Markus Heitz:

»Schatten über Ulldart«

(Die dunkle Zeit 1)
D 2002
(398 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9174, ISBN 3-453-19639-2, EUR 8,95)
- erschienen: Februar 2002 -

Grengor Bardric, der Herrscher des Königreiches Tarpol auf dem Kontinent Ulldart, hat ein dickes Problem: seinen Sohn, Prinz Lodrik.
Dieser macht keine Anstalten, einmal ein würdiger Nachfolger zu werden. Statt dessen ist er lieber faul und sorgt dafür, daß der Küche nicht die Arbeit ausgeht.
Grengor Bardric entschließt sich eines Tages, dem Flehen seiner Offiziere nachzugeben, und er schickt seinen Sohn inkognito in eine ferne Provinz seines Reiches, auf daß er dort endlich erwachsen werde (und um und seinen Beratern und sich selbst etwas Ruhe zu gönnen).
Schon auf der Reise muß Lodrik feststellen, daß draußen auf dem Land einiges anders läuft als daheim in der trauten Umgebung. Und er ist noch nicht am Ziel seiner Reise angekommen, da hat er schon einige Dinge im Kopf, die sich ändern müssen.
Doch zunächst einmal muß er sich mit den eingesessenen Grundbesitzern herumschlagen, die mißtrauisch auf den neuen Gouverneur schauen, der da aus der Ferne angereist kommt.
In der Kälte des hohen Nordens erlernt Lodrik nun nicht nur die Geschäfte eines Staatsmannes – er merkt auch, daß es ganz unterschiedliche Kräfte gibt, die ihm nach dem Leben trachten. Es sind nämlich nicht nur die niederträchtigen Grundbesitzer, die sich auf die Füße getreten fühlen, sondern es gibt da auch noch eine Prophezeiung über Lodrik, die besagt, daß er den Kontinent in Unruhe stürzen wird. Allerdings ist noch lange nicht klar, ob er dazu leben muß oder besser tot ist...

Bei "Schatten über Ulldart" handelt es sich um düstere Fantasy aus deutscher Feder. Wie die Titel sowohl des Zyklus als auch des Romans andeuten, soll es hier vor allen Dingen um Dark Fantasy gehen. Das wird zunächst nur angedeutet, im Lauf der Geschichte aber immer mehr ausgebaut. Der Autor setzt auf einen geduldigen, aber konsequenten Aufbau seiner Geschichte und baut merklich darauf, mehr als eine Romanlänge Zeit zu haben.
Dabei steht zunächst die Entwicklung des jungen Lodrik im Vordergrund, der einmal über die Geschicke einer ganzen Welt entscheiden soll. Er entwickelt sich vom verwöhnten Pummelchen hin zum würdigen Herrscher. Das ist weder neu noch besonders innovativ, wird aber auch nicht als solches verkauft. Vielmehr geht der Autor konzentriert seinen Weg durch; er baut den Charakter gut und vor allen Dingen vielschichtig auf. Immer ist klar, daß es sich hier lediglich um eine Einleitung handelt. Zu viele Dinge geschehen um die Kerngeschichte herum, die damit nichts zu tun haben, und dennoch hat die eigentliche Handlung genug Gehalt, um die Rahmenelemente mitzutragen.
Aber auch die Charaktere um Lodrik herum haben durchaus Potential und machen Lust auf mehr.
Allerdings fehlen jedoch hin und wieder noch die wirklich düsteren Elemente. Noch ist alles ziemlich einfarbig, auch wenn es ab und zu schon Andeutungen gibt. Was mir in so einer Umgebung noch ein wenig fehlt, sind die tragischen Elemente der Figuren. Noch sind die "Guten" zu gut und die "Bösen" zu klassisch böse. Aber wie schon angedeutet, der Autor nimmt sich Zeit, und ich gehe davon aus, daß dies in den Folgebänden nachgeholt wird.

Fazit:
Durchaus sehr brauchbare Fantasy aus Deutschland. Interessante Charaktere, die in einer (vielleicht ein wenig zu) klassischen Umgebung aufwachsen und sich entwickeln. Dennoch sind die wesentlichen Elemente schon da bzw. werden angedeutet. Es ist also anzunehmen, daß noch einiges in Bewegung kommen wird... auf welcher Ebene auch immer.
12 Punkte

Alexander Haas


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