Catherine Lucile Moore:

"Jirel, die Amazone"

OT: Black God´s Kiss, Black God´s Shadow, Jirel Meets Magic, The Dark Land, Quest of the Starstone, Hellsgarde
Ü: Lore Straßl
(252 Seiten, Paperback, Festa Verlag 1102, ISBN 3-935822-44-8, EUR 11,95)
- erschienen: Juni 2002 -

Der zweite Band der Dark Fantasy-Reihe des Frank Festa Verlags enthält die sechs Jirel-Stories der amerikanischen Autorin Catherine Lucile Moore (1911-1987). Ursprünglich sind sie von 1934 bis 1939 in dem Pulp-Magazin "Weird Tales" erschienen; in Deutschland wurden sie Mitte der Siebziger Jahre in den Bänden 25 und 32 der TERRA FANTASY-Reihe bzw. einer Anthologie des Ullstein Verlages herausgebracht. Moore, die unter einen ganzen Reihe männlicher Pseudonyme veröffentlichte, gilt als eine der renommiertesten Autorinnen der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur.

I. Der Kuß des Schwarzen Gottes
Getrieben von Haß, dem Durst nach Vergeltung, sucht Jirel im namenlosen Alptraumland dunkler Götter nach einer Waffe, um ihren Peiniger und den Eroberer ihres Königreichs Joiry zu vernichten. Der Preis, den sie für diese Waffe - ein Geschenk des Schwarzen Gottes - zu zahlen hat, wird der Tod ihres Geliebten sein.

II. Der Schatten des Schwarzen Gottes
Erneut reist Jirel in das Alptraumreich, um die Seele ihres Geliebten von ewig währender Marter zu erlösen. Sie muß sich dem Schwarzen Gott selbst im Zweikampf stellen. Ihre einzigen Waffen sind Liebe und Menschlichkeit.

III. Der Turm der Welten
Bei der Verfolgung des verhaßten Hexers Giraud findet Jirel einen Weg in ein düsteres Land, welches von der mächtigen Zauberin Jarisme, der Geliebten Girauds, mit eiserner Hand regiert wird. Sie muß beide töten, um nach Hause zurückkehren zu können.

IV. Das dunkle Land
Ein mächtiger Magier entführt Jirel von ihrem Sterbebett in sein dunkles Reich, um sie dort zu Herrscherin an seiner Seite zu krönen. Hilflos seiner Zaubermacht ausgeliefert, schwört Jirel voller Haß und Abscheu, den Finsteren nur zum Gemahl zu nehmen, wenn es ihr nicht gelingt, eine Waffe zu finden, mit der sie ihn töten kann.

V. Das Geheimnis des Sternenreichs
Nachdem der Hexer Franga Jirels todbringender Klinge entkommen konnte, sucht er Verbündete im Kampf gegen die Amazone. Mittels machtvoller Magie ruft er zwei Streiter aus der "Zukunft", den Menschen Smith und den Venusianer Yarol. Mit ihren fantastischen Strahlenwaffen sollen sie Jirel jagen und ihr den Sternenstein entreißen - ein bedeutsames magisches Artefakt

VI. Hellsgarde
Um ihre Männer aus Geiselhaft auszulösen, muß Jirel die verfluchte Burg Hellsgarde betreten, um ein magisches Artefakt zu beschaffen. Dort tritt sie gegen den gewalttätigen Geist an, der über Hellsgarde wacht, und trifft eine Schar merkwürdiger "Menschen", die mehr sind, als sie zu sein vorgeben.

