Ruperts
Leben ist tragisch. Zwar sollte es ihm als Prinz eigentlich recht gut
gehen - könnte man meinen - aber das ist in Ruperts Welt nicht
unbedingt so selbstverständlich. Er ist der Zweitgeborene eines
kleinen und mittlerweile recht armen Königreichs.
Um gewissen Umständen Rechnung zu tragen, schickt der König
Rupert nun aus, um seine Qualitäten als Königssohn unter
Beweis zu stellen: Er soll einen Drachen töten. Vorteil, wenn's
gelingt: Da Drachen immer einen großen Schatz bewachen, gibt's
Geld in die Kasse. Vorteil, wenn's nicht gelingt: ein Esser weniger
zu versorgen, keine Probleme bei der Aufteilung des Erbes...
Es sieht also schwer danach aus, daß Rupert so oder so das
schlechtere Ende für sich hat. Das sieht sein Einhorn, auf dem
er durch die Welt zieht, übrigens genauso, und so darf Rupert
sich auch fern der Heimat nicht frei von klugen Sprüchen
glauben.
Zu allem Überfluß ist der Drache, den er schließlich
findet, auch nicht gerade das, was so in den alten Mythen steht.
Überhaupt hat Rupert bald einen unglaublichen Haß auf die
alten Lieder der Barden - und einen noch viel größeren auf
ihre Komponisten!
Denoch liegt es am Ende bei ihm, wenn es darum geht, die Welt zu
retten - aber so ungerecht ist das Leben halt...
Einerseits ist das "Regenbogenschwert" mal was anderes, denn so
wirklich viel an humoriger Fantasy gibt's eigentlich nicht (mal von
der Dauerschreibmaschine Terry Pratchett abgesehen), und gute sowieso
nicht. Auf der anderen Seite bedienen sich die Romane, die eine
lustige Richtung einschlagen, auch immer wieder der gleichen
Elemente.
So sind das störrische Einhorn, der verweichlichte Drache und
die dazugehörige Drachendame zwar brillant in Szene gesetzt,
aber so richtig neu ist's auch net.
Und doch scheint der Autor ganz gut damit zu leben. Entweder hat er's
nicht gemerkt, oder er klaut einfach schamlos bei allem, was ihm
nicht heilig ist, und das ist 'ne ganze Menge.
Dafür gibt er sich bei der Entwicklung der Charaktere
allergrößte Mühe. Er geht konsequent zu Werke und
entwickelt seine Hauptprotagonisten geschickt und nachvollziehbar
für den Leser. Hier sticht dann vor allen Dingen die Prinzessin
heraus, die mir während der Lektüre immer mehr ans Herz
gewachsen ist.
Was fast gänzlich fehlt, ist der klassische Bösewicht -
zumindest ist er kein richtiger Bestandteil der Geschichte. Vielmehr
geht's in der Geschichte beim Kampf gegen die unheimliche Bedrohung
unter den Charakteren heiß zur Sache, und manchmal weiß
man vor lauter Intrigen gar nicht mehr, wohin. Das geht auch meistens
recht gut und bringt so sehr viel Abwechslung mit sich. An der einen
oder anderen Stelle ist das dann wieder etwas zu durchsichtig, aber
im großen und ganzen kann man damit gut leben.
Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren macht Green nicht den Fehler,
zuviel in seine Handlung hineinzupacken. Vielmehr hält er die
Geschichte relativ knapp und einfach und legt mehr Wert auf das Spiel
der Charaktere. Dadurch wirkt die Erzählung sehr dicht und
läuft nicht Gefahr, sich in vielen kleinen Einzelepisoden
totzulaufen. Das geschieht eigentlich nur am Ende, das mir dann doch
etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen war. So dicht die Handlung
im allgemeinen vorher war, am Ende geht mal wieder alles ratzfatz,
und alles ist vorbei. Wenigstens gibt's noch eine kleine Episode zum
Auslaufen, die über das gröbste hinweghilft.
Aber wenn man es mal genauer betrachtet, dann ist es meistens das
Ende, mit dem man sich am schwersten tut.
Fazit:
Ein wirklich guter Roman, den man gerne und mit viel Spaß
liest. Um aber einen "Terry Pratchett-Status" zu erlangen, fehlt noch
etwas eigene Originalität und Qualität, um zumindest am
Anfang für mehr Klasse zu sorgen.
12 Punkte
