Lancelot
Farnsworth ist Kryptozoologe. Er hat sich auf Wesen spezialisiert,
die die meisten normalen Menschen in das Reich der Sage verweisen
würden. Sein Beruf erfordert es, daß er ständig auf
Achse ist. Diesmal führt ihn ein verwaschener Fleck auf einem
Foto in das kleine Dörfchen Elkhart, ein sehr abgeschiedenes
Fleckchen im Malheur National Forest.
Als Lancelot dort ankommt, fällt sein Blick auf eine Art Denkmal
- und verblüfft erkennt er darin seine tote Mutter. Doch bevor
er noch weiter nachforschen kann, fällt er in eine Art Ohnmacht
und erwacht kurze Zeit später im Haus einer jungen Frau. Diese
spricht ihn auf Deutsch an, versteht aber genug Englisch, um sich mit
ihm zu unterhalten. Die Ruhepause ist jedoch nicht von langer Dauer,
da die junge Frau Lancelot in das Haus von Nestor bringt. Dort
erwartet Lancelot der Tod.
Etliche Wochen später: Zamorra und Nicole besuchen die
Beerdigung von Richard Teufelmans in Lyon. Sie begegnen Rebecca, der
Frau von Lancelot, die sich Sorgen um ihn macht. Zamorra und Nicole
versprechen ihr, bei der Suche nach ihm zu helfen, und machen sich
auf den Weg nach Oregon.
Dort werden sie bald auf das Dorf Elkhart aufmerksam gemacht, das von
der modernen Zivilisation nichts wissen will. Da Lancelot sich
vermutlich dort aufgehalten hat, mieten Zamorra und Nicole ein
Wohnmobil und machen sich auf den Weg. Nach einem Unfall, bei dem sie
einen zehnjährigen Jungen anfahren und dessen merkwürdige
Augen sehen, haben sie den Eindruck, daß die Zeit drängt.
Zu später Stunde erreichen sie das Dorf - und während
Nicole im Denkmal den verstorbenen Butler Raffael sieht, erblickt
Zamorra Bill Fleming. Zamorra versucht, mittels der Zeitschau
herauszufinden, ob Lancelot im Ort gewesen ist. Doch anstatt der
gewohnten Bildfläche im Amulett beginnt auf einmal das Denkmal
seine Gestalt zu verändern - rasend schnell tauchen
hintereinander Personen auf, die weder Zamorra noch Nicole kennen.
Bis auf eine. Diese eine Person ist Lancelot.
Beide beschließen, ihr Glück am nächsten Morgen zu
versuchen.
Unterdessen ist Nestor auf die beiden Fremden aufmerksam geworden. Er
konsultiert ES, das ihm bisher zur Seite stand. Die Fremden
müssen sterben.
Kurz nachdem Nicole und Zamorra sich in das Wohnmobil
zurückgezogen haben, beginnt dieses zu schrumpfen. Zamorra
versucht, an den Dhyarra heranzukommen, um den Prozeß
umzukehren.
Der zehnjährige Junge, den Zamorra angefahren hat - Karl -
erreicht das Dorf. Es stellt sich heraus, daß er und Nestor
Brüder sind. Als Karl die Geräusche hört, die mit dem
Schrumpfen des Wohnmobils einhergehen, eilt er zum Ort des Geschehens
und kann dort den Prozeß aufhalten. Seine Anwesenheit
überrascht Nestor. Während beide ein heftiges Wortgefecht
miteinander führen, kann Zamorra den Dhyarra ergreifen und ihn
einsetzen - und Nicole und er erwachen am nächsten Morgen.
Wie schon am Vorabend beschlossen, suchen sie im Dorf nach jemanden,
der Lancelot gesehen hat. Sie treffen auf mehrere Bewohner, die genau
dieselben Augen wie Karl haben. Als sie Reifenspuren folgen,
entdecken sie den Friedhof, auf dem sich Lancelots Grab und sein Auto
befinden. Bevor sie jedoch handeln können, bekommen beide einen
Schlag auf den Kopf und finden sich kurze Zeit später in einem
Schuppen wieder, zusammen mit Karl. Dieser erzählt ihnen die
Geschichte von Elkhart, nachdem er ihnen eröffnet hat, daß
er eigentlich schon seit hunderten von Jahren tot ist.
