Ungewöhnlich
früh für eine recht neue Serie wird bereits in diesem
vierten Band die Handlungsebene um John Coan und seine Mannen
verlassen und uns die Welt der außerirdischen Ag-ger
präsentiert, die in ständiger Angst vor einer die Galaxis
bedrohenden Roboter-Flotte leben. Als diese Flotte in der Nähe
des Sonnensystems der Ag-ger auftaucht, wird es ernst: Es kommt zum
Kampf.
Wer meint, der Name dieses Volkes sei die einzige Zumutung (war hat
hier an "Ack-Ack" aus Tim Burtons "Mars Attacks!" gedacht?) (*
Vielleicht an "Acker". Sind die Leute Landwirte? Oder Hacker?
Heike) dieses Romans, der täuscht sich. Aber gewaltig. Nein,
alle handelnden Personen dieses Romans haben solch eigentümliche
Namen. Das liest sich dann teilweise so (S.86/87):
"'Ein 'Sensoriker' auf Ber-Kom?' Ba-gor konnte kaum glauben, was
Ka-lan ihm da offenbarte. 'Und du sagst, er kann das Vorhandensein
von elektronischen Aktivitäten fühlen?'
Sie standen nahe der gerade gelandeten 'Cluricaun' beisammen, Ka-lan,
Ba-gor, Mo-lyn, Ko-ser und Jo-gal, der es sich erneut nicht hatte
nehmen lassen, seinen Freund bis zum Schiff zu begleiten."
Liebe Leserin, lieber Leser, nun lesen sie mal die eben zitierte
Stelle laut...
Je weiter der Roman fortschreitet, desto schlimmer werden die Namen.
Später müssen wir eine Prostituierte namens "Lo-lit"
ertragen; und als dann noch eine Krankenschwester auftrat, die auf
den wohlklingenden Namen "Ti-tai" hörte, war der geneigte
Rezensent nahe daran, das Buch in die Ecke zu pfeffern.
All das wäre ja nicht so schlimm, womit wir beim Hauptproblem
des Bandes wären, wenn uns diese Charaktere wenigstens
nahegebracht würden.
Schließlich ist man als SF-Leser oder auch z.B. als Freund
ostasiatischer Literatur (ich kann hier nur eindringlich mal die
wundervollen Romane von Banana Yoshimoto empfehlen) an auf den ersten
Blick fremd klingende Namen gewöhnt und kommt damit gut zurecht,
wenn die Charaktere sich von den Buchseiten erheben und leben.
Nicht so aber in diesem Band. Jegliche Protagonisten bleiben flach;
sie werden kaum beschrieben oder lediglich mit ein paar knappen
Pinselstrichen gezeichnet. Dadurch kann der Leser keinerlei
Sympathien für die Handlungsträger aufbauen und im
schlimmsten (und leider nicht seltenen) Fall des öfteren
Protagonisten verwechseln.
Das gleiche gilt auch für Aussehen, Kultur oder den ganzen
Planeten dieser Ag-ger: Man erfährt praktisch nichts.
Man kann dem Autor nun wirklich nicht vorwerfen, daß der Roman
tempoarm ist. Es wird praktisch ohne Pause gekämpft, geliebt
oder gestorben, aber da man kein Interesse an den Personen
entwickelt, bleibt es bei äußerlicher Rasanz, die einen
kalt läßt, und deshalb stellt sich leider sehr schnell
Langeweile ein.
Ebenfalls nicht gerade angenehm ist der Schreibstil des Autors. Noch
verschmerzen könnte man vielleicht, daß er, wie die
anderen Autoren der John Coan-Serie auch, niemals versucht, sich
sprachlich vom Heftroman abzusetzen.
Unverzeihlich ist aber ein Stilmittel des Autors, das er einsetzt, um
vermutlich die Spannung zu steigern, das in seiner Häufigkeit
aber mit fortschreitender Lektüre stark die Nerven strapaziert:
die sogenannte "Nachklapp-Technik". Das bedeutet, daß er
entweder eine wichtige Information in einem Satz ausläßt
oder zur Betonung einen Gedankenstrich hintenan stellt und dann noch
irgendeine vermeintlich wichtige Information nachliefert - oder den
Satz durch ein besonders "explosives" Wort betont.
Das sieht dann so aus - Beispiele von Seite 141:
"Und wenn es das letzte war, was sie in ihrem Leben in Erfahrung
bringen konnte - Lo-Lit wollte es wissen!"
Ein paar Zeilen später:
"Den Burschen, den sie mit in die >Energiezentrale 17< genommen
hatte...sie hatte ihn längst vergessen!"
Und wieder ein paar Zeilen weiter:
"Ein nicht zu übersehendes Energiemuster zeichnete sich auf
Ber-Koms Oberfläche ab - exakt an der Stelle, wo >Raumtor
4< lag!"
Dieses Stilmittel ist billig, unschön und in dieser Häufung
(der ganze Roman liest sich so!!) nur schwer erträglich.
Was man ebenfalls an dieser Beispiel-Szene ersehen kann, die
exemplarisch für den ganzen Roman steht: Der Autor benutzt
vielzuviele Ausrufezeichen, um zumindest vordergründig Aufregung
zu suggerieren, und die ständige, eigenartige Einrahmung von
Orten/Worten wie: "Energiezentrale" gibt ebenfalls Rätsel
auf.
Bei all diesen Schwächen ist es dann auch nicht mehr
verwunderlich, daß nicht einmal zwei der bestfunktionierenden
Topoi der Literatur, die Liebesgeschichte und der Kampf eines
unterdrückten Volkes, irgendein Interesse zu erwecken
vermögen.
Wenn man sich nicht vorgenommen hat, entweder jeden in deutscher
Sprache erscheinenden SF-Roman zu lesen oder diese Serie komplett zu
rezensieren, hat man eigentlich keinen Grund, diesen Roman zu
lesen.
Fazit:
Aufgrund völlig unzureichender Personenzeichnung und
verwirrender bis ärgerlicher Namensgebung der Protagonisten
langweilender, schlecht geschriebener Füll-Roman der Serie John
Coan, die in immer schwierigeres Fahrwasser gerät.
2 Punkte