handlungsebenen für einen kurzen Roman, und genau dort liegt auch das Problem. Natürlich ist es offensichtlich, daß das Konzept von MURPHY seit den BLITZ-Tagen etwas geändert wurde und dieser Roman nur als Teil einer ganzen Serie zu begreifen ist, deren verschieden Handlungsstränge in den nächsten Büchern fortgeführt werden, was es dem Autorenteam natürlich auch erleichtert, sich die Arbeit aufzuteilen.
Das ändert aber nichts daran, daß es dem Leser durch die Vielzahl der Charaktere und Handlungsschauplätze auf engem Raum sehr erschwert wird, Sympathie für die handelnden Figuren aufzubauen. Daher stellt sich in vielen Handlungsebenen - außer der mit William und Coletta (stammen diese Szenen von Alfred Wallon oder Antje Ippensen? Bitte mehr davon!) - eher Langeweile ein. Dies liegt auch daran, daß keine großen Überraschungen geboten werden und man solche Szenen wie die mit den Bösewichten nun wirklich schon Dutzende von Malen gelesen hat. Gerade weil vieles sehr bekannt daherkommt und die Autoren den handelnden Personen nur in Einzelfällen Leben einzuhauchen vermögen, kommt nur an wenigen Stellen Spannung auf. Da helfen auch Überraschungen nichts, wie zum Beispiel die, daß die Bösewichte ausgerechnet den Westernhelden Butch Cassidy (sic!) reanimieren. Die Tatsache, daß zwei FBI-Agenten, die sich mit übernatürlichen Phänomenen befassen, im Roman Mulker und Callis heißen, ist unter mißlungenem Humor zu verbuchen - solche Verballhornungen hatten wir doch nun wirklich schon zu oft.
Das Vergnügen wird ebenfalls durch den Schreibtstil gemindert, der teilweise etwas zu sehr in die Heftroman-typische Gossensprache abdriftet und an vielen Stellen Unbeholfenheit offenbart. Sätze wie: "Allein diese kalte und unpersönliche Frage jagte dem Zollbeamten einen ziemlichen Schauer über den Rücken. (S. 167)" klingen in ihrer etwas eigentümlichen Wortwahl ("ziemlich"?!) eher nach einer Fanpublikation. Immerhin hört die aus früheren Bänden bekannt-berüchtigte Klammertechnik auf, bei welcher fast jeder zweite Satz durch einen "erklärenden" Satz in Klammern unterbrochen wurde. Dies kann entweder daran liegen, daß Alfred Wallon endlich ein Einsehen hatte - oder daß die Klammern dem diesmal nicht beteiligten Co-Autoren M. Munsonius anzulasten sind.
Nichtsdestotrotz unterhält der Band einigermaßen, so daß man zwar nicht begeistert, aber immerhin gelinde unterhalten sein wird - und zumindest die Passagen mit William und Coletta sind unterhaltsam und recht spannend geschrieben; eine Liebesszene zwischen den beiden ist äußerst gelungen und amüsant. Die MURPHY-Serie hob sich von Heftromanen bisher durch einen deutlich verstärkten Einsatz von Sex und Gewalt ab. Heftige Gewaltszenen gibt es zwar auch diesmal wieder reichlich; sie wurden aber gegenüber den Vorgängerbänden leicht zurückgenommen, während Erotikszenen in diesem Band sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich weniger vorhanden sind. Warum diese ständigen Vergleiche zum Heftroman? Nun, mehr will DAVID MURPHY nicht sein, und so muß sich die Serie diesen Vergleichen stellen.
Noch eine Warnung: Als Einstiegsband ist dieses Buch wenig geeignet, trotz einiger erklärender (Bastei-typischer) Fußnoten. Man sollte sich schon die bisherigen Bände besorgen (die BLITZ-Bände sind noch erhältlich und werden später vom mg-verlag neu aufgelegt), da deren Kenntnis vorausgesetzt wird.
Abschließend kann man den Autoren nur zurufen: Bitte mehr von William und Coletta und dafür deutlich weniger Handlungsebenen.
Das Cover des Bandes ist zeichnerisch gelungen, nur die Plazierung von Autoren, Titel und Reihe wirkt völlig verunglückt und wirr, war aber wahrscheinlich als "innovativ" gedacht.

Fazit:
Nicht sonderlich aufregende Fortsetzung der MURPHY-Serie, die, einem neuen Konzept geschuldet, unter viel zu vielen Handlungsebenen leidet, aber zumindest stellenweise in den Passagen um ein Journalistenpaar ordentlich unterhält.
6 Punkte

Oliver Naujoks


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