Oscar
Fitzalan, Pianist und Komponist, wird vom Wissenschaftler Richard
Pride eingestellt. Das Haus der Prides, Mordance Hall, beherbergt
einen merkwürdigen Haushalt. Hough, den Hausdiener, scheint eine
Art Haßliebe mit Mrs. Pride zu verbinden, während Janet
für ihren Vater Richard überhaupt nicht existiert.
Nach und nach fügt sich Oscar, dessen Aufgabe es ist, Pride mit
Klaviermusik zu unterhalten. Aus Prides Notizen erkennt er, daß
der Wissenschaftler offenbar bemüht ist, jede Erinnerung seines
Lebens aufzuschreiben - die Idee, daß die Menschheit eine Art
Erbgedächtnis besitzt, scheint Pride regelrecht in Besitz
genommen zu haben.
Oscar verliebt sich in Janet, doch diese brennt bald darauf mit einem
Spanier durch, einem von Prides zahlreichen Rechercheuren. Kurz
darauf verfällt Oscar Mrs. Pride, und als die Experimente immer
exzentrischer werden und Oscar schließlich in Prides Labor
übersiedelt, spitzen sich die Ereignisse mehr und mehr zu...
Daß Clines Roman erst jetzt in einer deutschen Übersetzung
vorliegt - immerhin stammt das Original aus dem Jahr 1927 - ist ein
Gewinn für den deutschen Leser. Beziehungsweise für den
Leser, der sich für anspruchsvollen und nicht immer einfach zu
lesenden Gothic-Horror interessiert. Das Grundthema des Romans
dürfte dem, der Lovecraft kennt, irgendwie vertraut sein. Ein
Mad Scientist versucht, die Erinnerungen seinen Lebens zu bewahren,
doch er schießt weit über das Ziel hinaus und verendet
schließlich elendiglich.
Das Grundthema tritt eigentlich nur zu Beginn und gegen Ende des
Romans auf; der Thematik der Liebesbeziehung zwischen Janet und Oscar
sowie der Affäre mit Mrs. Pride widmet Cline weiten Raum.
Der Stil des Autors ist gewöhnungsbedürftig, wirkt an
manchen Stellen arg gespreizt, und man braucht seine Zeit, um sich
einzulesen. Teilweise häuft Cline die Metaphern derart
aufeinander, daß man den Satz zweimal lesen muß, um ihn
verstehen zu können. Auch in den Dialogen schimmert bisweilen
diese Vorliebe für das Bildhafte und Gestelzte durch. Sieht man
von diesen Stolpersteinen jedoch ab, die man eindeutig der
Entstehungszeit zurechnen muß, eröffnet sich einem ein
wahres Juwel der Gothic-Novel, in dem Wahnsinn, Liebe und Selbstmord
zu einer Mixtur gemischt werden, die einen in den Bann schlägt.
Außerdem haben wir hier den seltenen Fall eines
Ich-Erzählers.
Was an der optischen Aufmachung des Romans ein wenig stört, ist
der Zeilenabstand, der fast eine Zeile beträgt, jedenfalls dem
Anschein nach. Das stört natürlich beim Lesen, da man immer
meint, man wäre im Beginn eines neuen Abschnittes. Warum man den
Text unbedingt auf rund 222 Seiten bringen mußte, ist mir
schleierhaft. Vielleicht will man aber der "Bizarren Bibliothek", in
der dieser Roman erschienen ist, auch eine Art von Corporate Identity
geben. Wer weiß. Angenehmer wäre natürlich ein
halbwegs normaler Zeilenabstand gewesen. Warten wir den zweiten Band
der Reihe ab.
Fazit:
Trotz des teilweise recht angestaubten Stils hat der Festa-Verlag dem
deutschen Leser ein regelrechtes Juwel erschlossen. Die
äußere Aufmachung jedoch sollte in der nächsten
Auflage noch verbessert werden - und die "Naturgesetzte" im
Klappentext auch. ;-)
14 Punkte