Wir
befinden uns wieder in der russischen Station am Perchorsk-Paß,
in der sich durch einen Unfall ein Tor zu einer anderen Welt
geöffnet hat. Jazz Simmons, der westliche Spion, der beim
Ausspähen der Station gefangengenommen wurde, ist von Major
Chingiz Khuv vom KGB durch das Sphärentor in die Welt geschickt
worden, von der wohl ursprünglich die Vampire kamen. Beim
Durchgang ist es Simmons gelungen, seinen Aufpasser Karl Voytsky mit
durch das Tor zu ziehen und sich so für dessen
Mißhandlungen zu rächen, da der Durchgang nur einseitig
funktioniert. So hat sich Jazz aber nur einen weiteren Feind in der
neuen Welt geschaffen - und in was für eine Welt gelangt er!
Wenigstens gut bewaffnet und ausgerüstet kommt Jazz bei einer
mächtigen Bergkette heraus. Die Berge bilden gewaltige
Säulen, von Wind und Wetter gezeichnet, und auf ihren Spitzen
scheinen eigentümliche Burgen wie bizarre Wachposten zu ruhen.
Über einen Paß versucht Jazz dieser Gegend zu entkommen,
und dabei begegnet er einer Frau von der Erde, Zek Föener.
Zek sind wir bereits bei der Schlacht um Schloß Bronnitsy
begegnet. Sie hatte die Vernichtung überlebt, die Harry Keogh
über die Zentrale des russischen Psi-Dezernates gebracht hatte.
Zek Föener war eine Telepathin, die nach diesen Geschehnissen in
Ungnade gefallen war und schließlich auch in die fremde Welt
verbannt wurde.
Zek kann Jazz viel über diese Welt berichten, über die
Menschen, die mit den Zigeunern verwandt scheinen, über die
seltsamen, ewiglangen Tageszeiten dieser Welt und über die
Beherrscher der Nachtseite, die Whamphyri. Die Vampire herrschen von
ihren Wolkenhorsten aus - Burgen aus lebender Materie. Ihre
stärkste Waffe sind die gigantischen Whamphyrikrieger, riesige
Fluggeschöpfe mit einem Dutzend Köpfen und mit Mäulern
voller sichelartiger Zähne.
Eine Welt, wie sie sich H. R. Giger ausgedacht haben könnte.
In der Tat erinnern viele der Geschöpfe an Carpenters "Das Ding
aus einer anderen Welt", und ich denke, daß Lumley hier auch
einige seiner Ideen gezogen hat.
Die phantastische Welt, die uns Lumley hier darbietet, ist das bisher
Beste, was er in seinen Necroscope-Romanen geschrieben hat. Ich habe
das Gefühl, daß er sich hier richtig ausbreiten und seine
eigenen Ideen ausfabulieren kann. Wobei er den doch engen Rahmen, den
die Geschichte langsam auf der Erde annahm (der kalte Krieg zwischen
Ost und West, der immer gleiche Kampf gegen die Vampire; die anfangs
interessanten Fähigkeiten von Harry Keogh, die aber für die
Handlung uninteressant wurden, da sie zu ultimativ waren, und
natürlich die Gestalt des Necroscopes selbst, bei der es Lumley
leider nie wirklich gelang, ihr richtiges Leben einzuhauchen),
endlich aufgibt.
Die Geschichte scheint sich langsam in neue Dimensionen zu begeben,
was den Lesereiz wieder ziemlich erhöht hat. Wenn sich alles so
weiterentwickelt, werden die Necroscope-Geschichten noch viel Freude
bereiten.
13 Punkte
