Es geht
weiter mit Caine, der noch recht neuen Dark Fantasy-Serie aus dem
Basilisk-Verlag.
In diesem Band wird, wie der Titel schon andeutet, die Colin
Drake-Bruderschaft näher beleuchtet, die sich neben den Aganoi
und den Dunkelelfen heimlich zum dritten großen Machtfaktor auf
der Erde entwickelt hat und deren Ziel es ist, die vorgenannten
außerirdischen Rassen zu bekämpfen. Der Roman beschreibt
den Werdegang ihres Gründers, Colin Drake.
In einer Nebenhandlung treibt ein mordlüsterner Dämon sein
Unwesen, und unser Held Caine erhält den Auftrag, diesen
auszuschalten...
Fangen wir mit zwei Zitaten an.
Das eine stammt aus meiner Rezension zum ersten Band der Serie
Caine:
"(...)und läßt den Leser hoffen, einmal eine Geschichte
abseits der üblichen Bahnen zu erleben."
Das zweite stammt aus dem hier zu besprechenden Roman und findet sich
auf Seite 59:
"Eine Art ... Monsterjäger?, wunderte sich der
Fragende von vorhin.
So eine Art, ja wenn man so will! bestätigte
Linda Watkins, um weiteren Fragen vorzubeugen."
Ich muß gestehen, daß ich enttäuscht war.
Denn es deutet sich an, daß Caine sich nicht, wie ich mir
erhofft hatte, abseits der üblichen Bahnen des Genres entwickeln
wird, sondern sich nur als eine weitere handelsübliche
Gruselserie entpuppt. Ich hoffe einmal, daß dieser Roman in der
Hinsicht eine Ausnahme darstellt; es wäre einfach zu schade,
wenn man das im ersten Band angedeutete, düstere Potential
verschenken würde und dem Leser nur einen weiteren
Geister-/Monster-/Dämonenjäger vorsetzt, der in jeder Folge
eines der eben genannten Geschöpfe zur Strecke bringen
muß.
Und so zerfällt der Roman dann auch deutlich in zwei Teile. Die
Stellen, an denen der Werdegang von Colin Drake erzählt wird,
sind durchaus interessant; die Handlung um Caine in diesem Band liest
sich aber wie ein ganz normaler Gruselroman, und wer davon schon so
einige gelesen hat, wird hier nichts Neues finden und sich demzufolge
etwas langweilen. Man wird mangels Originalität in diesen
Passagen zum Weiterblättern (was ein Rezensent leider nicht
darf) animiert, um wieder die andere Handlung verfolgen zu
können.
Aber noch einmal zurück zu Colin Drake. Weltumspannende
Geheimorganisationen machen immer wieder Spaß, und ich
hätte mir sehr gewünscht, davon noch mehr zu lesen. So
erfährt man beispielsweise, daß Colin Drake der reichste
Mann der Welt ist und seine Organisation Stück für
Stück aufgebaut hat. All dieses wird aber nur kurz angerissen,
obwohl zumindest ich gerade solche "Aufbauphasen" immer höchst
ansprechend und als Lektüre vergnüglich finde. Hier
drängt sich natürlich ein Vergleich mit Andreas Eschbachs
"Eine Billion Dollar" auf, wo dieses ausführlich geschildert
wird, aber wir wollen nicht unfair sein: Eschbach hatte dafür
700 Seiten Platz, Wilfried Hary nur ungefähr die Hälfte bis
zwei Drittel von 63 Seiten.
Was gibt es sonst noch inhaltlich anzumerken?
Nun, die Actionszenen wurden gegenüber dem zweiten Band etwas
spärlicher eingesetzt (was ich als positiv und nicht negativ
empfand), die Zeichnung der Colin-Drake Agentin Linda Watkins geriet
deutlich unsympathischer und distanzierter als noch im Band davor (wo
ich schon fast gedacht hatte, aus ihr und Caine wird einmal ein
Paar), und die in Kapitälchen gesetzten, sich ständig
wiederholenden und im Kreise drehenden und dadurch von mir als nervig
empfundenen Dialoge zwischen Caine und dem in seinem Amulett
wohnenden Mörder Cartan kommen zwar weniger vor als noch in Band
2, aber für meinen Geschmack immer noch zu reichlich.
Nicht wertend möchte ich noch berichten, daß als
Auslöser für die Gründung der titelgebenden
Bruderschaft das Attentat auf das World Trade Center genommen wurde.
