Simon Green:

»Das Regenbogen-Schwert«

(653 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9215, ISBN 3-453-21348-X, EUR 9,95)
- erschienen: Oktober 2002 -

Ruperts Leben ist tragisch. Zwar sollte es ihm als Prinz eigentlich recht gut gehen - könnte man meinen - aber das ist in Ruperts Welt nicht unbedingt so selbstverständlich. Er ist der Zweitgeborene eines kleinen und mittlerweile recht armen Königreichs.
Um gewissen Umständen Rechnung zu tragen, schickt der König Rupert nun aus, um seine Qualitäten als Königssohn unter Beweis zu stellen: Er soll einen Drachen töten. Vorteil, wenn's gelingt: Da Drachen immer einen großen Schatz bewachen, gibt's Geld in die Kasse. Vorteil, wenn's nicht gelingt: ein Esser weniger zu versorgen, keine Probleme bei der Aufteilung des Erbes...
Es sieht also schwer danach aus, daß Rupert so oder so das schlechtere Ende für sich hat. Das sieht sein Einhorn, auf dem er durch die Welt zieht, übrigens genauso, und so darf Rupert sich auch fern der Heimat nicht frei von klugen Sprüchen glauben.
Zu allem Überfluß ist der Drache, den er schließlich findet, auch nicht gerade das, was so in den alten Mythen steht. Überhaupt hat Rupert bald einen unglaublichen Haß auf die alten Lieder der Barden - und einen noch viel größeren auf ihre Komponisten!
Denoch liegt es am Ende bei ihm, wenn es darum geht, die Welt zu retten - aber so ungerecht ist das Leben halt...

Einerseits ist das "Regenbogenschwert" mal was anderes, denn so wirklich viel an humoriger Fantasy gibt's eigentlich nicht (mal von der Dauerschreibmaschine Terry Pratchett abgesehen), und gute sowieso nicht. Auf der anderen Seite bedienen sich die Romane, die eine lustige Richtung einschlagen, auch immer wieder der gleichen Elemente.
So sind das störrische Einhorn, der verweichlichte Drache und die dazugehörige Drachendame zwar brillant in Szene gesetzt, aber so richtig neu ist's auch net.
Und doch scheint der Autor ganz gut damit zu leben. Entweder hat er's nicht gemerkt, oder er klaut einfach schamlos bei allem, was ihm nicht heilig ist, und das ist 'ne ganze Menge.
Dafür gibt er sich bei der Entwicklung der Charaktere allergrößte Mühe. Er geht konsequent zu Werke und entwickelt seine Hauptprotagonisten geschickt und nachvollziehbar für den Leser. Hier sticht dann vor allen Dingen die Prinzessin heraus, die mir während der Lektüre immer mehr ans Herz gewachsen ist.
Was fast gänzlich fehlt, ist der klassische Bösewicht - zumindest ist er kein richtiger Bestandteil der Geschichte. Vielmehr geht's in der Geschichte beim Kampf gegen die unheimliche Bedrohung unter den Charakteren heiß zur Sache, und manchmal weiß man vor lauter Intrigen gar nicht mehr, wohin. Das geht auch meistens recht gut und bringt so sehr viel Abwechslung mit sich. An der einen oder anderen Stelle ist das dann wieder etwas zu durchsichtig, aber im großen und ganzen kann man damit gut leben.
Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren macht Green nicht den Fehler, zuviel in seine Handlung hineinzupacken. Vielmehr hält er die Geschichte relativ knapp und einfach und legt mehr Wert auf das Spiel der Charaktere. Dadurch wirkt die Erzählung sehr dicht und läuft nicht Gefahr, sich in vielen kleinen Einzelepisoden totzulaufen. Das geschieht eigentlich nur am Ende, das mir dann doch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen war. So dicht die Handlung im allgemeinen vorher war, am Ende geht mal wieder alles ratzfatz, und alles ist vorbei. Wenigstens gibt's noch eine kleine Episode zum Auslaufen, die über das gröbste hinweghilft.
Aber wenn man es mal genauer betrachtet, dann ist es meistens das Ende, mit dem man sich am schwersten tut.

Fazit:
Ein wirklich guter Roman, den man gerne und mit viel Spaß liest. Um aber einen "Terry Pratchett-Status" zu erlangen, fehlt noch etwas eigene Originalität und Qualität, um zumindest am Anfang für mehr Klasse zu sorgen.
12 Punkte

Alexander Haas


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