Es geht
weiter mit Caine, der noch recht neuen Dark Fantasy-Serie aus dem
Basilisk-Verlag.
Wir erinnern uns: Im ersten Band wurde der Mörder Caine
verurteilt und hingerichtet, nur um kurzer Zeit später wieder
zum Leben erweckt zu werden - von Dunkelelfen, die schon seit
Äonen auf der Erde weilen und in einen erbitterten Konflikt mit
dem Volk der Aganoi verwickelt sind. Caine bekommt das
Bewußtsein eines noch viel schlimmeren Mörders
eingepflanzt, als er selbst einer war, und soll in Zukunft für
die Dunkelelfen "Aufträge erledigen", sprich: Morde begehen.
Darum geht es nun in diesem zweiten Band, in welchem Caine den
italienischen Gangsterboß Moretti töten soll, der mit den
Aganoi im Bunde ist. Fernerhin zieht im Hintergrund noch eine
geheimnisvolle Organisation namens "Colin Drake-Bruderschaft" ihre
Fäden.
Zunächst möchte ich einmal ein Versäumnis bei der
Rezension von Caine 1 nachholen und auf die Aufmachung dieser Serie
hinweisen. Der oben gebrauchte Ausdruck "Taschenheft" trifft es nicht
so genau; ein Kollege bezeichnete diese Publikationsform als
"Taschenpaperbackheft", ein schreckliches Ungetüm von einem
Wort, aber es trifft den Kern.
Die beiden neuen Serien (neben "Caine" noch die "Chroniken des
Blutes") aus dem Basilisk-Verlag erscheinen in einem
übergroßen A5-Format und können mit schöner
Verarbeitung, gutem Papier und jeweils sehr gelungen gestalteten
Covern die Herzen bibliophiler Leser durchaus für sich
einnehmen, weswegen ich auch denke, daß sich ein Preisvergleich
mit einem "normalen" Romanheft verbietet.
Nun aber zurück zum zweiten Band der Serie Caine. Leider konnte
ich keine Steigerung gegenüber dem Vorgänger feststellen,
sondern eher einen Rückschritt.
Das hat zwei wesentliche Gründe:
Zum einen ist der Band stilistisch deutlich anders und schwächer
als sein Vorgänger. Vielleicht, um sich dem Gangstermilieu des
Romans anzupassen, verfällt der Autor über weite Strecken
des Bandes in eine sehr schnodderige und einfach schlechte Sprache,
in der die Maschinenpistolen "knattern", über Tische "gelangt"
wird, jemand "meckernd" lacht oder von einem "Uzi-Mann" die Rede
ist.
Auch wenn man gerade in Action-Szenen ruhig in eine etwas bildhaftere
Sprache verfallen darf, finde zumindest ich Absätze wie den
folgenden äußerst unschön, den ich, weil ich mich
über ihn geärgert habe, hier einmal beispielhaft zitieren
und besprechen möchte (S.23 unten):
"Das Projektil des 45er fetzte dem Chinesen durch die Stirn.
Die Wucht des Aufpralls ließ ihn nach hinten springen.
Der durch seinen Todeskrampf verursachte Schuß aus der Beretta
des Zopfträgers ging ungezielt in die Decke und fetzte dabei ein
daumengroßes Stück aus einem Holzbalken heraus. Der
Chinese knallte regelrecht auf den Boden."
Wenn ich Lektor dieses Bandes gewesen wäre, hätte ich
sicherlich folgendes angestrichen: Das Wort "fetzte", das man
eigentlich sowieso nicht verwenden sollte, kommt nicht bloß
ein-, sondern gleich zweimal in dieser Szene vor. Im Zusammenhang mit
einem Kugeleinschlag das Wort "springen" zu verwenden, entwirft ein
unscharfes Bild, weil man dabei doch nicht "aktiv" handelt, sondern
getroffen wird und somit "passiv" zurückfällt oder geworfen
wird. Und "knallte regelrecht" ist ein furchtbares Deutsch.
