Walter Appel:

"Jennys heißer Liebesritt"

(Redlight Ranch - Band 21)

(64 Seiten, Bastei, Heftroman, EUR 1,35)
Homepage: http://www.bastei.de
Homepage des Autors: www.wabook.de

Für die Antwort auf die Frage, wieso hier so ein Roman besprochen wird, verweise ich auf die Rezension von "Redlight Ranch 18: Jim Preston und die heiße Squaw" hier im FLASH; auch dieser Roman wurde von Grusel-Veteran Walter Appel unter seinem Pseudonym Earl Warren verfaßt.

Diesmal geht es um den schielenden Gangster Crosseye Charlie alias "Puffalo Bill", der in der Stadt Lincoln, wo diese Serie spielt, einen Banküberfall durchführen möchte. Im Hintergrund zieht natürlich wieder Bösewicht vom Dienst Rex Cameron seine Fäden, und unser Held Jim Preston muß nicht nur diese Gefahr abwehren - es ist zusätzlich sogar noch ein Bombenanschlag auf sein Leben geplant...

Wie bereits bei der Vorgängerrezension gilt auch hier, daß der Roman sprachlich nicht unbedingt Freude macht und mit teilweise sehr eigentümlicher Verbwahl für Stirnrunzeln sorgt. Selbiges gilt diesmal auch für die Substantive: Auch wenn ein Western natürlich möglichst amerikanisch "rüberkommen" soll, sei die Frage gestattet, ob es wirklich notwendig war, daß die Leute hier nicht im Büro, sondern in "ihrem Office" sitzen und der Marshall nicht in die Stadt, sondern in die "Town" reitet. Anglizismen sind ja gut und schön (* Weder noch! (Schulligung...) Heike), werden hier aber deutlich übertrieben.

Dem Roman kann man immerhin nicht vorwerfen, daß wenig passiert. Insbesondere im Mittelteil überschlagen sich die Ereignisse: Die Bank wird überfallen, eine Bombe explodiert auf der Redlight Ranch (das Bordell der Stadt), und die Gattin des Schmiedes erwischt ihren Mann beim Schäferstündchen mit einer der Damen von der Ranch und jagt diese nackt(!) durch die Straßen.
Erfreut wurde hier zur Kenntnis genommen, daß der Autor vom üblichen Erzählschema abweicht und teilweise seine Leser direkt anspricht. Kapitel werden also mit Sätzen wie "Der Banküberfall war so vor sich gegangen" oder "Auf der Redlight Ranch ging folgendes ab" eingeleitet, und einmal meint der Autor sogar: "In der Bank war es vorangegangen, dort war manches passiert, von dem noch berichtet werden soll. Wir haben hier etwas vorgegriffen." Eine sympathische Abweichung vom Schema.

Sexszenen gibt es diesmal weniger; sie konzentrieren sich hauptsächlich auf den zweiten Teil des Romans. Auch hier gilt wieder, daß diese weniger realistisch, sondern einmal mehr nach dem Motto: "Männer können immer und Frauen wollen immer" geschrieben sind. Wer's mag...

Was den Roman aus der Masse hervorhebt, ist das grandiose Finale: Unser Marshall Jim Preston und seine Geliebte, die Prostituierte Jenny Watson, haben das aus der Bank geraubte Gold bis zu einem mexikanischen Fort zurückverfolgt, und nun steht unser Held vor dem Problem, daß er nicht nah genug an das Fort herankommt, ohne vorher erschossen zu werden. Da kommt seiner Geliebten die Idee, daß sie sich doch ausziehen und es auf dem Pferd treiben könnten, während sie, die Waffen versteckt, auf das Fort zureiten. Die nachfolgende Szene muß man gelesen haben, um sie zu glauben. Aufgrund dieser Gegebenheit bekommt unser Marshall am Ende einen neuen Spitznamen: "Fucking Death". Es ist schön, als Leser an der Geburtsstunde eines neuen Kultwortes teilnehmen zu dürfen...

