Bruce Sterling:

"Inseln im Netz"

Ü: Walter Brumm
(573 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/7034, ISBN 3-453-19664-3, EUR 10,95)
- erschienen: Januar 2002 -

Laura Webster arbeitet für Rizome, einen multinationalen Konzern. Zusammen mit ihrem Mann leitet sie ein Ferienhaus, das als Ort für eine brisante Konferenz ausgewählt wurde. Datenpiraten aus drei Nationen sollen zusammengeschlossen werden, um dadurch leichter handhabbar zu sein - das ist jedenfalls der Gedanke von Rizome.
Laura steht dem Treffen mit Skepsis gegenüber. Zu Recht, wie sich bald herausstellt. Auf die Partei der Grenadier wird ein Attentat verübt. Eine terroristische Organisation scheint dahinterzustecken. Um zu beweisen, daß Rizome an der Aufklärung des Verbrechens interessiert ist, werden Laura und ihr Mann nach Grenadier geschickt; allerdings sind sie dort fast rund um die Uhr online. Zu ihrer eigenen Sicherheit. Während die Grenadier felsenfest davon überzeugt sind, daß die Republik Singapur hinter dem Anschlag steckt, glaubt Rizome, der afrikanische Staat Mali sei der Urheber der terroristischen Aktionen. Widerstrebend geht Laura nach Singapur und gerät zwischen die Fronten eines Krieges, der ihr längst über den Kopf gewachsen ist...

Zählt man die großen Autoren des Cyberpunk auf, so fällt unweigerlich auch der Name von Bruce Sterling. Und der Name dieses Romans, der jetzt in einer neu bearbeiteten Fassung veröffentlicht wurde - was man unter anderem an der Tatsache merkt, daß Laura ihre Rechnungen in Euro bezahlt...
Im Gegensatz zu Gibson, der eher rasant und schnoddrig schreibt, breitet Sterling sein Thema weit aus - es geht um die Frage, wer die Macht in einer Welt hat, die von Informationen beherrscht wird. In Bruce Sterlings Zukunft ist das Netz mit seinen Datenanschlüssen allgegenwärtig, doch virtuelle Welten à la Gibson wird man hier vergeblich suchen.
Mit diesem Roman hat Bruce Sterling bewiesen, daß er eine Handlung mit sehr vielen Action-Sequenzen durchaus mit Tiefsinn anreichern kann. Die Odyssee von Laura, die auf der Suche nach einer Wahrheit ist, wenn nicht gar nach ihrer Wahrheit, reicht von der Karibik bis in die Wüste von Afrika. Geschickt verknüpft Sterling hier das Motiv des Spiels "Weltregierung" - eine Simulation, in der es darum geht, die Komplexität der Welt nachzuspielen - mit der wirklichen Welt.
Einige Abstriche muß man jedoch bei der Charakterisierung der Hauptpersonen machen. Laura wirkt mitunter reichlich blaß, und auch die Nebenpersonen sind einen Hauch zu sterotyp.

Fazit:
"Inseln im Netz" ist SF mit Anspruch. Kein Roman zum einfachen Runterlesen - dazu ist die Handlung selbst zu komplex. Aber wer sich trotzdem auf den Roman einläßt, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht.
12 Punkte

Christian Spließ


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