Laura
Webster arbeitet für Rizome, einen multinationalen Konzern.
Zusammen mit ihrem Mann leitet sie ein Ferienhaus, das als Ort
für eine brisante Konferenz ausgewählt wurde. Datenpiraten
aus drei Nationen sollen zusammengeschlossen werden, um dadurch
leichter handhabbar zu sein - das ist jedenfalls der Gedanke von
Rizome.
Laura steht dem Treffen mit Skepsis gegenüber. Zu Recht, wie
sich bald herausstellt. Auf die Partei der Grenadier wird ein
Attentat verübt. Eine terroristische Organisation scheint
dahinterzustecken. Um zu beweisen, daß Rizome an der
Aufklärung des Verbrechens interessiert ist, werden Laura und
ihr Mann nach Grenadier geschickt; allerdings sind sie dort fast rund
um die Uhr online. Zu ihrer eigenen Sicherheit. Während die
Grenadier felsenfest davon überzeugt sind, daß die
Republik Singapur hinter dem Anschlag steckt, glaubt Rizome, der
afrikanische Staat Mali sei der Urheber der terroristischen Aktionen.
Widerstrebend geht Laura nach Singapur und gerät zwischen die
Fronten eines Krieges, der ihr längst über den Kopf
gewachsen ist...
Zählt man die großen Autoren des Cyberpunk auf, so
fällt unweigerlich auch der Name von Bruce Sterling. Und der
Name dieses Romans, der jetzt in einer neu bearbeiteten Fassung
veröffentlicht wurde - was man unter anderem an der Tatsache
merkt, daß Laura ihre Rechnungen in Euro bezahlt...
Im Gegensatz zu Gibson, der eher rasant und schnoddrig schreibt,
breitet Sterling sein Thema weit aus - es geht um die Frage, wer die
Macht in einer Welt hat, die von Informationen beherrscht wird. In
Bruce Sterlings Zukunft ist das Netz mit seinen Datenanschlüssen
allgegenwärtig, doch virtuelle Welten à la Gibson wird
man hier vergeblich suchen.
Mit diesem Roman hat Bruce Sterling bewiesen, daß er eine
Handlung mit sehr vielen Action-Sequenzen durchaus mit Tiefsinn
anreichern kann. Die Odyssee von Laura, die auf der Suche nach einer
Wahrheit ist, wenn nicht gar nach ihrer Wahrheit, reicht von der
Karibik bis in die Wüste von Afrika. Geschickt verknüpft
Sterling hier das Motiv des Spiels "Weltregierung" - eine Simulation,
in der es darum geht, die Komplexität der Welt nachzuspielen -
mit der wirklichen Welt.
Einige Abstriche muß man jedoch bei der Charakterisierung der
Hauptpersonen machen. Laura wirkt mitunter reichlich blaß, und
auch die Nebenpersonen sind einen Hauch zu sterotyp.
Fazit:
"Inseln im Netz" ist SF mit Anspruch. Kein Roman zum einfachen
Runterlesen - dazu ist die Handlung selbst zu komplex. Aber wer sich
trotzdem auf den Roman einläßt, wird mit Sicherheit nicht
enttäuscht.
12 Punkte