Professor Zamorra

Band 724: "Vampirträume"

Autor: Claudia Kern

Zamorra nimmt die Einladung von Fu Long an und kommt in dessen Haus in Denver. Fu Long hat mehrere antike Schriftrollen erstanden, die aus der Zeit der chinesischen Drei Reiche stammen und eine Geschichte erzählen, zu der Fu Long unbedingt die Meinung Zamorras einholen will.
Währenddessen hat Jack O'Neill unter seinem Chef zu leiden. Dieser findet, die Aufklärungsrate in Venice Beach bei den vermißten Personen sei zu niedrig, und er setzt Jack und Obadiah auf die Fälle an. Daß Jack mehrere Begegnungen mit Vampiren hatte, glaubt der Chef natürlich nicht. So besuchen beide eine Informantin mit dem Namen Hope. Sie erzählt, in letzter Zeit würden Wölfe Menschen verschwinden lassen. Da Hope ein Junkie ist, nimmt Obadiah die Geschichte nicht allzu ernst. Kurze Zeit später finden beide Hope, die durch etwas angefallen worden ist, bewußtlos vor und liefern sie ins nächste Krankenhaus ein. Doch Hope ist eine Tulis-Yon geworden, eine Tatsache, die Jack am eigenen Leib erlebt. Er informiert Nicole, die den nächsten Flug nach L.A. nehmen will und ihn davor warnt, auf eigene Faust etwas zu unternehmen - ein Rat, an den sich Jack und Obadiah nicht halten werden.
Unterdessen hat Baal Hope getötet, ihre Gestalt angenommen und versucht, Kuang-Shi auf eigene Faust aus dem Weg zu räumen. Der Lohn dafür: der Höllenthron. Kurz zuvor hat er sich der Unterstützung der vertriebenen Vampirsippen versichert. Es kommt zur Schlacht, die Baal jedoch nicht mehr miterlebt. Kuang-shi vernichtet ihn auf einen Schlag. Mitten in der Schlacht finden sich Jack und Obadiah wieder, die sich tapfer schlagen. Während Obadiah danach zu sich nach Hause fährt, wird Jack von einem Tulis-Yon angefallen.
In Denver erfahren Zamorra und Fu Long einiges über die goldene Stadt der Vampire - und zu seiner Überraschung findet sich Zamorra als Hofzauberer am Hof Kuang-shis erwähnt. Dort nimmt er den Beamten Wang Youwai als Gast in seinem Haus auf - wobei Gast eine Untertreibung ist, haben die Soldaten Kuang-shis doch die Diener Youwais abgeschlachtet und nur ihn verschont. Es scheint, als sei Kuang-shi an der Eroberung der Drei Reiche interessiert, und so fragt er den Beamten genauestens aus. Wang plant schließlich die Flucht, stürzt aber wegen seiner einsetzenden Erblindung über Zamorra. Die Schriftrolle bricht an dieser Stelle ab. Nur kurz wird erwähnt, daß der in einen Vampir verwandelte Wang in die Goldene Stadt zurückgelangt. Zamorra hat zwar während des Studierens der Schriftrollen eine Art Flashback, will Fu aber nichts Genaues verraten, da er sich selbst noch nicht sicher ist, was er davon halten soll. Als Zamorra schließlich auf dem Heimweg ist, fragt sich Fu, ob die Zeit des Übergangs wirklich so schnell gekommen ist.

Kompliment, Frau Kern. Einen atmosphärisch dichten Roman zu schreiben, der überdies penibel recherchiert zu sein scheint, und dabei dann noch die Charaktere nicht aus den Augen zu verlieren, ist eine Kunst, die nur wenige Autoren beherrschen.
Die Handlung um den Beamten Wang Youwai eröffnet nicht nur einen Einblick in eine Zeit, die für Zamorra vermutlich noch kommen wird - hier muß man die nächsten Bände abwarten, aber die Spekulationen im Forum zu diesem Thema scheinen doch richtig gewesen zu sein - sondern führt auch elegant den roten Faden fort. Ob die bisher geschilderten Episoden chronologisch direkt aufeinander folgen, wird man erst nach weiteren Bänden sehen, aber eines ist sicher: Es wird auf jeden Fall spannend.
Baal hatte nur ein kurzes Gastspiel, aber durch sein einfaches Dahinscheiden unterstreicht Claudia recht geschickt die Machtfülle, die Kuang-shi zur Verfügung hat.
Und zugleich scheint deutlich zu werden, daß der Supervampir für die Hölle keine Gefahr bedeutet. Obwohl - so ganz sicher kann man sich nicht sein. Noch wissen wir nicht genau, was Kuang-shi vorhat. Und sind die Schriftrollen tatsächlich aus der Vergangenheit der Welt, oder beschreiben sie eine Parallel-Dimension? Reist Zamorra am Ende gar nicht durch die Zeit - damit würde Roberts Aussage unterstützt, daß man in der letzten Zeit zuviel Paradoxa hatte - sondern "nur" durch die Dimensionen? Man merkt, dieser Band beschäftigt den Leser auch nach seinem Ende; ein Zeichen für gute Romane.
Mein absoluter Liebling: Obadiah. Erinnert einen irgendwie an den frühen Eastwood. Wortkarg, in Waffen verliebt und immer bereit, seinem Freund beizustehen. Und er hat auch noch seine Ecken und Kanten. Man ahnt, daß mehr dahintersteckt als nur der reine Waffennarr. Endlich mal wieder ein Charakter, an dem man sich reiben kann, der aber nicht unsympathisch wirkt.
A propos - ein gewisser Herr Whedon taucht am Rande des Romans auf. Wenn auch nur als Namensgeber - und ob das nun eine Anspielung auf einen gewissen Serienerfinder ist? Könnte sein... ;-)

Fazit:
Mehr davon, Frau Kern. Mehr solche Romane, in denen das Action-Spektakel durch sorgfältig gezeichnete Charaktere und eine spannende Handlung ergänzt wird.
14 Punkte

Christian Spließ

home...