P.P. Doc Mueller:

"Dem Schronz sein Schrecken"

(Rick Nebula - Band 1)

(34 Seiten, Online-Roman, demnächst als Hardcover)
Homepage: www.rick-nebula.de

Kaum zu fassen, daß es dieses Kleinod für umsonst gibt. (* Dem schließ ich mich an. Voll. Heike)
Aber von vorne.

"Rick Nebula" ist eine neue Serie des bisher in Deutschland nicht in Erscheinung getretenen amerikanischen Autors P.P. Doc Mueller. Der Name scheint kein Pseudonym zu sein. Also wohl sein richtiger Name. Die erste Ausgabe wird noch testweise im Internet angeboten, aber schon Band zwei wird im edlen Hardcover erscheinen; Verhandlungen mit verschiedenen Verlagen laufen bereits.

Ich kann es schon mal vorwegnehmen: Mit diesem Roman wird die deutsche SF-Szene gehörig aufgemischt. Mit einer Vielzahl von stilistischen Neuerungen und auch endlich einmal wieder einer neuen und einfallsreichen Handlung erobert der Roman die Herzen seiner Leser im Sturm. (* Bei diesem Absatz handelt es sich meiner Meinung nach um eine gelinde Untertreibung. Heike)

Worum geht es?
Der böse Zong schickt seinen Schergen Schronz, um die Erde zu unterjochen. Doch er hat nicht mit Rick Nebula gerechnet...

Viel mehr möchte ich über die Handlung gar nicht verraten, weil sonst der Zauber der vielen überraschenden Wendungen verlorengehen würde.

Was den Roman so lesenswert und innovativ macht, ist der neue Schreibstil, der durch viele kurze Sätze für ein atemberaubendes Tempo sorgt.
Man nehme einmal folgende Stelle:

"'Hilfe!' schrie einer der Männer feige.
Worauf er sofort erschossen wurde.
Während die anderen Männer die Schweinerei wegmachten, gab Rick Nebula Vollgas."

So einen Stil muß man erst mal beherrschen, und einzelne Versuche in der deutschen Verlagslandschaft haben bereits gezeigt, daß nicht jeder seiner Epigonen die schriftstellerische Gabe von Mueller besitzt. (* Das Understatement des Jahres 2002. Heike)

Das Vergnügen wird noch durch den ansteckenden Humor der immer zu einem gelungenen Scherz aufgelegten Protagonisten gesteigert, wie z.B. in dieser Szene:

"'Ja, und Schronz kann uns mal!' sagte der Harry ganz locker. Er war ja ein harter Weltraummann, da durfte man auch mal was locker sagen.
Alle lachten herzhaft.
'Ha, ha', sagten alle."

Schön ist auch, daß man der Handlung jederzeit gut folgen kann, weil der Autor dem Leser immer wieder erklärt, was gerade passiert und bei schwierigen Stellen wichtige Tatsachen auch noch einmal wiederholt, wie z.B. hier:

"Der General war besorgt.
'Ich bin echt besorgt', sagte der General.
Und das war er".

Aber damit nicht genug: Dieser Roman enthält alles, was man von guter SF erwarten darf: Fulminante und furios geschriebene Action-Szenen, Erotik, und selbst für Toleranz wird zwischen den Zeilen geworben, weil in Rick Nebulas Rakete auch Frauen und Neger mitfliegen dürfen. Ebenfalls herzerwärmend ist, daß das Zusammenhaltsgefühl der Protagonisten dadurch gefördert wird, daß jedes feige Besatzungsmitglied in Ricks Rakete sofort erschossen wird. (* Was den Leichtsinn, Darwin-Awards und frühzeitige Auslichtung bis Ausrottung der Menschheit in diesem Universum ordentlich fördern dürfte. Heike)
Schon die Handlung an sich ist enorm spannend und temporeich, aber besonders im Finale, das an die besten Kurzgeschichten von Philip K. Dick erinnert, erreicht der Autor ungeahnte Höhen im Genre der SF. (* Keine Übertreibung, ehrlich! Heike)

Etwas irritierend ist aber, daß Mueller wohl mit Stimmungsschwankungen schreibt. Teilweise verwechselt er den Vornamen seines Protagonisten und schreibt "Nick" statt "Rick" und gibt den mitreißenden "Ein Satz=Ein Absatz"-Stil auf. Das schmälert den Gesamteindruck aber praktisch nicht, zumal er diese Schwäche nachher geschickt in die Handlung einbaut.

Ich kann nur jedem raten, sich den Band auf der o.a. Homepage downzuloaden. Oder mit anderen Worten: Die deutsche SF ist gerettet! (* Kann ich nur bestätigen. Voll. Heike)

Fazit:
In Stil und Story einzigartiges, bahnbrechendes Werk der deutschen SF, das die besten Elemente des Genres auf sich vereinigt. (* Das beste, was ich je gelesen habe. Ungelogen! Beim R... R..... habe ich sogar geweint - und nicht vor Lachen. Heike)
15 Punkte.

Oliver Naujoks

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