Band 2135: "Der Zeitbrunnen"

Autor: Horst Hoffmann

Horst Hoffmann kann ohne Zweifel gute Romane schreiben; dieser allerdings gehört nicht dazu. Vielleicht liegt es daran, daß Robert Feldhoffs Exposé einfach nicht mehr hergab, aber einen langweiligeren Roman als diesen habe ich in diesem Zyklus noch nicht gelesen – und das will etwas heißen.
Zunächst einmal sind die Personen bis zum letzten Drittel des Romans auf der Suche nach einander – Soner sucht den Statistiker, Sihame sucht Soner, Atlan sucht Sihame – alles nicht sonderlich aufregend. Dann, aus einem mir unerfindlichem Grund, beschließt Soner auf einmal, sich dem Gericht der Prinzenkrieger zu stellen. Hmm. Mal sehen – ich riegele einen ganzen Planeten ab, um mit einem Statistiker allein zu sein, und dann rufe ich aus heiterem Himmel, weil mir meine Liebste so rät, den Rat der Prinzenkrieger herbei, der mich vermutlich zum sicheren Tod verurteilen wird? Sorry, aber das ist für mich in höchstem Maße unglaubwürdig. Liebe mag ja bekanntlich über den Tod hinausreichen, und Soners und Sihames Beziehung ist vielleicht wirklich stark – aber ich nehme das dem Charakter dennoch nicht ab.
Was mich besonders gestört hat, sind die Füllszenen mit den Zeitbrunnen, die wohl einfach nur da sind, um den Roman auf die erforderliche Seitenzahl zu bringen – das Francis-Phänomen hat anscheinend auch auf Horst Hoffmann übergegriffen. Diese Szenen sind weder für die Handlung notwendig, noch scheinen sie irgendeinen Sinn zu haben. Darüber hinaus unterbrechen sie den Spannungsbogen, und sowas ist einfach ein sehr grober Fehler. Punkt. (Damit werde ich mir vermutlich jede Menge Hatemails zuziehen, aber egal...)
Der Spannungsbogen ist in diesem Roman sowieso kaum vorhanden. Da helfen selbst die gefährlichsten Szenen nichts – diese Handlung hat einfach keinen Moment, in dem mir der Atem weggeblieben wäre oder in dem ich mich gefragt habe, was wohl auf der nächsten Seite passiert. Ach ja – eine Mauer. Daß Sihame was passiert, ist unwahrscheinlich – richtig, das ist nur eine Holographie. Weiter im Text...
Daß die wichtigste Information mal wieder ganz am Ende des Romans versteckt ist – nun gut, damit kann man als Leser ja leben. Aber der Statistiker spielt die Rolle des Deus ex machina – eine Lösung, die schon bei den alten Griechen nicht immer unbedingt die Beste war, und dem langweiligen Roman tut sie auch nicht gut.

Fazit:
Kein Roman, den man unbedingt hätte lesen müssen – es genügt, die letzten Seiten aufzuschlagen, um informiert zu sein. Die Handlung ist langweilig, Spannung kommt gar nicht erst auf, und der Statistiker als Deus ex machina ist wirklich zum Gähnen.
2 Punkte

Christian Spließ

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