Brian Lumley:

"Dreamland 1"

(Dreamland - Band 1)
OT: Hero of Dreams
(223 Seiten, Paperback, Festa Verlag 1101, ISBN 3-935822-43-X, EUR 11,95)
- erschienen: Februar 2002 -
Homepage: http://www.festa-verlag.de

Nach der erfolgreich laufenden Necroscope-Serie möchte der Festa-Verlag nun das gesamte Werk des Briten Brian Lumley der deutschen Leserschaft zugänglich machen. So startet als Band 1 der neuen Reihe Dark Fantasy der erste Teil einer vierbändigen Fantasy-Saga des Autors. Die Originale erschienen bereits Mitte der 80er Jahre, stellen aber trotzdem deutsche Erstveröffentlichungen dar.

Worum geht es?
Den Maler David Hero und den Wissenschaftler Professor Leonard Dingle verschlägt es auf rätselhafte Weise immer wieder in ein Traumland, in welchem sie, begleitet von der hübschen Aminza, ein Abenteuer nach dem anderen zu bestehen haben. Viele Schätze gilt es zu bergen, Monster zu erschlagen...

Man merkt schon: Hier haben wir einen klassischen Sword & Sorcery-Plot vor uns. Wie in einem Computerspiel bekommen die Helden jeweils von der Person X den Auftrag, am Ort Y den Schatz Z zu bergen/stehlen, wobei sich ihnen der jeweilige Hüter des Schatzes entgegenstellt, der mal ein Zauberer, mal ein Monster ist. Sehr innovativ ist das nicht, und die Aufhänger mit dem "Dreamland" und den Verweisen auf Lovecraft wirken nur aufgesetzt; sie heben den Roman nicht sonderlich von vergleichbaren (Howard, Leiber) Werken ab. Die Prämisse mit dem Traumland wird kaum genutzt und dient lediglich etwas der Charakterisierung der beiden Helden; und im Fundus von Lovecraft bedient sich der Autor meist nur zur Ausgestaltung einiger Monster und natürlich Verweisen auf Cthulhu.

Der Anfang der Lektüre fiel zumindest mir recht schwer. Man wird sofort mitten in die Handlung hineingerissen und lernt die Charaktere erstmal kaum kennen, woran auch eine kleine Verschnaufpause in der realen Welt nichts ändert. Man wird gleich zu Anfang mit einer Fülle von Informationen erschlagen, die man sich nicht alle merken kann und will. Fernerhin fiel negativ auf, daß der Autor gerade am Anfang sehr sprunghaft erzählt und es dem Leser des öfteren durch den Druck auf die Fast Forward-Taste ("drei Wochen später", "einige Tage später") nicht gerade erleichtert, sich mit den Helden zu identifizieren.

Nach Lektüre der bisherigen Zeilen wird die geneigte Leserschaft langsam denken, daß es sich hierbei um einen Verriß handelt. Dem ist aber mitnichten so. Denn die positiven Aspekte des Romans überwiegen bei weitem, und zu denen komme ich jetzt.

Da wäre an erster Stelle der Einfallsreichtum des Autors zu nennen. Mit einer Fülle von gelungenen und teilweise wirklich bizarren Einfällen gelingt es dem Autor, sich aus der Masse der vergleichbaren Werke abzuheben. Den Leser erwarten viele Eigenartigkeiten auf seiner Reise an der Seite der Helden: seien dies nun sprechende Bäume, Kriegerinnen ohne Brustwarzen oder allerlei bizarre Monstren, bei denen man des öfteren an das Werk Lovercrafts erinnert wird. Gestaltete sich also der Einstieg für mich eher sperrig, steigerte sich mein Vergnügen später von Seite zu Seite, und ich blätterte jeweils gespannt um und freute mich auf die nächste eigenartige Begebenheit.

Fernerhin kommt dem Roman sehr zugute, daß Brian Lumley nicht den Gewohnheiten seiner Kollegen folgte und meinte, mindestens 800 Seiten abliefern zu müssen. Der Roman ist mit etwas über 200 Seiten knackig-kurz und handelt in dieser kurzen Zeit trotzdem eine Menge ab, für die manche anderen Autoren einen dreibändigen Zyklus benötigen. Langeweile kommt so nicht auf, auch wenn auf diese Weise natürlich nur wenig Raum für eine Charakterisierung der Personen verbleibt und man deshalb nur bedingt mit den Helden mitfühlen kann.

Die Gestaltung des Bandes erweist sich als sehr gelungen. Das Titelbild ist sehr schön, und auch die Übersetzung liest sich flüssig. Ich konnte sie leider nicht mit dem Original vergleichen; offensichtliche Fehler sind mir aber nicht aufgefallen, wenn man mal davon absieht, daß es etwas verwundert, warum der Übersetzer das sehr britische "aye" nicht übersetzt hat, sondern es ständig auch im deutschen Text bringt. (* Wurde wahrscheinlich mit "aye-aye, Sir" und ähnlichem verwechselt, was m. E. aber nur bei Kasernenton legitim wäre, um das sonst übliche, etwas eintönige "jawohl, Sir" zu variieren. Heike)
Mir sei noch die Bemerkung erlaubt, daß zumindest ich es nicht begrüße, wenn ein Verlag einen im Original aus verschiedenen Titeln bestehenden Zyklus einen einheitlichen Namen, gefolgt von der jeweiligen Nummer, gibt. Dreamland 1,2,3,4 mag ja in den Augen des Verlages die Orientierung des Lesers vereinfachen, erscheint aber schon arg einfallslos und, ja, seriell.
Dies mag hier allerdings auch darin begründet sein, daß der Titel des Originals, "Hero of Dreams", sich nicht nur auf die Eigenschaften der Hauptperson bezieht, sondern auch seinen Namen, David Hero, darstellt und sich dieses nur schlecht ins Deutsche übersetzen läßt. In den 50er Jahren hätte man die Hauptperson vermutlich noch als "David Held" eingedeutscht; so etwas macht aber heutzutage niemand mehr. (* Zu Recht, wie ich meinen möchte. Heike)

Auch wenn ich persönlich eher die High Fantasy bevorzuge, muß ich abschließend sagen, daß mir der Band durchaus Spaß gemacht hat - und daß Fantasy-Freunde, insbesondere Anhänger der Sword & Sorcery, deshalb zweifellos zugreifen können.

Fazit:
Sehr temporeicher Auftakt einer auf vier Teile angelegten Sword & Sorcery-Serie, die sich mit vielen bizarren Einfällen aus der Masse abhebt, aber freilich nicht völlig kaschieren kann, daß hier wieder mal schon sehr oft genutzte Pfade betreten werden.
9 Punkte.

Oliver Naujoks


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