Die Saat
Jadons trägt Früchte, und was sich am Ende von Band 9
bereits ankündigte, wird "Realität". Etwas verschlingt
Deutschland und weite Teile der angrenzenden Staaten. Duncan zieht es
zu dieser Anomalie, und so macht sich Lilith Eden auf, mit ihm ins
noch nicht verschlungene Frankreich zu reisen, um diesem "Schwarzen
Loch" vielleicht auf die Spur zu kommen.
Währenddessen spielen sich in dem von der Schwärze
befallenen Bereich unglaubliche Dinge ab, und eine Welt wird
Wirklichkeit, von der man eigentlich gehofft hatte, sie wäre
Vergangenheit.
Schwer, diesen Roman zu beurteilen. Sehr schwer! Für mich
zumindest, der ich mich mit Themen dieser Art in Unterhaltungsromanen
eigentlich eher ungern auseinandersetze.
Das erste Kapitel zieht sich und ließ in mir schwere Bedenken
bezüglich der Thematik hochsteigen. Das erledigt sich mit dem
weiteren Roman zwar nicht vollständig, aber der gute Stil und
die flüssige Erzählweise sind dann doch positiv zu
bewerten.
Lilith Eden handelt vergleichsweise (insbesondere im Vergleich mit
den vorhergehenden Bänden) eher wenig; dafür "dürfen"
Landru und Nona die Gefahren des neuen "alten" Deutschlands am
eigenen Leib erfahren. Ebenso ihre plötzliche Machtlosigkeit,
die insbesondere Landru fast schon zu menschlich wirken
läßt. An manchen Stellen schien es auch dem Autoren nicht
ganz klar zu sein, was er nun mit dem Hütervampir machen
sollte.
Wieder eine große Katastrophe, die diesmal sogar den
Fortbestand des ganzen Universums bedroht, und keiner darf auch nur
einmal raten, wer die Rettung bringen soll. Das kommt zwar erst am
Ende des Romans, ist aber letztlich zu erwarten.
Obwohl routiniert geschrieben, kann mich das Buch durch die Thematik
dennoch nicht so richtig begeistern. Es gibt zwar einen sehr guten
amerikanischen Roman, der den Fortbestand des Dritten Reichs auch zum
Thema hat, der aber, da er sich nur und ausschließlich diesem
Thema widmet, insgesamt einfach geschlossener wirkt und diese Epoche
nicht nur als "Schreckens- und Spannungselement" eingebracht
wird.
Es stellt sich sowieso die Frage, warum es ausgerechnet diese Zeit
sein "muß", wenn der Auslöser bereits vor "vielen
Jahrtausenden" gesetzt wurde! Da könnte man sich doch eher eine
nach wie vor römische Herrschaft vorstellen, oder eine
karthagische, altägyptische... was auch immer. Warum diese
Änderung ausgerechnet "erst" diesen aktuellen Zeitraum
betrifft... Ich weiß es nicht, die Autoren hoffentlich schon
;-)
Aber ich muß doch noch einmal sagen: Der Roman an sich ist
spannend und durchgängig gut geschrieben und bietet gute
DVDN-Kost. Wenn nur die Thematik... aber das hatten wir ja schon.
Fazit:
Ob der - letztlich nur als Nebenhandlung und in meinen Augen
"Effekthascherei" - gewählten Zeitepoche, die über die Welt
bzw. Deutschland hineinbricht, kann ich diesen Roman nicht als reine
Unterhaltungsliteratur sehen. Da zudem Lilith Eden wieder nur selten
agieren darf und die Beschreibung des Hütervampirs eher
unentschlossen scheint, hält sich meine Begeisterung in
Grenzen!