Nun
rezensiere also auch ich einmal eine Kurzgeschichtensammlung. Im
großen und ganzen hat sie mir auch sehr gut gefallen. Ob ich
aber überhaupt die richtige Person bin, eine Sammlung wie diese
zu beurteilen, mag dahingestellt bleiben. Immerhin habe ich zuvor
weder von M. R. James noch von irgendeinem der anderen Autoren jemals
etwas gehört und das, obwohl ich doch Geister- und
sonstige Gruselgeschichten sehr liebe, solange sie nur nicht zu
splatterig sind...
Aber zunächst zu den Stories.
»Zwei Ärzte«, M. R. James
Jemand fand einmal zufällig in einem alten Buch Unterlagen
über einen rätselhaften Rechtsfall, in den zwei Ärzte
verwickelt sind, und nun berichtet er darüber.
Warum ausgerechnet diese erste Geschichte mir nicht wirklich
gefällt? Nun, möglicherweise deshalb, weil sie nicht so
viel »Geisterhaftes« enthält, oder auch, weil sie mir
unvollständig vorkommt. Vielleicht kann ja jemand, der sie
verstanden hat, mir erklären, worauf James damit hinauswill...
ich kann mit ihr irgendwie gar nichts anfangen, auch wenn sie
durchaus gefällig erzählt ist.
»Die Beschwörung«, M. R. James
Squire Bowles ist verstorben. Seine Frau und sein Stiefsohn wollen
ihn möglichst schnell beerdigen, und das auch noch ganz
unstandesgemäß: Statt in der Familiengruft, so soll er
zuvor einmal geäußert haben, wolle er lieber auf der
Nordseite des Friedhofes liegen. Das allein ist schon skandalös
genug, aber dann soll er auch noch ohne Sarg unter die Erde kommen!
Dem Kirchendiener Wickem ist bereits der Gedanke daran
unheimlich...
Auch in dieser Geschichte finden sich eigentlich nur Andeutungen
für geisterhaftes Treiben; meiner unmaßgeblichen Meinung
nach ist sie jedoch ungleich verständlicher. Es finden sich
Hintergründe sowie Motive. Ebenfalls schön erzählt,
gefällt mir diese Story um einiges besser als die vorige.
»Aus dem Meer«, A. C. Benson
Pater Thomas, seines Zeichens Dorfgeistlicher in dem kleinen
Fischerort Blea-on-the-Sands, muß in einer ungewöhnlichen
Sache Hilfe leisten: Master Grimston sowie dessen Frau und Sohn
behaupten, von einem bösen Wesen aus dem Meer heimgesucht zu
werden...
Zwar erhebt diese Geschichte einen ziemlich christlich-moralischen
Zeigefinger (gut, alle diese Stories hier haben auf irgendeine Weise
etwas mit Geistlichkeit und / oder Moral zu tun), aber sie vermittelt
diese gewisse düstere Stimmung und ist flüssig
erzählt, trotz aller eingeflochtenen Details die sind
eindeutig notwendig. Meines Erachtens ist sie eine der besten
Geschichten der Sammlung.
»Das verschlossene Fenster«, A. C. Benson
Die Cousins Sir Mark de Nort und Roland Ellice bewohnen gemeinsam das
zum Turm von Nort gehörende Haus. Der Turm selbst wird von
manchen Alten im Dorf immer noch Turm des Schreckens
genannt. Diese Bezeichnung, auch wenn Mark sie nicht gern hört,
hat mit seinem Großvater zu tun, Sir James de Nort, mit dem es
auf schreckliche Weise zu Ende gegangen sein soll. Als Mark und
Roland den Turm zu erforschen beginnen und in einem seit langer Zeit
ungenutzten Raum ein Fenster öffnen, werden sie in
gefährliche Geschehnisse verwickelt.
Wahrhaft eine Schauergeschichte, die nebenbei sehr anschaulich
erzählt ist. Die hier geschilderte gruselige Stimmung
überträgt sich fast unmerklich auf den Leser. Die Story ist
meiner Meinung nach die beste des Bandes.
