Jake T. Magnus:

"der fürst der finsternis"

(Dämonenjäger Frank MacLachlan - Band 2)
Bearbeitet von Martin Hoyer
(53 Seiten, Taschenheft, Atlantis Verlag, keine ISBN, EUR 4,90)
Homepage: www.maclachlan.de
Homepage Verlag: www.atlantis-verlag.de
- erschienen: Mai 2002 -

Die Abenteuer von Frank MacLachlan gehen weiter. Wir erinnern uns: Hierbei handelt es sich um die Printfassung einer Online-Fan-Serie, die für die jetzt gedruckte Form noch einmal ordentlich überarbeitet wird.

In diesem Band fanden die beiden Geschichten "Gefangen im Totenreich" und "Der Fürst der Finsternis" von Jake T. Magnus Aufnahme, also diesmal nicht drei, sondern zwei Geschichten, die die Nummern 4 und 6 der Onlineserie darstellen und zu einer zusammengefaßt wurden.
Die Nummer 5, "Die Brut erwacht", wird in einem der folgenden Bände nachgereicht.
Auch dieser Band wurde wieder von Martin Hoyer überarbeitet. Wie beim Vorgängerband wollen wir auch diesmal die Maßstäbe so anlegen, daß sie der professionellen Publikationsform entsprechen, wobei aber nicht vergessen wird, daß es sich bei der Grundlage um eine reine Fan-Serie handelt - ein Mittelmaß von Strenge und Nachsicht also.

Worum geht es in den beiden Geschichten?
In "Gefangen im Totenreich" wird Frank MacLachlans Kollegin Jane Cardigan aus ihrem Dienstbüro von ein paar Zombies entführt und auf eine entlegene Farm verschleppt; MacLachlan macht sich auf, um sie zu retten.
Beim "Fürst der Finsternis" müssen Frank und Jane einen Banküberfall samt Geiselnahme zu einem glücklichen Ende führen, wobei sich die Bankräuber als gesichtslose Gestaltwandler entpuppen.

