Ruhig und
friedlich ist bisher das Leben in der Abtei Redwall verlaufen. Da
taucht eines Tages Cluny, die Geißel, vor den Toren auf. Und
mit ihm eine ganze Armee von riesigen Ratten. Sein Ziel ist klar: Er
will die Abtei erobern. Zwar können die Mäuse unter der
Leitung von Abt Mortimer und dem jungen Matthias den ersten Ansturm
zurückschlagen, doch Cluny gibt sich nicht so leicht
geschlagen.
Matthias wird klar, daß er eine Aufgabe zu erfüllen hat:
Er muß das Schwert von Martin dem Krieger finden und Cluny
damit endgültig vernichten. Aber wo ist das Schwert zu finden?
Alles, was Matthias an Hinweisen hat, ist ein uraltes Rätsel.
Eile ist geboten, denn Cluny heckt einen fiesen Plan aus, mit dem es
ihm möglicherweise spielend gelingt, die Abtei in seine Gewalt
zu bringen...
Mit "Redwall - Sturm auf die Abtei" legt Brian Jacques den Grundstein
seiner Saga für Kinder und junge Erwachsene. Dabei ist dieser
Band eigentlich ein Sammelband, denn die einzelnen drei Bücher,
die hier zusammengefaßt sind, sind wohl zuerst als
Taschenbücher erschienen. Wer zudem mit Redwall den Kinderkanal
verbindet (* ...der inzwischen übrigens KIKA heißt...
;-) Heike), liegt gar nicht so falsch: Im Herbst wurde die Saga
recht erfolgreich als Zeichentrickserie adaptiert.
Wenn ich ein Gütesiegel für Romane vergeben kann, dann das,
daß ich den Roman nicht aus der Hand legen konnte, nachdem ich
mit dem Lesen anfing. Und genau das ist mir mit diesem passiert. Nun
gut, zuerst hat braucht man einige Seiten, um sich
einzugewöhnen. Vermenschlichte Tiere als Handlungspersonen sind
nicht jedermanns Sache. Aber nach einer Weile vergißt man
rasch, daß die Charaktere keine Menschen sind. Die Handlung
selbst ist natürlich auch schon mal dagewesen: Große
Übermacht belagert kleines Häuflein.
Dennoch, das Lesen des Romans macht Spaß. Einerseits, weil
Jacques sehr lebendig und anschaulich erzählt, andererseits,
weil man sich immer wieder fragt, welchen Plan Cluny den jetzt wieder
entwickelt, um die Abtei zu erstürmen. Daß die Ratte
natürlich böse, fies und überaus gemein ist, versteht
sich von selbst. ;-) (* Was viele nicht wahrhaben wollen, ist
einfach nur, daß Ratten anscheinend lernfähiger sind, als
uns lieb sein kann - aber echte Intelligenz möchte ich ihnen
denn doch nicht unterstellen müssen... Heike)
Und die Entwicklung des Mäuserichs Matthias von
schüchternen Novizen, der ständig über seine Sandalen
stolpert, bis zum Krieger, der die Nachfolge des legendären
Martin antritt - auch das trägt zum Lesevergnügen bei.
Zugegeben, ab und an sind leichte Längen da, und es gibt einige
Szenen, die in den Augen des erwachsenen Lesers überflüssig
sind. Die Suche nach Martins Schwert hätte man vielleicht etwas
abkürzen können. Oder die Episoden mit den Spitzmäusen
- nun gut, als Erwachsener kann man ja über diese kleineren
Mängel hinweglesen. Jacques verpaßt den Maulwürfen
dann auch noch einen recht eigenartigen Dialekt - liest sich, als
hätte jemand versucht, Bayrisch Wort für Wort zu
transkribieren - na gut. Vermutlich hat hier die Übersetzerin
das Beste aus der Vorlage gemacht (* Das Bayrische wurde dann auch
in die Zeichentrick-Serie übernommen. Winy). Die eigentliche
Zielgruppe, Jugendliche ab 12/13 Jahre, wird diesen Kleinigkeiten
vermutlich gar keine Bedeutung beimessen.
Und bevor ich es vergesse: Der Roman ist sehr schön illustriert.
Es gibt nicht nur eine farbige Karte von der Welt Redwalls, sondern
auch zu Anfang jedes Kapitels eine kleine Zeichnung, die die
Hauptfiguren darstellt. Mit Michaela Helms als Illustratorin hat man
es gut getroffen.
Fazit:
Redwall ist spannend, fesselnd und überaus flüssig
geschrieben. Die eine oder andere Länge nimmt man da gerne in
Kauf.
Zielgruppenwertung: 12 Punkte
Erwachsenenwertung: 8 Punkte