Frank Rainer Scheck / Erik Hauser (Hrsg.):

»Berührungen der Nacht«

(Die bizarre Bibliothek, Bd. II)
Englische Geistergeschichten in der Tradition von M. R. James
D 2002
(506 Seiten, Paperback, Festa Verlag 1302, ISBN 3-935822-47-2, EUR 18,95)
- erschienen: Juli 2002 -

Nun rezensiere also auch ich einmal eine Kurzgeschichtensammlung. Im großen und ganzen hat sie mir auch sehr gut gefallen. Ob ich aber überhaupt die richtige Person bin, eine Sammlung wie diese zu beurteilen, mag dahingestellt bleiben. Immerhin habe ich zuvor weder von M. R. James noch von irgendeinem der anderen Autoren jemals etwas gehört – und das, obwohl ich doch Geister- und sonstige Gruselgeschichten sehr liebe, solange sie nur nicht zu splatterig sind...
Aber zunächst zu den Stories.

»Zwei Ärzte«, M. R. James
Jemand fand einmal zufällig in einem alten Buch Unterlagen über einen rätselhaften Rechtsfall, in den zwei Ärzte verwickelt sind, und nun berichtet er darüber.

Warum ausgerechnet diese erste Geschichte mir nicht wirklich gefällt? Nun, möglicherweise deshalb, weil sie nicht so viel »Geisterhaftes« enthält, oder auch, weil sie mir unvollständig vorkommt. Vielleicht kann ja jemand, der sie verstanden hat, mir erklären, worauf James damit hinauswill... ich kann mit ihr irgendwie gar nichts anfangen, auch wenn sie durchaus gefällig erzählt ist.

»Die Beschwörung«, M. R. James
Squire Bowles ist verstorben. Seine Frau und sein Stiefsohn wollen ihn möglichst schnell beerdigen, und das auch noch ganz unstandesgemäß: Statt in der Familiengruft, so soll er zuvor einmal geäußert haben, wolle er lieber auf der Nordseite des Friedhofes liegen. Das allein ist schon skandalös genug, aber dann soll er auch noch ohne Sarg unter die Erde kommen! Dem Kirchendiener Wickem ist bereits der Gedanke daran unheimlich...

Auch in dieser Geschichte finden sich eigentlich nur Andeutungen für geisterhaftes Treiben; meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist sie jedoch ungleich verständlicher. Es finden sich Hintergründe sowie Motive. Ebenfalls schön erzählt, gefällt mir diese Story um einiges besser als die vorige.

»Aus dem Meer«, A. C. Benson
Pater Thomas, seines Zeichens Dorfgeistlicher in dem kleinen Fischerort Blea-on-the-Sands, muß in einer ungewöhnlichen Sache Hilfe leisten: Master Grimston sowie dessen Frau und Sohn behaupten, von einem bösen Wesen aus dem Meer heimgesucht zu werden...

Zwar erhebt diese Geschichte einen ziemlich christlich-moralischen Zeigefinger (gut, alle diese Stories hier haben auf irgendeine Weise etwas mit Geistlichkeit und / oder Moral zu tun), aber sie vermittelt diese gewisse düstere Stimmung und ist flüssig erzählt, trotz aller eingeflochtenen Details – die sind eindeutig notwendig. Meines Erachtens ist sie eine der besten Geschichten der Sammlung.

»Das verschlossene Fenster«, A. C. Benson
Die Cousins Sir Mark de Nort und Roland Ellice bewohnen gemeinsam das zum Turm von Nort gehörende Haus. Der Turm selbst wird von manchen Alten im Dorf immer noch ›Turm des Schreckens‹ genannt. Diese Bezeichnung, auch wenn Mark sie nicht gern hört, hat mit seinem Großvater zu tun, Sir James de Nort, mit dem es auf schreckliche Weise zu Ende gegangen sein soll. Als Mark und Roland den Turm zu erforschen beginnen und in einem seit langer Zeit ungenutzten Raum ein Fenster öffnen, werden sie in gefährliche Geschehnisse verwickelt.

