Für die
Antwort auf die Frage, wieso hier so ein Roman besprochen wird,
verweise ich auf die Rezension von "Redlight Ranch 18: Jim Preston
und die heiße Squaw" hier im FLASH; auch dieser Roman wurde von
Grusel-Veteran Walter Appel unter seinem Pseudonym Earl Warren
verfaßt.
Diesmal geht es um den schielenden Gangster Crosseye Charlie alias
"Puffalo Bill", der in der Stadt Lincoln, wo diese Serie spielt,
einen Banküberfall durchführen möchte. Im Hintergrund
zieht natürlich wieder Bösewicht vom Dienst Rex Cameron
seine Fäden, und unser Held Jim Preston muß nicht nur
diese Gefahr abwehren - es ist zusätzlich sogar noch ein
Bombenanschlag auf sein Leben geplant...
Wie bereits bei der Vorgängerrezension gilt auch hier, daß
der Roman sprachlich nicht unbedingt Freude macht und mit teilweise
sehr eigentümlicher Verbwahl für Stirnrunzeln sorgt.
Selbiges gilt diesmal auch für die Substantive: Auch wenn ein
Western natürlich möglichst amerikanisch "rüberkommen"
soll, sei die Frage gestattet, ob es wirklich notwendig war,
daß die Leute hier nicht im Büro, sondern in "ihrem
Office" sitzen und der Marshall nicht in die Stadt, sondern in die
"Town" reitet. Anglizismen sind ja gut und schön (* Weder
noch! (Schulligung...) Heike), werden hier aber deutlich
übertrieben.
Dem Roman kann man immerhin nicht vorwerfen, daß wenig
passiert. Insbesondere im Mittelteil überschlagen sich die
Ereignisse: Die Bank wird überfallen, eine Bombe explodiert auf
der Redlight Ranch (das Bordell der Stadt), und die Gattin des
Schmiedes erwischt ihren Mann beim Schäferstündchen mit
einer der Damen von der Ranch und jagt diese nackt(!) durch die
Straßen.
Erfreut wurde hier zur Kenntnis genommen, daß der Autor vom
üblichen Erzählschema abweicht und teilweise seine Leser
direkt anspricht. Kapitel werden also mit Sätzen wie "Der
Banküberfall war so vor sich gegangen" oder "Auf der Redlight
Ranch ging folgendes ab" eingeleitet, und einmal meint der Autor
sogar: "In der Bank war es vorangegangen, dort war manches passiert,
von dem noch berichtet werden soll. Wir haben hier etwas
vorgegriffen." Eine sympathische Abweichung vom Schema.
Sexszenen gibt es diesmal weniger; sie konzentrieren sich
hauptsächlich auf den zweiten Teil des Romans. Auch hier gilt
wieder, daß diese weniger realistisch, sondern einmal mehr nach
dem Motto: "Männer können immer und Frauen wollen immer"
geschrieben sind. Wer's mag...
Was den Roman aus der Masse hervorhebt, ist das grandiose Finale:
Unser Marshall Jim Preston und seine Geliebte, die Prostituierte
Jenny Watson, haben das aus der Bank geraubte Gold bis zu einem
mexikanischen Fort zurückverfolgt, und nun steht unser Held vor
dem Problem, daß er nicht nah genug an das Fort herankommt,
ohne vorher erschossen zu werden. Da kommt seiner Geliebten die Idee,
daß sie sich doch ausziehen und es auf dem Pferd treiben
könnten, während sie, die Waffen versteckt, auf das Fort
zureiten. Die nachfolgende Szene muß man gelesen haben, um sie
zu glauben. Aufgrund dieser Gegebenheit bekommt unser Marshall am
Ende einen neuen Spitznamen: "Fucking Death". Es ist schön, als
Leser an der Geburtsstunde eines neuen Kultwortes teilnehmen zu
dürfen...
Mit Humor wird auch sonst nicht gespart, im Gegenteil. Insbesondere
der schielende Gangster ist eine ständige Inspirationsquelle
für den Autor. Diese Gags sind zwar nicht gerade politisch
korrekt, aber tatsächlich lustig; ein Beispiel:
Unser Gangster steht mit einem Kumpanen vor der auszuraubenden Bank
(S. 15):
"Boss", fragte Stevens, "willst du das Gebäude ausrauben, auf
das du gerade schaust?"
"Natürlich"
"Die Sarghandlung?", fragte der hagere Texaner irritiert. "Ach so,
deine Augen."
An anderer Stelle wurde dem Rezensenten nicht so ganz klar, ob die
Szene humorvoll gemeint war oder nicht.
Nach bestandener Schlacht mit dem mexikanischen Fort findet sich
folgende Szene:
"Ja", sagte Jim Preston voller Stolz, "so etwas macht mir keiner
nach. Ich bin eine Legende des Westens - der größte
Rammler und Kämpfer, der je einen Sattel quetschte, einen
Revolver zog und eine Frau befriedigte."
Mit glänzenden Augen himmelte Jenny den Marshal an...
War dieses "Anhimmeln" ironisch gemeint, oder sollten hier die
Allmachtsphantasien der intendierten Zielgruppe befriedigt werden?
Hmm...
Insgesamt wiederum ein Roman, der Liebhaber klassischer Western oder
schöner Sprache das Weite suchen lassen wird, der aber immerhin
mit viel Tempo und Humor als "Zwischenmahlzeit" - und mehr will der
Roman gar nicht sein - durchaus unterhält.
Fazit:
Flüssig und flott geschriebener Sex-Western mit viel Tempo und
Humor, der dadurch seine sprachlichen Unzulänglichkeiten und die
klischeehafte Handlung größtenteils aufwiegen kann - und
eine Schlußszene bietet, die ihresgleichen sucht. Fucking
Death. Ein neues Kultwort ist geboren...
9 Punkte.
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Ab und an stöbert man auch in artfremden Romanen.
Daß ich diesmal zu Gast auf der RLR war, hat seinen
Grund in einem Posting des Foltom-Forums, in dem Walter
Appel alias Earl Warren eine Szene aus dem Roman beschrieben
hat - und als er wenig später meinte, der Lektor
hätte die Szene genehmigt, konnte ich es mir nicht
verkneifen, mir den Western für Erwachsene zu
Gemüte zu führen. Genug der Vorrede - widmen wir
uns dem Roman. |