Der
Weisenjunge Thalon lebt als Küchenhilfe irgendwo in einer
dreckigen Kaschemme im Südmeer von Aventurien. Eines Tages tritt
er einer finsteren Gestalt ein wenig zu nahe, und ehe er sich's
versieht, findet er sich auf der Schwarzen Rose wieder - dem Schiff
des gefürchteten Piraten Eiserne Maske.
Zu seinem Glück nimmt die Zwergin Cedira ihn unter ihre Fittiche
und bringt ihm die strengen Regeln bei, die sein Überleben auf
dem Piratenschiff sichern sollen.
Für einen Moment scheint es tatsächlich, daß er hier
einen sicheren Ort gefunden hat, bis sich das Schicksal wieder gegen
ihn wendet und ihn auf eine harte Odyssee treibt, die ihn Jahre
seines Lebens kosten wird.
Während sich Thalon mit Piraten und anderen Widrigkeiten
herumschlagen muß, wollen auch noch andere Kräfte im
Südmeer etwas erreichen.
Da wäre z.B. der finstere Gorm, der den Archipel Efferds
Tränen unter seiner grausamen Herrschaft hat. Gegen ihn arbeitet
sein Ratgeber Murenius - zusammen mit der Kauffahrerin Canja
Murenbrecker, die wohl weiß, daß Murenius auch Pläne
ohne sie hat.
Es ist die große Frage, ob es wirklich nötig gewesen ist,
die hier vorliegenden Bände noch einmal zu veröffentlichen
- auch wenn sie in dieser Form zusammen und übersichtlich
vorliegen.
Lobend muß man sicher erwähnen, daß die komplette
Trilogie sich leicht und zügig herunterlesen läßt.
Dennoch muß man leider sagen, daß das Niveau nicht
wirklich hoch ist. Sowohl die Sprache des Autors als auch die
Geschichte ist zwar nett, aber nichts Besonderes, wodurch so mancher
Schwachpunkt dann um so stärker auffällt.
So verläuft sich die Geschichte oftmals in ausführlichen
Beschreibungen von Schiffsmanövern, die eigentlich nur aus
Fachbegriffen des Segelns bestehen. Zwar gibt es im Anhang eine
kleine Übersicht mit Erklärungen, aber wer hat schon Lust,
sich vor dem Lesen eines Romans komplett mit den Begriffen vertraut
zu machen. Es kommt zwangsläufig dazu, daß diejenigen,
deren Metier das Segeln bisher eher nicht war, sich ein wenig
langweilen werden. Hinzu kommt, daß die ganze Geschichte nicht
gerade von einem Höhepunkt zum nächsten sprintet, sondern
eher vor sich hin plätschert.
Allein der Hauptcharakter Thalon und die Zwergin Cedira vermögen
dem Leser ein wenig Freude zu bereiten. Zum einen muß man den
Jungen einfach bedauern, da er ständig von einem
Schicksalsschlag zum nächsten taumelt, sich aber immer wieder
aufrappelt; zum anderen ist mit der Zwergin einfach ein Charakter im
Spiel, der vollkommen und rundherum gelungen ist. (Leider ist sie der
einzige Charakter, der diesen Status erreichen kann.) Ihre Sprache,
ihre Schilderungen und ihre Handlungen machen einfach immer gute
Laune.
Ich habe schon erwähnt, daß die Handlung mehr oder weniger
vor sich hin plätschert und nur selten wirklich spannend wird.
Erst im letzten Teil kommt es zu einer Verschärfung des Tempos.
Gleich mehrere Szenen sind wirklich spannend und intensiv gelungen,
und besonders, als es zum großen Ende kommt, mag man den Roman
nicht mehr weglegen, sondern muß das Buch einfach zu Ende
lesen.
Um so größer ist die Enttäuschung, wenn man am Ende
ist, denn das ist wirklich sehr schwach. Man könnte sich dann
schon die Haare raufen: Da hat man sich durch Hunderte von Seiten
gelesen, nur um schließlich kurz und knapp abgespeist zu
werden. Erschwerend kommt noch hinzu, daß man als Leser schon
lange im vorhinein ahnt, worauf es am Ende hinauslaufen wird; und
leider kommt der Autor auch nicht auf die Idee, dem Leser hier noch
mal ein Schnippchen zu schlagen und etwas ganz anderes zu machen.
Nein; vielmehr ist dann von der einen Seite zur nächsten alles
zu Ende.
Meine Enttäuschung ist unter anderen so groß, weil ich
schon erwarte, daß am Ende, wenn mich ein Autor über
Hunderte von Seiten lenkt, auch was anständiges herausspringen
muß, aber keine so halbgare Lösung, die gar nichts taugt.
So etwas empfinde ich immer als sehr unbefriedigend, und dieses hier
vorliegende Werk fällt dann unter die Rubrik 'wirklich sehr
unbefriedigend'.
Man hat das Gefühl, daß der Autor einfach keine Lust mehr
hatte und seine Verantwortung dem Leser gegenüber einfach in der
Aussicht auf einen schnellen Abschluß hat untergehen
lassen.
Fazit:
Ganz nett zu lesen, aber am Ende ist es einfach weder Fisch noch
Fleisch, sondern eher ein Buch, nach dessen Lektüre man sich
fragt, was man eigentlich die ganze letzte Zeit gemacht hat, weil man
sich kaum mehr an etwas erinnern kann.
5 Punkte