Die Bewohner haben Elkhart 1850 gegründet. Karl selbst wurde
kurz danach geboren. Nestor, sein Bruder, war mit Alma verheiratet,
die jedoch durch einen Pferdetritt getötet wird - doch etliche
Tage später tauchte sie wieder auf, als wäre sie nie
gestorben. Laut Nestor hat Gott ihm die Gabe der Totenerweckung
geschenkt. Karl jedoch zweifelt daran, daß diese Gabe von Gott
kommt, und er verläßt das Dorf, kurz nachdem Nestor ihn
ebenfalls von den Toten auferweckt hat.
Karl, Zamorra und Nicole werden unsanft unterbrochen - die
Dorfbewohner unter dem Befehl von Nestor schleppen sie zur Dorfmitte.
Am Tag zuvor hat ES mit Nestor gesprochen - ES spürt, daß
Zamorra Kräfte hat, die ES nutzen kann. Deswegen wird es Nestor
verlassen und sich Zamorra als neuen Wirt erwählen.
Nachdem Zamorra gezwungenermaßen das Denkmal, das Siegel,
berührt und ES in seinen Körper geschlüpft ist,
erfährt Zamorra, daß ES ein Gestrandeter ist. Die
Situation eskaliert, als ein Trupp von Soldaten mit Hubschraubern
auftaucht, offenbar auf der Suche nach Karl. Als Zamorra den Dhyarra
benutzt, fällt Nicole in Ohnmacht.
Als sie erwacht, sieht das Dorf aus, als hätte dort eine
Schlacht stattgefunden. Verwesende Leichen und Skelette bedecken den
Boden. Keiner der Bewohner ist mehr am Leben.
Auf der Rückfahrt erzählt Zamorra, daß das Wesen aus
einer andere Dimension stammte und durch ein Tor auf die Erde kam.
Dieses war jedoch instabil, so daß es hier gefangen war. Da es
annahm, daß man nach ihm suchen würde, beschloß es,
Elkhart als eine Art Signalposten einzurichten. Da das Leben in der
anderen Dimension dem unsrigen nicht gleicht, waren die Chancen
größer, wenn das Dorf eine Zone wurde, in der das irdische
Leben nicht mehr existiert. Daher fuhr es in Nestor und erweckte die
Toten. Zamorra half dem Wesen, das eigentlich nichts Böses im
Schilde führte, und es ist nun wieder in seiner Dimension.
Einen sehr ruhigen, gemächlichen Roman legt das Autorenduo
Weinland-Stahl hier vor. Nachdem sich Timothy ja von Maddrax
zurückgezogen hat, kann man sich auf etliche Romane von ihm und
Weinland freuen. "Das Dorf der Toten" ist sozusagen der Einstiegsband
- obwohl, ganz so neu ist Manfred Weinland bei Zamorra nicht. Er hat
schon etliche Romane für die Serie verfaßt.
Dieser Roman lebt mehr von seiner Atmosphäre als von
Action-Szenen. Zwar ist die Atmosphäre diesmal nicht so dicht
wie in Stahls Solo-Zamorra "Märchenfluch", aber dem Roman haftet
etwas an, das man wohl als einen "Hauch von Gothic" bezeichnen kann.
Die Idee ist originell, die Charaktere funktionieren, und die Ironie
Nicoles paßt hervorragend. Braucht man noch mehr zu sagen? Ich
denke nicht - der Roman ist genau das richtige für einen dunklen
Novemberabend.
Fazit:
Das Gemeinschaftswerk von Weinland und Stahl vermag in allen Punkten
zu überzeugen. Wer jedoch mehr auf Action steht, darf diesen
Roman getrost überspringen.
Für den ist sicherlich der nächste Clement geeignet...
13 Punkte