Kim Stanley Robinson:

»Die Marsianer«

OT: The Martians
Ü: Peter Robert
USA 1999
(558 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/6422, ISBN 3-453-21355-6, EUR 8,95)
- erschienen: September 2002 -

Zum Inhalt:
Die Menschheit versucht, den Mars zu besiedeln, doch die Siedler wollen ihren eigenen Staat aufbauen...

Ja, dies ist eine extremst knappe Zusammenfassung des Inhalts dieses Ziegelsteins. Aber das hat auch seine Bedeutung: Dieser Roman ist schlicht und ergreifend vollkommen langweilig und uninteressant.
Wobei ich Kim Stanley Robinsons Qualitäten nicht herabwürdigen möchte, aber das, was er mit den »Marsianern« abgeliefert hat, ist mehr als nur langweilig. Dabei hat der Roman durchaus Qualitäten, die die Mars-Trilogie zu höchsten Würden getrieben haben, doch hat man diesmal durchgehend den Eindruck, daß es sich bei den unzusammenhängenden Kapiteln eher um den Ausschuß jener Trilogie handelt. Hier werden einzelne Geschehnisse beleuchtet, die im eigentlichen Dreiteiler zu kurz gekommen sind.
Mehr aber auch nicht. Die einzelnen Kapitel haben kaum Zusammenhang untereinander, und ein Lesefluß wird von Robinsons Erzählweise sowieso unterbunden.
Wie immer schreibt er sehr sachlich, sehr zweckgebunden. Daß in diesem Roman die Personen im Vordergrund zu stehen scheinen, ist bei diesem Stil mehr als nur störend. Robinson kann einfach keine Charakterisierungen herüberbringen, keine Personen wirklich lebensnah schildern. Das ist wohl auch der Grund, weshalb diese Kapitel aus der ursprünglichen Trilogie entfernt wurden (so diese Theorie zutrifft): Sie sind langweilig bis zum Gehtnichtmehr... Robinson wird nun einmal nur stark, wenn er sich in technische Beschreibungen vertieft – die es in diesem Roman zwar gibt, die aber insgesamt weit in den Hintergrund treten.
Es gibt jedenfalls Gründe, weshalb ich rund zwei Monate für die Lektüre dieses Romans gebraucht habe – und mir zwischendurch überlegt habe, ob ich das Lesen nicht ganz aufgeben sollte.
Für all diejenigen, die sich durch die Mars-Trilogie Robinsons durchgearbeitet haben, könnte dieser Roman vielleicht eine Erweiterung der Trilogie darstellen – wer diese Romane nicht gelesen hat, wird jedoch diverse Probleme mit diesem Buch bekommen.
Robinson beschreibt technische Zusammenhänge hervorragend, doch wenn es um menschliche Beziehungen geht, ist er hoffnungslos verloren. Und genau dies ist der Schwachpunkt dieses Romans.

Fazit:
Kurze Rezi – kurzer Sinn: Langweilig!
»Die Marsianer« erweckt den Eindruck, aus gestrichenen Kapiteln der Mars-Trilogie Robinsons zusammengestellt zu sein. Dummerweise sind dies die Kapitel, in denen es hauptsächlich um zwischenmenschliche Beziehungen geht, und Robinson ist einfach nicht in der Lage, diese angemessen zu schildern.
Was bleibt, ist eine hervorragende Lektüre zum Einschlafen – für etwas anderes ist dieser Roman sicherlich kaum geeignet...
4 Punkte

Winfried Brand


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