»Der Nekromant«, Arthur Gray
In dieser Story geht es hauptsächlich um Hintergründe zum
Ableben des Nekromanten Thomas Allen.
Diese Geschichte hat wenigstens erkennbar Anfang und Ende aber
es ist eine von denen, die ich weniger gut finde, auch wenn sie
stilistisch schön geschrieben und auch schlüssig ist. So
etwas wie Spannung oder gar Grusel finde ich in ihr kaum.
»Belanglos« ist meiner Meinung nach eine passende Vokabel
für diese Story.
»Einbildungen«, Arthur Gray
Wie der Titel schon andeutet, behandelt diese Geschichte
Einbildungen, aber auch andere Geistesverwirrungen, und zwar die von
jemandem namens Samuel Aubrey, worüber er einem Freund in einem
Brief berichtet.
Die Story berührt mich eigentlich kaum, enthält auch nur
wenige Spannungselemente, ist aber gefällig verfaßt.
Immerhin ist ihr Verlauf nachvollziehbar, aber ansonsten finde ich
sie ähnlich belanglos wie die vorige, und meiner Meinung nach
werden Andeutungen über Dinge, die von Wichtigkeit sein
könnten, im Weiteren zuwenig beachtet.
»Der Mann mit der Walze«, E. G. Swain
Der Pfarrer des Ortes Stoneground, Roland Batchel,
überläßt einem Bekannten eine Photographie, auf
daß dieser eine Vergrößerung davon herstellen
möge. Auf dem wunschgemäß vergrößerten
Abbild tut sich plötzlich ganz und gar
Ungewöhnliches...
Eine wunderschöne, wenn auch »harmlose«, will sagen,
nicht eben übermäßig spannende oder gruselige Story
um einen Garten bzw. dessen Vergangenheit. Aber sie ist durchaus sehr
gefällig geschrieben und nebenbei mit einer Art winziger Pointe
versehen, die diese Geschichte meiner Meinung nach beinahe in die
Nähe der sogenannten Short Short-Story rückt.
»Familie Richpin«, E. G. Swain
Mysteriöse Vorgänge auf der sogenannten
Franzosenwiese versetzen Mr. Batchel und andere Bewohner
des Ortes Stoneground in Alarmbereitschaft. Hat der
schwächliche, wehleidige Thomas Richpin wirklich etwas damit zu
tun?
Ebenfalls recht harmlose, aber genauso schöne und vor allem
»geist«reiche Geschichte, die uns über einen Teil der
Vergangenheit von Stoneground informiert. Beide Swain-Geschichten
haben mir sehr gut gefallen!
»Die alte Abtei«, W. C. Dickinson
In dieser Geschichte erfährt der Leser von einem Bericht
darüber, wie eine alte Chronik wiedergefunden wurde, diese dann
jedoch erneut und diesmal endgültig
verlorenging.
Die Geschichte besteht eigentlich hauptsächlich aus
Hintergründen, weshalb ein übergroßes Maß an
Spannung meiner Meinung nach nicht aufkommt. Zwar schön und, wie
ich finde, nachvollziehbar geschrieben, so finde ich diese Story doch
wieder etwas belangloser, zumindest jedenfalls im Vergleich mit den
beiden vorigen.
»Ein Werk des Bösen«, W. C. Dickinson
Diese Geschichte rankt sich um ein ziemlich »böses«
Buch.
Mehr darüber zu schreiben, würde die Spannung leider
zerstören! Meines Erachtens eine wirklich sehr gruselige
Geschichte.
»Die seltsamen Geschehnisse in Upton Stonewold«,
Frederick Cowles
Eine sehr schauerliche Geschichte um ein mysteriöses Grab.
Auch hier würde ich zuviel verraten, wenn ich mehr darüber
schriebe. Stilistisch schön und ziemlich gruselig!
