Professor Zamorra

Band 718: "Das Dorf der Toten"

Autoren: Adrian Doyle und Timothy Stahl

Lancelot Farnsworth ist Kryptozoologe. Er hat sich auf Wesen spezialisiert, die die meisten normalen Menschen in das Reich der Sage verweisen würden. Sein Beruf erfordert es, daß er ständig auf Achse ist. Diesmal führt ihn ein verwaschener Fleck auf einem Foto in das kleine Dörfchen Elkhart, ein sehr abgeschiedenes Fleckchen im Malheur National Forest.
Als Lancelot dort ankommt, fällt sein Blick auf eine Art Denkmal - und verblüfft erkennt er darin seine tote Mutter. Doch bevor er noch weiter nachforschen kann, fällt er in eine Art Ohnmacht und erwacht kurze Zeit später im Haus einer jungen Frau. Diese spricht ihn auf Deutsch an, versteht aber genug Englisch, um sich mit ihm zu unterhalten. Die Ruhepause ist jedoch nicht von langer Dauer, da die junge Frau Lancelot in das Haus von Nestor bringt. Dort erwartet Lancelot der Tod.
Etliche Wochen später: Zamorra und Nicole besuchen die Beerdigung von Richard Teufelmans in Lyon. Sie begegnen Rebecca, der Frau von Lancelot, die sich Sorgen um ihn macht. Zamorra und Nicole versprechen ihr, bei der Suche nach ihm zu helfen, und machen sich auf den Weg nach Oregon.
Dort werden sie bald auf das Dorf Elkhart aufmerksam gemacht, das von der modernen Zivilisation nichts wissen will. Da Lancelot sich vermutlich dort aufgehalten hat, mieten Zamorra und Nicole ein Wohnmobil und machen sich auf den Weg. Nach einem Unfall, bei dem sie einen zehnjährigen Jungen anfahren und dessen merkwürdige Augen sehen, haben sie den Eindruck, daß die Zeit drängt. Zu später Stunde erreichen sie das Dorf - und während Nicole im Denkmal den verstorbenen Butler Raffael sieht, erblickt Zamorra Bill Fleming. Zamorra versucht, mittels der Zeitschau herauszufinden, ob Lancelot im Ort gewesen ist. Doch anstatt der gewohnten Bildfläche im Amulett beginnt auf einmal das Denkmal seine Gestalt zu verändern - rasend schnell tauchen hintereinander Personen auf, die weder Zamorra noch Nicole kennen. Bis auf eine. Diese eine Person ist Lancelot.
Beide beschließen, ihr Glück am nächsten Morgen zu versuchen.
Unterdessen ist Nestor auf die beiden Fremden aufmerksam geworden. Er konsultiert ES, das ihm bisher zur Seite stand. Die Fremden müssen sterben.
Kurz nachdem Nicole und Zamorra sich in das Wohnmobil zurückgezogen haben, beginnt dieses zu schrumpfen. Zamorra versucht, an den Dhyarra heranzukommen, um den Prozeß umzukehren.
Der zehnjährige Junge, den Zamorra angefahren hat - Karl - erreicht das Dorf. Es stellt sich heraus, daß er und Nestor Brüder sind. Als Karl die Geräusche hört, die mit dem Schrumpfen des Wohnmobils einhergehen, eilt er zum Ort des Geschehens und kann dort den Prozeß aufhalten. Seine Anwesenheit überrascht Nestor. Während beide ein heftiges Wortgefecht miteinander führen, kann Zamorra den Dhyarra ergreifen und ihn einsetzen - und Nicole und er erwachen am nächsten Morgen.
Wie schon am Vorabend beschlossen, suchen sie im Dorf nach jemanden, der Lancelot gesehen hat. Sie treffen auf mehrere Bewohner, die genau dieselben Augen wie Karl haben. Als sie Reifenspuren folgen, entdecken sie den Friedhof, auf dem sich Lancelots Grab und sein Auto befinden. Bevor sie jedoch handeln können, bekommen beide einen Schlag auf den Kopf und finden sich kurze Zeit später in einem Schuppen wieder, zusammen mit Karl. Dieser erzählt ihnen die Geschichte von Elkhart, nachdem er ihnen eröffnet hat, daß er eigentlich schon seit hunderten von Jahren tot ist.
Die Bewohner haben Elkhart 1850 gegründet. Karl selbst wurde kurz danach geboren. Nestor, sein Bruder, war mit Alma verheiratet, die jedoch durch einen Pferdetritt getötet wird - doch etliche Tage später tauchte sie wieder auf, als wäre sie nie gestorben. Laut Nestor hat Gott ihm die Gabe der Totenerweckung geschenkt. Karl jedoch zweifelt daran, daß diese Gabe von Gott kommt, und er verläßt das Dorf, kurz nachdem Nestor ihn ebenfalls von den Toten auferweckt hat.
Karl, Zamorra und Nicole werden unsanft unterbrochen - die Dorfbewohner unter dem Befehl von Nestor schleppen sie zur Dorfmitte. Am Tag zuvor hat ES mit Nestor gesprochen - ES spürt, daß Zamorra Kräfte hat, die ES nutzen kann. Deswegen wird es Nestor verlassen und sich Zamorra als neuen Wirt erwählen.
Nachdem Zamorra gezwungenermaßen das Denkmal, das Siegel, berührt und ES in seinen Körper geschlüpft ist, erfährt Zamorra, daß ES ein Gestrandeter ist. Die Situation eskaliert, als ein Trupp von Soldaten mit Hubschraubern auftaucht, offenbar auf der Suche nach Karl. Als Zamorra den Dhyarra benutzt, fällt Nicole in Ohnmacht.
Als sie erwacht, sieht das Dorf aus, als hätte dort eine Schlacht stattgefunden. Verwesende Leichen und Skelette bedecken den Boden. Keiner der Bewohner ist mehr am Leben.
Auf der Rückfahrt erzählt Zamorra, daß das Wesen aus einer andere Dimension stammte und durch ein Tor auf die Erde kam. Dieses war jedoch instabil, so daß es hier gefangen war. Da es annahm, daß man nach ihm suchen würde, beschloß es, Elkhart als eine Art Signalposten einzurichten. Da das Leben in der anderen Dimension dem unsrigen nicht gleicht, waren die Chancen größer, wenn das Dorf eine Zone wurde, in der das irdische Leben nicht mehr existiert. Daher fuhr es in Nestor und erweckte die Toten. Zamorra half dem Wesen, das eigentlich nichts Böses im Schilde führte, und es ist nun wieder in seiner Dimension.

