Volker Krämer:

"Brennende Welten"

(John Coan - Band 4)
(182 Seiten, Verlag Wilbert, Paperback, keine ISBN, EUR 9,90)
- erschienen: Dezember 2001 -
Homepage: http://www.verlag-wilbert.de/Seite_2x.htm

Ungewöhnlich früh für eine recht neue Serie wird bereits in diesem vierten Band die Handlungsebene um John Coan und seine Mannen verlassen und uns die Welt der außerirdischen Ag-ger präsentiert, die in ständiger Angst vor einer die Galaxis bedrohenden Roboter-Flotte leben. Als diese Flotte in der Nähe des Sonnensystems der Ag-ger auftaucht, wird es ernst: Es kommt zum Kampf.

Wer meint, der Name dieses Volkes sei die einzige Zumutung (war hat hier an "Ack-Ack" aus Tim Burtons "Mars Attacks!" gedacht?) (* Vielleicht an "Acker". Sind die Leute Landwirte? Oder Hacker? Heike) dieses Romans, der täuscht sich. Aber gewaltig. Nein, alle handelnden Personen dieses Romans haben solch eigentümliche Namen. Das liest sich dann teilweise so (S.86/87):
"'Ein 'Sensoriker' auf Ber-Kom?' Ba-gor konnte kaum glauben, was Ka-lan ihm da offenbarte. 'Und du sagst, er kann das Vorhandensein von elektronischen Aktivitäten fühlen?'
Sie standen nahe der gerade gelandeten 'Cluricaun' beisammen, Ka-lan, Ba-gor, Mo-lyn, Ko-ser und Jo-gal, der es sich erneut nicht hatte nehmen lassen, seinen Freund bis zum Schiff zu begleiten."

Liebe Leserin, lieber Leser, nun lesen sie mal die eben zitierte Stelle laut...

Je weiter der Roman fortschreitet, desto schlimmer werden die Namen. Später müssen wir eine Prostituierte namens "Lo-lit" ertragen; und als dann noch eine Krankenschwester auftrat, die auf den wohlklingenden Namen "Ti-tai" hörte, war der geneigte Rezensent nahe daran, das Buch in die Ecke zu pfeffern.

All das wäre ja nicht so schlimm, womit wir beim Hauptproblem des Bandes wären, wenn uns diese Charaktere wenigstens nahegebracht würden.
Schließlich ist man als SF-Leser oder auch z.B. als Freund ostasiatischer Literatur (ich kann hier nur eindringlich mal die wundervollen Romane von Banana Yoshimoto empfehlen) an auf den ersten Blick fremd klingende Namen gewöhnt und kommt damit gut zurecht, wenn die Charaktere sich von den Buchseiten erheben und leben.
Nicht so aber in diesem Band. Jegliche Protagonisten bleiben flach; sie werden kaum beschrieben oder lediglich mit ein paar knappen Pinselstrichen gezeichnet. Dadurch kann der Leser keinerlei Sympathien für die Handlungsträger aufbauen und im schlimmsten (und leider nicht seltenen) Fall des öfteren Protagonisten verwechseln.
Das gleiche gilt auch für Aussehen, Kultur oder den ganzen Planeten dieser Ag-ger: Man erfährt praktisch nichts.
Man kann dem Autor nun wirklich nicht vorwerfen, daß der Roman tempoarm ist. Es wird praktisch ohne Pause gekämpft, geliebt oder gestorben, aber da man kein Interesse an den Personen entwickelt, bleibt es bei äußerlicher Rasanz, die einen kalt läßt, und deshalb stellt sich leider sehr schnell Langeweile ein.

Ebenfalls nicht gerade angenehm ist der Schreibstil des Autors. Noch verschmerzen könnte man vielleicht, daß er, wie die anderen Autoren der John Coan-Serie auch, niemals versucht, sich sprachlich vom Heftroman abzusetzen.
Unverzeihlich ist aber ein Stilmittel des Autors, das er einsetzt, um vermutlich die Spannung zu steigern, das in seiner Häufigkeit aber mit fortschreitender Lektüre stark die Nerven strapaziert: die sogenannte "Nachklapp-Technik". Das bedeutet, daß er entweder eine wichtige Information in einem Satz ausläßt oder zur Betonung einen Gedankenstrich hintenan stellt und dann noch irgendeine vermeintlich wichtige Information nachliefert - oder den Satz durch ein besonders "explosives" Wort betont.
Das sieht dann so aus - Beispiele von Seite 141:

"Und wenn es das letzte war, was sie in ihrem Leben in Erfahrung bringen konnte - Lo-Lit wollte es wissen!"

Ein paar Zeilen später:

"Den Burschen, den sie mit in die >Energiezentrale 17< genommen hatte...sie hatte ihn längst vergessen!"

Und wieder ein paar Zeilen weiter:

"Ein nicht zu übersehendes Energiemuster zeichnete sich auf Ber-Koms Oberfläche ab - exakt an der Stelle, wo >Raumtor 4< lag!"

Dieses Stilmittel ist billig, unschön und in dieser Häufung (der ganze Roman liest sich so!!) nur schwer erträglich.
Was man ebenfalls an dieser Beispiel-Szene ersehen kann, die exemplarisch für den ganzen Roman steht: Der Autor benutzt vielzuviele Ausrufezeichen, um zumindest vordergründig Aufregung zu suggerieren, und die ständige, eigenartige Einrahmung von Orten/Worten wie: "Energiezentrale" gibt ebenfalls Rätsel auf.

Bei all diesen Schwächen ist es dann auch nicht mehr verwunderlich, daß nicht einmal zwei der bestfunktionierenden Topoi der Literatur, die Liebesgeschichte und der Kampf eines unterdrückten Volkes, irgendein Interesse zu erwecken vermögen.

Wenn man sich nicht vorgenommen hat, entweder jeden in deutscher Sprache erscheinenden SF-Roman zu lesen oder diese Serie komplett zu rezensieren, hat man eigentlich keinen Grund, diesen Roman zu lesen.

Fazit:
Aufgrund völlig unzureichender Personenzeichnung und verwirrender bis ärgerlicher Namensgebung der Protagonisten langweilender, schlecht geschriebener Füll-Roman der Serie John Coan, die in immer schwierigeres Fahrwasser gerät.
2 Punkte

Oliver Naujoks

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