»Das Haus der Tänzerin«, Frederick Cowles
Michael Brett erwirbt ein Miniaturgemälde, das eine vor langer
Zeit verstorbene flämische Tänzerin darstellt, und
interessiert sich bald darauf auch für deren Vergangenheit sowie
für ihr Haus...
Ebenfalls recht schauerlich, wenn auch ansatzweise vorhersehbar und
ein wenig detailverliebt; ich fand diese Story trotzdem gut.
»Die Grabplatte«, R. H. Malden
R. H. Malden beschert uns eine ausführlich geschilderte
Geschichte um das (inzwischen anscheinend völlig aus der Mode
gekommene) Sammeln von Abdrücken, die von Messinggrabplatten
hergestellt wurden. (Eine genauere Erklärung wird in der Story
gegeben.) Bei dieser ansonsten eher geruhsamen
Freizeitbeschäftigung wird der Erzähler mit
merkwürdigen bis gefährlichen Geschehnissen
konfrontiert...
Äußerst detailreiche, beinahe ausufernde Story über
ein ausgefallenes Hobby. Eher ruhig und gemütlich, nicht
wirklich gruselig, aber stimmig und schön geschrieben.
»Berührungen der Nacht«, R. H. Malden
Ein Pfarrer hat eine höchst mysteriöse Begegnung.
Wieder einmal ist es mir nicht möglich, mehr über die
Geschichte zu schreiben, ohne vielzuviel zu verraten. Der Autor
schafft es jedenfalls, eine düster-schaurige Atmosphäre
aufkommen zu lassen. Obwohl ich persönlich gern noch ein paar
Details mehr gehabt hätte, fand ich diese Geschichte recht
gut.
»Die Alabasterhand«, A. N. L. Munby
Ein in mehrfacher Beziehung ungewöhnliches Grabmal wird einer
eingehenden Prüfung unterzogen.
Eine schöne, wenn auch nicht wirklich allzu gruselige Geschichte
was teils daran liegt, daß die Geschehnisse sich bereits
ereignet haben und nur jemand anderem geschildert werden
- über die ich nicht mehr verraten möchte!
»Nummer neunundsiebzig«, A. N. L. Munby
Ein Buchhändler informiert einen Kaufwilligen über ein
äußerst obskures Manuskript.
Auch hier kann ich kaum mehr erzählen, ohne zuviel zu verraten.
Eine ruhige, aber nichtsdestoweniger gruselige, stimmige Story.
»Celui-là«, Eleanor Scott
Ein Arzt schickt seinen erholungsbedürftigen Patienten in einen
kleinen bretonischen Küstenort, doch die erhoffte Ruhe findet
dieser dort nicht gerade...
Sehr detailreiche Schauergeschichte, die leider ein wenig die
Spannung vermissen läßt möglicherweise, weil
das Ende schon bald erahnbar wird? Gefallen hat sie mir schon, obwohl
die Gruselszenen für mein persönliches Empfinden etwas zu
dick aufgetragen wirken. In dieser Sammlung halte ich die Geschichte
eher für unterdurchschnittlich. Allerdings liegt das wohl mehr
an der (meiner Meinung nach) hohen Qualität der meisten
übrigen Stories.
»Die zwölf Apostel«, Eleanor Scott
Ein Amerikaner hat ein Haus in England gekauft stilecht und
ganz nach Wunsch mit Gespenst...
Dafür, daß diese Geschichte so ruhig und besinnlich, fast
amüsant anfängt, finde ich ihr Ende recht heftig. Sie
gefiel mir aber immerhin besser als die vorherige.
»Der Schalottenstein«, Basil A. Smith
Aitchison erzählt seinem alten Freund Drury eine höchst
bemerkenswerte Geschichte über ein sonderbares Relikt auf einer
Insel.
Eine wirklich schauerliche und gut aufgebaute Story, die mir in ihren
Erklärungen um das Relikt jedoch nicht weit genug geht
aber das war wohl leider so beabsichtigt, daß da einige Dinge
im unklaren blieben... Dennoch eine schöne Geschichte, wenn auch
mit nicht ganz glücklichem Ende (zumindest der Geschichte
in der Geschichte).
