Lord
Dunsany: "Die Zwingenburg so keiner bezwingt denn Sacnoth"
Das Dorf Allathurion wird von einem grausamen Magier terrorisiert. So
zieht der junge Held Leothric aus, um das sagenumwobene Schwert
Sacnoth zu finden und damit das Dorf von der unheimlichen Bedrohung
zu befreien.
Ich muß gestehen, daß diese Geschichte vermutlich die
ungewöhnlichste von allen aus dieser Sammlung ist. Auf der eine
Seite ist die Handlung einfach, gradlinig und hat eigentlich
überhaupt keine überraschenden Wendungen. Zudem ist sie
extrem eigentümlich geschrieben, woraus man den Verdacht
schöpfen könnte, daß der Autor sehr stark alten
Zeiten nacheifern will. Wirft man allerdings einen Blick auf das
Datum der Erstveröffentlichung, so merkt man, daß der
Autor den alten Zeiten nicht nacheifert, sondern aus den alten Zeiten
der Fantasy stammt, denn das Datum lautet 1908...
12 Punkte
E.R. Eddison: "Zora Rach nam Psarrion"
Lord Juss zieht auf eine gefährliche Queste aus, um seinen
Bruder vor einem tödlichen Schicksal zu erretten.
Mit dem Erscheinungsdatum von 1922 auch eine Geschichte aus der alten
Garde. Konnte ich aber Lord Dunsany noch die Faszination eines
Klassikers abgewinnen, so bin ich mit dieser Geschichte ganz und gar
nicht zurechtgekommen. Die Geschichte plätschert vor sich hin
und ist auf einmal ohne größere Höhen und Tiefen
einfach am Ende.
Mag sein, daß ich die wichtigen Dinge einfach nicht verstanden
habe, aber gefallen hat's mir nicht.
5 Punkte
Stephen R. Donaldson: "Tochter der Könige"
Die junge Chrysalis ist die Erbin eines zerstrittenen
Königreiches. Es ist der Abend vor ihrer großen
Prüfung, die zeigen wird, ob der magische Thron sie als
Herrscherin anerkennen wird oder ob sie den Test mit dem Leben
bezahlen muß. Nicht wenige wollen, daß sie diese
Prüfung gar nicht erst antritt, und so versuchen sowohl Freunde
als auch Feinde, ein Netz von Intrigen zu spinnen, das die Thronerbin
von ihrem Weg abzubringen droht.
Eine sehr schöne Geschichte. Wunderbar erzählt sie auf
diesen Seiten von mehr Wendungen und Wirrungen, als man für
möglich halten würde. Sie ist mit gut 130 Seiten aber auch
die längste des Bandes.
14 Punkte
Jack Vance: "Liane der Wanderer"
Liane der Wanderer trifft auf seinen Reisen die schöne Hexe
Lith. Bezaubert von ihrer Schönheit, will er sie besitzen, doch
sie weist ihn ab. Um ihr zu gefallen, will Liane in seinem
grenzenlosen Hochmut Chun den Unvermeidlichen bezwingen, ohne zu
sehen, daß er nur in sein Verderben laufen kann.
Eine Geschichte über einen Helden, der blindlings in sein
Verderben rennt, ohne zu erkennen, daß die eigentliche Falle
längst hinter ihm zugeschnappt ist.
Ganz nett, aber irgendwie auch nichts Besonderes.
8 Punkte
Andrzej Sapkowski: "Die Grenze des Möglichen"
Eine Gruppe von unterschiedlichsten Charakteren zieht aus, um einen
Drachen zu jagen, der ein kleines Königreich bedroht. Allerdings
ist nicht ganz klar, ob der Drache die größere Gefahr ist
oder sie selbst ...
Eine faszinierende Geschichte mit allerhand unterschiedlichen Ebenen
und Episoden. Trotz des Kurzgeschichtencharakters nimmt der Autor
sich die Zeit, seine Handlung vorzubereiten und einige raffinierte
Wendungen mit einzubauen. Er bringt nicht nur eine Message unters
Volk, sondern verbindet sie auch noch mit einer schönen und
guten Geschichte.
14 Punkte
Michael Moorcock: "Könige in der Dunkelheit"
Elric und sein Gefährte Mondmatt treffen auf Prinzessin
Zarozinia aus Karlaak und entschließen sich dazu, sie in ihre
Heimat zu geleiten. Schnell kommen Elric und die Prinzessin sich
näher, doch unterwegs geraten sie in die Gewalt der finsteren
Menschen von Org und ihres grausamen Herrschers, der Niederes mit
ihnen vorhat.
Eine Geschichte aus der Welt des Elric von Melnibone, wie sie
klassischer nicht sein könnte. Der tragische Held gerät in
eine mißliche Situation und muß sich und die seinen dabei
retten. Dabei steht er immer mit einem Bein in einem finsteren und
unendlich tiefen Abgrund.
Eine Geschichte, die den Anhängern Moorcocks gefallen, bei allen
anderen aber wohl eher auf Ablehnung stoßen dürfte.
11 Punkte
Tanith Lee: "Die Tochter des Magiers"
Das Mädchen mit dem Namen Ezail ist klein und
mißgestaltet. Sie ist die Tochter eines finsteren Magiers, der
sie nach ihrer Geburt verstoßen hat und die unter den
unglaublichsten Umständen aufgewachsen ist. Und doch hat sie
eine Ausstrahlung an sich, der sich kaum jemand entziehen kann. So
erscheint es unvermeidlich, daß ihr ein großes Schicksal
bevorsteht.
