Grengor
Bardric, der Herrscher des Königreiches Tarpol auf dem Kontinent
Ulldart, hat ein dickes Problem: seinen Sohn, Prinz Lodrik.
Dieser macht keine Anstalten, einmal ein würdiger Nachfolger zu
werden. Statt dessen ist er lieber faul und sorgt dafür,
daß der Küche nicht die Arbeit ausgeht.
Grengor Bardric entschließt sich eines Tages, dem Flehen seiner
Offiziere nachzugeben, und er schickt seinen Sohn inkognito in eine
ferne Provinz seines Reiches, auf daß er dort endlich erwachsen
werde (und um und seinen Beratern und sich selbst etwas Ruhe zu
gönnen).
Schon auf der Reise muß Lodrik feststellen, daß
draußen auf dem Land einiges anders läuft als daheim in
der trauten Umgebung. Und er ist noch nicht am Ziel seiner Reise
angekommen, da hat er schon einige Dinge im Kopf, die sich
ändern müssen.
Doch zunächst einmal muß er sich mit den eingesessenen
Grundbesitzern herumschlagen, die mißtrauisch auf den neuen
Gouverneur schauen, der da aus der Ferne angereist kommt.
In der Kälte des hohen Nordens erlernt Lodrik nun nicht nur die
Geschäfte eines Staatsmannes er merkt auch, daß es
ganz unterschiedliche Kräfte gibt, die ihm nach dem Leben
trachten. Es sind nämlich nicht nur die niederträchtigen
Grundbesitzer, die sich auf die Füße getreten fühlen,
sondern es gibt da auch noch eine Prophezeiung über Lodrik, die
besagt, daß er den Kontinent in Unruhe stürzen wird.
Allerdings ist noch lange nicht klar, ob er dazu leben muß oder
besser tot ist...
Bei "Schatten über Ulldart" handelt es sich um düstere
Fantasy aus deutscher Feder. Wie die Titel sowohl des Zyklus als auch
des Romans andeuten, soll es hier vor allen Dingen um Dark Fantasy
gehen. Das wird zunächst nur angedeutet, im Lauf der Geschichte
aber immer mehr ausgebaut. Der Autor setzt auf einen geduldigen, aber
konsequenten Aufbau seiner Geschichte und baut merklich darauf, mehr
als eine Romanlänge Zeit zu haben.
Dabei steht zunächst die Entwicklung des jungen Lodrik im
Vordergrund, der einmal über die Geschicke einer ganzen Welt
entscheiden soll. Er entwickelt sich vom verwöhnten Pummelchen
hin zum würdigen Herrscher. Das ist weder neu noch besonders
innovativ, wird aber auch nicht als solches verkauft. Vielmehr geht
der Autor konzentriert seinen Weg durch; er baut den Charakter gut
und vor allen Dingen vielschichtig auf. Immer ist klar, daß es
sich hier lediglich um eine Einleitung handelt. Zu viele Dinge
geschehen um die Kerngeschichte herum, die damit nichts zu tun haben,
und dennoch hat die eigentliche Handlung genug Gehalt, um die
Rahmenelemente mitzutragen.
Aber auch die Charaktere um Lodrik herum haben durchaus Potential und
machen Lust auf mehr.
Allerdings fehlen jedoch hin und wieder noch die wirklich
düsteren Elemente. Noch ist alles ziemlich einfarbig, auch wenn
es ab und zu schon Andeutungen gibt. Was mir in so einer Umgebung
noch ein wenig fehlt, sind die tragischen Elemente der Figuren. Noch
sind die "Guten" zu gut und die "Bösen" zu klassisch böse.
Aber wie schon angedeutet, der Autor nimmt sich Zeit, und ich gehe
davon aus, daß dies in den Folgebänden nachgeholt
wird.
Fazit:
Durchaus sehr brauchbare Fantasy aus Deutschland. Interessante
Charaktere, die in einer (vielleicht ein wenig zu) klassischen
Umgebung aufwachsen und sich entwickeln. Dennoch sind die
wesentlichen Elemente schon da bzw. werden angedeutet. Es ist also
anzunehmen, daß noch einiges in Bewegung kommen wird... auf
welcher Ebene auch immer.
12 Punkte