Mit Humor wird auch sonst nicht gespart, im Gegenteil. Insbesondere der schielende Gangster ist eine ständige Inspirationsquelle für den Autor. Diese Gags sind zwar nicht gerade politisch korrekt, aber tatsächlich lustig; ein Beispiel:
Unser Gangster steht mit einem Kumpanen vor der auszuraubenden Bank (S. 15):
"Boss", fragte Stevens, "willst du das Gebäude ausrauben, auf das du gerade schaust?"
"Natürlich"
"Die Sarghandlung?", fragte der hagere Texaner irritiert. "Ach so, deine Augen."

An anderer Stelle wurde dem Rezensenten nicht so ganz klar, ob die Szene humorvoll gemeint war oder nicht.
Nach bestandener Schlacht mit dem mexikanischen Fort findet sich folgende Szene:
"Ja", sagte Jim Preston voller Stolz, "so etwas macht mir keiner nach. Ich bin eine Legende des Westens - der größte Rammler und Kämpfer, der je einen Sattel quetschte, einen Revolver zog und eine Frau befriedigte."
Mit glänzenden Augen himmelte Jenny den Marshal an...

War dieses "Anhimmeln" ironisch gemeint, oder sollten hier die Allmachtsphantasien der intendierten Zielgruppe befriedigt werden? Hmm...

Insgesamt wiederum ein Roman, der Liebhaber klassischer Western oder schöner Sprache das Weite suchen lassen wird, der aber immerhin mit viel Tempo und Humor als "Zwischenmahlzeit" - und mehr will der Roman gar nicht sein - durchaus unterhält.

Fazit:
Flüssig und flott geschriebener Sex-Western mit viel Tempo und Humor, der dadurch seine sprachlichen Unzulänglichkeiten und die klischeehafte Handlung größtenteils aufwiegen kann - und eine Schlußszene bietet, die ihresgleichen sucht. Fucking Death. Ein neues Kultwort ist geboren...
9 Punkte.

Oliver Naujoks

Ab und an stöbert man auch in artfremden Romanen. Daß ich diesmal zu Gast auf der RLR war, hat seinen Grund in einem Posting des Foltom-Forums, in dem Walter Appel alias Earl Warren eine Szene aus dem Roman beschrieben hat - und als er wenig später meinte, der Lektor hätte die Szene genehmigt, konnte ich es mir nicht verkneifen, mir den Western für Erwachsene zu Gemüte zu führen. Genug der Vorrede - widmen wir uns dem Roman.
Für jemanden, der zum ersten Mal solch einen Roman liest, fällt der große Anteil der sehr explizit geschilderten Sex-Szenen auf. Na ja, Rotlicht im Titel, da könnte man schon etwas erahnen, aber daß es teilweise dann doch recht deftig wird - sagen wir es mal so: Einem 12jährigen würde ich sowas vermutlich nicht in die Hand drücken.
Überraschenderweise gibt es aber neben den Sexszenen auch eine Handlung, in diesem Fall die klassische Bankräubergeschichte.
Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert. Trotz der eindeutigen Szenen gelingt es Walter nämlich, Humor und stellenweise Ironie in die Handlung einfließen zu lassen. Köstlich die Stelle, an der ein gewisses Etwas wegen zu scharfen Zähnen malträtiert wird. Und natürlich sollte man einen Blick auf die Schlußstellung - ähem, die Schlußszene werfen, in der es um ein Pferd und um noch etwas mehr geht. Ach ja, wir haben da auch noch die Bombe, die wegen eindeutiger Erschütterungen hochgeht - die Reaktion der Beteiligten ist einfach nur köstlich.
Kurz gesagt: Ich bin zwar durchaus geneigt, weitere Romane von Earl Warren zu kaufen, wegen dem Humor, aber ansonsten werde ich von der RLR gehörigen Abstand nehmen.

Fazit:
Kann man den Roman ernstnehmen? Nein. Sollte man es tun? Eigentlich nicht. Walter Appel gelingt es auf eine unnachahmliche Art und Weise, Sex und Humor miteinander zu kombinieren, was den Leser mitunter sehr schmunzeln läßt. Wer damit etwas anfangen kann und den Roman wirklich nicht allzu ernst nimmt, wird seinen Spaß haben. Ich hatte ihn jedenfalls.
15 Punkte

Christian Spließ

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