Wahrhaft eine Schauergeschichte, die nebenbei sehr anschaulich erzählt ist. Die hier geschilderte gruselige Stimmung überträgt sich fast unmerklich auf den Leser. Die Story ist meiner Meinung nach die beste des Bandes.

»Der Nekromant«, Arthur Gray
In dieser Story geht es hauptsächlich um Hintergründe zum Ableben des Nekromanten Thomas Allen.

Diese Geschichte hat wenigstens erkennbar Anfang und Ende – aber es ist eine von denen, die ich weniger gut finde, auch wenn sie stilistisch schön geschrieben und auch schlüssig ist. So etwas wie Spannung oder gar Grusel finde ich in ihr kaum. »Belanglos« ist meiner Meinung nach eine passende Vokabel für diese Story.

»Einbildungen«, Arthur Gray
Wie der Titel schon andeutet, behandelt diese Geschichte Einbildungen, aber auch andere Geistesverwirrungen, und zwar die von jemandem namens Samuel Aubrey, worüber er einem Freund in einem Brief berichtet.

Die Story berührt mich eigentlich kaum, enthält auch nur wenige Spannungselemente, ist aber gefällig verfaßt. Immerhin ist ihr Verlauf nachvollziehbar, aber ansonsten finde ich sie ähnlich belanglos wie die vorige, und meiner Meinung nach werden Andeutungen über Dinge, die von Wichtigkeit sein könnten, im Weiteren zuwenig beachtet.

»Der Mann mit der Walze«, E. G. Swain
Der Pfarrer des Ortes Stoneground, Roland Batchel, überläßt einem Bekannten eine Photographie, auf daß dieser eine Vergrößerung davon herstellen möge. Auf dem wunschgemäß vergrößerten Abbild tut sich plötzlich ganz und gar Ungewöhnliches...

Eine wunderschöne, wenn auch »harmlose«, will sagen, nicht eben übermäßig spannende oder gruselige Story um einen Garten bzw. dessen Vergangenheit. Aber sie ist durchaus sehr gefällig geschrieben und nebenbei mit einer Art winziger Pointe versehen, die diese Geschichte meiner Meinung nach beinahe in die Nähe der sogenannten Short Short-Story rückt.

»Familie Richpin«, E. G. Swain
Mysteriöse Vorgänge auf der sogenannten ›Franzosenwiese‹ versetzen Mr. Batchel und andere Bewohner des Ortes Stoneground in Alarmbereitschaft. Hat der schwächliche, wehleidige Thomas Richpin wirklich etwas damit zu tun?

Ebenfalls recht harmlose, aber genauso schöne und vor allem »geist«reiche Geschichte, die uns über einen Teil der Vergangenheit von Stoneground informiert. Beide Swain-Geschichten haben mir sehr gut gefallen!

»Die alte Abtei«, W. C. Dickinson
In dieser Geschichte erfährt der Leser von einem Bericht darüber, wie eine alte Chronik wiedergefunden wurde, diese dann jedoch erneut – und diesmal endgültig – verlorenging.

Die Geschichte besteht eigentlich hauptsächlich aus Hintergründen, weshalb ein übergroßes Maß an Spannung meiner Meinung nach nicht aufkommt. Zwar schön und, wie ich finde, nachvollziehbar geschrieben, so finde ich diese Story doch wieder etwas belangloser, zumindest jedenfalls im Vergleich mit den beiden vorigen.

»Ein Werk des Bösen«, W. C. Dickinson
Diese Geschichte rankt sich um ein ziemlich »böses« Buch.

Mehr darüber zu schreiben, würde die Spannung leider zerstören! Meines Erachtens eine wirklich sehr gruselige Geschichte.

»Die seltsamen Geschehnisse in Upton Stonewold«, Frederick Cowles
Eine sehr schauerliche Geschichte um ein mysteriöses Grab.