»Properts Vermächtnis«, Basil A. Smith
Dr. Propert nennt eine beachtliche Bibliothek sein eigen. Diese will
er unter gewissen Bedingungen, die zunächst jedoch leicht
erfüllbar erscheinen der Universität von Durham
vermachen. Allerdings kommt ihm etwas dazwischen, nämlich sein
eigener Tod. Zusätzlich ereignen sich eine ganze Reihe
merkwürdiger Dinge...
Eine sehr ausführlich geschriebene Geschichte voller Irrungen
und Wirrungen, deren Zusammenhänge und Hintergründe ich, so
glaube ich zumindest, immer noch nicht hundertprozentig begriffen
habe. Ob das an mir liegt, an mir fehlenden Details oder an der
vielleicht nicht so perfekt durchdachten Story, habe ich noch nicht
herausbekommen. Gefallen hat sie mir, trotz möglicherweise
aufwühlender Geschehnisse zum Ende hin, jedenfalls recht gut,
wahrscheinlich aber hauptsächlich deshalb, weil eine gewisse Art
der ausgleichenden Gerechtigkeit zur Anwendung kommt.
»Das Buch«, Margaret Irwin
Mr. Corbett liest in einem ihm bisher unbekannten Buch aus seinem
Bücherschrank, und plötzlich scheint nichts mehr so zu
sein, wie es einmal war.
Huch, noch eine »Böses Buch«-Geschichte aber
auch diese ist ziemlich gruselig. Geringfügige Lateinkenntnisse
lassen einen wünschen, daß der hierin vorkommende
Eigenname Crab ausnahmsweise ins Deutsche übersetzt
worden wäre. Einen der lateinischen Hinweise habe ich dadurch,
daß dies nicht geschehen ist, nämlich erst verstanden, als
auf der nächsten Seite die dazugehörige Erklärung
folgte... Gefallen hat mir das ganze jedenfalls recht gut, auch wenn
ich eigentlich eher der Happy-End-Fraktion angehöre...
»Die Messe«, Margaret Irwin
Jane hat Angst. Vor jedem sonntäglichen Kirchgang, vor der
Kirche und vor ihrer eigenen Konfirmation, denn dazu muß
sie zum Hochaltar hinauf, mit dem sie nichts Gutes in Verbindung
bringt...
Hm. Wie soll ich diese Story beschreiben? Am besten vielleicht als
»Zeit-Vermischung« mehr möchte ich dazu aber
lieber nicht sagen, das könnte viel vom möglichen Reiz
dieser Erzählung auslöschen. Mir hat sie jedenfalls nicht
so richtig gut gefallen, weil ich sie etwas verworren und nicht ganz
so hm, wie sag ich es denn am besten? logisch aufgebaut
fand.
»Die Freuden der Musik«, L. T. C. Rolt
James Heneage hat das Landgut Trevarthen in Cornwall geerbt. Sein
Freund Thornton freut sich, bei der ersten Besichtigung dabeisein zu
dürfen. Dabei finden sie eine Spieldose. Schon durch ihr
Aussehen, vor allem aber durch den Klang ihres Liedes, löst sie
höchst unterschiedliche Reaktionen bei den beiden aus...
Eine Story mit einem für meine Begriffe zu langen und
detailverliebten Anfang und einem irgendwie (mir zumindest) zu abrupt
erscheinenden Ende, das eigentlich gar nicht wirklich ein solches ist
oder hab ich nur schon wieder irgendwas falsch verstanden?
Jedenfalls ist das wieder eine der wenigen Geschichten dieser
Sammlung, die mir nicht so zusagen, auch wenn ich mich anfangs sehr
darüber gefreut habe, daß sie in Cornwall spielt, da ich
mich gerade in Penzance und Umgebung ein wenig auskenne.
