Jake T. Magnus u.a.:

"erbin der macht"

(Dämonenjäger Frank MacLachlan - Band 1)
Bearbeitet von Martin Hoyer
(57 Seiten, Taschenheft, Atlantis Verlag, keine ISBN, EUR 6,90)
- erschienen: Januar 2002 -
Homepage: www.maclachlan.de

Wer ist Frank MacLachlan? Nun, dabei handelt es sich um eine Online-Serie, die von ein paar rührigen Fans gestaltet wird. Alle paar Wochen erscheint hier eine neue Folge, die jeweils einen Umfang von ca. 3-4 DIN A 4-Seiten (bei kleiner Schrift) hat, und inzwischen geht die Serie mit großen Schritten bereits auf die fünfzigste Folge zu.
Wie man schon an der "Berufsbezeichnung" sehen kann, handelt es sich um eine weitere deutsche Mystery-Serie im Gefolge von John Sinclair, Larry Brent und Co., in welcher die Hauptperson und ihre Kollegen sich finsteren Mächten entgegenstellen müssen.
Nach einem ersten semi-professionellen Versuch im Print-Bereich bekam die Serie jetzt ein professionelles Outfit und auch einen Bearbeiter, der die teilweise doch etwas roh behauenen Steine der Online-Serie in eine druckfähige Version schleifen soll.

Enthalten sind in diesem Band die ersten drei Geschichten der Online-Serie in überarbeiteter Fassung.

Worum geht es in diesen Folgen?
In "Angriff der Untoten" von Jake T. Magnus muß sich unsere Hauptperson einiger Untoter in einem Wald erwehren und lernt seine spätere Kollegin kennen, die Journalistin Jane Cardigan. In "Skyllas Reich" vom selben Autor verschlägt es MacLachlan nach Irland, wo auf einem See Fischerleute verschwunden sind und unser Held Abenteuer unter Wasser zu bestehen hat. In der letzten Geschichte dieses Bandes, "Erbe der Macht" von Daniel B. Garner, wird Jane Cardigan von finsteren Mächten entführt und erfährt ihre wahre Bestimmung.

Die Bewertung dieser Publikation erweist sich als ausgesprochen schwierig. Natürlich kann man an eine Online-Fan-Serie keine professionellen Maßstäbe anlegen, andererseits erscheinen diese Bände jetzt in professioneller Aufmachung und wurden überarbeitet. Aus diesem Grund hat sich der Rezensent für einen Mittelweg entschieden und somit den Band unter "normalen" Maßstäben bewertet, dabei aber immer im Hinterkopf behalten, daß die Geschehnisse auf einer Online-Fanserie basieren.
Um auch die Bearbeitung der Geschichten bewerten zu können, wurde parallel die Online- und die Printfassung begutachtet.

Fangen wir gleich mit dem größten Problem an: Wie schon erwähnt, sind die Frank MacLachlan(FML)-Geschichten teilweise sehr kurz. Dies hat die Autoren leider nicht gehindert, so viel Stoff in ihren Geschichten unterzubringen, daß es leicht für einen ganzen Heftroman gereicht hätte. Dies äußert sich bei der Lektüre dahingehend, daß man als Leser den Eindruck hat, einen Film im Zeitraffer zu sehen. Insbesondere wird dies in der zweiten Geschichte deutlich: FML erhält den Auftrag, nach Irland zu fliegen. Also fliegt er hin, taucht unter Wasser, bekämpft ein Monster, entkommt dem mehrköpfigen Herrscher dieser Unterwasserwelt und taucht wieder auf. Punkt. Schluß. Ähnlich schnell und abgehackt liest sich auch die Geschichte. Durch das viel zu hohe Tempo (gilt für alle Geschichten) kommt leider nur sehr wenig Spannung und praktisch keine Leserinvolvierung auf.
Dies könnte man aber noch verschmerzen - ich sagte ja schon: Online-Fanserie. Schlimmer sind aber einige Unwahrscheinlichkeiten, denen man als Leser nicht folgen kann und will. Auch hier sei wieder die zweite Geschichte herangezogen: Wie schon gesagt, FML taucht in eine Unterwasserwelt ab. Er stellt dort fest, daß er plötzlich unter Wasser atmen kann. Dies wird dem Leser als Selbstverständlichkeit hingestellt und auch nicht weiter erklärt. Natürlich bedarf es in einer Mystery-Serie mit phantastischem Einschlag nun nicht für alle phantastischen Phänomene einer Erklärung, aber ein klein wenig muß ein Autor schon dafür tun, um beim Leser die "Suspension of Disbelief" auszulösen, da dieser sich ansonsten nicht mit den Charakteren identifizieren kann.
Da hilft es dann auch nicht viel, daß der Bearbeiter einen Zweikampf unter Wasser in der Printausgabe in einer Luftblase plaziert hat, während im Original die Kontrahenten "einfach so" unter Wasser miteinander kämpfen. Kurz und knapp: Die erzählten Geschichten erzeugen nicht sehr viel Begeisterung.

