Grant Naylor:

"Infinity Welcomes Careful Drivers"

GB 1989
(304 Seiten, Taschenbuch, Penguin Books, ISBN 0-1401-2437-3, £ 5,99))
- erschienen: 1989 -

Dave Lister ist nicht gerade jemand, der vom Glück gesegnet ist. Nachdem er eine heftige Geburtstagsparty hinter sich hat, wacht er eines Morgens auf Mimas auf, wo er seinen Lebensunterhalt damit verbringt, Taxis zu klauen und Fahrgäste zu chauffieren. Daß er dabei Arnold J. Rimmer kennenlernt, ist kein glücklicher Zufall. Jedenfalls für Rimmer, denn beide treffen sich kurze Zeit später auf dem Miningship Red Dwarf als Zimmergenossen wieder - und können sich auf den Tod nicht ausstehen. Dave hofft, an Bord der Red Dwarf schnellstmöglich wieder zur Erde zu kommen.
Nach einer kurzen, aber heftigen Liebesaffäre läßt sich Lister absichtlich dabei erwischen, wie er eine Katze an Bord des Schiffes schmuggelt. Die Strafe folgt auf dem Fuß: Er wird in ein Stasisfeld eingeschlossen. Daß kurze Zeit später ein radioaktiver Unfall die gesamte Schiffsmannschaft auslöscht, nun, damit hat er nicht gerechnet. Holly, der Schiffscomputer, läßt Dave nach knapp drei Millionen Jahren aus der Stasiskammer und erweckt durch die Hologramm-Technologie ausgerechnet Rimmer wieder zum Leben. Vervollständigt wird die neue Mannschaft noch durch Cat, ein Lebewesen, das sich aus Daves Katze entwickelt hat, und den Androiden Kryten. Gemeinsam macht man sich auf den Weg zurück zur Erde - nun, jedenfalls ist das so die grobe Richtung...

Mit diesem Roman legen die beiden Drehbuchautoren der Serie Red Dwarf das erste Buch zur gleichnamigen britischen SF-Comedy-Serie vor. Wenn man den Begriff Red Dwarf noch nicht gehört hat, sollte man - vorausgesetzt, man kann gut Englisch - schleunigst diese Wissenslücke schließen. Diese britische Fernsehserie ist schließlich das nonplusultra der gepflegten Unterhaltung. ;-) (* Ehm, 'gepflegt' wohl eher weniger... aber mehr darf man dazu nicht sagen. :-) Heike)
Der erste Roman zur Serie ist weit mehr als nur eine Nacherzählung der Fernsehepisoden, genauer: der ersten beiden sowie der letzten der ersten Staffel und der ersten der zweiten. Vielmehr nehmen sich die beiden Drehbuchautoren, die für den Roman das Pseudonym Grant Naylor gewählt haben, Zeit und Muße, die Charaktere zu vertiefen. Das Buch schildert das allererste Zusammentreffen von Rimmer und Lister und erklärt, warum Hologramme auch nach dem Tod nicht so richtig glücklich sein können. Der Roman ist komisch und läßt dennoch die tragische Komponente nicht aus.
Die Komik rührt einerseits aus dem Zusammenspiel der Charaktere. Rimmer und Lister können sich auf den Tod nicht ausstehen, und die beiden sind derart unterschiedlich vom Benehmen her, daß die Dialoge eine wahre Freude sind. Elegant verküpfen die Autoren die Tragik mit der Komik beim Androiden Kryten - schließlich sorgt der seit fast drei Millionen Jahren aufopferungsvoll für seine ehemaligen Crewmitglieder - leider bemerkt Kryten irgendwie nicht so recht, daß die schon seit langem tot sind. Was einem das Lachen im Halse steckenbleiben läßt. Auch gegen Ende, wenn sich fast die gesamte Crew in einem sehr realistischen Computerspiel namens "Bigger than Life" befindet, hat die Situation trotz aller Komik auch einen bitteren Beigeschmack. Schließlich erfüllt sich in diesem Spiel - das man in der Regel nicht lebend verläßt - jeder Lebenstraum. Lister landet in einem Remake des Films "Ist das Leben nicht schön?", während Rimmer eher seine extravagante Seite auslebt. Dank Kryten kommen schließlich alle wieder halbwegs aus der Situation heraus.
Der Roman steht durchaus auf eigenen Füßen. Man muß nicht notwendigerweise die Originalfernsehfolgen kennen, um seinen Spaß mit ihm zu haben. Dennoch hat der Roman etliche Komponenten, die das Verständnis der Serie vertiefen können. Man lernt die Zivilisation von Cat näher kennen, ist einfach näher am Geschehen dran als bei der Serie. Was natürlich damit zu tun hat, daß ein Roman wesentlich mehr Zeit und Platz hat, um die Handlung auszubreiten, als eine rund halbstündige Fernsehfolge.
Zudem sind etliche Ereignisse doch ein wenig anders als in der Serie. Die Affäre mit Kristine Kochanski z. B. findet nur im Roman statt - in der Serie hat Lister wohl ein Auge auf sie geworfen, aber zu mehr ist es nicht gekommen. Im Roman haben beide eine einmonatige Liebesaffäre. Auch das Schmuggeln der Katze Frankenstein wird in der Fernsehfolge nicht näher erklärt. Daß Lister sie gerade deswegen an Bord schmuggelte, um über seinen Liebeskummer in der Stasis hinwegzukommen, ist durchaus einleuchtend.
Man mag also den Roman als gelungene Ergänzung zur TV-Serie ansehen. Wofür man den beiden Autoren wirklich danken muß, ist die fast 1:1-Übernahme der Dialoge aus den Fernsehfolgen. Damit wird mancher Gag erst so richtig verständlich.

Fazit:
Für Red-Dwarf-Fans ist dieser Roman natürlich ein absolutes Muß. Wer Douglas Adams' Romane mag, sollte hier mal einen Blick riskieren. Typisch britischer Humor ist nicht für jeden etwas.
15 Punkte

Christian Spließ


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