Auch hier würde ich zuviel verraten, wenn ich mehr darüber schriebe. Stilistisch schön und ziemlich gruselig!

»Das Haus der Tänzerin«, Frederick Cowles
Michael Brett erwirbt ein Miniaturgemälde, das eine vor langer Zeit verstorbene flämische Tänzerin darstellt, und interessiert sich bald darauf auch für deren Vergangenheit sowie für ihr Haus...

Ebenfalls recht schauerlich, wenn auch ansatzweise vorhersehbar und ein wenig detailverliebt; ich fand diese Story trotzdem gut.

»Die Grabplatte«, R. H. Malden
R. H. Malden beschert uns eine ausführlich geschilderte Geschichte um das (inzwischen anscheinend völlig aus der Mode gekommene) Sammeln von Abdrücken, die von Messinggrabplatten hergestellt wurden. (Eine genauere Erklärung wird in der Story gegeben.) Bei dieser ansonsten eher geruhsamen Freizeitbeschäftigung wird der Erzähler mit merkwürdigen bis gefährlichen Geschehnissen konfrontiert...

Äußerst detailreiche, beinahe ausufernde Story über ein ausgefallenes Hobby. Eher ruhig und gemütlich, nicht wirklich gruselig, aber stimmig und schön geschrieben.

»Berührungen der Nacht«, R. H. Malden
Ein Pfarrer hat eine höchst mysteriöse Begegnung.

Wieder einmal ist es mir nicht möglich, mehr über die Geschichte zu schreiben, ohne vielzuviel zu verraten. Der Autor schafft es jedenfalls, eine düster-schaurige Atmosphäre aufkommen zu lassen. Obwohl ich persönlich gern noch ein paar Details mehr gehabt hätte, fand ich diese Geschichte recht gut.

»Die Alabasterhand«, A. N. L. Munby
Ein in mehrfacher Beziehung ungewöhnliches Grabmal wird einer eingehenden Prüfung unterzogen.

Eine schöne, wenn auch nicht wirklich allzu gruselige Geschichte – was teils daran liegt, daß die Geschehnisse sich bereits ereignet haben und ›nur‹ jemand anderem geschildert werden - über die ich nicht mehr verraten möchte!

»Nummer neunundsiebzig«, A. N. L. Munby
Ein Buchhändler informiert einen Kaufwilligen über ein äußerst obskures Manuskript.

Auch hier kann ich kaum mehr erzählen, ohne zuviel zu verraten. Eine ruhige, aber nichtsdestoweniger gruselige, stimmige Story.

»Celui-là«, Eleanor Scott
Ein Arzt schickt seinen erholungsbedürftigen Patienten in einen kleinen bretonischen Küstenort, doch die erhoffte Ruhe findet dieser dort nicht gerade...

Sehr detailreiche Schauergeschichte, die leider ein wenig die Spannung vermissen läßt – möglicherweise, weil das Ende schon bald erahnbar wird? Gefallen hat sie mir schon, obwohl die Gruselszenen für mein persönliches Empfinden etwas zu dick aufgetragen wirken. In dieser Sammlung halte ich die Geschichte eher für unterdurchschnittlich. Allerdings liegt das wohl mehr an der (meiner Meinung nach) hohen Qualität der meisten übrigen Stories.

»Die zwölf Apostel«, Eleanor Scott
Ein Amerikaner hat ein Haus in England gekauft – stilecht und ganz nach Wunsch mit Gespenst...

Dafür, daß diese Geschichte so ruhig und besinnlich, fast amüsant anfängt, finde ich ihr Ende recht heftig. Sie gefiel mir aber immerhin besser als die vorherige.

»Der Schalottenstein«, Basil A. Smith
Aitchison erzählt seinem alten Freund Drury eine höchst bemerkenswerte Geschichte über ein sonderbares Relikt auf einer Insel.

