Hans Joachim Alpers:

"Die Piraten des Südmeers"

(DSA - Sonderausgabe)
Sammelband der Romane:
"Hinter der Eisernen Maske"
"Flucht aus Ghurenia"
"Das letzte Duell"
(988 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9185, ISBN 3-453-20692-4, EUR 10,-)
- erschienen: November 2001 -

Der Weisenjunge Thalon lebt als Küchenhilfe irgendwo in einer dreckigen Kaschemme im Südmeer von Aventurien. Eines Tages tritt er einer finsteren Gestalt ein wenig zu nahe, und ehe er sich's versieht, findet er sich auf der Schwarzen Rose wieder - dem Schiff des gefürchteten Piraten Eiserne Maske.

Zu seinem Glück nimmt die Zwergin Cedira ihn unter ihre Fittiche und bringt ihm die strengen Regeln bei, die sein Überleben auf dem Piratenschiff sichern sollen.
Für einen Moment scheint es tatsächlich, daß er hier einen sicheren Ort gefunden hat, bis sich das Schicksal wieder gegen ihn wendet und ihn auf eine harte Odyssee treibt, die ihn Jahre seines Lebens kosten wird.

Während sich Thalon mit Piraten und anderen Widrigkeiten herumschlagen muß, wollen auch noch andere Kräfte im Südmeer etwas erreichen.
Da wäre z.B. der finstere Gorm, der den Archipel Efferds Tränen unter seiner grausamen Herrschaft hat. Gegen ihn arbeitet sein Ratgeber Murenius - zusammen mit der Kauffahrerin Canja Murenbrecker, die wohl weiß, daß Murenius auch Pläne ohne sie hat.

Es ist die große Frage, ob es wirklich nötig gewesen ist, die hier vorliegenden Bände noch einmal zu veröffentlichen - auch wenn sie in dieser Form zusammen und übersichtlich vorliegen.
Lobend muß man sicher erwähnen, daß die komplette Trilogie sich leicht und zügig herunterlesen läßt. Dennoch muß man leider sagen, daß das Niveau nicht wirklich hoch ist. Sowohl die Sprache des Autors als auch die Geschichte ist zwar nett, aber nichts Besonderes, wodurch so mancher Schwachpunkt dann um so stärker auffällt.
So verläuft sich die Geschichte oftmals in ausführlichen Beschreibungen von Schiffsmanövern, die eigentlich nur aus Fachbegriffen des Segelns bestehen. Zwar gibt es im Anhang eine kleine Übersicht mit Erklärungen, aber wer hat schon Lust, sich vor dem Lesen eines Romans komplett mit den Begriffen vertraut zu machen. Es kommt zwangsläufig dazu, daß diejenigen, deren Metier das Segeln bisher eher nicht war, sich ein wenig langweilen werden. Hinzu kommt, daß die ganze Geschichte nicht gerade von einem Höhepunkt zum nächsten sprintet, sondern eher vor sich hin plätschert.
Allein der Hauptcharakter Thalon und die Zwergin Cedira vermögen dem Leser ein wenig Freude zu bereiten. Zum einen muß man den Jungen einfach bedauern, da er ständig von einem Schicksalsschlag zum nächsten taumelt, sich aber immer wieder aufrappelt; zum anderen ist mit der Zwergin einfach ein Charakter im Spiel, der vollkommen und rundherum gelungen ist. (Leider ist sie der einzige Charakter, der diesen Status erreichen kann.) Ihre Sprache, ihre Schilderungen und ihre Handlungen machen einfach immer gute Laune.

Ich habe schon erwähnt, daß die Handlung mehr oder weniger vor sich hin plätschert und nur selten wirklich spannend wird. Erst im letzten Teil kommt es zu einer Verschärfung des Tempos. Gleich mehrere Szenen sind wirklich spannend und intensiv gelungen, und besonders, als es zum großen Ende kommt, mag man den Roman nicht mehr weglegen, sondern muß das Buch einfach zu Ende lesen.
Um so größer ist die Enttäuschung, wenn man am Ende ist, denn das ist wirklich sehr schwach. Man könnte sich dann schon die Haare raufen: Da hat man sich durch Hunderte von Seiten gelesen, nur um schließlich kurz und knapp abgespeist zu werden. Erschwerend kommt noch hinzu, daß man als Leser schon lange im vorhinein ahnt, worauf es am Ende hinauslaufen wird; und leider kommt der Autor auch nicht auf die Idee, dem Leser hier noch mal ein Schnippchen zu schlagen und etwas ganz anderes zu machen. Nein; vielmehr ist dann von der einen Seite zur nächsten alles zu Ende.
Meine Enttäuschung ist unter anderen so groß, weil ich schon erwarte, daß am Ende, wenn mich ein Autor über Hunderte von Seiten lenkt, auch was anständiges herausspringen muß, aber keine so halbgare Lösung, die gar nichts taugt. So etwas empfinde ich immer als sehr unbefriedigend, und dieses hier vorliegende Werk fällt dann unter die Rubrik 'wirklich sehr unbefriedigend'.
Man hat das Gefühl, daß der Autor einfach keine Lust mehr hatte und seine Verantwortung dem Leser gegenüber einfach in der Aussicht auf einen schnellen Abschluß hat untergehen lassen.

Fazit:
Ganz nett zu lesen, aber am Ende ist es einfach weder Fisch noch Fleisch, sondern eher ein Buch, nach dessen Lektüre man sich fragt, was man eigentlich die ganze letzte Zeit gemacht hat, weil man sich kaum mehr an etwas erinnern kann.
5 Punkte

Alexander Haas


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