»Das Wappenzimmer in Ashcombe«, L. T. C. Rolt
Eigentlich handelt es sich hierbei nur um die Beschreibung eines
Hauses, früherer Bewohner desselben und unerklärlicher
Vorgänge darin.
Eine sehr ausführlich erzählte Geschichte, die zwar
gruselige Elemente aufweist und wohl auch keine Langeweile aufkommen
lassen wird, die mich aber trotzdem nicht so richtig vom Hocker
reißen kann. Begründung? Keine Ahnung... irgendwie
berührt sie mich einfach nicht sonderlich. Das macht sie mit
Sicherheit nicht schlecht, und vielleicht werden andere auch ganz
anders über sie denken, aber es ist nun mal weniger mein
Geschmack.
Alles in allem kann ich eigentlich nur jedem empfehlen, dieses Buch
selbst zu lesen. Es müßte eigentlich für fast jeden
Spukgeschichten-Geschmack etwas dabei sein. (Nur wenn man absolut
keine Spukgeschichten mag, ist man mit diesem Buch natürlich
nicht sonderlich gut bedient... aber dann wird man es wohl eh kaum
kaufen wollen.) Stilistisch ist sicher an keiner der Geschichten viel
auszusetzen, im Gegenteil und die Tatsache, daß das Buch
in alter Rechtschreibung gehalten ist, trägt sehr zum
Genuß bei, alldieweil sich an vielen Stellen, teils auch in der
wörtlichen Rede, Beispiele für Uralt-Deutsch finden, zu
denen das mir verhaßte Neudeutsch meiner höchst
unmaßgeblichen persönlichen Meinung nach einfach nicht
gepaßt hätte.
Kommen wir nun zur Ausstattung des Buches. Der Rotstich des auf dem
Titelbild abgebildeten Hauses könnte möglicherweise falsche
Assoziationen wecken. :-) Aber was man zu erwarten hat, steht ja mit
drauf. Paperback, nun gut nach mindestens zehnfachem
Kompletthinundzurückdurchblättern und aufgrund der
Tatsache, daß Falk Bücher nicht verschlingt (er kann ja
noch nicht lesen), sondern sie eher zu essen versucht, hat mein Buch
natürlich bereits geringfügig gelitten. Aber nicht jeder
liest ja so häufig, intensiv und ohne das Buch zwischenzeitlich
ins Regal zurückzuzwängen, wo es wieder geglättet
wird, und andere Leute können ihre Bücher sicher auch
besser vor ihren Sprößlingen schützen.
Auf Seite 3 befindet sich eine schöne Zeichnung; sonstige
Illustrationen sucht man (außer beim Titelbild und im Vorwort,
das viele Fotos enthält) leider vergebens. Die Schrift ist
gerade groß genug, daß so ein Weitsichtiger (häh,
was für ein Tiger?) wie ich sie auch aus größerer
Entfernung als 30 cm noch ohne Schwierigkeiten lesen kann. Ein wenig
dick und unhandlich finde ich das Buch ja schon, aber es ist ja auch
eine ganze Menge drin nicht nur Geschichten:
Da wäre, dem ausführlichen Inhaltsverzeichnis folgend, die
mit mehreren Schwarzweißfotos ausgestattete Vorbemerkung von
Frank Rainer Scheck zu nennen. Für Leute, die
ähnlich wie ich noch nie etwas von »Dr. James und
seiner Gang« gehört haben, ganz hilfreich.
(Für die anderen aber möglicherweise auch. Das kann ich nur
leider nicht beurteilen).
Vor jedem Zweierpack Geschichten gibt es dann noch ein paar
ausführlichere Angaben zum jeweiligen Autor (bzw. der jeweiligen
Autorin). Ganz am Ende schließlich befindet sich der Anhang:
»Geschichten, die ich schreiben wollte«, »Einige
Bemerkungen über Gespenstergeschichten« sowie »Seid
gut zu Euren Gespenstern!« von M. R. James, »Die
Geistergeschichte ein Nachruf« von L. T. C. Rolt und
außerdem eine editorische Notiz, die Anmerkungen zu den
verwendeten Stories, ihre Originaltitel, frühere
Veröffentlichungsdaten und jetzige Übersetzer
preisgibt.
