Band 62: "Auf dem Gipfel der Welt"

Autor: Jo Zybell

Die Expedition des Weltrats hat mittlerweile die Gegend des ehemaligen Chicago erreicht. Auf der Reise dorthin gab es eine leichte Verzögerung: Einer der Clinton-Tauchpanzer brach in einen Fluß ein. Die Rettungsaktion kostet wertvolle Zeit.
Währenddessen zeigen sich Spannungen im Team. Dr. Jed Stuart verliebt sich in den Staff Sergeant Ncombe, womit Jazz Garrett nun gar nicht einverstanden ist. Das macht er dem Doktor auch recht deutlich klar. Daneben spinnt Doc Smythe, der allmählich in der Hierarchie aufgestiegen ist, mehr und mehr Intrigen. Nach und nach räumt er mißliebige Gegner aus dem Weg – es gipfelt darin, daß er Garrett in eine raffinierte Falle lockt. Es sieht so aus, als hätte bei seinem Versuch, Ncombe zu vergewaltigen, Garrett einen Mann ermordet. Daß das in Wirklichkeit Smythe war, der jetzt als Kronzeuge gegen ihn antritt, ist niemandem bekannt.
Die Expedition erreicht nach einem kleinen Zwischenfall in Chicago eine Art Lichtsäule, von der eine ungeheure sexuelle Anziehungskraft ausgeht. Fast jeder im Camp denkt nur noch an Sex – außer Smythe, der zusammen mit Jed, der ihm nicht ganz freiwillig hilft, an einem Gegenmittel arbeitet.
Dem Ruf der Lichtsäule ist einige Tage zuvor Louyos erlegen, der in eine untereisische Zivilisation gerät. Nachdem ihm Haar-, Haut- und Blutproben abgenommen wurden, ist er von der Großen Mutter angenommen worden – das Ziel seiner Wünsche, die geheimnisvolle Evesix, ist nah. Diese lockt ihn in den See, an dessen Grund ab und an ein grünes Leuchten aufflackert, und ehe er sich versieht, wird er von einem großen Ungeheuer in den See gezerrt. Etliche Minuten später taucht er als neuer Mensch wieder auf.
Als die Expedition näherkommt, wird der Eingang in die Zivilisation entdeckt. Für Smythe die Gelegenheit, Garrett loszuwerden, den er in einer Selbstmordmission hinunterschickt. Garrett vollzieht dieselben Rituale wie Loyous, wird jedoch anscheinend aufgrund des Gegenmittels verworfen. Es bleibt den restlichen Männern nichts anderes übrig, als zu versuchen, Garrett zu retten – was jedoch im Eifer des Gefechts nicht gelingt. Nachdem die Schlacht geschlagen wurde, findet Smythe heraus, daß ein Kometensplitter in das ehemalige wissenschaftliche Forschungszentrum Edmontons gebracht, und sein Einfluß veränderte die Wissenschaftler, die etliche Genexperimente vornahmen. Warum und wozu, das weiß Smythe auch nicht zu beantworten. Aber es ist ihm fast gelungen, sich an die Spitze der Expedition zu setzen.

Es wird aufgeräumt – wenn man so zynisch sein und das sagen darf. Der Tod von Garrett wird bestimt etliche Leserbriefe provozieren, aber meiner Meinung nach war die Entscheidung gut. Schließlich war Garrett ja der kongeniale Gegenspieler von Matt in Washington. Ohne ihn war er zwar immer noch recht bedrohlich, aber das Potential der Figur war seit längerem ausgereizt. Da tut eine Art Verjüngungskur doch richtig gut. (Sowas wünscht man sich mal des öfteren bei Perry, hüstel...)
Daß Smythe sich nach seinen Weg nach oben bahnen wird, das konnte man sich denken. Vermutlich werden er und Crow noch ein sehr reizendes Paar.
Ob die Episode rund um Chicago wirklich notwendig war – da passiert ja eigentlich nichts, was für die Handlung wirklich bedeutsam wäre – darüber läßt sich streiten. Meiner Meinung nach hätte man sie ruhig weglassen können. Die Sex-Szenen werden mal wieder den Schrei der Fans hervorrufen, die immer noch der Meinung sind, SF und Sex würden sich nicht vertragen. Wobei man sich mal fragen müßte, was eigentlich Astronauten so im Weltall treiben – ähem... (* Tja, keine Ahnung, warum die natürlichste Sache der Welt so tabuisiert wird... Heike)
Die Handlung selbst – zwiespältig läßt sie mich zurück. Einerseits ist der Aufstieg von Smythe natürlich recht nett zu lesen – na gut, bei Smythe von nett zu reden, ist etwas... seltsam – andererseits ist die Grundthematik des Romans doch schon etwas abgegriffen. Genmanipulationen aufgrund des Kometen sind wir schon des öfteren in der Serie begegnet. Noch ist nicht ganz klar, ob die Wesen – denen begegnet man im ersten Hardcover – gezieltes Terraforming vollführen oder ob es nur Experimente aus reiner Neugier sind. Warten wir ab, was uns da am Kratersee erwartet.

Fazit:
Nicht gerade einer von Jos Spitzenromanen – als Fan von Smythe wird man den Aufstieg des Herrn der Welt zwar recht vergnüglich finden, aber die Grundthematik des Bandes ist innerhalb der Serie schon etwas zu oft gebraucht worden.
7 Punkte

Christian Spließ

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