Wer ist
Frank MacLachlan? Nun, dabei handelt es sich um eine Online-Serie,
die von ein paar rührigen Fans gestaltet wird. Alle paar Wochen
erscheint hier eine neue Folge, die jeweils einen Umfang von ca. 3-4
DIN A 4-Seiten (bei kleiner Schrift) hat, und inzwischen geht die
Serie mit großen Schritten bereits auf die fünfzigste
Folge zu.
Wie man schon an der "Berufsbezeichnung" sehen kann, handelt es sich
um eine weitere deutsche Mystery-Serie im Gefolge von John Sinclair,
Larry Brent und Co., in welcher die Hauptperson und ihre Kollegen
sich finsteren Mächten entgegenstellen müssen.
Nach einem ersten semi-professionellen Versuch im Print-Bereich bekam
die Serie jetzt ein professionelles Outfit und auch einen Bearbeiter,
der die teilweise doch etwas roh behauenen Steine der Online-Serie in
eine druckfähige Version schleifen soll.
Enthalten sind in diesem Band die ersten drei Geschichten der
Online-Serie in überarbeiteter Fassung.
Worum geht es in diesen Folgen?
In "Angriff der Untoten" von Jake T. Magnus muß sich unsere
Hauptperson einiger Untoter in einem Wald erwehren und lernt seine
spätere Kollegin kennen, die Journalistin Jane Cardigan. In
"Skyllas Reich" vom selben Autor verschlägt es MacLachlan nach
Irland, wo auf einem See Fischerleute verschwunden sind und unser
Held Abenteuer unter Wasser zu bestehen hat. In der letzten
Geschichte dieses Bandes, "Erbe der Macht" von Daniel B. Garner, wird
Jane Cardigan von finsteren Mächten entführt und
erfährt ihre wahre Bestimmung.
Die Bewertung dieser Publikation erweist sich als ausgesprochen
schwierig. Natürlich kann man an eine Online-Fan-Serie keine
professionellen Maßstäbe anlegen, andererseits erscheinen
diese Bände jetzt in professioneller Aufmachung und wurden
überarbeitet. Aus diesem Grund hat sich der Rezensent für
einen Mittelweg entschieden und somit den Band unter "normalen"
Maßstäben bewertet, dabei aber immer im Hinterkopf
behalten, daß die Geschehnisse auf einer Online-Fanserie
basieren.
Um auch die Bearbeitung der Geschichten bewerten zu können,
wurde parallel die Online- und die Printfassung begutachtet.
Fangen wir gleich mit dem größten Problem an: Wie schon
erwähnt, sind die Frank MacLachlan(FML)-Geschichten teilweise
sehr kurz. Dies hat die Autoren leider nicht gehindert, so viel Stoff
in ihren Geschichten unterzubringen, daß es leicht für
einen ganzen Heftroman gereicht hätte. Dies äußert
sich bei der Lektüre dahingehend, daß man als Leser den
Eindruck hat, einen Film im Zeitraffer zu sehen. Insbesondere wird
dies in der zweiten Geschichte deutlich: FML erhält den Auftrag,
nach Irland zu fliegen. Also fliegt er hin, taucht unter Wasser,
bekämpft ein Monster, entkommt dem mehrköpfigen Herrscher
dieser Unterwasserwelt und taucht wieder auf. Punkt. Schluß.
Ähnlich schnell und abgehackt liest sich auch die Geschichte.
Durch das viel zu hohe Tempo (gilt für alle Geschichten) kommt
leider nur sehr wenig Spannung und praktisch keine Leserinvolvierung
auf.
Dies könnte man aber noch verschmerzen - ich sagte ja schon:
Online-Fanserie. Schlimmer sind aber einige Unwahrscheinlichkeiten,
denen man als Leser nicht folgen kann und will. Auch hier sei wieder
die zweite Geschichte herangezogen: Wie schon gesagt, FML taucht in
eine Unterwasserwelt ab. Er stellt dort fest, daß er
plötzlich unter Wasser atmen kann. Dies wird dem Leser als
Selbstverständlichkeit hingestellt und auch nicht weiter
erklärt. Natürlich bedarf es in einer Mystery-Serie mit
phantastischem Einschlag nun nicht für alle phantastischen
Phänomene einer Erklärung, aber ein klein wenig muß
ein Autor schon dafür tun, um beim Leser die "Suspension of
Disbelief" auszulösen, da dieser sich ansonsten nicht mit den
Charakteren identifizieren kann.
