Die
Abenteuer von Frank MacLachlan gehen weiter. Wir erinnern uns:
Hierbei handelt es sich um die Printfassung einer Online-Fan-Serie,
die für die jetzt gedruckte Form noch einmal ordentlich
überarbeitet wird.
In diesem Band fanden die beiden Geschichten "Gefangen im Totenreich"
und "Der Fürst der Finsternis" von Jake T. Magnus Aufnahme, also
diesmal nicht drei, sondern zwei Geschichten, die die Nummern 4 und 6
der Onlineserie darstellen und zu einer zusammengefaßt
wurden.
Die Nummer 5, "Die Brut erwacht", wird in einem der folgenden
Bände nachgereicht.
Auch dieser Band wurde wieder von Martin Hoyer überarbeitet. Wie
beim Vorgängerband wollen wir auch diesmal die
Maßstäbe so anlegen, daß sie der professionellen
Publikationsform entsprechen, wobei aber nicht vergessen wird,
daß es sich bei der Grundlage um eine reine Fan-Serie handelt -
ein Mittelmaß von Strenge und Nachsicht also.
Worum geht es in den beiden Geschichten?
In "Gefangen im Totenreich" wird Frank MacLachlans Kollegin Jane
Cardigan aus ihrem Dienstbüro von ein paar Zombies entführt
und auf eine entlegene Farm verschleppt; MacLachlan macht sich auf,
um sie zu retten.
Beim "Fürst der Finsternis" müssen Frank und Jane einen
Banküberfall samt Geiselnahme zu einem glücklichen Ende
führen, wobei sich die Bankräuber als gesichtslose
Gestaltwandler entpuppen.
Auch wenn dem Bearbeiter Martin Hoyer diesmal ein wirklich eleganter
Übergang zwischen den beiden Ursprungsgeschichten gelang
(Kompliment!), sind sie doch so unterschiedlich, daß sie hier
getrennt besprochen werden müssen.
Festzustellen ist zunächst, daß der Bearbeiter viel Arbeit
hatte. Wie bereits beim Vorgängerband ist auch hier leider
wieder festzustellen, daß die Geschichten in einem
dermaßen unglaublichen Zeitraffer-Tempo erzählt werden,
daß sich einfach keine Atmosphäre, Spannung oder
Leserinvolvierung einstellen will.
Gerade die erste Geschichte, "Gefangen im Totenreich", ist in der
ursprünglichen Fassung nicht mehr als eine ausschließliche
Aneinanderreihung von Action-Szenen. (Meine Güte, weniger ist
mehr!)
Ich hatte mir es noch nicht mal richtig mit der Lektüre
gemütlich gemacht, da kam bereits der erste Zombie zur Tür
herein. Also, im Roman. Nicht bei mir. Und so geht es dann bis zum
Finale weiter: eine Kampfszene nach der anderen, praktisch ohne
Unterbrechung. Ist die Geschichte dadurch in der Online-Ausgabe
eigentlich unlesbar, kann für die Printausgabe zumindest bedingt
Entwarnung gegeben werden. Man merkt, daß auch der Bearbeiter
dieses Problem gespürt haben muß, und es ist sehr
anerkennenswert, daß er einige Szenen einfügte, die die
Geschichte etwas "runder" machen. Dazu gehört z.B am Anfang ein
neuer Dialog zwischen Frank und seiner Sekretärin Donna, und
auch die Szenenübergänge wirken nicht mehr ganz so abrupt
und abgehackt.
Die zweite Geschichte, "Der Fürst der Finsternis", war schon in
der ursprünglichen Fassung ein ganzes Stück besser als die
erste, und auch hier hat der Bearbeiter dafür gesorgt, daß
sie sich besser liest. Sie besteht zwar auch größtenteils
nur aus Action-Szenen, aber immerhin sorgt das Setting mit dem
Banküberfall zumindest für etwas Spannung.
Hier sei noch einmal der elegante Übergang aufgegriffen, den
sich der Bearbeiter ausgedacht hat. Die erste Geschichte endete in
der Online-Fassung im Büro von Frank und Jane, die zweite
beginnt mit dem Banküberfall, und auch hier sitzen Frank und
Jane in der nächsten Szene in ihrem Büro und werden zu dem
Überfall hinzugerufen. In der hier vorliegenden Printfassung
läßt der Bearbeiter die beiden einfach in einem
Café gegenüber der Bank sitzen und die vorher im
Büro geführten Gespräche dort führen- und schon
sind sie mitten im Geschehen des Überfalls. Wirklich gut
gemacht.
Die zweite Geschichte wurde stärker umgeschrieben als die erste;
der Bearbeiter verlagert das Geschehen viel mehr vor die Bank als
noch im Original, und es macht in der Printfassung alles etwas mehr
Sinn (z.B. die Verhaftung des Polizisten). Puristen könnten hier
meckern, daß so einiges vom Flair des Originals verlorengeht.
Da die vorgenommenen Änderungen aber allesamt einen Gewinn
darstellen, werde ich es tunlichst unterlassen, diese Umstellungen zu
kritisieren.
