Fast vier
Jahre hat der Heyne-Verlag seit Veröffentlichung des letzten
"Warhammer 40.000"-Romans ("Kind des Chaos") verstreichen lassen,
bevor mit "Wolfskrieger" der sechste Band dieses (auf dem
gleichnamigen Tabletopspiel von Games Workshop basierenden)
düsteren Zukunftsepos folgte.
Dem Leser, der zusätzliche, erhellende Informationen über
den Clan der Space Wolves sucht, um die sich in diesem Buch die
Geschichte rankt, seien vorab folgende Literaturhinweise gegeben: 1)
White Dwarf 55, S.46 ff., Die Geburt eines Space Marines; 2) WD 52,
S. 8 ff. Söhne des Russ (ein Preview über den Codex Space
Wolves), 3) WD 53, S. 40 f., Die Wölfe von Fenris; S. 42 ff.,
Die verlorenen Großkompanien; 4) Der Codex Space Wolves.
Ragnar liegt im Sterben; die Vergangenheit zieht an seinem inneren
Auge vorbei: Einst fristete er ein karges Leben als Fischer und
Krieger an den Gestaden einer kleinen Insel auf Fenris, der
Heimatwelt der Space Wolves, bis eines Tages sein Clan die
Donnerfäuste wegen einer uralten Fehde von den
Grimmschädeln niedergemetzelt wurde. Ragnar blieb jedoch ein
ehrenhafter Tod auf dem Schlachtfeld versagt, da ein Wolfpriester den
zu Tode Verwundeten auserwählte, seine Fähigkeiten in den
Dienst des Imperators zu stellen und um seine Aufnahme in den Clan
der Space Wolves zu kämpfen.
Allen Fährnissen und Widrigkeiten des harten
Überlebenskampfes im Lager, dem sadistischen Ausbilder Hengist,
dem brennenden Haß gegen den ebenfalls erwählten
Strybjörn Grimmschädel, welcher einer seiner
Klauenbrüder wurde, dem genetischen Transformationsprozeß
und den vielen notwendigen Operationen trotzend, gelang es unserem
jungen Recken schließlich, in den Rang einer Blutkralle
dem niedrigsten Rang eines vollwertigen Space Wolves erhoben
zu werden, bis er und seine kleine Schar den Befehl erhielten, gegen
Chaos-Kultisten und ihren übermächtigen Anführer ins
Feld zu ziehen. Und nun liegt Ragnar im Sterben...
Dem informierten Leser dürfte William King als Verfasser der
unterhaltsamen und zum Teil urkomischen "Felix & Gotrek"-Romane
bekannt sein, deren Handlung in Games Workshops "Warhammer
Fantasy"-Welt angesiedelt ist. In "Wolfskrieger" zeigt King nun eine
andere Facette seines schriftstellerischen Schaffens, und zwar
beileibe keine sehr strahlende:
Auch wenn Kings Schreibstil nach wie vor flüssig und gut lesbar
ist, die Übersetzung durch Jentzsch kaum etwas zu wünschen
übrig läßt, so kommt die Story selbst staubtrocken,
ohne den geringsten Anflug von Humor und letztendlich auch
überaus phantasiearm daher. Ragnars 08/15-US-Marine- oder
Navy-Seals-Ausbildung kann man in ähnlicher Weise in
unzähligen einschlägigen Hollywoodfilmen fassungslos
bestaunen (bspw. in um einen der besseren zu nennen
"Full Metal Jacket"); die Transformation Ragnars und seiner Kameraden
in wölfische Un- bzw. Metamenschen wird vom Autor
oberflächlich trivial abgehandelt. Ein solcher oder im
zweiten Fall vergleichbarer Transformationsprozeß eines
Homo Sapiens in einen Homo Superior wird um ein vielfaches
eindinglicher oder nachvollziehbarer z.B. in Ian Watsons "Space
Marine" (Band 2 der Warhammer 40.000-Serie) oder Storm Constantines
"Der Zauber von Fleisch und Geist" (Band 1 der Wraeththu-Trilogie)
beide bei Heyne erschienen beschrieben. Wäre der
Autor wenigstens seinem humoristischen "Felix & Gotrek"-Stil treu
geblieben, indem er die Implementation der Canis-Helix ins
menschliche Genom (mit Überlegungen zu Space-Pinschern,
Mops-Marines oder dem Beineheben an Hydranten) kommentiert
hätte, so ließe sich diesem drögen Roman zumindest
auf der komischen Ebene ein klein wenig Positives abgewinnen;
stattdessen aber: tote Servo-Hose!
