Band 54: "Gabe und Fluch"

Autor: Bernd Frenz

Fudoh befindet sich in der Gewalt von Miki Takeo. Dessen Gehirnwellenscanner dringt allerdings nicht in die Gedanken des Generals ein. So schlagen die WCA-Wissenschaftler vor, daß Aruula mit Hilfe eines Serums in die Gedankenwelt des Generals eintaucht, um dessen Ziele und Pläne herauszufinden. Ein Vorschlag, den Matt entrüstet ablehnt. Aber die Lage ist prekär - Verhandlungen mit dem Gegner haben bis jetzt keine Wirkung gezeigt. Und ob die Japaner nicht noch Raketen in der Hinterhand haben, weiß auch kein Mensch.
Fudoh träumt von seiner Vergangenheit. Nach dem großen Crash sind die japanischen Inseln sehr geschrumpft, und es entwickelt sich eine Bunkerzivilisation - da große Teile der Hauptinsel unbewohnbar sind, eine Notwendigkeit. Eines Tages, als Fudoh zusammen mit seiner Schulfreundin Keiko die Schule schwänzt, um auf die ausstehenden Fischer zu warten, überfallen Mongolen unter der Leitung eines WCA-Agenten die Insel. Fudoh gerät in ihre Gewalt. Sie foltern ihn, da sie von der unterirdischen Siedlung wissen, aber Fudoh verrät nichts. Als die Japaner ihre letzten Waffen, Raketen, zur Hilfe nehmen, können die Mongolen geschlagen werden; der WCA-Agent wird gefangegenommen. Fudohs Gesicht ist nicht mehr zu retten - sein Haß auf die WCA wird mit den Jahren immer größer, bis er zuletzt beschließt, nach Amerika zu gehen, um den WCA empfindlich zu schlagen.
Da Aruula sich nicht bereiterklärt, das Serum auszuprobieren, finden die Wissenschaftler eine andere Lösung - sie benutzen den Geosiphon, eine Variante davon. Der Feldversuch mit dem Zombie im Labor erzeugt den gewünschten Effekt. Der Pilz befällt die Haut und zersetzt den Körper. Gegen die Zombies ein wirksames Mittel.
Doch ob die Japaner noch irgendwelche Waffen in der Hinterhand haben, ist immer noch nicht geklärt. Mit einem Psychotrick kann Aruula überredet werden, das Serum anzuwenden. Mit seiner Hilfe kann Aruula die Vergangenheit Fudohs enträtseln. Allerdings schlägt das Serum besser an, als die Wissenschaftler glauben. Nur ein Blocker, der Aruulas Fähigkeiten hemmt, kann sie ruhigstellen.
Fudoh nimmt unterdessen die Gelegenheit nicht wahr, zu fliehen. Statt dessen dringt er in das Labor zu den WCA-Wissenschaftlern vor und bringt diese mit dem Pilz um. Da seine Zombie-Armee geschlagen ist, bietet Miki ihm einen Waffenstillstand an. Fudoh wird der neue Herr von El'ay. dafür verspricht er Miki, sich nicht über die Grenzen hinaus auszuweiten.

Der Abschluß des Dreiteilers hinterläßt doch eher gemischte Gefühle.
Fudohs Geschichte ist zwar tragisch, und man versteht seine Rachegelüste gegenüber dem WCA, aber irgendwie hatte man sich doch mehr erhofft. Sicher, das, was man über Japan erfährt, ist nicht uninteressant, und sicherlich werden wir noch etliches davon hören - wie nah war der Kraterrand nochmal an den Inseln?
Diese Lösung stellt einen nicht wirklich zufrieden; irgendwie hat man da mehr erhofft. Nun gut, das Kapitel um Fudoh ist erstmal abgeschlossen, wobei man hier ja noch Handlungsspielraum für ein Hardcover hat. Oder für einen neuen Zweiteiler.
Selbst nach diesem Roman ist die Figur des Miki Takeo schlecht in das übliche Gut/Böse-Schema einzuordnen, was auch gut ist. Miki kümmert sich nur um seine Angelegenheiten und versucht, das zu tun, was das Richtige ist - was in den Augen der anderen durchaus nicht immer richtig sein muß.
Aruulas Gabe ist manchmal wirklich Fluch zugleich - sie gewinnt in meiner Sicht, weil sie sich letztendlich doch auf etwas einläßt, worüber sie keinen richtigen Überblick hat. Soweit zu den Stimmen der Leser, die meinen, Aruula wäre farblos und nicht unbedingt notwendig für die Handlung. Im Gegenteil, gerade dieser Roman beweist erneut, daß Aruula mehr ist als nur ein Side-Kick. Aber das haben wir schon in den Bänden vor dem Meeraka-Zyklus gesehen.
Insgesamt gesehen hat die erste Trilogie gezeigt, daß Bernd Frenz es durchaus versteht, eine spannende Handlung über mehr als eine Heftromanlänge zu gestalten. Warten wir mal den kommenden Hydriten-Zweiteiler nach dem Schönenbröcher-Band ab.

Fazit:
Nicht so ganz überzeugender Abschluß der Trilogie um El'ay. Hinter Fudohs Haß hätte man eigentlich mehr vermutet.
10 Punkte

Christian Spließ

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