Zum
Inhalt:
Christen und Islamisten beherrschen inzwischen die Erde. Für sie
sind außerirdische Intelligenzen eine Blasphemie. Doch es gibt
Anzeichen dafür, daß die Jupiter-Station Thomas Gold
solche entdeckt haben könnte. Grant Archer wird gezwungen, als
Spitzel seinen obligatorischen Staatsdienst auf dieser Station
abzuleisten und jegliche Vorkommnisse zur Erde zu melden. Doch Grant
Archer ist nicht ganz so loyal, wie seine Vorgesetzten sich das
vorstellen...
Ben Bova und die "Planeten-Romane" - Teil 4. Praktisch könnte
ich die Rezensionen zu den vorhergegangenen Romanen "Mars" (Rezension
in Flash Nr. 76), "Rückkehr zum Mars (Rezension
in Flash Nr. 113) und "Saturn" (Rezension in
Flash Nr. 130) wiederholen: Auch "Jupiter" ist wieder ein
hervorragender, spannender, interessanter, jedoch ein wenig zu
langatmiger Roman.
Interessant ist aber vor allem, daß Bova seine Planetenromane
mehr oder weniger aufeinander aufbaut. Er hält die logische
Reihenfolge "Mars", "Saturn" und "Jupiter" ein, ohne auf irgendwelche
Zusammenhänge direkt hinzuweisen, ohne die Romane in einen
Zusammenhang zu stecken. Statt dessen sind alle (bisherigen) vier
Romane voneinander unabhängig - wer sie jedoch komplett gelesen
hat, wird die Zusammengehörigkeit bemerken. Bova hat hier, ohne
es selber zu erwähnen, eine interessante Zukunftsversion
geschaffen, die insgesamt wohl zu den hochwertigsten Vertretern der
SF gehört.
Interessanterweise gelingt es Ben Bova immer wieder, im Gegensatz zu
so manch anderem Roman dieses Genres, auch eine spannende Handlung zu
integrieren. Wo andere Autoren nüchterne Fakten
aneinanderreihen, bleibt Bova auf der Erzählungsebene. Er
läßt seine Geschichte nicht im Mahlstrom der
Unergründlichkeit verschwinden, bleibt den technischen
Möglichkeiten seiner Zukunftsversion treu, hat aber Probleme mit
der Länge seiner Story. Wie auch schon die Vorgänger-Romane
hat auch "Jupiter" seine Probleme mit der Handlungsführung.
Einerseits ist dieser Roman besser als seine Vorgänger (in
seinen Vorgaben der Erdgeschichte), andererseits "verschwatzt" sich
Bova wieder einmal mehr.
Wenn ich hier die Ausführlichkeit des Autors als negativ
anspreche, wirkt es wohl ziemlich seltsam, wenn ich direkt danach
anprangere, daß er die Möglichkeiten nicht genutzt,
diverse Potentiale außen vor gelassen hat.
Der anfangs angesprochene Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion
wird im weiteren Verlauf des Romans bestenfalls nur gestreift. Hier
hätte ich mir gewünscht, daß der Autor etwas tiefer
in die Materie eingehen würde. Es muß ja nicht gleich ein
Roman wie Mary Doria Russels "Sperling" (Rezension
in Flash Nr. 75) oder "Gottes Kinder" (Rezension
in Flash Nr. 82) dabei herauskommen - wenn man dieses Thema jedoch
schon anspricht, sollte man es auch weiter ausführen. In dieser
Hinsicht ist "Jupiter" sicherlich eine Enttäuschung. Da konnte
der Leser vom Anfang her wesentlich mehr erwarten. Aber mal abwarten
- vielleicht geht Ben Bova im nächsten "Planeten-Roman" (ich
weiß nicht, ob er kommen wird, aber ich gehe einmal davon aus)
näher darauf ein. Das würde den Schwachpunkt dieses Romans
zumindest ein klein wenig ausmerzen...
Fazit:
Wieder einmal ein hervorragender Roman über die Erforschung
eines Planeten in diesem Sonnensystem. Wieder einmal interessant,
aber zu langatmig in diversen Szenen. Daß der Hintergrund
praktisch nur am Anfang des Romans beachtet wird, ist jedoch ein
klarer Minuspunkt. Der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft
wird erst angeheizt und dann vergessen. Die bisherige "Abo-Wertung"
der vorangegangenen drei Romane muß ich also verringern.
10 Punkte.