Zum
Inhalt:
Jimmy Balaban, seines Zeichens Künstleragent, entdeckt in einer
Kleinstadtkneipe den Komiker Ralf, der behauptet, aus der Zukunft zu
stammen, und der in seinem Programm die Zuschauer aufs Übelste
beschimpft. Jimmy erkennt ein gewisses Potential und nimmt Ralf unter
Vertrag. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis er Ralf
TV-Auftritte verschaffen kann. Und schließlich bekommt er seine
eigene TV-Show, für die unter anderem auch der SF-Schriftsteller
Dexter Lampkin verpflichtet wird, der sich allgemein eher schlecht
als recht über Wasser hält. Sein berühmtestes Werk ist
ein Roman namens "Die Transformation", von dem er immer noch zehrt,
der seine Bekanntheit im Fandom begründet. Aber die wirkliche
Frage ist eigentlich: Wer ist Ralf? Sind seine Beschreibungen
über die Zukunft mehr als nur reine Hirngespinste? Stimmt seine
Geschichte wirklich?
Norman Spinrad ist sicherlich einer der umstrittensten SF-Autoren
überhaupt. In den USA werden seine Romane praktisch nicht mehr
veröffentlicht, und so ist auch "Die Transformation" nicht nur
eine deutsche Erst-, sondern eine Originalveröffentlichung. Habe
ich dies bei seinem letzten Roman, "Das tropische Millennium"
(Rezension in Flash Nr. 114),
noch keineswegs nachvollziehen können, so ändert sich dies
bei der "Transformation".
Der Roman ist eigentlich sehr schön (und von Horst Pukallus
hervorragend übersetzt), bietet dem Leser aber eher eine
langwierige Lektüre. (Wobei ich "langwierig" keinesfalls mit
"langweilig" gleichsetzen möchte!) Im Großen und Ganzen
handelt es sich bei diesem Roman jedoch um Spinrads Abrechnung mit
den SF publizierenden Verlagen sowie dem Fandom.
Gerade letzteres bekommt in diesem Roman so ziemlich sein Fett weg.
Es gibt Parodien auf SF-Fans wie auch auf Cons; die "Globuloiden" (im
Bauchumfang verstärkten) SF-Fans ziehen sich mehr oder weniger
durch den kompletten Roman. Das ist eine Sache, die zumindest die
amerikanischen Fans wahrscheinlich weniger lustig finden werden.
(* Dazu kann ich nur sagen, daß es wahrscheinlich die
allerwenigsten Leute wirklich lustig finden würden, wenn
man ihr Aussehen durch den Kakao zieht, selbst wenn sie für eben
jenes Aussehen größtenteils selbst verantwortlich sein
dürften... Schilddrüsenpatienten wie ich latürnich
ausgenommen. ;-) Heike) Nichtsdestotrotz hat der Roman genau in
diesen Szenen seine größten Stärken. Wer
selbstkritisch an die Sache herangeht, wird hier sicherlich viel
Spaß haben.
Vor allem, wenn Spinrad sich auch gleich noch selbst auf die Schippe
nimmt. Es gibt nicht wenige Szenen, in denen Dexter Lampkin die eine
oder andere Anekdote von sich gibt, die mit einem gewissen Norman
Spinrad zusammenhängt. Diese Szenen der Selbstironie sind
sicherlich zu den Höhepunkten des Romans zu zählen.
Aber genau damit hat es sich dann auch schon. Hier liegt der
große Knackpunkt der Geschichte. Muß man um eine Parodie
bezüglich des Fandoms herum wirklich einen 1100seitigen Roman
schreiben?!? Muß man diesen Umfang herausbringen, nur um den
Medien-Fans einen reinzuwürgen?!? Ich glaube eher nicht...
Ich selber fühle mich auch von diversen Szenen des Romans
durchaus karikiert und kann sehr gut darüber lachen - aber genau
diese Szenen sind es, die mich bis zum Ende bei der Stange gehalten
haben. Ich kann über mich lachen, ich kann über Spinrads
Fandom-Schilderungen lachen, aber das reicht insgesamt nicht für
einen solchen Roman.
Denn die Handlung hier ist nicht gerade eine von Spinrads
Großtaten. Da wurstelt sich eine Esoterik-Tante durch die
Seiten, da gibt es den Abstieg einer "Lotter-Lotti" von der
Burger-Bedienung in die Tiefen der Kanalisation (hervorragend
beschrieben, aber "interessant" ist etwas anderes...). Vor allem bei
letzterer fragt sich der Leser über den kompletten Roman hinweg,
was dies denn nun eigentlich soll. Erst ganz am Ende kommt diese
Lotti in die Haupthandlung hinein, trägt aber auch eher dazu
bei, daß das Ende ziemlich enttäuschend verläuft.
Gerade das Ende dieses Romans ist mehr als nur unbefriedigend
für den Leser. Der ganze Roman ist eigentlich nicht mehr als
rund 200 Seiten wert, wenn man die interessanten Stellen
zusammennimmt. Vieles hätte man streichen können, m.E. auch
ganze Handlungsbögen, die einfach nur uninteressant und
langweilig sind. Die Fandom-Parodien retten hier vieles - können
aber nicht über die Schwächen hinwegtäuschen. Und wer
nicht über sich selbst lachen kann, wird diesen Roman sowieso
hassen...
Fazit:
Ein schwacher "Spinrad". Deutlich rund 80% des Umfangs sind schlicht
und ergreifend unnötig. Die restlichen 20% enthalten jedoch eine
hervorragende Parodie auf die Gemeinschaft der SF-Fans und auch auf
Norman Spinrad selber. Aber auch dieser Lese-Anreiz ist
spätestens nach rund 700 Seiten dahin. Den Roman komplett zu
lesen ist jedenfalls ziemlich harte Arbeit. Insgesamt ein eher
schwacher Roman Spinrads, von dem ich besseres gewohnt bin.
7 Punkte.