Zu den Übersetzungen (und in gewisser Weise auch zum Stil) der
Geschichten möchte ich noch ein paar Worte verlieren. Ich
maße mir an, in geringem Maß beurteilen zu können,
daß sie im allgemeinen ganz hervorragend übersetzt und
auch lektoriert sind. Mehr oder weniger offensichtliche Fehler finden
sich nur an Stellen, an denen die Aufmerksamkeit des
Übersetzenden sowie des Lektorierenden leicht abgelenkt gewesen
sein muß, was aber nicht oft der Fall gewesen sein kann, denn
wie gesagt, der Gesamteindruck ist absolut hervorragend.
Allerdings hätten auch die wenigen Fehler, die mir aufgefallen
sind, großenteils noch vermieden werden können. Selbst
wenn es im Original tatsächlich so stand offensichtliche
(echte) Fehler des Autoren sind ja immerhin zu berichtigen.
Was ich damit meine, illustrieren folgende wild herausgegriffene
Beispiele:
In den Satz »...aber 'ne Stute ist 'ne Stute, besonders wenn man
'ne Familie zu ernähren.« gehört auf jeden Fall ein
hat vor den Punkt, egal, wie dialektgefärbt und
altertümlich der Sprecher sich ausdrückt auch, wenn
der Autor es tatsächlich vergessen haben sollte. (»Familie
Richpin«, Seite 128)
Ich bin mir nicht sicher, wie das früher im Deutschen gehandhabt
wurde, aber um der besseren Verständlichkeit willen (zumindest
heutzutage) hätte ich es doch vorgezogen, den Tag beim Datum
nicht als 19ten oder 21ten zu schreiben, sondern als 19. und 21.,
auch wenn es im Englischen immer noch 19th und 21st geschrieben wird.
(»Das Haus der Tänzerin«, Seite 193)
Ich streckte meine Hand aus, und als sie sie schüttelte,
sagte sie: »Erlauben Sie mir, Ihnen ein sehr gutes Neues Jahr zu
wünschen.« Sie blickte mir für einen Moment starr ins
Gesicht, dann brach sie in ein heiseres Lachen aus und fügte
hinzu: »Wenn Wünsche Pferde wären, könnten
Bettler reiten. Trotzdem danke ich Ihnen für Ihren guten Willen.
Auf Wiedersehen.« Zu der Übersetzung des englischen
Sprichworts will ich gar nichts sagen, das mag wohl wortgetreu und
auch richtig übersetzt sein aber ich bin der Meinung,
daß die beiden Sätze nicht von der gleichen Person
gesprochen worden sein können. Vor dem ersten Satz sollte nicht
sie stehen, sondern ich, also der
Erzähler. (»Berührungen der Nacht«, Seite
234)
Aus einer Mrs. Penrice wird nur wenige Zeilen später eine Mrs.
Pentry (»Die Freuden der Musik«, Seite 445).
Mit diesen vier Beispielen will ich es bewenden lassen, da Fehler in
diesem Buch eine große Ausnahme darstellen, nicht die Regel.
Teilweise scheinen die Fehler ja bereits von den Autoren zu stammen,
aber eigentlich sollte da ja das Lektorat berichtigend eingreifen...
Doch ich will mich wirklich nicht weiter darüber auslassen, denn
ich habe noch nicht allzuviele wesentlich bessere Bücher
gelesen. Vor allem enthielten viele davon mehr Fehler.
Insgesamt eine runde Sache, das Ganze!
Fazit:
Mir persönlich waren die Geschichten die Hauptsache (die Autoren
und ihr Werk waren mir bisher ja unbekannt), und davon fand ich
über die Hälfte gut bis sehr gut. Die Zusammenstellung und
Präsentation finde ich gut gelungen. In Noten
ausgedrückt:
11 Punkte
