Werner A. Wilbert:

"Zentrale Mars"

(John Coan - Band 5)
(182 Seiten, Verlag Wilbert, Paperback, keine ISBN, EUR 9,90)
- erschienen: Januar 2002 -
Homepage: http://www.verlag-wilbert.de/Seite_2x.htm

Nachdem Band 4 ein Füllroman war, blendet die Handlung nun wieder auf John Coan und seine Leute um, und nach drei Bänden greift auch der Erfinder der Serie, Werner A. Wilbert, endlich mal wieder selbst zur Feder.

Auf dem Mars kommt die neue Kolonie von John Coan zu dem Schluß, daß die verfügbaren Kräfte nicht ausreichen. Also werden mehrere Teams zur Erde geschickt, um neue Leute anzuwerben. Fernerhin gibt es natürlich auch mal wieder den inzwischen üblichen Raketenbeschuß der Basis auf dem Mars.

Auch diese Handlung kennen wir bereits aus der Anfangsphase von Perry Rhodan, so daß ich mich nur wiederholen kann: Der Autor klaut hier wirklich dreist!

Zwar ist dieses Buch immerhin drucktechnisch halbwegs in Ordnung; inhaltlich werden aber leider wieder die üblichen Schlampereien geboten, insbesondere große Logikfehler. So erklärt der Autor seinen Lesern nicht, wie die Schiffe von John Coan völlig unbemerkt von den Regierungen auf der Erde landen und ihre Leute absetzen können.
Das Fehlen eines Lektors zeigt sich mal wieder an Szenen, bei denen der Autor nicht weiß, was er wenige Seiten vorher geschrieben hat: So beschreibt er auf Seite 32 einen Mann, der vor durchtrainierten "Cops" davonläuft und ersichtlich unter Luftknappheit leidet. Nur sieben Seiten später, auf Seite 39, wird dann dieser Mann selbst als durchtrainiert bezeichnet.

Nur der Vollständigkeit halber sei wiederum erwähnt, daß natürlich auch in diesem Wilbert-Roman wieder all jene Fehler auftauchen, die der WORD-Rechtschreiberkennung entgehen (insbesondere falsch gebildete Wortendungen) und man sich nicht auch nur entfernt an die Kommasetzungsregeln hält. Leider sind auch die Charaktere immer noch nichts weiter als Pappkameraden, so daß man als Leser nach wie vor schmerzlich Identifikationsfiguren sucht, ohne sie jedoch zu finden.

Zur großen Belustigung der Leser gibt es natürlich auch wieder verschiedene Personen, die "sich" eine rauchen.

Um hier einmal den typischen "Wilbert-Stil" zu dokumentieren: Den Vogel schießt der Autor mit einer Action-Szene ab, die beim Lesen wirklich Magenkrämpfe verursacht. Als warnendes Beispiel, ja als Menetekel soll diese Szene hier einmal (ausnahmsweise) im fast vollen Wortlaut zitiert werden; in kursiv gesetzten Klammereinschüben habe ich mir erlaubt, einige Passagen zu kommentieren.

Kurz zur Einführung: Einer von Coans Männern, ein gewisser Frank Alby, befindet sich auf der Autobahn in seinem Wagen, als er plötzlich von Hubschraubern verfolgt wird.

Die Szene (Seite 51/52):