Fernerhin kommen in diesem Band zwei Worte vor, die für mich ein
absolut rotes Tuch sind und bei mir jedesmal für
größeres Unwohlsein und mittlere bis heftige
Wutanfälle sorgen. Diese beiden Worte benutzt niemand in
Deutschland; nur in einem Biotop bei einem führenden
Heftromanverlag in Bergisch Gladbach wird ihnen seit Jahrzehnten
Artenschutz gewährt. Das eine Wort ist (ich schaffe es kaum, es
zu schreiben, ohne daß meine Hände zittern) "Mpi" mit
kleinem "i" am Ende, und das andere Wort ist der "Combat-Anschlag".
Hatte der Autor vergessen, oder hatte ihm niemand gesagt, daß
er für den Basilisk-Verlag schreibt und eben nicht für
jenen führenden Heftromanverlag aus Bergisch Gladbach? Bitte,
bitte, diese beiden Worte nie wieder verwenden! Mag ja sein,
daß man sich Rechtfertigungen für diese beiden Worte
zusammenkonstruieren kann; dann sei aber zumindest angemerkt,
daß sie ein wirklich ganz, ganz fürchterliches Deutsch
sind!
Des weiteren finden sich auch noch einige sprachliche
Ungenauigkeiten, die einem bei flüchtiger Lektüre gar nicht
auffallen würden - beispielsweise, wenn die Rede davon ist,
daß etwas "unsere Möglichkeiten überschreitet" statt
sie "übersteigt".
All das wäre gar nicht so schlimm, wenn wir nicht aus dem ersten
Band besseres gewohnt wären und die häßliche Sprache
sich nicht so im Widerstreit mit der schönen Aufmachung des
Bandes befinden würde.
Zum anderen korrespondiert mit der Sprache leider auch etwas der
Inhalt. War der erste Band anfänglich noch ein Kriminalroman,
der immer mehr in eine phantastische Erzählung umschlug, stellt
dieser Band lediglich einen durchgängigen Jerry Cotton-Krimi mit
einem geringen phantastischen Überbau dar. Dies
äußert sich darin, daß man die üblichen aus
Cotton-Romanen bekannten Klischees von chinesischen und italienischen
Gangstern präsentiert bekommt und dadurch als Leser an manchen
Stellen aus den Augen verliert, einen phantastischen Roman zu lesen,
auch wenn die phantastischen Elemente immer noch reichlich vorhanden
sind.
An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und dem Team
von Caine zurufen, sich insbesondere bei den Szenen zwischen Caine
und dem in ihm "wohnenden" Mörder Cartan etwas
zurückzuhalten. Der Inhalt dieser Szenen wiederholt sich zu
stark (die ständigen Anweisungen Cartans an Caine, seine Macht
kennenzulernen, zu benutzen und zu verbessern), und vor allem wird in
ihnen in viel zu hohem Maß mit Kapitälchen gearbeitet, ein
unschönes und schlecht lesbares Stilmittel.
Trotz alledem ist dieser Roman alles andere als schlecht. Die
Handlungselemente sind nach wie vor vielversprechend; insbesondere
die geheimnisvolle Colin Drake-Bruderschaft, die dem Roman mit Linda
Watkins einen interessanten und vielversprechenden Charakter
beschert, hält das Interesse beständig wach, ebenso wie die
ungewöhnliche Perspektive aus der Sicht eines Mörders.
Fernerhin ist der Roman temporeich und kurzweilig und läßt
sich sehr zügig durchlesen. Hier merkt man, daß mit Alfred
Bekker (unter dem Pseudonym Brian Carisi) durchaus ein Routinier am
Werk war.
Damit bleibt unter dem Strich eine nach wie vor sehr interessante
Serie, die ich trotz der oben beschriebenen Widrigkeiten auf jeden
Fall gerne weiterverfolgen werde.
Fazit:
Temporeicher und kurzweiliger Roman aus der interessanten Serie
"Caine". Durch ein Übermaß an stilistischen Schwächen
zwar unter dem Niveau des Vorgängerbandes, aber auch immer noch
lesenswert.
7 Punkte