Martin Kay:

"Die Erleuchteten"

(Rettungskreuzer Ikarus - Band 11)
(100 Seiten, Taschenheft, Atlantis-Verlag, ISBN 3-936742-11-1, EUR 6,90)
- erschienen September 2002 -

Nach dem Zweiteiler von Dirk van den Boom, in welchem die Leser so einiges darüber erfahren haben, wie das Ikarus-Universum so tickt, geht es in dieser Folge mit einem "normalen" Einsatz weiter. Eine von einer Sekte betriebene Raumstation gerät in Not, und die Ikarus muß zur Hilfe eilen. Die Zeit wird knapp, weil einige der Sektenmitglieder in einem Teil der Station eingeschlossen sind und mit dem Tode ringen. Doch die Ikarus wird nicht mit offenen Armen empfangen...

Mit schöner Regelmäßigkeit geht es mit dieser Serie weiter, und wir wollen hier und heute mal festhalten, daß dies unter den Kleinverlagen des Phantastik-Genres leider nicht immer selbstverständlich ist. Die Serie "Rettungskreuzer Ikarus" hat sich damit inzwischen zu einer zuverlässigen, vierteljährlichen Konstante entwickelt.
Nach dem eher zentralen Zweiteiler geht es nun mit einer eher peripheren Handlung weiter, die zwar in Zukunft wohl noch eine Rolle spielen soll; der rote Faden der Serie wird in diesem Band aber zumindest nicht sichtbar weitergesponnen. Das heißt aber bei weitem nicht, daß dieser Band schlecht ist, im Gegenteil. Er unterhält mit einem angenehm hoch dosierten Tempo, welches durch den flüssigen Schreibstil des Autors unterstützt wird, und sorgt mit nicht übertrieben eingesetzten Action-Szenen durchaus für Kurzweil.
Der geneigte Rezensent muß allerdings gestehen, daß ihm solche Kirchen- und Sektengeschichten nicht so liegen, sei es, weil es davon schon zu viele gibt, sei es, weil sie handlungsmäßig immer nur das gleiche hergeben. Immerhin entpuppt sich das ganze, so viel sei schon einmal verraten, als eine hübsch gesponnene Intrige, die durchaus noch Potential für die Zukunft hat.
Unsere Helden sind diesmal wieder vereint und dürfen gemeinsam die Mission bestehen - und bis auf Thorpa hat auch jeder von ihnen einige gute Auftritte.
Als ein Novum der Serie wird auch erstmals eine Romanze zwischen dem Captain und der Bordingenieurin Sonja Di Mersi geschildert, und diese kurzen Szenen gehören mit zu den unterhaltsamsten des ganzen Bandes; sie sind einfach hübsch geschrieben. Eine höchst angenehme und begrüßenswerte neue Komponente in der Serie (von Jason und Shilla mal abgesehen).
Das Titelbild von Klaus G. Schimanski sei auch diesmal wieder erwähnt; insbesondere die Rückseite mit einer sehr detaillierten Raumstation ist hervorragend gelungen.
Abschließend sei angemerkt, daß - wie es inzwischen gute Tradition in der Serie ist - wieder jemand aus dem Bekanntenkreis der Ikarus-Macher in diesem Band seinen Tod findet. Diesmal hat es einen von mir geschätzten FLASH-Kollegen und Co-Rezensenten getroffen, und ich bin schon gespannt darauf, was er hierzu schreiben wird. Zumindest kann er aufatmen: Richtig schlimm erwischt hat es ihn nicht. ;-) (* Wie kannst Du das sagen: Es hat ihn nicht schlimm erwischt, aber er ist tot? So nach dem Motto, man hört Dr. McCoy sagen: ›He's dead again, Jim!‹ Oder wie? Das erinnert mich jetzt daran, daß ein Deutscher sagen würde: ›Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos‹, ein Österreicher dagegen: ›Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.‹ ;-) Oder so. :-))) Heike)

Fazit:
Sehr routiniert und flüssig erzählt und somit eine unterhaltsame Lektüre, auch wenn mir persönlich das Thema nicht so liegt. Nichtsdestotrotz: Die Seiten vergehen wie im Flug - und das muß ein Autor erst einmal schaffen.
10 Punkte.

Oliver Naujoks


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