Joe Haldeman:

"Am Ende des Krieges"

OT: Forever Free
Ü: Birgit Ress-Bohusch
USA 1999
(316 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/6391, ISBN 3-453-19672-4, EUR 8,95)
- erschienen: Mai 2002 -

Zum Inhalt:
Nach dem Ende des "Ewigen Krieges" sind zahllose Veteranen in der Zukunft gestrandet und wurden auf dem Planeten "Mittelfinger" angesiedelt. Doch die Relikte einer vergangenen Menschheit kommen weder mit den neuen Menschen noch mit ihren ehemaligen Feinden, die jetzt Freunde der Menschheit geworden sind, wirklich zurecht. So beschließen sie, mit dem Sternenschiff "Time Warp" weiter in die Zukunft zu reisen. Bei relativistischer Geschwindigkeit will ein Teil von ihnen auf einer 20jährigen Reise einen Zeitraum von 40.000 Jahren überbrücken. Doch nachdem sie zuerst Zustimmung erhalten, wird ihre Mission plötzlich abgelehnt. Es bahnen sich ungeahnte Schwierigkeiten an...

Joe Haldemans Roman "Der ewige Krieg" gilt als einer der wichtigsten SF-Romane aller Zeiten - und zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich ihn bisher noch nicht gelesen habe. Ein Versäumnis, das ich nach der Lektüre seiner Fortsetzung jedoch schnellstens nachholen werde. Denn was Joe Haldeman im vorliegenden Roman bietet, ist wirklich allererste Sahne und auch ohne Kenntnisse des Vorgängers vollkommen verständlich.
Joe Haldeman gelingt hier ein Kunststück, das nur wenige der heutigen SF-Autoren zustandebringen: ein emotionaler SF-Roman, der mit hervorragenden Charakteren zu fesseln vermag, dessen Action-Szenen zwar nicht im Vordergrund stehen, jedoch trotzdem vorhanden sind, und der sich gerade mal auf gut 300 Seiten abspielt. Kurz: ein SF-Roman der alten Schule, der heutzutage seinesgleichen sucht. Die meisten der heutigen Autoren hätten die Handlung wahrscheinlich auf rund die doppelte Länge aufgebläht oder gleich einen Zweiteiler mit jeweils 500 Seiten daraus gemacht. Haldeman hat dies nicht nötig. Konsequent folgt er seiner Geschichte, schweift nicht mehr ab als notwendig und hält den Leser Seite für Seite bei der Stange.
Für einen hochwertigen SF-Roman ist das "Ende des Krieges" dabei ungewöhnlich spannend und keineswegs trocken. Der Roman bezieht seine Faszination aus einer lebendigen Handlung mit glaubwürdigen Charakteren, die sich in der Welt, in die sie hineingeraten sind, nicht mehr zurechtfinden. Gerade dieser Konflikt macht den großen Reiz dieses Romans aus, den Lesespaß, den der Leser unwillkürlich empfindet.
Einzig und allein das Ende des Romans ist jedoch eher ein wenig "abgehoben" - beileibe nicht schlecht, aber doch ein wenig gewöhnungsbedürftig und hat fast schon esoterische Züge, die in das Gesamtkonzept allerdings hervorragend hineinpassen.

Fazit:
"Am Ende des Krieges" ist ein würdiger Nachfolger seines großen Vorgängers. Haldeman versteht es hervorragend, seine Geschichte auf den Punkt zu bringen, wodurch eine geradezu unheimlich spannende Atmosphäre entsteht, die den Leser fesselt. Von einem "hochwertigen" SF-Roman ist man eine solche Lesequalität in den letzten Jahren eigentlich eher weniger gewohnt. Selbst Fans von "Fließband"-Romanen sollten hier durchaus einmal einen Blick wagen - ein kurzes Einlesen in der Buchhandlung ist schließlich möglich und kann in diesem Fall sicherlich nicht schaden.
14 Punkte.

Winfried Brand


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