Irgendwann schien dann auch der Bearbeiter zu merken, daß dem
Leser einfach ein Zuviel an Action zugemutet wird, und so strich er
in der zweiten Geschichte auch zwei Actionszenen. Insbesondere bin
ich ihm dafür dankbar, daß er die Actionszene zum
Schluß entfallen ließ, in welcher nun zum dritten(!) Mal
irgendwelche Monstren in das Büro von Frank und Jane eindringen,
so daß man langsam Hinweisschilder für Untote und
Gestaltwandler hätte anbringen können, damit sie das
Büro der beiden auch ja finden.
Gutgetan hat dem Band auf jeden Fall auch die stilistische
Überarbeitung: Alle gröberen Patzer wurden eliminiert. So
hatte sich der Autor der Urfassung z.B. sehr in das Wort
"verästeln" verliebt, und jeder Blitz, der irgendwo
hinschoß, "verästelte" sich. Er benutzte dieses Wort so
inflationär, daß es mir irgendwann gehörig auf die
Nerven ging. Gott sei Dank wurde es in der Printausgabe auf ein
Minimum zusammengestrichen. Rüffeln muß ich den Bearbeiter
aber dafür, daß er eine unerträgliche
Bastei-Krankheit in den Roman hat einfließen lassen: das
absolut schreckliche Wort "MPi" als Abkürzung für eine
Maschinenpistole. Bitte nicht noch mal! (* Sonst müßte
man eigentlich doch darauf bestehen, daß sie das Wort als
"MaPi" abkürzen. Ich wundere mich ja schon seit Jahren,
daß sie nicht "EmPi" abkürzen... die logische Konsequenz
wäre für Maschinengewehr "EmDschi", oder? Naja, "EmGe"
ginge ja auch noch so gerade... <äußerstfiesgrins>
Heike)
Eine Szene sticht besonders heraus, und ich frage mich, warum sie
nicht schon den Bearbeitern der Urfassung aufgefallen war. Da steht
doch tatsächlich:
"Der Mann hatte kein Gesicht - ihm fehlten Augen, Mund - und sogar
die Nase! Der Mann ohne Gesicht atmete nun langsam wieder durch,
versuchte sich zu konzentrieren."
Atmen ohne Mund und Nase? Bei dieser Szene fiel mir vor Schreck mein
Ausdruck (der Online-Fassung) aus der Hand, aber der Bearbeiter zog
sich mit einer Notlösung aus der Affäre; in der
Printfassung liest man jetzt: "(...) Der Mann ohne Gesicht schien
unter der konturlosen Glätte durchzuatmen." Sicher auch nur eine
bedingt elegante Lösung (vielleicht hätte man das komplett
streichen sollen?), aber besser als nichts.
Amüsiert habe ich zur Kenntnis genommen, daß in diesem
Band ein Charakter das Zeitliche segnet, der im nächsten Band
der anderen Atlantis-Serie, "Rettungskreuzer Ikarus" (Nr. 11),
ebenfalls einen frühzeitigen Tod erleiden wird. Das nenne ich
mal einen Synergie-Effekt. Weniger amüsiert habe ich mich
darüber, daß der Bearbeiter der Printfassung zwei
Polizisten mit den Namen Johnny Daniels und Jack Walker
einführte. Solche Witze sollten gesetzlich verboten werden.
(* Ja. Ist das nicht Schleichwerbung? >:-) Heike)
Das Titelbild stellt eine gewaltige Steigerung gegenüber dem
Vorgängerband dar; das Lektorat ist noch etwas ausbaufähig,
einige deutliche Fehler sind mir schon aufgefallen ('im' statt 'ihm'
usw.). (* Ja, über solche muß ich mich auch immer
wieder mal ärgern, denn die findet die automatische
Schlechtschreibprüfung nicht. Heike)
So komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis wie schon bei Band 1.
Ja, die Geschichten lassen noch deutlich zu wünschen übrig
und machen sogar noch weniger Spaß als im ersten Band, aber da
die Serie später wirklich besser wird und man ja nachher nicht
Lücken in der Sammlung haben möchte, kann ich auch diesen
Band Gruselfans bedingt ans Herz legen.
Ein interessantes Experiment ist die Serie allemal, und zumindest mir
macht es viel Spaß, die Geschichten in der Ur- und der jetzigen
Printfassung zu vergleichen. Wer ähnliche Gelüste hegt,
darf zuschlagen.
Fazit:
Größtenteils gelungene Überarbeitung zweier
Online-Grusel-Fan-Geschichten (tolles Wort), die aber leider die nur
sehr überschaubare Qualität der Originale nicht wettmachen
kann. Durch pausenlose Action stellt sich leider praktisch keine
Atmosphäre, Spannung und Leserinvolvierung ein, so daß
dieser Band nur im Hinblick auf die später besser werdende Serie
empfohlen werden kann. Ein interessanter Zwitter zwischen
professioneller Gestaltung und "fannischem" Inhalt.
4 Punkte.