Eine feine Geschichte über jemanden, dem Unglaubliches angetan
wird, der aber immer wieder über sich selbst hinauswächst
und schließlich gar nicht mehr anders kann, als sein Schicksal
zu meistern.
12 Punkte
Barrington J. Bayley: "Das Schiff des Unheils"
Das Schiff des Unheils ist ein Schiff der Elfen, die sich im Krieg
mit den niederen und primitiven Menschen befinden. Doch es hat sich
verirrt und streift nun auf der Suche nach Land über die See,
als es auf ein kleines Schiff der Menschen trifft. Der einzige
Überlebende dieser Begegnung muß sich nun mit dem
grausamen Elfen-Kapitän herumschlagen, und ob er je wieder seine
Freiheit begrüßen darf, erscheint sehr sehr
ungewiß.
Eine Geschichte aus einer Welt, von der ich gerne mehr lesen
würde. Wiederum handelt die Geschichte vom Hochmut, der gegen
den verzweifelten Mut der scheinbar Unterprivilegierten keine Chance
hat. Die Atmosphäre ist düster, die Elfen hochnäsig
und grausam, und doch ist alles sehr faszinierend.
13 Punkte
Ursula K. Le Guin: "Das Drachenkind"
In der Welt der unendlichen Inseln entdeckt die junge Iria, daß
sie ungewöhnliche Fähigkeiten hat, die weit über das
hinausgehen, was die Dorfhexe ihr vermitteln kann. Ein fremder Magier
vermittelt ihr eine Passage auf die Insel der Zauberer, wo nur
Männer aufgenommen werden. Doch es gelingt ihr, sich dort
einzuschleichen und für mehr Wirbel zu sorgen, als der alten
Männerclique lieb ist.
Auch in der Welt der Magier entwickelt sich die Zeit weiter, selbst
wenn manche das nur schwer einsehen. In gewohnt einfühlsamer
Weise erzählt die Autorin von Erdsee diese Geschichte vom
Drachenkind, die jeden Fantasy-Fan in ihren Bann ziehen
dürfte.
13 Punkte
N. H. Beard und D. C. Kenney: "Die Brücke über den
Gallweinfluß"
Frito, Pepsi, Spam und Stapfer müssen vor den schwarzen Reitern
- den Nozdrul - fliehen, die ihnen dicht auf den Fersen sind. Doch
die Rettung wartet an der Gemeindebrücke der Elbenstadt, die
für die schwarzen Reiter eine böse Überraschung parat
hat.
Nichts für jedermann. In diesem Auszug aus dem Herrn der
Augenringe wird Tolkien unbarmherzig durch den Dreck gezogen - und
das nicht nur auf eine sanfte Art, sondern ganz und gar gnadenlos. Ob
es allerdings klug war, einfach nur ein paar Seiten aus einer viel
größeren Geschichte abzudrucken, wage ich zu bezweifeln.
Auf diese Weise wirkt alles sehr abgehakt und ohne großen
Zusammenhang. Zwar sind ein paar Lacher vorhanden, aber das reicht
noch lange nicht für eine anständige Geschichte.
7 Punkte
Esther M. Friesner: "Grausputz"
Der grausige Herrscher herrscht in seiner ihm üblichen finsteren
Art und Weise über sein Schloß. Hier hält er die
liebliche Prinzessin Minuriel gefangen, die er gern heiraten
würde. Leider hat sie für ihn ganz andere Empfindungen,
doch schließlich fällt ihr selbst ein Plan der
allerfinstersten Sorte ein. Sie willigt also in die Hochzeit ein, mit
der Gewißheit, dem grausigen Herrscher einen dicken Strick zu
drehen. Doch für beide kommt es ganz, ganz anders...
Eine herrliche Geschichte für alle diejenigen, die Fantasy mit
ein wenig anspruchsvollem Blödsinn mögen. Was man sich
allerdings unter anspruchsvollem Blödsinn vorstellen darf,
muß jeder selbst herausfinden. Auf jeden Fall handelt es sich
hier um meinen absoluten Favoriten unter den Geschichten aus diesem
Band.
15 Punkte
Terry Pratchett: "Der Zauberer des Wyrmbergs"
Rincewind, der Tourist Zweiblum und der Barbar Hrun halten sich in
einem Gebiet mit einer seltsamen magischen Ausstrahlung auf, die
sogar der untalentierte Magier Rincewind spürt. Schneller als
die drei denken können, befinden sie sich mitten unter einer
Unmenge von Drachen, die es doch eigentlich gar nicht mehr
gibt...
Diese Geschichte ist meines Wissens schon in so vielen Anthologien
veröffentlicht worden, daß sich eigentlich jedes Wort
darüber erübrigt, da sie vermutlich eh schon jeder gelesen
hat. (* Sagen wir mal, jeder außer mir. Heike)
Für die Leute, auf die das dennoch nicht zutrifft: Meines
Erachtens ist dies eine eher mittelmäßige Geschichte von
Terry Pratchett, die zwar sehr genau auf die einzelnen
Fähigkeiten der drei Akteure eingeht und auch ansonsten eine
paar Lacher und Schmunzler zu bieten hat, ansonsten aber eher hinter
den Erwartungen zurückbleibt, die man eigentlich an Pratchett
stellt.
9 Punkte
Fazit:
Eine Sammlung mit einer Menge Geschichten, die mit Tolkien eigentlich
nur eines gemein haben: Es sind Fantasy-Geschichten. Zwar sind die
Geschichten überwiegend ganz anständig; dennoch wird
überdeutlich, daß hier hauptsächlich im Zuge der
Verfilmung noch ein wenig Geld mit dem Namen Tolkien gemacht werden
soll. Deswegen enthalte ich mich hier auch einer weiteren Wertung