Einen sehr ruhigen, gemächlichen Roman legt das Autorenduo Weinland-Stahl hier vor. Nachdem sich Timothy ja von Maddrax zurückgezogen hat, kann man sich auf etliche Romane von ihm und Weinland freuen. "Das Dorf der Toten" ist sozusagen der Einstiegsband - obwohl, ganz so neu ist Manfred Weinland bei Zamorra nicht. Er hat schon etliche Romane für die Serie verfaßt.
Dieser Roman lebt mehr von seiner Atmosphäre als von Action-Szenen. Zwar ist die Atmosphäre diesmal nicht so dicht wie in Stahls Solo-Zamorra "Märchenfluch", aber dem Roman haftet etwas an, das man wohl als einen "Hauch von Gothic" bezeichnen kann. Die Idee ist originell, die Charaktere funktionieren, und die Ironie Nicoles paßt hervorragend. Braucht man noch mehr zu sagen? Ich denke nicht - der Roman ist genau das richtige für einen dunklen Novemberabend.

Fazit:
Das Gemeinschaftswerk von Weinland und Stahl vermag in allen Punkten zu überzeugen. Wer jedoch mehr auf Action steht, darf diesen Roman getrost überspringen.
Für den ist sicherlich der nächste Clement geeignet...
13 Punkte

Christian Spließ

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