Werner K. Giesa / Claudia Kern / Tobias Richter:

"Hagar Qim"

D 1997
(192 Seiten, Paperback mit Videokassette, Heel-Verlag Motion Books, ISBN 3-89365-598-0, EUR 20,-)
- erschienen: 1997 -

Yan Cardano ist ein unbedeutendes Mitglied an Bord der Sir Arthur. Diese ist eines der lebenden Schiffe, mit denen die Menschheit allmählich den Kosmos erobert hat. Auf einem Routineflug taucht auf einmal ein Schiff auf, das der Menschheit bisher unbekannt ist und die Sir Arthur attackiert. Yan kann das Schiff notlanden - was eigentlich ein Wunder ist, schließlich kommunizieren die Piloten mittels eins Interfaces mit dem Schiff. Und Yan gehört nicht zur Elite der Piloten.
Als Yan kurz darauf zur Erde zurückkommt, nehmen Rebellen mit ihm Kontakt auf. Die schöne Thanyan scheint mehr als nur reines Interesse an ihm zu haben. Kurze Zeit später findet sich Yan in einem Intrigenspiel wieder, in das die SIC - eine Art Geheimpolizei - und die Rebellen verstrickt sind. Das Ziel der Rebellen ist eine Forschungsstation unterhalb von Hagar Quim. Was ist der Sinn der Experimente, die die SIC dort unternimmt? Zu allem Überfluß scheinen auch noch die fremden Schiffe Kurs auf die Erde genommen zu haben - und anscheinend haben sie alles andere als friedliche Absichten.

Eigentlich ein faszinierendes Konzept - man kauft nicht nur den Roman, sondern zugleich ein Video, auf dem die Schlüsselstellen computeranimiert sind. Daß dieses Konzept nicht aufging - trotz der kürzlichen Ankündigung eines zweiten Bandes, der nun doch nicht erscheinen wird - ist zwar schade, aber nicht zu ändern. Vielleicht lag es auch an dem hohen Preis, rund 20 Euro für knapp 200 Seiten - nun, da gerät man als Käufer schon ins Grübeln. Übrigens ist der Roman die erste Zusammenarbeit der beiden Zamorra-Autoren - lange, bevor Claudia für Zamorra schrieb. Sozusagen eine Premiere der besonderen Art. ;-)
Widmen wir uns erstmal der Videokassette. Tobias Richters Computeranimationen sind durchaus eindrucksvoll. Leider sind sie nicht besonders lang, aber das schmälert das Vergnügen beim Ansehen keineswegs.
Kommen wir zum Roman. Werner K. Giesa und Claudia Kern haben eine solide SF-Welt entworfen, die in sich stimmig und logisch ist. Das Faszinierendste sind natürlich die lebenden Raumschiffe - sie sind mittlerweile Standard in der SF, aber 1997 dürften sie noch ziemlich einzigartig gewesen sein. Die Handlung ist natürlich sehr actionlastig, und es wimmelt geradezu von Personen, die mit schußbereiten Lasern durch die Gegend laufen.
Leider sind die Charaktere oftmals nur reine Klischees, die lediglich dazu da sind, die Handlung voranzutreiben. Sie besitzen keine Tiefe, obwohl zumindest bei Yan wenigstens der Versuch zu einer Hintergrundgeschichte vorhanden ist. Schade - genügend Möglichkeiten zur Charakterisierung bieten sich im Verlauf der Geschichte.
Da offenbar ein zweiter Band geplant ist, hat der Roman auch ein relativ offenes Ende, das den Leser aber zumindest nicht ganz unbefriedigt zurückläßt.
Lobend erwähnen muß man das Glossar am Ende des Romans, das alle Fachbegriffe erklärt und zudem die Raumschiffe ausführlich vorstellt. Ein nettes Gadget.

Fazit:
Grundsolide SF-Action-Handlung, bei der die Charaktere leider etwas vernachlässigt werden. Aufgewertet wird der Roman durch die Computeranimationen und das hervorragende Glossar.
10 Punkte

Christian Spließ


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