Roland Rosenbauer:

"Am Abgrund"

(Das Volk der Nacht - Band 11)
D 2002
( 239 Seiten, Hardcover, Zaubermond Verlag, ISBN 3-931407-67-5, EUR 13,95)
- erschienen: Februar 2002 -

Die Saat Jadons trägt Früchte, und was sich am Ende von Band 9 bereits ankündigte, wird "Realität". Etwas verschlingt Deutschland und weite Teile der angrenzenden Staaten. Duncan zieht es zu dieser Anomalie, und so macht sich Lilith Eden auf, mit ihm ins noch nicht verschlungene Frankreich zu reisen, um diesem "Schwarzen Loch" vielleicht auf die Spur zu kommen.
Währenddessen spielen sich in dem von der Schwärze befallenen Bereich unglaubliche Dinge ab, und eine Welt wird Wirklichkeit, von der man eigentlich gehofft hatte, sie wäre Vergangenheit.

Schwer, diesen Roman zu beurteilen. Sehr schwer! Für mich zumindest, der ich mich mit Themen dieser Art in Unterhaltungsromanen eigentlich eher ungern auseinandersetze.
Das erste Kapitel zieht sich und ließ in mir schwere Bedenken bezüglich der Thematik hochsteigen. Das erledigt sich mit dem weiteren Roman zwar nicht vollständig, aber der gute Stil und die flüssige Erzählweise sind dann doch positiv zu bewerten.
Lilith Eden handelt vergleichsweise (insbesondere im Vergleich mit den vorhergehenden Bänden) eher wenig; dafür "dürfen" Landru und Nona die Gefahren des neuen "alten" Deutschlands am eigenen Leib erfahren. Ebenso ihre plötzliche Machtlosigkeit, die insbesondere Landru fast schon zu menschlich wirken läßt. An manchen Stellen schien es auch dem Autoren nicht ganz klar zu sein, was er nun mit dem Hütervampir machen sollte.

Wieder eine große Katastrophe, die diesmal sogar den Fortbestand des ganzen Universums bedroht, und keiner darf auch nur einmal raten, wer die Rettung bringen soll. Das kommt zwar erst am Ende des Romans, ist aber letztlich zu erwarten.
Obwohl routiniert geschrieben, kann mich das Buch durch die Thematik dennoch nicht so richtig begeistern. Es gibt zwar einen sehr guten amerikanischen Roman, der den Fortbestand des Dritten Reichs auch zum Thema hat, der aber, da er sich nur und ausschließlich diesem Thema widmet, insgesamt einfach geschlossener wirkt und diese Epoche nicht nur als "Schreckens- und Spannungselement" eingebracht wird.
Es stellt sich sowieso die Frage, warum es ausgerechnet diese Zeit sein "muß", wenn der Auslöser bereits vor "vielen Jahrtausenden" gesetzt wurde! Da könnte man sich doch eher eine nach wie vor römische Herrschaft vorstellen, oder eine karthagische, altägyptische... was auch immer. Warum diese Änderung ausgerechnet "erst" diesen aktuellen Zeitraum betrifft... Ich weiß es nicht, die Autoren hoffentlich schon ;-)
Aber ich muß doch noch einmal sagen: Der Roman an sich ist spannend und durchgängig gut geschrieben und bietet gute DVDN-Kost. Wenn nur die Thematik... aber das hatten wir ja schon.

Fazit:
Ob der - letztlich nur als Nebenhandlung und in meinen Augen "Effekthascherei" - gewählten Zeitepoche, die über die Welt bzw. Deutschland hineinbricht, kann ich diesen Roman nicht als reine Unterhaltungsliteratur sehen. Da zudem Lilith Eden wieder nur selten agieren darf und die Beschreibung des Hütervampirs eher unentschlossen scheint, hält sich meine Begeisterung in Grenzen!

Thomas Folgmann


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