Eine wirklich schauerliche und gut aufgebaute Story, die mir in ihren Erklärungen um das Relikt jedoch nicht weit genug geht – aber das war wohl leider so beabsichtigt, daß da einige Dinge im unklaren blieben... Dennoch eine schöne Geschichte, wenn auch mit nicht ganz glücklichem Ende (zumindest der ›Geschichte in der Geschichte‹).

»Properts Vermächtnis«, Basil A. Smith
Dr. Propert nennt eine beachtliche Bibliothek sein eigen. Diese will er – unter gewissen Bedingungen, die zunächst jedoch leicht erfüllbar erscheinen – der Universität von Durham vermachen. Allerdings kommt ihm etwas dazwischen, nämlich sein eigener Tod. Zusätzlich ereignen sich eine ganze Reihe merkwürdiger Dinge...

Eine sehr ausführlich geschriebene Geschichte voller Irrungen und Wirrungen, deren Zusammenhänge und Hintergründe ich, so glaube ich zumindest, immer noch nicht hundertprozentig begriffen habe. Ob das an mir liegt, an mir fehlenden Details oder an der vielleicht nicht so perfekt durchdachten Story, habe ich noch nicht herausbekommen. Gefallen hat sie mir, trotz möglicherweise aufwühlender Geschehnisse zum Ende hin, jedenfalls recht gut, wahrscheinlich aber hauptsächlich deshalb, weil eine gewisse Art der ausgleichenden Gerechtigkeit zur Anwendung kommt.

»Das Buch«, Margaret Irwin
Mr. Corbett liest in einem ihm bisher unbekannten Buch aus seinem Bücherschrank, und plötzlich scheint nichts mehr so zu sein, wie es einmal war.

Huch, noch eine »Böses Buch«-Geschichte – aber auch diese ist ziemlich gruselig. Geringfügige Lateinkenntnisse lassen einen wünschen, daß der hierin vorkommende Eigenname ›Crab‹ ausnahmsweise ins Deutsche übersetzt worden wäre. Einen der lateinischen Hinweise habe ich dadurch, daß dies nicht geschehen ist, nämlich erst verstanden, als auf der nächsten Seite die dazugehörige Erklärung folgte... Gefallen hat mir das ganze jedenfalls recht gut, auch wenn ich eigentlich eher der Happy-End-Fraktion angehöre...

»Die Messe«, Margaret Irwin
Jane hat Angst. Vor jedem sonntäglichen Kirchgang, vor der Kirche – und vor ihrer eigenen Konfirmation, denn dazu muß sie zum Hochaltar hinauf, mit dem sie nichts Gutes in Verbindung bringt...

Hm. Wie soll ich diese Story beschreiben? Am besten vielleicht als »Zeit-Vermischung« – mehr möchte ich dazu aber lieber nicht sagen, das könnte viel vom möglichen Reiz dieser Erzählung auslöschen. Mir hat sie jedenfalls nicht so richtig gut gefallen, weil ich sie etwas verworren und nicht ganz so – hm, wie sag ich es denn am besten? – logisch aufgebaut fand.

»Die Freuden der Musik«, L. T. C. Rolt
James Heneage hat das Landgut Trevarthen in Cornwall geerbt. Sein Freund Thornton freut sich, bei der ersten Besichtigung dabeisein zu dürfen. Dabei finden sie eine Spieldose. Schon durch ihr Aussehen, vor allem aber durch den Klang ihres Liedes, löst sie höchst unterschiedliche Reaktionen bei den beiden aus...

Eine Story mit einem für meine Begriffe zu langen und detailverliebten Anfang und einem irgendwie (mir zumindest) zu abrupt erscheinenden Ende, das eigentlich gar nicht wirklich ein solches ist – oder hab ich nur schon wieder irgendwas falsch verstanden? Jedenfalls ist das wieder eine der wenigen Geschichten dieser Sammlung, die mir nicht so zusagen, auch wenn ich mich anfangs sehr darüber gefreut habe, daß sie in Cornwall spielt, da ich mich gerade in Penzance und Umgebung ein wenig auskenne.