Kommen wir nun zur Bearbeitung der Romane, die man im Großen und Ganzen als gelungen bezeichnen darf. Martin Hoyer, seines Zeichens selbst Autor, hat sich insbesondere auf die vielen stilistischen Ungeschicklichkeiten oder Fehler der Vorlage gestürzt und durch deren Eliminierung den Band in eine lesbare Sprache gebracht.
Auf Knien muß ihm die Leserschaft dafür danken, daß er zwei besonders grobe Patzer der Vorlage ausgebügelt hat. Der Autor der ersten Geschichte kam auf die fatale und verhängnisvolle Idee, die Hauptperson des öfteren nicht als "Frank", "MacLachlan" oder "Frank MacLachlan", sondern tatsächlich als "Mac" zu bezeichnen. Wenn man bei Lektüre der Online-Geschichte zum erstenmal auf diesen "Mac" stößt, ist man zunächst verwirrt, wer das sein könnte, weil man sich einfach nicht vorstellen kann, daß der Autor damit tatsächlich FML meinen könnte. Einige Zeilen und Bezugnahmen später belehren einen dann aber eines besseren, und man ist entsetzt...
Der zweite große Lapsus findet im Finale der dritten Geschichte statt, wenn Jane Cardigan ihr neu entdecktes Machtpotential zum erstenmal einsetzt. In der Online-Geschichte kann man nur schwer nachvollziehen, was da gerade passiert; in der (stark umgeschriebenen) Fassung der Print-Ausgabe liest sich das doch deutlich besser.

Ansonsten kann man noch feststellen, daß Martin Hoyer bei der Bearbeitung daran gelegen war, der Geschichte stilistisch seinen Stempel aufzudrücken, und so lesen sich bei rein geschmacklichen Entscheidungen (nicht Fehlerkorrekturen) einige Stellen in der Print- und andere in der Onlineausgabe besser, je nach persönlichem Geschmack, oder aber in beiden schlecht, wie der erste Satz auf Seite 21 nach dem ersten Unterteilungsstern.
Der Bearbeiter spricht in seinem Nachwort von "drastischen Einschnitten" in die Geschichten. Diese vermochte der Rezensent aber nicht festzustellen. Sicherlich wurden einige Szenen (auch komplett) umgeschrieben; der Grundgehalt der Stories blieb aber der gleiche (teilweise, s.o., leider) und das kann man dem Bearbeiter auch nicht verübeln, denn es war nun mal das Ziel, auch die Online-Geschichten noch halbwegs erkennbar zu lassen.

Des weiteren kann man vermelden, daß die Bastei-typischen Vorspänne der Online-Ausgabe für die Print-Ausgabe eliminiert wurden und die drei Geschichten durch kurze Übergänge zumindest äußerlich zu einer zusammengefaßt wurden.

Was kann man nun abschließend zu diesem Band feststellen? Ohne Unterhaltungswert ist das ganze nicht, schön produziert (bis auf das Titelbild) ist der Band auch, und man darf auch nicht vergessen, daß eine Online-Fanserie Grundlage des ganzen war. Fernerhin muß man berücksichtigen, daß die Serie besser wird und man dann natürlich später auch den ersten Band der Printfassung haben sollte. Deshalb kann man sagen, daß Freunde von Gruselserien, die mal etwas anderes lesen möchten als ihre übliche Sinclair-Kost, ruhig einen Blick riskieren sollten.

Fazit:
Um die meisten stilistischen Schwächen bereinigte Print-Fassung einer Online-Fanserie, die allerdings auf geringstem Raum vielzuviel Handlung unterbringt und deshalb nur bedingt unterhält.
5 Punkte.

Oliver Naujoks

home...