Da hilft es dann auch nicht viel, daß der Bearbeiter einen
Zweikampf unter Wasser in der Printausgabe in einer Luftblase
plaziert hat, während im Original die Kontrahenten "einfach so"
unter Wasser miteinander kämpfen. Kurz und knapp: Die
erzählten Geschichten erzeugen nicht sehr viel Begeisterung.
Kommen wir nun zur Bearbeitung der Romane, die man im Großen
und Ganzen als gelungen bezeichnen darf. Martin Hoyer, seines
Zeichens selbst Autor, hat sich insbesondere auf die vielen
stilistischen Ungeschicklichkeiten oder Fehler der Vorlage
gestürzt und durch deren Eliminierung den Band in eine lesbare
Sprache gebracht.
Auf Knien muß ihm die Leserschaft dafür danken, daß
er zwei besonders grobe Patzer der Vorlage ausgebügelt hat. Der
Autor der ersten Geschichte kam auf die fatale und
verhängnisvolle Idee, die Hauptperson des öfteren nicht als
"Frank", "MacLachlan" oder "Frank MacLachlan", sondern
tatsächlich als "Mac" zu bezeichnen. Wenn man bei Lektüre
der Online-Geschichte zum erstenmal auf diesen "Mac"
stößt, ist man zunächst verwirrt, wer das sein
könnte, weil man sich einfach nicht vorstellen kann, daß
der Autor damit tatsächlich FML meinen könnte. Einige
Zeilen und Bezugnahmen später belehren einen dann aber eines
besseren, und man ist entsetzt...
Der zweite große Lapsus findet im Finale der dritten Geschichte
statt, wenn Jane Cardigan ihr neu entdecktes Machtpotential zum
erstenmal einsetzt. In der Online-Geschichte kann man nur schwer
nachvollziehen, was da gerade passiert; in der (stark
umgeschriebenen) Fassung der Print-Ausgabe liest sich das doch
deutlich besser.
Ansonsten kann man noch feststellen, daß Martin Hoyer bei der
Bearbeitung daran gelegen war, der Geschichte stilistisch seinen
Stempel aufzudrücken, und so lesen sich bei rein geschmacklichen
Entscheidungen (nicht Fehlerkorrekturen) einige Stellen in der Print-
und andere in der Onlineausgabe besser, je nach persönlichem
Geschmack, oder aber in beiden schlecht, wie der erste Satz auf Seite
21 nach dem ersten Unterteilungsstern.
Der Bearbeiter spricht in seinem Nachwort von "drastischen
Einschnitten" in die Geschichten. Diese vermochte der Rezensent aber
nicht festzustellen. Sicherlich wurden einige Szenen (auch komplett)
umgeschrieben; der Grundgehalt der Stories blieb aber der gleiche
(teilweise, s.o., leider) und das kann man dem Bearbeiter auch nicht
verübeln, denn es war nun mal das Ziel, auch die
Online-Geschichten noch halbwegs erkennbar zu lassen.
Des weiteren kann man vermelden, daß die Bastei-typischen
Vorspänne der Online-Ausgabe für die Print-Ausgabe
eliminiert wurden und die drei Geschichten durch kurze
Übergänge zumindest äußerlich zu einer
zusammengefaßt wurden.
Was kann man nun abschließend zu diesem Band feststellen? Ohne
Unterhaltungswert ist das ganze nicht, schön produziert (bis auf
das Titelbild) ist der Band auch, und man darf auch nicht vergessen,
daß eine Online-Fanserie Grundlage des ganzen war. Fernerhin
muß man berücksichtigen, daß die Serie besser wird
und man dann natürlich später auch den ersten Band der
Printfassung haben sollte. Deshalb kann man sagen, daß Freunde
von Gruselserien, die mal etwas anderes lesen möchten als ihre
übliche Sinclair-Kost, ruhig einen Blick riskieren sollten.
Fazit:
Um die meisten stilistischen Schwächen bereinigte Print-Fassung
einer Online-Fanserie, die allerdings auf geringstem Raum vielzuviel
Handlung unterbringt und deshalb nur bedingt unterhält.
5 Punkte.