»Das Wappenzimmer in Ashcombe«, L. T. C. Rolt
Eigentlich handelt es sich hierbei nur um die Beschreibung eines Hauses, früherer Bewohner desselben und unerklärlicher Vorgänge darin.

Eine sehr ausführlich erzählte Geschichte, die zwar gruselige Elemente aufweist und wohl auch keine Langeweile aufkommen lassen wird, die mich aber trotzdem nicht so richtig vom Hocker reißen kann. Begründung? Keine Ahnung... irgendwie berührt sie mich einfach nicht sonderlich. Das macht sie mit Sicherheit nicht schlecht, und vielleicht werden andere auch ganz anders über sie denken, aber es ist nun mal weniger mein Geschmack.

Alles in allem kann ich eigentlich nur jedem empfehlen, dieses Buch selbst zu lesen. Es müßte eigentlich für fast jeden Spukgeschichten-Geschmack etwas dabei sein. (Nur wenn man absolut keine Spukgeschichten mag, ist man mit diesem Buch natürlich nicht sonderlich gut bedient... aber dann wird man es wohl eh kaum kaufen wollen.) Stilistisch ist sicher an keiner der Geschichten viel auszusetzen, im Gegenteil – und die Tatsache, daß das Buch in alter Rechtschreibung gehalten ist, trägt sehr zum Genuß bei, alldieweil sich an vielen Stellen, teils auch in der wörtlichen Rede, Beispiele für Uralt-Deutsch finden, zu denen das mir verhaßte Neudeutsch meiner höchst unmaßgeblichen persönlichen Meinung nach einfach nicht gepaßt hätte.

Kommen wir nun zur Ausstattung des Buches. Der Rotstich des auf dem Titelbild abgebildeten Hauses könnte möglicherweise falsche Assoziationen wecken. :-) Aber was man zu erwarten hat, steht ja mit drauf. Paperback, nun gut – nach mindestens zehnfachem Kompletthinundzurückdurchblättern und aufgrund der Tatsache, daß Falk Bücher nicht verschlingt (er kann ja noch nicht lesen), sondern sie eher zu essen versucht, hat mein Buch natürlich bereits geringfügig gelitten. Aber nicht jeder liest ja so häufig, intensiv und ohne das Buch zwischenzeitlich ins Regal zurückzuzwängen, wo es wieder geglättet wird, und andere Leute können ihre Bücher sicher auch besser vor ihren Sprößlingen schützen.

Auf Seite 3 befindet sich eine schöne Zeichnung; sonstige Illustrationen sucht man (außer beim Titelbild und im Vorwort, das viele Fotos enthält) leider vergebens. Die Schrift ist gerade groß genug, daß so ein Weitsichtiger (häh, was für ein Tiger?) wie ich sie auch aus größerer Entfernung als 30 cm noch ohne Schwierigkeiten lesen kann. Ein wenig dick und unhandlich finde ich das Buch ja schon, aber es ist ja auch eine ganze Menge drin – nicht nur Geschichten:

Da wäre, dem ausführlichen Inhaltsverzeichnis folgend, die mit mehreren Schwarzweißfotos ausgestattete Vorbemerkung von Frank Rainer Scheck zu nennen. Für Leute, die – ähnlich wie ich – noch nie etwas von »Dr. James und seiner ›Gang‹« gehört haben, ganz hilfreich. (Für die anderen aber möglicherweise auch. Das kann ich nur leider nicht beurteilen).

Vor jedem Zweierpack Geschichten gibt es dann noch ein paar ausführlichere Angaben zum jeweiligen Autor (bzw. der jeweiligen Autorin). Ganz am Ende schließlich befindet sich der Anhang: »Geschichten, die ich schreiben wollte«, »Einige Bemerkungen über Gespenstergeschichten« sowie »Seid gut zu Euren Gespenstern!« von M. R. James, »Die Geistergeschichte – ein Nachruf« von L. T. C. Rolt und außerdem eine editorische Notiz, die Anmerkungen zu den verwendeten Stories, ihre Originaltitel, frühere Veröffentlichungsdaten und jetzige Übersetzer preisgibt.

