Zum
Inhalt:
Nach dem Ende des "Ewigen Krieges" sind zahllose Veteranen in der
Zukunft gestrandet und wurden auf dem Planeten "Mittelfinger"
angesiedelt. Doch die Relikte einer vergangenen Menschheit kommen
weder mit den neuen Menschen noch mit ihren ehemaligen Feinden, die
jetzt Freunde der Menschheit geworden sind, wirklich zurecht. So
beschließen sie, mit dem Sternenschiff "Time Warp" weiter in
die Zukunft zu reisen. Bei relativistischer Geschwindigkeit will ein
Teil von ihnen auf einer 20jährigen Reise einen Zeitraum von
40.000 Jahren überbrücken. Doch nachdem sie zuerst
Zustimmung erhalten, wird ihre Mission plötzlich abgelehnt. Es
bahnen sich ungeahnte Schwierigkeiten an...
Joe Haldemans Roman "Der ewige Krieg" gilt als einer der wichtigsten
SF-Romane aller Zeiten - und zu meiner Schande muß ich
gestehen, daß ich ihn bisher noch nicht gelesen habe. Ein
Versäumnis, das ich nach der Lektüre seiner Fortsetzung
jedoch schnellstens nachholen werde. Denn was Joe Haldeman im
vorliegenden Roman bietet, ist wirklich allererste Sahne und auch
ohne Kenntnisse des Vorgängers vollkommen verständlich.
Joe Haldeman gelingt hier ein Kunststück, das nur wenige der
heutigen SF-Autoren zustandebringen: ein emotionaler SF-Roman, der
mit hervorragenden Charakteren zu fesseln vermag, dessen
Action-Szenen zwar nicht im Vordergrund stehen, jedoch trotzdem
vorhanden sind, und der sich gerade mal auf gut 300 Seiten abspielt.
Kurz: ein SF-Roman der alten Schule, der heutzutage seinesgleichen
sucht. Die meisten der heutigen Autoren hätten die Handlung
wahrscheinlich auf rund die doppelte Länge aufgebläht oder
gleich einen Zweiteiler mit jeweils 500 Seiten daraus gemacht.
Haldeman hat dies nicht nötig. Konsequent folgt er seiner
Geschichte, schweift nicht mehr ab als notwendig und hält den
Leser Seite für Seite bei der Stange.
Für einen hochwertigen SF-Roman ist das "Ende des Krieges" dabei
ungewöhnlich spannend und keineswegs trocken. Der Roman bezieht
seine Faszination aus einer lebendigen Handlung mit
glaubwürdigen Charakteren, die sich in der Welt, in die sie
hineingeraten sind, nicht mehr zurechtfinden. Gerade dieser Konflikt
macht den großen Reiz dieses Romans aus, den Lesespaß,
den der Leser unwillkürlich empfindet.
Einzig und allein das Ende des Romans ist jedoch eher ein wenig
"abgehoben" - beileibe nicht schlecht, aber doch ein wenig
gewöhnungsbedürftig und hat fast schon esoterische
Züge, die in das Gesamtkonzept allerdings hervorragend
hineinpassen.
Fazit:
"Am Ende des Krieges" ist ein würdiger Nachfolger seines
großen Vorgängers. Haldeman versteht es hervorragend,
seine Geschichte auf den Punkt zu bringen, wodurch eine geradezu
unheimlich spannende Atmosphäre entsteht, die den Leser fesselt.
Von einem "hochwertigen" SF-Roman ist man eine solche
Lesequalität in den letzten Jahren eigentlich eher weniger
gewohnt. Selbst Fans von "Fließband"-Romanen sollten hier
durchaus einmal einen Blick wagen - ein kurzes Einlesen in der
Buchhandlung ist schließlich möglich und kann in diesem
Fall sicherlich nicht schaden.
14 Punkte.