L.E. Modesitt jr.:

»Freiheit für Cyador«

(Recluce 12)
(345 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9100, ISBN 3-453-18874-8, EUR 9,95)
- erschienen: Mai 2002 -

Unverändert setzt der Magiersohn und Spiegellanzenkämpfer Lorn seinen Weg fort. Als Hauptmann bekommt er das Kommando über eine Station am Verwunschenen Wald. Dieser ist ein Überbleibsel der alten Ordnungskräfte des Kontinents – und hinter einer Mauer verborgen, die aber immer schwächer wird. So gelingt es immer wieder Horden von gefährlichen Tieren, dem Wald zu entkommen und Soldaten sowie Bevölkerung zu terrorisieren.
Mit seinen Männern muß Lorn jedoch nicht nur gegen die Gefahren aus dem Wald kämpfen, sondern sich noch zusätzlich mit überalterten Dienstvorschriften und mangelndem Nachschub herumschlagen. Gleichzeit wird von ihm aber auch noch eine viel größere Effizienz gefordert.
Alles in allem hat Lorn in dieser Zeit mehr als einmal das Gefühl, vor einem Himmelsfahrtskommando zu stehen, und allein die Liebe zu der Händlerin Jerial gibt ihm die Kraft, weiterzukämpfen...

Weiter geht es mit dem Kapitel, das die früheste der bisher beschriebenen Zeitalter aus der Welt von Recluce beschreibt.
Und erneut versucht der Autor, einen Rahmen zu erfinden, der bisher in seiner Welt einzigartig ist. Zwar gibt es durchaus einige Parallelen zu anderen Dingen, aber wenn man will, kann man alles auf alles zurückbeziehen, und so finde ich die Ideenvielfalt von Modesitt jr. schon wirklich erstaunlich und bewundernswert.

Während die Welt also einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung tut, bleibt es um die anderen Elemente leider recht ruhig. An den Stil des Autors hat man sich nach 12 Bänden wohl gewöhnt, bzw. die letzten Nörgler und Kritiker sollte man schon vor einigen Bänden hinter sich gelassen haben.
Negativ wirkt sich für mich aber aus, daß die Charakterentwicklung immer wieder dieselbe ist. Wieder einmal muß ein einsamer Held in die Welt hinausziehen, in der sich scheinbar alles gegen ihn verschworen hat. Zum Glück besitzt der Held große Fähigkeiten und einen unzähmbaren Willen, der ihn durch alle Unwegsamkeiten hindurchführt. Am Ende der Geschichte wird Lorn wohl einer der ganz Großen von Cyador werden.
Eigentlich gibt es gegen dieses Prinzip gar nichts einzuwenden, nur hat man es innerhalb des Zyklus schon zu häufig gehabt. Es macht sich auf dem Gebiet der Story-Entwicklung also langsam so etwas wie Langeweile bzw. Monotonie breit, und das tut der ganzen Sache in meinen Augen nun wirklich gar nicht gut.
Ich hoffe, daß in den nächsten Bänden mal wieder ein paar neue Elemente mit hineinkommen; ansonsten fürchte ich, daß auch Recluce den unvermeidlichen Schritt in die Langeweile gehen wird, den auch schon das "Rad der Zeit" tun mußte, weil der Autor das sinnvolle Ende verpaßt hat.

Fazit:
Eine Geschichte mit altbekannten Elementen in einer neuen Umgebung. Wieder einmal steht ein großer Zyklus an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob er den klassischen Serientod sterben wird oder doch noch einmal mehr die Kurve kratzt und wieder zu alter, großer Spannung zurückfindet.
Alles in allem auf gar keinen Fall ein schlechter Roman, nur leider im Vergleich zu seinen Vorgängern auch kein wirklich guter.
Kein Band für Einsteiger, die sollten lieber nach Band 1 greifen.
7 Punkte

Alexander Haas


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