Roger Zelazny:

"Der Clan der Magier"

(300 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9169, ISBN 3-453-19633-3, EUR 6,95)
- erschienen: Oktober 2001 -

Jack the Ripper zieht durch die Straßen von London. Doch er sucht nicht nach Schauplätzen für seine grausamen Morde, sondern vielmehr nach Utensilien für ein unheimliches Ritual, das zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort stattfinden wird, den zunächst weder er noch seine Widersacher kennen. Begleitet wird er dabei von seinem treuen Hund Snuff, dessen Aufgabe es ist, wichtige Berechnungen über den Ort des Rituals herauszufinden. Zudem ist Snuff für die Kommunikation mit den anderen Helfern zuständig, die ebenfalls große Persönlichkeiten unterstützen, z.B. Graf Dracula oder Dr. Frankenstein.
Gemeinsam nehmen sie an etwas teil, das sie "das Spiel" nennen, und keiner weiß, auf welcher Seite der andere wirklich steht...

Wenn der Satz "Fantasy einmal ganz anders" auf irgendein Buch zutrifft, das ich in den letzten Monaten gelesen habe, dann auf dieses hier.
Nicht nur, daß es aus der Perspektive eines Tieres die Handlungen der Menschen beschreibt - es macht die Menschen zu Nebencharakteren in ihrer eigenen Welt. Die beschriebenen Persönlichkeiten (z.B. Jack the Ripper) agieren mit ihren kleinen Helfern zusammen, die aber den Hauptteil der Handlung tragen und ausführen.
Dabei bilden sich die seltsamsten Allianzen, und so können schon mal der Hund und die Katze gemeinsam Jagd auf die Fledermaus machen, obwohl sie eigentlich ahnen, daß sie am Ende auf unterschiedlichen Seiten stehen werden.

Wie man sich wohl denken kann, lebt die Geschichte auf der einen Seite sehr stark von den Verwicklungen der Helfer. Sie versuchen herauszufinden, wo und wie das Spiel ablaufen wird, wer auf welcher Seite steht und wie man eventuell einen Spieler heraushauen kann. Dies alles erlebt man aus der Perspektive von Snuff, der ein klarer Sympathieträger ist, weshalb der Autor kaum noch extra Beschreibungen einbinden muß - zumindest für Hundeliebhaber nicht. Snuff bleibt klar der Hund mit seinen Aufgaben, Pflichten und Bedürfnissen; auf der anderen aber führt er geschickt und mitreißend durch die Geschichte.

Eigentlich, so muß man sich einmal klarmachen, geht es hier um ein ziemlich abgedroschenes Thema: Eine Gruppe versucht, ein paar alte Geister zu beschwören, und eine anderen versucht, sie daran zu hindern. Und doch ist sie um einige Nuancen erweitert worden, die neu, spannend und fern jedweden Kitsches sind. Zudem merkt man sehr schön, daß der Autor sein Handwerk versteht, denn die Geschichte ist klar strukturiert, und der Rahmen wird langsam aufgebaut. Niemals aber hat der Leser das Gefühl, zu sehr im Dunkeln zu tappen. Es ist immer so viel Wissen vorhanden, daß man einigermaßen versteht, worum es gerade geht... ohne aber zu viel vom Ende erahnen zu können.

Lediglich das Ende ist nicht ganz so gut geraten wie der Rest. Zwar gibt es noch ein paar nette Überraschungen, aber dann ist doch alles viel zu schnell vorbei. Hier hätten ein, zwei Seiten mehr der Sache bestimmt nicht geschadet; so aber wirkt es zum Schluß doch ein wenig abgehakt.

Fazit:
Ein schöner Roman, der im großen und ganzen sehr viel Spaß gemacht hat. Langeweile kommt nicht auf, und das etwas zu kurz geratene Finale ist dann auch nicht sooo tragisch.
12 Punkte

Alexander Haas


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