Auch wenn dem Bearbeiter Martin Hoyer diesmal ein wirklich eleganter Übergang zwischen den beiden Ursprungsgeschichten gelang (Kompliment!), sind sie doch so unterschiedlich, daß sie hier getrennt besprochen werden müssen.
Festzustellen ist zunächst, daß der Bearbeiter viel Arbeit hatte. Wie bereits beim Vorgängerband ist auch hier leider wieder festzustellen, daß die Geschichten in einem dermaßen unglaublichen Zeitraffer-Tempo erzählt werden, daß sich einfach keine Atmosphäre, Spannung oder Leserinvolvierung einstellen will.
Gerade die erste Geschichte, "Gefangen im Totenreich", ist in der ursprünglichen Fassung nicht mehr als eine ausschließliche Aneinanderreihung von Action-Szenen. (Meine Güte, weniger ist mehr!)
Ich hatte mir es noch nicht mal richtig mit der Lektüre gemütlich gemacht, da kam bereits der erste Zombie zur Tür herein. Also, im Roman. Nicht bei mir. Und so geht es dann bis zum Finale weiter: eine Kampfszene nach der anderen, praktisch ohne Unterbrechung. Ist die Geschichte dadurch in der Online-Ausgabe eigentlich unlesbar, kann für die Printausgabe zumindest bedingt Entwarnung gegeben werden. Man merkt, daß auch der Bearbeiter dieses Problem gespürt haben muß, und es ist sehr anerkennenswert, daß er einige Szenen einfügte, die die Geschichte etwas "runder" machen. Dazu gehört z.B am Anfang ein neuer Dialog zwischen Frank und seiner Sekretärin Donna, und auch die Szenenübergänge wirken nicht mehr ganz so abrupt und abgehackt.
Die zweite Geschichte, "Der Fürst der Finsternis", war schon in der ursprünglichen Fassung ein ganzes Stück besser als die erste, und auch hier hat der Bearbeiter dafür gesorgt, daß sie sich besser liest. Sie besteht zwar auch größtenteils nur aus Action-Szenen, aber immerhin sorgt das Setting mit dem Banküberfall zumindest für etwas Spannung.
Hier sei noch einmal der elegante Übergang aufgegriffen, den sich der Bearbeiter ausgedacht hat. Die erste Geschichte endete in der Online-Fassung im Büro von Frank und Jane, die zweite beginnt mit dem Banküberfall, und auch hier sitzen Frank und Jane in der nächsten Szene in ihrem Büro und werden zu dem Überfall hinzugerufen. In der hier vorliegenden Printfassung läßt der Bearbeiter die beiden einfach in einem Café gegenüber der Bank sitzen und die vorher im Büro geführten Gespräche dort führen- und schon sind sie mitten im Geschehen des Überfalls. Wirklich gut gemacht.
Die zweite Geschichte wurde stärker umgeschrieben als die erste; der Bearbeiter verlagert das Geschehen viel mehr vor die Bank als noch im Original, und es macht in der Printfassung alles etwas mehr Sinn (z.B. die Verhaftung des Polizisten). Puristen könnten hier meckern, daß so einiges vom Flair des Originals verlorengeht. Da die vorgenommenen Änderungen aber allesamt einen Gewinn darstellen, werde ich es tunlichst unterlassen, diese Umstellungen zu kritisieren.
Irgendwann schien dann auch der Bearbeiter zu merken, daß dem Leser einfach ein Zuviel an Action zugemutet wird, und so strich er in der zweiten Geschichte auch zwei Actionszenen. Insbesondere bin ich ihm dafür dankbar, daß er die Actionszene zum Schluß entfallen ließ, in welcher nun zum dritten(!) Mal irgendwelche Monstren in das Büro von Frank und Jane eindringen, so daß man langsam Hinweisschilder für Untote und Gestaltwandler hätte anbringen können, damit sie das Büro der beiden auch ja finden.
Gutgetan hat dem Band auf jeden Fall auch die stilistische Überarbeitung: Alle gröberen Patzer wurden eliminiert. So hatte sich der Autor der Urfassung z.B. sehr in das Wort "verästeln" verliebt, und jeder Blitz, der irgendwo hinschoß, "verästelte" sich. Er benutzte dieses Wort so inflationär, daß es mir irgendwann gehörig auf die Nerven ging. Gott sei Dank wurde es in der Printausgabe auf ein Minimum zusammengestrichen. Rüffeln muß ich den Bearbeiter aber dafür, daß er eine unerträgliche Bastei-Krankheit in den Roman hat einfließen lassen: das absolut schreckliche Wort "MPi" als Abkürzung für eine Maschinenpistole. Bitte nicht noch mal! (* Sonst müßte man eigentlich doch darauf bestehen, daß sie das Wort als "MaPi" abkürzen. Ich wundere mich ja schon seit Jahren, daß sie nicht "EmPi" abkürzen... die logische Konsequenz wäre für Maschinengewehr "EmDschi", oder? Naja, "EmGe" ginge ja auch noch so gerade... <äußerstfiesgrins> Heike)
Eine Szene sticht besonders heraus, und ich frage mich, warum sie nicht schon den Bearbeitern der Urfassung aufgefallen war. Da steht doch tatsächlich:
"Der Mann hatte kein Gesicht - ihm fehlten Augen, Mund - und sogar die Nase! Der Mann ohne Gesicht atmete nun langsam wieder durch, versuchte sich zu konzentrieren."
Atmen ohne Mund und Nase? Bei dieser Szene fiel mir vor Schreck mein Ausdruck (der Online-Fassung) aus der Hand, aber der Bearbeiter zog sich mit einer Notlösung aus der Affäre; in der Printfassung liest man jetzt: "(...) Der Mann ohne Gesicht schien unter der konturlosen Glätte durchzuatmen." Sicher auch nur eine bedingt elegante Lösung (vielleicht hätte man das komplett streichen sollen?), aber besser als nichts.
Amüsiert habe ich zur Kenntnis genommen, daß in diesem Band ein Charakter das Zeitliche segnet, der im nächsten Band der anderen Atlantis-Serie, "Rettungskreuzer Ikarus" (Nr. 11), ebenfalls einen frühzeitigen Tod erleiden wird. Das nenne ich mal einen Synergie-Effekt. Weniger amüsiert habe ich mich darüber, daß der Bearbeiter der Printfassung zwei Polizisten mit den Namen Johnny Daniels und Jack Walker einführte. Solche Witze sollten gesetzlich verboten werden. (* Ja. Ist das nicht Schleichwerbung? >:-) Heike)
Das Titelbild stellt eine gewaltige Steigerung gegenüber dem Vorgängerband dar; das Lektorat ist noch etwas ausbaufähig, einige deutliche Fehler sind mir schon aufgefallen ('im' statt 'ihm' usw.). (* Ja, über solche muß ich mich auch immer wieder mal ärgern, denn die findet die automatische Schlechtschreibprüfung nicht. Heike)
So komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis wie schon bei Band 1. Ja, die Geschichten lassen noch deutlich zu wünschen übrig und machen sogar noch weniger Spaß als im ersten Band, aber da die Serie später wirklich besser wird und man ja nachher nicht Lücken in der Sammlung haben möchte, kann ich auch diesen Band Gruselfans bedingt ans Herz legen.
Ein interessantes Experiment ist die Serie allemal, und zumindest mir macht es viel Spaß, die Geschichten in der Ur- und der jetzigen Printfassung zu vergleichen. Wer ähnliche Gelüste hegt, darf zuschlagen.

Fazit:
Größtenteils gelungene Überarbeitung zweier Online-Grusel-Fan-Geschichten (tolles Wort), die aber leider die nur sehr überschaubare Qualität der Originale nicht wettmachen kann. Durch pausenlose Action stellt sich leider praktisch keine Atmosphäre, Spannung und Leserinvolvierung ein, so daß dieser Band nur im Hinblick auf die später besser werdende Serie empfohlen werden kann. Ein interessanter Zwitter zwischen professioneller Gestaltung und "fannischem" Inhalt.
4 Punkte.

Oliver Naujoks

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