Zu den Übersetzungen (und in gewisser Weise auch zum Stil) der Geschichten möchte ich noch ein paar Worte verlieren. Ich maße mir an, in geringem Maß beurteilen zu können, daß sie im allgemeinen ganz hervorragend übersetzt und auch lektoriert sind. Mehr oder weniger offensichtliche Fehler finden sich nur an Stellen, an denen die Aufmerksamkeit des Übersetzenden sowie des Lektorierenden leicht abgelenkt gewesen sein muß, was aber nicht oft der Fall gewesen sein kann, denn wie gesagt, der Gesamteindruck ist absolut hervorragend.
Allerdings hätten auch die wenigen Fehler, die mir aufgefallen sind, großenteils noch vermieden werden können. Selbst wenn es im Original tatsächlich so stand – offensichtliche (echte) Fehler des Autoren sind ja immerhin zu berichtigen.
Was ich damit meine, illustrieren folgende wild herausgegriffene Beispiele:
In den Satz »...aber 'ne Stute ist 'ne Stute, besonders wenn man 'ne Familie zu ernähren.« gehört auf jeden Fall ein ›hat‹ vor den Punkt, egal, wie dialektgefärbt und altertümlich der Sprecher sich ausdrückt – auch, wenn der Autor es tatsächlich vergessen haben sollte. (»Familie Richpin«, Seite 128)
Ich bin mir nicht sicher, wie das früher im Deutschen gehandhabt wurde, aber um der besseren Verständlichkeit willen (zumindest heutzutage) hätte ich es doch vorgezogen, den Tag beim Datum nicht als 19ten oder 21ten zu schreiben, sondern als 19. und 21., auch wenn es im Englischen immer noch 19th und 21st geschrieben wird. (»Das Haus der Tänzerin«, Seite 193)
›Ich streckte meine Hand aus, und als sie sie schüttelte, sagte sie: »Erlauben Sie mir, Ihnen ein sehr gutes Neues Jahr zu wünschen.« Sie blickte mir für einen Moment starr ins Gesicht, dann brach sie in ein heiseres Lachen aus und fügte hinzu: »Wenn Wünsche Pferde wären, könnten Bettler reiten. Trotzdem danke ich Ihnen für Ihren guten Willen. Auf Wiedersehen.« Zu der Übersetzung des englischen Sprichworts will ich gar nichts sagen, das mag wohl wortgetreu und auch richtig übersetzt sein – aber ich bin der Meinung, daß die beiden Sätze nicht von der gleichen Person gesprochen worden sein können. Vor dem ersten Satz sollte nicht ›sie‹ stehen, sondern ›ich‹, also der Erzähler. (»Berührungen der Nacht«, Seite 234)
Aus einer Mrs. Penrice wird nur wenige Zeilen später eine Mrs. Pentry (»Die Freuden der Musik«, Seite 445).
Mit diesen vier Beispielen will ich es bewenden lassen, da Fehler in diesem Buch eine große Ausnahme darstellen, nicht die Regel. Teilweise scheinen die Fehler ja bereits von den Autoren zu stammen, aber eigentlich sollte da ja das Lektorat berichtigend eingreifen... Doch ich will mich wirklich nicht weiter darüber auslassen, denn ich habe noch nicht allzuviele wesentlich bessere Bücher gelesen. Vor allem enthielten viele davon mehr Fehler.

Insgesamt eine runde Sache, das Ganze!

Fazit:
Mir persönlich waren die Geschichten die Hauptsache (die Autoren und ihr Werk waren mir bisher ja unbekannt), und davon fand ich über die Hälfte gut bis sehr gut. Die Zusammenstellung und Präsentation finde ich gut gelungen. In Noten ausgedrückt:
11 Punkte

Heike Brand


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