Terry Pratchett:

"The Amazing Maurice and his Educated Rodents"

GB 2001
(269 S., Hardcover, ISBN 0-385-60123-9, 12,99 Pfund)
- erschienen: November 2001 -

Eine letzte Tour noch - dann wollen sich Maurice, der sprechende Kater, Keith, der angebliche Rattenfänger, sowie die sehr intelligenten sprechenden Ratten zur Ruhe setzen. Ihre Masche: Die intelligenten Ratten sorgen unter den Bewohnern der Stadt für Panik. Man ruft nach einem Rattenfänger - das ist dann Keith - und dieser führt die Ratten aus der Stadt. Daß alle unter einer Decke stecken, kriegen die Bewohner der Stadt natürlich nicht mit.
Das Städtchen Bad Blintz in Uberwald scheint für diese letzte Tour genau die richtige zu sein. Doch dummerweise scheint die Stadt schon seit längerem an einer Rattenplage zu leiden - aber warum hängen dann die örtlichen Rattenfänger falsche Rattenschwänze aus? Und warum gibt es so viele Fallen? Etwas ist faul in Bad Blintz, und schlimmer noch - auf Maurice und die Ratten wartet etwas, das es eigentlich gar nicht geben sollte...

Worin unterscheidet sich dieser Pratchett-Roman von den anderen? Vielleicht merkt man es nicht gleich auf den ersten Blick, aber "Maurice" ist der erste Band einer geplanten Discworld-Reihe, die extra für die jungen Leser geschrieben wird. Gegenüber den normalen Romanen unterscheidet sich dieser aber nur in der Tatsache, daß Pratchett hier ein leicht verständliches Englisch schreibt. Wer also schon immer mal einen Originalroman lesen wollte, bisher aber vor dem komplexen Englisch (* Oh, Pratchett ist da noch gar harmlos... Heike) zurückgeschreckt ist, sollte es mal mit diesem Roman probieren. Pratchett verzichtet zu Beginn auch auf die sonst übliche Aufsplitterung der Handlung in mehrere Ebenen. Er erzählt die Geschichte sehr geradlinig.
Trotz der Tatsache, daß dieser Band eindeutig für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde, ist es doch ein typischer Discworld-Roman. Das ist auch gut so. Es wäre sehr schade, wenn Pratchett nur wegen der neuen Zielgruppe die Discworld verniedlichen würde. Das tut er nicht.
Statt dessen macht er aus einer Randnotiz in einem seiner Romane - ich weiß jetzt leider nicht mehr genau, wo Maurice erwähnt wird - eine eigenständige Geschichte. Und wie so oft erweist sich Pratchett als jemand, der den Leser zum Nachdenken anregt. In diesem Fall fragt man sich, was eigentlich normal ist und was nicht - und wer die Maßstäbe dafür setzt.
Auf jeden Fall macht der Roman Spaß. Maurice ist als Hauptperson exzellent geschildert, und man nimmt ihm die Katze ebenso ab wie den menschlichen Teil in ihm. Und die Ratten erst - da gibt es neben einem Steptänzer den Anführer dieser Squad, die Fallen und Gifte entschärft - kurz, die Charaktere sind äußerst gelungen.
Ein richtiger Pratchett halt.
Amazon gibt als Lesealter für den Roman 9-12 an - was ich durchaus als realistisch einschätze. Wobei natürlich auch ältere Leser ihren Spaß an diesem Roman haben können. Sieht man an mir. ;-) (* Du bist einfach junggeblieben. ;-) Was aber nicht heißt, daß ich Dir nicht voll und ganz recht gebe. Heike)

Fazit:
Pratchett gelingt es erneut, eine lustige, aber dennoch nachdenklich machende Geschichte zu erzählen. Daß er darüber hinaus die Discworld nicht für das jüngere Lesepublikum verniedlicht hat, sondern sich selbst treu geblieben ist, ist überaus lobenswert.
Zielgruppenwertung: 15 Punkte
Erwachsenenwertung: 15 Punkte

Christian Spließ


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