Brian Jacques:

"Redwall - Der Sturm auf die Abtei"

Ü: Bettina Lifke
GB 1986
(444 Seiten, Hardcover, Thienemann, ISBN 3-522-17140-3, EUR 17,-)
- erschienen: 1998 -

Ruhig und friedlich ist bisher das Leben in der Abtei Redwall verlaufen. Da taucht eines Tages Cluny, die Geißel, vor den Toren auf. Und mit ihm eine ganze Armee von riesigen Ratten. Sein Ziel ist klar: Er will die Abtei erobern. Zwar können die Mäuse unter der Leitung von Abt Mortimer und dem jungen Matthias den ersten Ansturm zurückschlagen, doch Cluny gibt sich nicht so leicht geschlagen.
Matthias wird klar, daß er eine Aufgabe zu erfüllen hat: Er muß das Schwert von Martin dem Krieger finden und Cluny damit endgültig vernichten. Aber wo ist das Schwert zu finden? Alles, was Matthias an Hinweisen hat, ist ein uraltes Rätsel. Eile ist geboten, denn Cluny heckt einen fiesen Plan aus, mit dem es ihm möglicherweise spielend gelingt, die Abtei in seine Gewalt zu bringen...

Mit "Redwall - Sturm auf die Abtei" legt Brian Jacques den Grundstein seiner Saga für Kinder und junge Erwachsene. Dabei ist dieser Band eigentlich ein Sammelband, denn die einzelnen drei Bücher, die hier zusammengefaßt sind, sind wohl zuerst als Taschenbücher erschienen. Wer zudem mit Redwall den Kinderkanal verbindet (* ...der inzwischen übrigens KIKA heißt... ;-) Heike), liegt gar nicht so falsch: Im Herbst wurde die Saga recht erfolgreich als Zeichentrickserie adaptiert.
Wenn ich ein Gütesiegel für Romane vergeben kann, dann das, daß ich den Roman nicht aus der Hand legen konnte, nachdem ich mit dem Lesen anfing. Und genau das ist mir mit diesem passiert. Nun gut, zuerst hat braucht man einige Seiten, um sich einzugewöhnen. Vermenschlichte Tiere als Handlungspersonen sind nicht jedermanns Sache. Aber nach einer Weile vergißt man rasch, daß die Charaktere keine Menschen sind. Die Handlung selbst ist natürlich auch schon mal dagewesen: Große Übermacht belagert kleines Häuflein.
Dennoch, das Lesen des Romans macht Spaß. Einerseits, weil Jacques sehr lebendig und anschaulich erzählt, andererseits, weil man sich immer wieder fragt, welchen Plan Cluny den jetzt wieder entwickelt, um die Abtei zu erstürmen. Daß die Ratte natürlich böse, fies und überaus gemein ist, versteht sich von selbst. ;-) (* Was viele nicht wahrhaben wollen, ist einfach nur, daß Ratten anscheinend lernfähiger sind, als uns lieb sein kann - aber echte Intelligenz möchte ich ihnen denn doch nicht unterstellen müssen... Heike)
Und die Entwicklung des Mäuserichs Matthias von schüchternen Novizen, der ständig über seine Sandalen stolpert, bis zum Krieger, der die Nachfolge des legendären Martin antritt - auch das trägt zum Lesevergnügen bei.
Zugegeben, ab und an sind leichte Längen da, und es gibt einige Szenen, die in den Augen des erwachsenen Lesers überflüssig sind. Die Suche nach Martins Schwert hätte man vielleicht etwas abkürzen können. Oder die Episoden mit den Spitzmäusen - nun gut, als Erwachsener kann man ja über diese kleineren Mängel hinweglesen. Jacques verpaßt den Maulwürfen dann auch noch einen recht eigenartigen Dialekt - liest sich, als hätte jemand versucht, Bayrisch Wort für Wort zu transkribieren - na gut. Vermutlich hat hier die Übersetzerin das Beste aus der Vorlage gemacht (* Das Bayrische wurde dann auch in die Zeichentrick-Serie übernommen. Winy). Die eigentliche Zielgruppe, Jugendliche ab 12/13 Jahre, wird diesen Kleinigkeiten vermutlich gar keine Bedeutung beimessen.
Und bevor ich es vergesse: Der Roman ist sehr schön illustriert. Es gibt nicht nur eine farbige Karte von der Welt Redwalls, sondern auch zu Anfang jedes Kapitels eine kleine Zeichnung, die die Hauptfiguren darstellt. Mit Michaela Helms als Illustratorin hat man es gut getroffen.

Fazit:
Redwall ist spannend, fesselnd und überaus flüssig geschrieben. Die eine oder andere Länge nimmt man da gerne in Kauf.
Zielgruppenwertung: 12 Punkte
Erwachsenenwertung: 8 Punkte

Christian Spließ


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