Dave
Lister ist nicht gerade jemand, der vom Glück gesegnet ist.
Nachdem er eine heftige Geburtstagsparty hinter sich hat, wacht er
eines Morgens auf Mimas auf, wo er seinen Lebensunterhalt damit
verbringt, Taxis zu klauen und Fahrgäste zu chauffieren.
Daß er dabei Arnold J. Rimmer kennenlernt, ist kein
glücklicher Zufall. Jedenfalls für Rimmer, denn beide
treffen sich kurze Zeit später auf dem Miningship Red Dwarf als
Zimmergenossen wieder - und können sich auf den Tod nicht
ausstehen. Dave hofft, an Bord der Red Dwarf schnellstmöglich
wieder zur Erde zu kommen.
Nach einer kurzen, aber heftigen Liebesaffäre läßt
sich Lister absichtlich dabei erwischen, wie er eine Katze an Bord
des Schiffes schmuggelt. Die Strafe folgt auf dem Fuß: Er wird
in ein Stasisfeld eingeschlossen. Daß kurze Zeit später
ein radioaktiver Unfall die gesamte Schiffsmannschaft auslöscht,
nun, damit hat er nicht gerechnet. Holly, der Schiffscomputer,
läßt Dave nach knapp drei Millionen Jahren aus der
Stasiskammer und erweckt durch die Hologramm-Technologie ausgerechnet
Rimmer wieder zum Leben. Vervollständigt wird die neue
Mannschaft noch durch Cat, ein Lebewesen, das sich aus Daves Katze
entwickelt hat, und den Androiden Kryten. Gemeinsam macht man sich
auf den Weg zurück zur Erde - nun, jedenfalls ist das so die
grobe Richtung...
Mit diesem Roman legen die beiden Drehbuchautoren der Serie Red Dwarf
das erste Buch zur gleichnamigen britischen SF-Comedy-Serie vor. Wenn
man den Begriff Red Dwarf noch nicht gehört hat, sollte man -
vorausgesetzt, man kann gut Englisch - schleunigst diese
Wissenslücke schließen. Diese britische Fernsehserie ist
schließlich das nonplusultra der gepflegten Unterhaltung. ;-)
(* Ehm, 'gepflegt' wohl eher weniger... aber mehr darf man dazu
nicht sagen. :-) Heike)
Der erste Roman zur Serie ist weit mehr als nur eine
Nacherzählung der Fernsehepisoden, genauer: der ersten beiden
sowie der letzten der ersten Staffel und der ersten der zweiten.
Vielmehr nehmen sich die beiden Drehbuchautoren, die für den
Roman das Pseudonym Grant Naylor gewählt haben, Zeit und
Muße, die Charaktere zu vertiefen. Das Buch schildert das
allererste Zusammentreffen von Rimmer und Lister und erklärt,
warum Hologramme auch nach dem Tod nicht so richtig glücklich
sein können. Der Roman ist komisch und läßt dennoch
die tragische Komponente nicht aus.
Die Komik rührt einerseits aus dem Zusammenspiel der Charaktere.
Rimmer und Lister können sich auf den Tod nicht ausstehen, und
die beiden sind derart unterschiedlich vom Benehmen her, daß
die Dialoge eine wahre Freude sind. Elegant verküpfen die
Autoren die Tragik mit der Komik beim Androiden Kryten -
schließlich sorgt der seit fast drei Millionen Jahren
aufopferungsvoll für seine ehemaligen Crewmitglieder - leider
bemerkt Kryten irgendwie nicht so recht, daß die schon seit
langem tot sind. Was einem das Lachen im Halse steckenbleiben
läßt. Auch gegen Ende, wenn sich fast die gesamte Crew in
einem sehr realistischen Computerspiel namens "Bigger than Life"
befindet, hat die Situation trotz aller Komik auch einen bitteren
Beigeschmack. Schließlich erfüllt sich in diesem Spiel -
das man in der Regel nicht lebend verläßt - jeder
Lebenstraum. Lister landet in einem Remake des Films "Ist das Leben
nicht schön?", während Rimmer eher seine extravagante Seite
auslebt. Dank Kryten kommen schließlich alle wieder halbwegs
aus der Situation heraus.
Der Roman steht durchaus auf eigenen Füßen. Man muß
nicht notwendigerweise die Originalfernsehfolgen kennen, um seinen
Spaß mit ihm zu haben. Dennoch hat der Roman etliche
Komponenten, die das Verständnis der Serie vertiefen
können. Man lernt die Zivilisation von Cat näher kennen,
ist einfach näher am Geschehen dran als bei der Serie. Was
natürlich damit zu tun hat, daß ein Roman wesentlich mehr
Zeit und Platz hat, um die Handlung auszubreiten, als eine rund
halbstündige Fernsehfolge.
Zudem sind etliche Ereignisse doch ein wenig anders als in der Serie.
Die Affäre mit Kristine Kochanski z. B. findet nur im Roman
statt - in der Serie hat Lister wohl ein Auge auf sie geworfen, aber
zu mehr ist es nicht gekommen. Im Roman haben beide eine einmonatige
Liebesaffäre. Auch das Schmuggeln der Katze Frankenstein wird in
der Fernsehfolge nicht näher erklärt. Daß Lister sie
gerade deswegen an Bord schmuggelte, um über seinen Liebeskummer
in der Stasis hinwegzukommen, ist durchaus einleuchtend.
Man mag also den Roman als gelungene Ergänzung zur TV-Serie
ansehen. Wofür man den beiden Autoren wirklich danken muß,
ist die fast 1:1-Übernahme der Dialoge aus den Fernsehfolgen.
Damit wird mancher Gag erst so richtig verständlich.
Fazit:
Für Red-Dwarf-Fans ist dieser Roman natürlich ein absolutes
Muß. Wer Douglas Adams' Romane mag, sollte hier mal einen Blick
riskieren. Typisch britischer Humor ist nicht für jeden
etwas.
15 Punkte