Ben Bova:

"Jupiter"

OT: Jupiter
Ü: Walter Brumm
USA 2000
(526 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/6416, ISBN 3-453-21349-1, EUR 8,95)
- erschienen: Juni 2002 -

Zum Inhalt:
Christen und Islamisten beherrschen inzwischen die Erde. Für sie sind außerirdische Intelligenzen eine Blasphemie. Doch es gibt Anzeichen dafür, daß die Jupiter-Station Thomas Gold solche entdeckt haben könnte. Grant Archer wird gezwungen, als Spitzel seinen obligatorischen Staatsdienst auf dieser Station abzuleisten und jegliche Vorkommnisse zur Erde zu melden. Doch Grant Archer ist nicht ganz so loyal, wie seine Vorgesetzten sich das vorstellen...

Ben Bova und die "Planeten-Romane" - Teil 4. Praktisch könnte ich die Rezensionen zu den vorhergegangenen Romanen "Mars" (Rezension in Flash Nr. 76), "Rückkehr zum Mars (Rezension in Flash Nr. 113) und "Saturn" (Rezension in Flash Nr. 130) wiederholen: Auch "Jupiter" ist wieder ein hervorragender, spannender, interessanter, jedoch ein wenig zu langatmiger Roman.
Interessant ist aber vor allem, daß Bova seine Planetenromane mehr oder weniger aufeinander aufbaut. Er hält die logische Reihenfolge "Mars", "Saturn" und "Jupiter" ein, ohne auf irgendwelche Zusammenhänge direkt hinzuweisen, ohne die Romane in einen Zusammenhang zu stecken. Statt dessen sind alle (bisherigen) vier Romane voneinander unabhängig - wer sie jedoch komplett gelesen hat, wird die Zusammengehörigkeit bemerken. Bova hat hier, ohne es selber zu erwähnen, eine interessante Zukunftsversion geschaffen, die insgesamt wohl zu den hochwertigsten Vertretern der SF gehört.
Interessanterweise gelingt es Ben Bova immer wieder, im Gegensatz zu so manch anderem Roman dieses Genres, auch eine spannende Handlung zu integrieren. Wo andere Autoren nüchterne Fakten aneinanderreihen, bleibt Bova auf der Erzählungsebene. Er läßt seine Geschichte nicht im Mahlstrom der Unergründlichkeit verschwinden, bleibt den technischen Möglichkeiten seiner Zukunftsversion treu, hat aber Probleme mit der Länge seiner Story. Wie auch schon die Vorgänger-Romane hat auch "Jupiter" seine Probleme mit der Handlungsführung. Einerseits ist dieser Roman besser als seine Vorgänger (in seinen Vorgaben der Erdgeschichte), andererseits "verschwatzt" sich Bova wieder einmal mehr.
Wenn ich hier die Ausführlichkeit des Autors als negativ anspreche, wirkt es wohl ziemlich seltsam, wenn ich direkt danach anprangere, daß er die Möglichkeiten nicht genutzt, diverse Potentiale außen vor gelassen hat.
Der anfangs angesprochene Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wird im weiteren Verlauf des Romans bestenfalls nur gestreift. Hier hätte ich mir gewünscht, daß der Autor etwas tiefer in die Materie eingehen würde. Es muß ja nicht gleich ein Roman wie Mary Doria Russels "Sperling" (Rezension in Flash Nr. 75) oder "Gottes Kinder" (Rezension in Flash Nr. 82) dabei herauskommen - wenn man dieses Thema jedoch schon anspricht, sollte man es auch weiter ausführen. In dieser Hinsicht ist "Jupiter" sicherlich eine Enttäuschung. Da konnte der Leser vom Anfang her wesentlich mehr erwarten. Aber mal abwarten - vielleicht geht Ben Bova im nächsten "Planeten-Roman" (ich weiß nicht, ob er kommen wird, aber ich gehe einmal davon aus) näher darauf ein. Das würde den Schwachpunkt dieses Romans zumindest ein klein wenig ausmerzen...

Fazit:
Wieder einmal ein hervorragender Roman über die Erforschung eines Planeten in diesem Sonnensystem. Wieder einmal interessant, aber zu langatmig in diversen Szenen. Daß der Hintergrund praktisch nur am Anfang des Romans beachtet wird, ist jedoch ein klarer Minuspunkt. Der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft wird erst angeheizt und dann vergessen. Die bisherige "Abo-Wertung" der vorangegangenen drei Romane muß ich also verringern.
10 Punkte.

Winfried Brand


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