Unverändert
setzt der Magiersohn und Spiegellanzenkämpfer Lorn seinen Weg
fort. Als Hauptmann bekommt er das Kommando über eine Station am
Verwunschenen Wald. Dieser ist ein Überbleibsel der alten
Ordnungskräfte des Kontinents und hinter einer Mauer
verborgen, die aber immer schwächer wird. So gelingt es immer
wieder Horden von gefährlichen Tieren, dem Wald zu entkommen und
Soldaten sowie Bevölkerung zu terrorisieren.
Mit seinen Männern muß Lorn jedoch nicht nur gegen die
Gefahren aus dem Wald kämpfen, sondern sich noch zusätzlich
mit überalterten Dienstvorschriften und mangelndem Nachschub
herumschlagen. Gleichzeit wird von ihm aber auch noch eine viel
größere Effizienz gefordert.
Alles in allem hat Lorn in dieser Zeit mehr als einmal das
Gefühl, vor einem Himmelsfahrtskommando zu stehen, und allein
die Liebe zu der Händlerin Jerial gibt ihm die Kraft,
weiterzukämpfen...
Weiter geht es mit dem Kapitel, das die früheste der bisher
beschriebenen Zeitalter aus der Welt von Recluce beschreibt.
Und erneut versucht der Autor, einen Rahmen zu erfinden, der bisher
in seiner Welt einzigartig ist. Zwar gibt es durchaus einige
Parallelen zu anderen Dingen, aber wenn man will, kann man alles auf
alles zurückbeziehen, und so finde ich die Ideenvielfalt von
Modesitt jr. schon wirklich erstaunlich und bewundernswert.
Während die Welt also einen weiteren Schritt in ihrer
Entwicklung tut, bleibt es um die anderen Elemente leider recht
ruhig. An den Stil des Autors hat man sich nach 12 Bänden wohl
gewöhnt, bzw. die letzten Nörgler und Kritiker sollte man
schon vor einigen Bänden hinter sich gelassen haben.
Negativ wirkt sich für mich aber aus, daß die
Charakterentwicklung immer wieder dieselbe ist. Wieder einmal
muß ein einsamer Held in die Welt hinausziehen, in der sich
scheinbar alles gegen ihn verschworen hat. Zum Glück besitzt der
Held große Fähigkeiten und einen unzähmbaren Willen,
der ihn durch alle Unwegsamkeiten hindurchführt. Am Ende der
Geschichte wird Lorn wohl einer der ganz Großen von Cyador
werden.
Eigentlich gibt es gegen dieses Prinzip gar nichts einzuwenden, nur
hat man es innerhalb des Zyklus schon zu häufig gehabt. Es macht
sich auf dem Gebiet der Story-Entwicklung also langsam so etwas wie
Langeweile bzw. Monotonie breit, und das tut der ganzen Sache in
meinen Augen nun wirklich gar nicht gut.
Ich hoffe, daß in den nächsten Bänden mal wieder ein
paar neue Elemente mit hineinkommen; ansonsten fürchte ich,
daß auch Recluce den unvermeidlichen Schritt in die Langeweile
gehen wird, den auch schon das "Rad der Zeit" tun mußte, weil
der Autor das sinnvolle Ende verpaßt hat.
Fazit:
Eine Geschichte mit altbekannten Elementen in einer neuen Umgebung.
Wieder einmal steht ein großer Zyklus an einem Punkt, an dem
sich entscheidet, ob er den klassischen Serientod sterben wird oder
doch noch einmal mehr die Kurve kratzt und wieder zu alter,
großer Spannung zurückfindet.
Alles in allem auf gar keinen Fall ein schlechter Roman, nur leider
im Vergleich zu seinen Vorgängern auch kein wirklich guter.
Kein Band für Einsteiger, die sollten lieber nach Band 1
greifen.
7 Punkte
