Yan Cardano
ist ein unbedeutendes Mitglied an Bord der Sir Arthur. Diese ist
eines der lebenden Schiffe, mit denen die Menschheit allmählich
den Kosmos erobert hat. Auf einem Routineflug taucht auf einmal ein
Schiff auf, das der Menschheit bisher unbekannt ist und die Sir
Arthur attackiert. Yan kann das Schiff notlanden - was eigentlich ein
Wunder ist, schließlich kommunizieren die Piloten mittels eins
Interfaces mit dem Schiff. Und Yan gehört nicht zur Elite der
Piloten.
Als Yan kurz darauf zur Erde zurückkommt, nehmen Rebellen mit
ihm Kontakt auf. Die schöne Thanyan scheint mehr als nur reines
Interesse an ihm zu haben. Kurze Zeit später findet sich Yan in
einem Intrigenspiel wieder, in das die SIC - eine Art Geheimpolizei -
und die Rebellen verstrickt sind. Das Ziel der Rebellen ist eine
Forschungsstation unterhalb von Hagar Quim. Was ist der Sinn der
Experimente, die die SIC dort unternimmt? Zu allem
Überfluß scheinen auch noch die fremden Schiffe Kurs auf
die Erde genommen zu haben - und anscheinend haben sie alles andere
als friedliche Absichten.
Eigentlich ein faszinierendes Konzept - man kauft nicht nur den
Roman, sondern zugleich ein Video, auf dem die Schlüsselstellen
computeranimiert sind. Daß dieses Konzept nicht aufging - trotz
der kürzlichen Ankündigung eines zweiten Bandes, der nun
doch nicht erscheinen wird - ist zwar schade, aber nicht zu
ändern. Vielleicht lag es auch an dem hohen Preis, rund 20 Euro
für knapp 200 Seiten - nun, da gerät man als Käufer
schon ins Grübeln. Übrigens ist der Roman die erste
Zusammenarbeit der beiden Zamorra-Autoren - lange, bevor Claudia
für Zamorra schrieb. Sozusagen eine Premiere der besonderen Art.
;-)
Widmen wir uns erstmal der Videokassette. Tobias Richters
Computeranimationen sind durchaus eindrucksvoll. Leider sind sie
nicht besonders lang, aber das schmälert das Vergnügen beim
Ansehen keineswegs.
Kommen wir zum Roman. Werner K. Giesa und Claudia Kern haben eine
solide SF-Welt entworfen, die in sich stimmig und logisch ist. Das
Faszinierendste sind natürlich die lebenden Raumschiffe - sie
sind mittlerweile Standard in der SF, aber 1997 dürften sie noch
ziemlich einzigartig gewesen sein. Die Handlung ist natürlich
sehr actionlastig, und es wimmelt geradezu von Personen, die mit
schußbereiten Lasern durch die Gegend laufen.
Leider sind die Charaktere oftmals nur reine Klischees, die lediglich
dazu da sind, die Handlung voranzutreiben. Sie besitzen keine Tiefe,
obwohl zumindest bei Yan wenigstens der Versuch zu einer
Hintergrundgeschichte vorhanden ist. Schade - genügend
Möglichkeiten zur Charakterisierung bieten sich im Verlauf der
Geschichte.
Da offenbar ein zweiter Band geplant ist, hat der Roman auch ein
relativ offenes Ende, das den Leser aber zumindest nicht ganz
unbefriedigt zurückläßt.
Lobend erwähnen muß man das Glossar am Ende des Romans,
das alle Fachbegriffe erklärt und zudem die Raumschiffe
ausführlich vorstellt. Ein nettes Gadget.
Fazit:
Grundsolide SF-Action-Handlung, bei der die Charaktere leider etwas
vernachlässigt werden. Aufgewertet wird der Roman durch die
Computeranimationen und das hervorragende Glossar.
10 Punkte