Zum
Inhalt:
Ihre Flucht aus dem Herzen der Hölle, vor Lord Licht und dem
Steinernen Licht, führt Merle, Junipa und den fliegenden
Obsidianlöwen Vermithrax nach Ägypten, mitten ins Herz des
Imperiums, das fast die gesamte Welt erobert hat. In ihrem Kampf
gegen den wiederauferstandenen Pharao finden sie einen
fragwürdigen Verbündeten: Seth. Doch sie sind sich nicht
sicher, ob sie dem obersten der Horus-Priester wirklich trauen
können - ist er doch einer der Hauptverantwortlichen für
die Wiederkunft des Pharaos und damit auch für den Krieg, der
seit Jahrzehnten die Welt überzieht. Doch Seth muß davon
ausgehen, daß sein "Versagen" in der Hölle den Tod aller
Horus-Priester zur Folge hatte. So zumindest hatte der Pharao es ihm
angekündigt.
Für Merle hingegen geht es nicht nur um die Rettung dieser Welt
und jenen hinter den Spiegeln, sondern auch darum, die Wahrheit
über ihre Eltern zu erfahren. Bei dieser Suche stößt
sie auf das Gläserne Wort...
Muß man es wirklich noch sagen? Eigentlich nicht - ich mach's
trotzdem:
"Das Gläserne Wort" ist ein großartiger Abschluß
für eine großartige Trilogie. Kai Meyer ist eine
hochgradig faszinierende Geschichte gelungen, die ihn wohl
endgültig in das Triumvirat der großen Jugendbuch-Autoren
der letzten Jahre beruft. Meyer, Pullman, Rowling (in alphabetischer
Reihenfolge... <eg>) - ein Triumvirat der phantastischen
Jugendliteratur, die auch von Erwachsenen praktisch verschlungen
wird. Das Werk dieser drei wird wohl auch noch in 50 Jahren gelesen
werden und dann als Klassiker der Jugendliteratur gelten.
Wobei bei Kai Meyer hervorzuheben ist, daß er lange nicht nur
Jugendliteratur schreibt. Die Merle-Trilogie sowie die Sieben
Siegel-Serie sind seine (bisher) einzigen Werke in dieser Richtung -
sein bisheriges Schaffenswerk weist deutlich mehr Romane für ein
etwas höheres Lesealter auf. Umso erstaunlicher ist es,
daß er phantastische Romane für Jugendliche schreibt, die
eine dermaßen hohe Qualität aufweisen, sowohl sprachlich
wie auch inhaltlich.
Nun aber genug der vielstrapazierten Vergleiche und Lobhudeleien
(<eg>), kommen wir zum Roman selber. Wobei es schwierig ist,
hierüber etwas zu sagen, ohne zuviel zu verraten, was ich
besonders in diesem Fall nun gar nicht möchte. Zumal reine
Anspielungen nur für diejenigen verständlich sein werden,
die die ersten beiden Romane bereits gelesen haben, und sich
dementsprechend diesen Roman sowieso zulegen - fast schon
gezwungenermaßen, denn der Suchtfaktor ist bei Kais Romanen
allgemein und bei dieser Trilogie im besonderen fast schon
übermächtig. Und mit dem "Gläsernen Wort" erfüllt
Kai Meyer die (sowieso schon sehr hochgesteckten) Erwartungen der
Leser vollkommen.
Er lernt nicht nur Merles Mutter kennen, erfährt die Geheimnisse
ihrer Geburt, sondern wird auch in die Zusammenhänge zwischen
den Welten eingeführt, die das Grundgerüst für die
Phantasiewelt Kai Meyers bilden. Hier präsentiert der Autor dem
Leser eigentlich alles: Spannung, Liebe, Tragik. Die drei
Grundbausteine eines jeden guten Romans verbindet Meyer über die
gesamte Trilogie gesehen zu einem hervorragenden Ganzen, das
Seinesgleichen sucht. Nicht nur in der phantastischen
Jugendliteratur, sondern auch in der Fantasy-Literatur im
allgemeinen.
Überraschend ist bei diesem Roman vor allem das Ende. Wenn der
Leser meint, er weiß, was auf ihn zukommt, ist er hier ziemlich
schief gewickelt. Kai Meyer bietet hier einige Überraschungen,
die auch der erfahrene Leser in dieser Art nicht erwartet hätte
- vor allem nicht in einem Jugendroman. Diese Tragik gegen Ende kommt
doch ziemlich unerwartet. Eine sehr schöne Wendung der
Geschehnisse - zumindest aus der Sicht des Lesers...
Da macht es dann auch nichts mehr aus, daß der Leser sich
fragt, wieso man beim Endkampf nicht den gleichen Weg im Angriff
genutzt hat, wie man ihn bei der Flucht verwendete. Aber hier kann
ich mir die Antwort auch selber geben: Eine schöne Action-Szene
wäre hinüber gewesen... <veg>
Wie auch immer, dies ist so ziemlich die einzige Erbse, die ich zum
Zählen hervorholen mußte - und, wie gesagt, sie stört
nun wirklich nur die Prinzessin auf derselben... Denn was Kai Meyer
hier geschaffen hat, ist zusammengenommen ein Werk der
Jugendliteratur, das seinesgleichen sucht. Was wohl auch der Autor
erkannt hat - nicht umsonst wird er sich am Ende eine Tür
für eine Fortsetzung offengelassen haben, auch wenn die Trilogie
eigentlich abgeschlossen ist. Doch dieses Ende schreit geradezu nach
dem ersten Band eines neuen Dreiteilers...
Fazit:
"Das Gläserne Wort" ist ein hervorragender Abschluß einer
ebenfalls hervorragenden Trilogie. Kai Meyer stellt wieder einmal
unter Beweis, daß er sich auch in der Jugendliteratur mehr als
nur behaupten kann. Wer Rowling oder Pullman mag, wird diese Trilogie
lieben. Fantasy für Jugendliche und gleichzeitig für
Erwachsene, sprachlich ausgefeilt, inhaltlich spannend. Sowas gibt es
selten.
15 Punkte.