Doch die gediegene Langeweile, die diese Story aufgrund ihrer
Vorhersehbarkeit vermittelt, ist meines Erachtens nicht das zentrale
Problem des Buches. Es ist das faschistoide Gedankengut, welches
"Wolfskrieger" atmet garniert mit einem unerträglichen
Sozialdarwinismus das den "aufgeklärten" Leser, der
seinen "Bakunin" und "Kropotkin" auswendig kennt (* Zu meiner
Schande und Unehre muß ich eingestehen, daß ich die nicht
auswendig kenne... Heike), erschauern lassen sollte, weil es wie
selbstverständlich zum handlungsbestimmenden bzw. -tragenden
Element wird, wobei die Space Wolves-spezifischen, nordisch
klingenden Namen der Protagonisten sowie die zahlreichen Anlehnungen
an die "Mythologie der Nordmänner" (Asaheim etc.) wie ein diese
Tendenzen verstärkender Aspekt wirken.
Das Gute oder Schlimme je nachdem, wie man es betrachten will
daran ist, daß man King bezüglich des
faschistoid-rassistischen Grundtenors nicht einmal einen
allzugroßen Vorwurf machen kann, denn die Space Wolves sind wie
sämtliche Orden/Clans der ersten "Space Marine"-Generation in
einer solch faschistoiden Weise von den Games
Workshops-Spieleentwicklern konzipiert worden. Insofern geht die
Kritik im folgenden etwas über den vorliegenden Roman hinaus:
angefangen bei dem zentralen Element der Space-Marine-Ideologie, dem
totalitaristischen Führerprinzip mit seiner Mystifizierung und
Überhöhung irgendwelcher dubiosen Primarchen der
GröFaZ der Space Wolves heißt Leman Russ über
die sektiererische Abgrenzung der einzelnen Orden gegen andere
Gemeinschaften, die gnaden- und mitleidlose Verfolgung und
Vernichtung "subversiver, ketzerischer Elemente" seien es
Rebellen, die sich gegen die absolutistisch anmutende
Gewaltenausübung des trerranischen Imperators und seiner
klerikal-weltlichen Schergen erheben, oder vom Chaos gezeichnete
Mutanten die Versklavung regimenützlicher Individuen als
Servitoren oder Astropathen, die endlösungsgleiche Vernichtung
ganzer Planeten(systeme) dem Exterminatus bis hin zu
einem ethischen Wertesystem, das sich in Begriffen wie "Ruhm", "Ehre"
und "bedingungslose Loyalität bis in den Tod" erschöpft und
in dem andere ur-menschliche Gefühle wie Liebe, Gnade,
Mitgefühl oder Trauer als schwächlich und schändlich
gebrandmarkt werden.
Der Vorwurf, den man dem Autor jedoch machen muß, ist,
daß er sich in keinster Weise von diesen faschistoiden
Gedankengut distanziert, es in Frage stellt oder es zumindest
diskutiert, wobei er jene notwendige Distanz vermissen
läßt, die sich eine Vielzahl kritischer Warhammer
40.000-Spieler und -entwickler zu eigen gemacht hat. (By the way: Da
aus der Sicht eines begnadeten Künstlers nämlich
meiner die Space-Marine-Figürchen von Design und
Farbschemata her die langweiligsten des gesamten
Warhammer-40.000-Tabletop-Spieles sind, könnte man in
böswilliger Weise denen, die diese Armeen dennoch spielen, eine
nicht ganz koschere sorry, aber das mußte sein (*
Also, ich habe mit dem Wort "koscher" jedenfalls kein Problem! Worte,
mit denen ich Probleme habe, werden ersetzt. :-) Heike)
Gesinnung unterstellen; ich warte auf den Tag, an dem
Möchtegern-Kriegsherren rot-weiß-schwarz-bemalte
Mini-Landser mit dem Horst-Wessel-Lied auf den Lippen in die Schlacht
gegen alles Fremde führen...)
Fazit:
Auch wenn Kings Stil nach wie vor gefällig ist, die Story viel
Action bietet und die Protagonisten stringent handeln, so
disqualifiziert die faschistoide szenariobedingte Grundtendenz, von
der sich der Autor nicht hinreichend distanziert und die nicht in
Frage gestellt wird, dieses Buch so eindeutig, daß sogar der
Mangel an Originalität bei einer Bewertung nicht weiter ins
Gewicht fällt. Ungetrübten Lesegenuß dürften
daher nur Individuen durch und durch arischer Abstammung (*
Sprich: niemand? Schließlich gibt's davon noch weniger als
Yetis... Heike) und Marine-Fetischisten (* Na gut, davon
gibt's ja wohl ein paar... Heike) empfinden. Allen anderen sei
geraten: Hände weg von diesem militaristischen Schund! Aus
überwiegend politisch Gründen:
0 Punkte.