Die Frau und die Tochter von Colin Drake saßen in einer der
Unglücksmaschinen. Mich hat das nicht so gestört - ich war
eher erstaunt, wie schnell die Serie auf aktuelle Ereignisse Bezug
nimmt - andere Leser könnten es aber als geschmacklos empfinden,
deshalb erwähne ich es hier.
Erstaunt war ich über den Stil des Romans, den ich als
ausgesprochen holprig charakterisieren möchte. Das fängt
damit an, daß der Band von Anfang bis Ende von
Wortwiederholungen übersät ist; wenn man auf ein Subjekt
zweimal in einem Satz Bezug nimmt, ersetzt man es doch beim zweiten
Mal durch ein Personalpronomen, oder nicht? Jedenfalls nicht so in
diesem Band (auf Seite 35 findet man sogar in einer Zeile, die nur
aus fünf Wörtern besteht, zweimal das Wort "Fahrstuhl" im
selben Satz!). Selbiges gilt auch für Verben; als ich zum
dritten Mal in einer Szene das sowieso schreckliche Wort
"niedermähen" vorfand, begann ich langsam Unwillen zu
spüren, den Roman weiterzulesen. (* Kann ich verstehen
ich muß mir dann immer so 'ne Horde Schafe vorstellen, die
einen niederMÄHen... ;-) Heike)
Mag sein, daß mir das alles als kleinkariert ausgelegt wird,
aber wenn es den ganzen Roman über immer wieder auftaucht,
stört es mein Lesevergnügen erheblich.
Fernerhin fand ich auch mein Haß-Wort "MPi" (siehe Rezi zu
Caine 2 zum Thema Haß-Worte) wieder vor, diesmal aber in einem
Zusammenhang, der mich versöhnlich stimmte: Der Autor schreibt
an einer Stelle: "Es war eine MPi Uzzi". Was ist eine "Uzzi"? Hier
gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hatte der Verlag an dieser
Stelle die (unbegründete) Sorge, daß sie von dem
israelischen Hersteller die Verwendung des Markennamens "Uzi"
untersagt bekommen, oder wir haben hier ein wahrlich köstliches
Beispiel unfreiwilligen Humors vor uns. Nicht mehr lachen konnte ich
aber, als ich auf das Wort "einzigsten" stieß. Diese furchtbare
Unsitte, ja Sprachunzulänglichkeit, hat in einem professionellen
Produkt nichts zu suchen.
Schließlich sind auch zu viele Sätze so ungelenk
formuliert, daß man sie zweimal lesen muß. Ich freue mich
ja, wenn mich ein Roman zum Mitdenken anregt, aber nicht aus diesem
Anlaß! Anstelle vieler Beispiele (wie sonst üblich)
möchte ich diesmal nur ein Zitat bringen, das die von mir
geschilderten Unzulänglichkeiten in besonders krasser Weise
illustriert.
Auf Seite 37 lesen wir:
"Was für ein Glück, dass er längst nicht mehr das war,
was man einen normalen Menschen nennen konnte ausnahmsweise
ein Glück! Wenn er das sowieso jemals gewesen war
immerhin als einer, der seinen Lebensunterhalt mit dem Umbringen von
Menschen verdient hatte."
Gut, das mit dem zweifachen "Glück" war sicherlich nur ein
Lapsus; dieser hätte aber dem Lektorat auffallen müssen,
genauso wie die Tatsache, daß der zweite Satz in diesem
Beispiel niemals hätte in Druck gehen dürfen, dessen
Rhythmus, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade sehr elegant
ist.
Da dies wahrlich nicht der erste Roman von Wilfried A. Hary war, den
ich gelesen habe, weshalb ich weiß, daß er es besser
kann, habe ich mich über die im Übermaß vorhandenen
stilistischen Schwächen sehr gewundert.
Nach dem zweiten Band hatte ich auf eine Steigerung gehofft; leider
ist, zumindest für mich, das Gegenteil eingetreten. Na ja,
immerhin liest sich die Vorschau auf Band 4 recht vielversprechend
(dieser Band wird übrigens von Herausgeber Patrick J. Grieser
verfaßt), so daß ich die Serie erst mal weiterverfolgen
werde.
Fazit:
Enttäuschender dritter Band der Serie "Caine", der in Teilen
viel zu sehr in gewöhnlichen Bahnen verläuft und damit die
im ersten Band geschürten, hohen Erwartungen auf eine
düstere, ungewöhnliche Serie enttäuscht. Stilistisch
äußerst holprig, wegen einiger interessanter Passagen aber
kein Totalausfall und deshalb noch:
4 Punkte