"Der Motor des Wagens war kaum zu hören, die Pneus erzeugten auf dem rauhen Beton ein gleichmäßiges Brummen.
Fast vergaß Frank, in welch... bescheidenen Lage er sich befand.
(Müßten die Punkte nicht eigentlich bei beschei... stehen? Außerdem muß es "bescheidener" heißen.)
>>Verdammt, wo kommen die denn her!<<
(Putzige Verwendung von direkter Rede)
Plötzlich waren über ihm zwei Polizeihubschrauber.
Ihre Schatten hatte er eben noch auf dem Beton gesehen.
(Wenn er die Schatten der Hubschrauber eben noch auf dem Beton gesehen hatte, warum dann das Wort "plötzlich"?)
Er trat das Gaspedal voll durch und stellte den Musikkanal aus.
>>Bleiben sie stehen! Sie haben keine Chance mehr uns zu entkommen!<<
Die vom Lautsprecher verstärkte Stimme des Beamten in einem der Hubschrauber schallte ins Wageninnere.
>>Ihr könnt mich mal. Ich bin euch schon mal entkommen<<, knurrte Frank, während er noch mehr beschleunigte.
(Noch putzigere Verwendung von direkter Rede.)
Die Cops mussten wesentlich früher als erhofft, erneut den Hubschrauber eingesetzt haben, die auf dem relativ freien Gelände natürlich sehen konnten, daß die Polizeifahrzeuge einer leeren Straße folgten.
(Oh mein Gott, da muß der Autor auf der Kommataste ausgerutscht sein. Auf wen bezieht sich eigentlich das Wort "die" im zweiten Relativsatz?!) (* Ganz eindeutig auf "den Hubschrauber". Oder wie siehst Du das? Heike)
>>Ich habe die Bande wohl unterschätzt. Das soll mir nicht noch mal passieren.<<
(Und noch putzigere Verwendung von direkter Rede.)
Zwei Kurven noch, wusste Frank, dann kam die Abfahrt in das alte Industriegebiet Nord. Dort wollte er abfahren und er hoffte, daß in der Zwischenzeit noch keine Bodenfahrzeuge auf dem Weg dahin waren.
(Bodenfahrzeuge? Hätte es nicht auch das Wort "Autos" oder "Polizeiwagen" getan?!)
Schnelligkeit war seine einzige Chance. Mehr Gas geben - zweihundertzehn Sachen macht der Wagen inzwischen.
(Der Wagen "macht". Schönes Deutsch.) (* Ja, ich hab auch noch nie ein dermaßen schnell pinkelndes Auto gesehen... öööhhhmmm... Heike)
Die nächste Aufforderung der fliegenden Cops war wegen der Windgeräusche nur noch als dumpfe Untermalung zu verstehen.
Frank konnte sich aber schon denken, was sie gesagt haben.
(Gesagt haben? Falsche Zeitform.)
Rein in die Kurve.
>>Nein!<<
Im Ausgang der Kurve, die er gerade mit fast zweihundert Stundenkilometern passiert hatte, standen vier Fahrzeuge der Houston Police.
(Sehr geehrter Herr Wilbert, ich wette einen Kasten Bier gegen Sie, daß es NIRGENDWO auf der ganzen Welt eine Autobahnausfahrt gibt, die man "mit zweihundert Sachen nehmen" kann.)
Die Beamten, die hinter ihren Autos Deckung bezogen hatten und mit Automatikgewehren auf ihn zielten, sprangen zur Seite, als sie erkannten, daß Frank Alby viel zu schnell herankam und nicht mehr bremsen konnte. (...)"

Ich denke, diese Szene spricht für sich. (* Schlimmer geht's nimmer... Heike)

Ansonsten gilt es aber festzuhalten, daß der Roman nicht völlig ohne Unterhaltungswert ist und damit fast ein Novum innerhalb der John Coan-Serie darstellt. Wenn man einmal alle oben dargestellten Schwächen außen vor läßt und sich nicht zu sehr darüber ärgert, wie epigonenhaft dieser Roman ist, erwartet einen durchaus ein zwar äußerst einfach gestrickter, aber wirklich temporeicher Roman, der im Gegensatz zu den Vorgängerbänden immerhin nicht langweilt und zu dessen Lektüre man sich nicht zwingen muß. Dies mag natürlich auch dadurch begründet sein, daß man einfach auf die nächste Stilblüte wartet...

Fazit:
Wie inzwischen leider üblich, äußerst schlampig geschriebener weiterer Roman der John Coan-Serie, der immerhin, im Gegensatz zu den anderen Bänden, einigermaßen unterhält, so daß man mit sehr viel Wohlwollen noch folgende Note vergeben kann:
6 Punkte.

Oliver Naujoks

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