Jack the
Ripper zieht durch die Straßen von London. Doch er sucht nicht
nach Schauplätzen für seine grausamen Morde, sondern
vielmehr nach Utensilien für ein unheimliches Ritual, das zu
einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort stattfinden wird,
den zunächst weder er noch seine Widersacher kennen. Begleitet
wird er dabei von seinem treuen Hund Snuff, dessen Aufgabe es ist,
wichtige Berechnungen über den Ort des Rituals herauszufinden.
Zudem ist Snuff für die Kommunikation mit den anderen Helfern
zuständig, die ebenfalls große Persönlichkeiten
unterstützen, z.B. Graf Dracula oder Dr. Frankenstein.
Gemeinsam nehmen sie an etwas teil, das sie "das Spiel" nennen, und
keiner weiß, auf welcher Seite der andere wirklich steht...
Wenn der Satz "Fantasy einmal ganz anders" auf irgendein Buch
zutrifft, das ich in den letzten Monaten gelesen habe, dann auf
dieses hier.
Nicht nur, daß es aus der Perspektive eines Tieres die
Handlungen der Menschen beschreibt - es macht die Menschen zu
Nebencharakteren in ihrer eigenen Welt. Die beschriebenen
Persönlichkeiten (z.B. Jack the Ripper) agieren mit ihren
kleinen Helfern zusammen, die aber den Hauptteil der Handlung tragen
und ausführen.
Dabei bilden sich die seltsamsten Allianzen, und so können schon
mal der Hund und die Katze gemeinsam Jagd auf die Fledermaus machen,
obwohl sie eigentlich ahnen, daß sie am Ende auf
unterschiedlichen Seiten stehen werden.
Wie man sich wohl denken kann, lebt die Geschichte auf der einen
Seite sehr stark von den Verwicklungen der Helfer. Sie versuchen
herauszufinden, wo und wie das Spiel ablaufen wird, wer auf welcher
Seite steht und wie man eventuell einen Spieler heraushauen kann.
Dies alles erlebt man aus der Perspektive von Snuff, der ein klarer
Sympathieträger ist, weshalb der Autor kaum noch extra
Beschreibungen einbinden muß - zumindest für
Hundeliebhaber nicht. Snuff bleibt klar der Hund mit seinen Aufgaben,
Pflichten und Bedürfnissen; auf der anderen aber führt er
geschickt und mitreißend durch die Geschichte.
Eigentlich, so muß man sich einmal klarmachen, geht es hier um
ein ziemlich abgedroschenes Thema: Eine Gruppe versucht, ein paar
alte Geister zu beschwören, und eine anderen versucht, sie daran
zu hindern. Und doch ist sie um einige Nuancen erweitert worden, die
neu, spannend und fern jedweden Kitsches sind. Zudem merkt man sehr
schön, daß der Autor sein Handwerk versteht, denn die
Geschichte ist klar strukturiert, und der Rahmen wird langsam
aufgebaut. Niemals aber hat der Leser das Gefühl, zu sehr im
Dunkeln zu tappen. Es ist immer so viel Wissen vorhanden, daß
man einigermaßen versteht, worum es gerade geht... ohne aber zu
viel vom Ende erahnen zu können.
Lediglich das Ende ist nicht ganz so gut geraten wie der Rest. Zwar
gibt es noch ein paar nette Überraschungen, aber dann ist doch
alles viel zu schnell vorbei. Hier hätten ein, zwei Seiten mehr
der Sache bestimmt nicht geschadet; so aber wirkt es zum Schluß
doch ein wenig abgehakt.
Fazit:
Ein schöner Roman, der im großen und ganzen sehr viel
Spaß gemacht hat. Langeweile kommt nicht auf, und das etwas zu
kurz geratene Finale ist dann auch nicht sooo tragisch.
12 Punkte