Zu Beginn der eigentlichen Rezension möchte ich die These des Vorwortverfassers Hugh Walker aufgreifen, bei den Jirel-Geschichten handle es sich um "Dark Fantasy - vom Feinsten" [S. 11 unten], um ihr sogleich vehement zu widersprechen.
"Feine" Fantasy sieht anders aus! Die Autorin ist eine Künstlerin, die zwar meisterhaft die Obstschale und den Tisch malen kann, bei der Gesamtkomposition eines Gemäldes jedoch gravierende Schwächen zeigt. Fast jede der sechs Kurzgeschichten enthält Passagen, die sich in Genialität, der Eindringlichkeit der Beschreibung und ihrer phantasievollen Ausgestaltung mit den wirklich großen Autoren der "Fantasy"literatur messen können: H.P. Lovecraft meets Dante Alighieri! Moores Entwürfe der verschiedenen (Alp)Traumländer sind wahrhaft düster und fesselnd. Doch zu einer feinen Geschichte gehört mehr als das: Ohne glaubwürdige Charaktere und/oder mitreißende Spannungs- und Handlungsbögen kann eine Story - sei sie auch noch so short - nicht bestehen. Und gerade daran hapert es.
Die Protagonistin Jirel erscheint eindimensional und unsympathisch; als einzig überzeugende Emotionen wohnen ihr Haß, Rachsucht und Gier inne. Sie ist cholerisch, ungerecht, stolz und unbarmherzig. Dann und wann zeigt sie zwar – unglaubwürdige - emotionale Anwandlungen wie Furcht, Ekel, Entsetzen oder sogar "Liebe", nur um im nächsten Augenblick in noch ungestümerer Raserei auf alles Lebende und vermeintlich Lebendige einzudreschen (à la The Incredible Hulk (Comic-Leser werden wissen, wovon ich spreche)). Als negativ ist weiterhin zu bewerten, daß Jirel im Lauf der Stories keinerlei psychische oder physische Entwicklung durchmacht. Dem Leser bleibt sie ein Buch lang fremd, eine Frau ohne Vergangenheit und Zukunft, in einem Königreich, von dem nicht mehr als der Name bekannt ist - Joiry. Jirels äußerliche Merkmale, die roten Haare und gelben Augen (chronische Hepatitis?) (* Werden da auch die Augen gelb? Ich hatte das eher als Symptom von Malaria in der Erinnerung – kann mich aber auch täuschen. Heike) sind vergebliche Versuche Moores, die Amazone (mit zwei (!) Brüsten (* Sagt man denn nicht 'die Brüste' ('breasts')? Ich hab auch zwei davon – eine linke und eine rechte... ;-))) Heike), ohne Bogen, dafür mit einem mannsgroßen Bihänder) auf eine unbeholfene Art interessant zu gestalten. Im Grunde könnte auch Tante Käthe (* Gröhl! ;-) Heike) die Abenteuer bestehen, ohne daß sich die Qualität der Stories dramatisch ändern würde.
In ihrem historischen Kontext vermochten die Geschichten aufgrund ihres emanzipatorischen Grundtenors (Stichwort: starke Frau, die Männer mordet) eventuell zu begeistern; heutzutage lesen sie sich jedoch merkwürdig antiquiert. Dazu tragen viele gestelzt klingende Formulierungen wie beispielsweise "...Jirel, die kriegerische Maid von Joiry..." [S. 171] oder "...Jirel, Joirys kühne Reckin..." [S. 89] ihren Teil bei. Überhaupt ist Moores Stil etwas gewöhnungsbedürftig, denn selbst in den großartig-düsteren Abschnitten des Buches, die andere Autoren in blumigen Worten (vorzugsweise Adjektiven) verfaßt haben würden, beschränkt sie sich auf kurze und prägnante Sätze; die partiell bedrückende Atmosphäre leidet jedoch nicht darunter.
Der Plots der einzelnen Geschichten und ihr Aufbau ähneln sich so sehr, daß in der dritten, spätestens aber der vierten Geschichte die Neigung des Lesers wächst, den Text nur noch zu überfliegen, weil ihm das zu Lesende zu bekannt vorkommt: Immer wieder verschlägt es Jirel in eine ihr fremde Umgebung, wo sie die eine oder andere Aufgabe erledigen wird - i.d.R. das Suchen irgendeines Artefaktes - um dann wohlbehalten nach Joiry zurückzukehren. Zwischendurch erschrickt sie hier, entsetzelt da - wie gesagt, diese Gefühle nimmt man ihr ohnehin nicht ab - und wütet dort... öde!

Fazit:
Nachdem schon der erste Band der Dark Fantasy-Reihe ("Dreamland 1" von Brian Lumley) enttäuschte, kann man auch diesem zweiten nicht den Status eines Fantasy-Highlights zusprechen. Das Buch bietet zwar mitreißende Passagen, die aber - eingebettet in öde Handlungen, getragen von einer unsympathischen Protagonistin - relativ deutlich untergehen. Der Pulp-Charakter der Stories ist leider - im Gegensatz z.B. zu Lovecrafts genialen Werken - unverkennbar. Daher nur:
6 Punkte

Frank Drehmel


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